{"id":1018,"date":"2020-06-30T12:41:55","date_gmt":"2020-06-30T10:41:55","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1018"},"modified":"2020-06-30T12:41:57","modified_gmt":"2020-06-30T10:41:57","slug":"das-system-toennies-ist-das-system-kapital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1018","title":{"rendered":"Das System T\u00f6nnies ist das System Kapital"},"content":{"rendered":"\n<h2>Fragen und Antworten<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Am 26. Juni 2020 verk\u00fcndete die Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner auf einem \u201eFleisch-Gipfel\u201c die \u201eFleisch-Wende\u201c. Der Milliard\u00e4r Clemens T\u00f6nnies Clemens war per Video zugeschaltet. F\u00fcr Kl\u00f6ckner gibt es \u201ekeinen Weg mehr zur\u00fcck\u201c. Das klingt so, als ob die Politik jetzt durchgreife, eben eine echte \u201eWende\u201c hinlege.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Erneut bewegt sich das, was die Bundesregierung zum T\u00f6nnies- und Fleischwirtschafts-Skandal sagt, weitgehend auf einer falschen Ebene. Man will beim Verbraucher mit einer \u201eTierwohl-Abgabe\u201c ansetzen. Da folgert dann Bild (26.6.): \u201eFleisch und tierische Produkte k\u00f6nnten schon bald teurer werden. [\u2026] Denkbar w\u00e4ren \u00fcber eine Verbrauchsteuer Aufschl\u00e4ge von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch und Wurst, 2 Cent pro Kilo f\u00fcr Milch und Frischmilchprodukte.\u201c Dazu werde, so Kl\u00f6ckner, auch \u201eder Staat Geld in die Hand nehmen\u201c, um den \u201etiergerechten Umbau der Stallungen\u201c mitzufinanzieren. Kann man Kerker artgerecht gestalten? Vor allem aber hei\u00dft das: Die Verantwortung f\u00fcr all die Schweinereien wird bei den Discountern angesiedelt. Die soeben verk\u00fcndete Mehrwertsteuersenkung soll durch eine neue Verbrauchersteuer kassiert werden. Dabei sind die Fleischkonzerne hochprofitabel. Sie m\u00fcssen zur Kasse gebeten werden. Das \u201eSystem T\u00f6nnies\u201c in den Schlachtereien und Fleischzerlege-Betrieben ist die eigentliche Schweinerei: Seit Jahren fordern Gewerkschaften, kirchliche Vertreter und Tiersch\u00fctzer, dass das System der Werkvertr\u00e4ge umgehend beendet werden muss. Das Versprechen, das werde ab dem 1. Januar 2021 so sein, ist vage. Der Verweis, es gebe \u201ein B\u00e4lde einen Gesetzesentwurf\u201c ist billig. Vor allem zeichnen sich l\u00e4ngst die neuen Wege zur Umgehung und zum fortgesetzten Lohndumping ab. Dann wird es \u201eArbeitsvertr\u00e4ge mit sachgrundloser Befristung\u201c geben. Es geht T\u00f6nnies &amp; Co. vor allem darum, Betriebsr\u00e4te und gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern. Laschet (MP), Laumann (Arbeitsminister NRW) und Heil (Arbeitsminister Bund) h\u00e4tten l\u00e4ngst auch ohne neues Gesetz aktiv werden k\u00f6nnen. Elmar Wigand vom der aktion gegen arbeitsunrecht: \u201eEin kurzer Blick in das Arbeitnehmer\u00fcberlassungsgesetz (A\u00dcG) [\u2026] reicht, um festzustellen, dass hier Schein-Werkvertr\u00e4ge vo rliegen. Illegale Arbeitnehmer\u00fcberlassung mit weitreichenden Folgen f\u00fcr die Sozialkassen. [\u2026] So spricht T\u00f6nnies stets gener\u00f6s von \u00b4meinen Arbeitern\u00b4 und heuchelt Multikulti-Harmonie.\u201c (UZ vom 29.5.2020).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Clemens T\u00f6nnies selbst hat zugesagt, dass es nun einen \u201eabsoluten Neuanfang in der Branche geben\u201c w\u00fcrde \u2013 mit T\u00f6nnies als Vorreiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antwort<\/strong>: Dass der Boss der Fleischbranche in dieser Krise von einem Neuanfang spricht, liegt nahe. Jeder PR-Stratege wird ihm dies nahelegen. Es spricht aber alles dagegen, dass irgendeine Art Neuanfang von der Fleischbranche im Allgemeinen und von T\u00f6nnies im Besonderen ausgeht. Peter Kossen, katholischer Pfarrer in Lengerich, der sich seit Jahren f\u00fcr die Belange der geschundenen Fleischarbeiter einsetzt: \u201eSie k\u00f6nnen mit der Mafia keine Vertr\u00e4ge schlie\u00dfen. Sie k\u00f6nnen die Mafia nicht mit der Mafia bek\u00e4mpfen.\u201c Das Fleisch-Business ist nicht nur brutal. Diese Brutalit\u00e4t ist systemimmanent und die Voraussetzung daf\u00fcr, dass das Gesch\u00e4ft hochprofitabel ist \u2013 nicht zuletzt auf Basis von erpressten niedrigen Preisen des zugelieferten tierischen Schlachtmaterials und der Dumping-L\u00f6hne f\u00fcr das zugelieferte Ausbeutungspotential. Zehn Konzerne kontrollieren 50 Prozent des gesamten Marktes. Marktf\u00fchrer T\u00f6nnies allein kontrolliert mit seinem Konze rn, der 16.500 Menschen besch\u00e4ftigt, 30 Prozent im Bereich Schweine und 20 Prozent beim \u201eRest\u201c. Jahresumsatz 2019: 7,3 Milliarden Euro. Clemens T\u00f6nnies privates Verm\u00f6gen wird auf 2,3 Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt; das der (zerstrittenen) Familie auf mehr als das Doppelte. Der Mann ist bestens vernetzt, nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04. Er ist auch eng mit der NRW-CDU und er war auch gut mit Landrat Sven-Georg Adenauer verbandelt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn diese Herren nun auf Distanz zum Obersten Schweinepriester gehen, dann tun sie dies nur aus Selbstschutz und weil der Skandal derzeit allzu gro\u00df wurde. Der erw\u00e4hnte Landrat Sven-Georg Adenauer spricht davon, dass er \u201ejedes Vertrauen in T\u00f6nnies verloren\u201c habe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antwort;<\/strong> Das stimmt m\u00f6glicherweise. T\u00f6nnies geht t\u00e4glich \u00fcber Zehntausende Tier-Leichen. Er nimmt auch politische Leichen in Kauf. Landrat Adenauer verk\u00fcndet auf seiner Website, dass seit seinem ersten Antritt als Landrat im Jahr 1999 \u201edie Erwerbsquote\u201c im Kreis G\u00fctersloh \u201evon 37 auf 47 Prozent gestiegen\u201c sei. Das ist nat\u00fcrlich auch ein Resultat der Expansion von T\u00f6nnies mit seinem Dumping-Lohn-System. Landrat Adenauer sitzt nach eigenen Angaben in 53 Gremien und kassierte im vergangenen Jahr daf\u00fcr an Nebeneinnahmen 85.777 Euro. Der Mann ist ein echter Netzwerker. Noch am Beginn der Corona-Krise lie\u00df er auf seiner Website mitteilen (so am 26.6.2020 dort nachlesbar): In dieser Krise komme ihm und dem Kreis \u201edie Aufgabe zu, eine Erm\u00f6glichungs- und keine Verhinderungsbeh\u00f6rde zu sein.\u201c Es ist genau dieses Laissez-faire, das zu der Explosion der Corona-Infektionen beitrug.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Landwirtschaftsministerin sprach am 26. Juni von \u201eethisch begr\u00fcndeten Preisen f\u00fcr Fleisch\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antwort <\/strong>Es geht vor allem um die Fleisch-Kultur. Beim Umgang der Fleischbosse mit der Tierwelt im Rahmen der Massentierhaltung kommt eine grunds\u00e4tzliche Kultur der Verachtung von Leben zum Ausdruck. Die Welt der Fleisch-Branche ist vom Fleisch-Kult gepr\u00e4gt. Clemens T\u00f6nnies sagt: \u201eIch esse jeden Tag mein St\u00fcck Fleisch\u201c. Das sei \u201egerade in Corona-Zeiten zur St\u00e4rkung der Immunabwehr wichtig.\u201c (Tagesspiegel 20.6.2020). Landrat Adenauer sagt, als \u201eHenkersmahlzeit\u201c w\u00fcnsche er sich \u201e400 g Rumpsteak (medium) mit Speckbohnen und Kr\u00e4uterbutter\u201c (Website). Es ist davon auszugehen, dass die hohen Herren sich dabei eher kein T\u00f6nnies-Fleisch g\u00f6nnen, wie es aktuell bei Aldi als \u201eSchweineschnitzel zu 4,99 Euro in der 800 Gramm-XXL-Packung\u201c (also 62,3 Cent je 100 Gramm) angeboten wird. Sie verzichten auch eher darauf, bei Netto zuzulangen, wo es \u201eSchweine-Nacken-Kammsteaks in der 600 Gramm-Packung, mariniert in K\u00f6stritzer Schwarzbier, zu 3,19 Euro\u201c, also 100 Gramm zu 53,2 Cent, gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Fleisch-Kultur paart sich mit Rassismus. Auf dem Handwerkertag im August 2019 wetterte Clemens T\u00f6nnies gegen h\u00f6here Steuern wegen des Klimawandels und forderte stattdessen den \u201eBau von Kraftwerken in Afrika\u201c. Dann \u201ew\u00fcrden die Afrikaner aufh\u00f6ren, B\u00e4ume zu f\u00e4llen, und sie h\u00f6ren auf, wenn es dunkel ist, Kinder zu produzieren.\u201c (S\u00fcddeutsche Zeitung vom 27.6.2020) Als Armin Laschet, Ministerpr\u00e4sident des Landes NRW, zum ersten Mal auf den Corona-Ausbruch bei den T\u00f6nnies-Betrieben in Rheda-Wiedenbr\u00fcck angesprochen und gefragt wurde, was das zum Thema Lockerung, die ja von ihm so massiv vorangetrieben wird, bedeute, antwortete er: \u201eDas sagt dar\u00fcber \u00fcberhaupt nichts aus, weil Rum\u00e4nen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt.\u201c (wdr-nachrichten, 19.6.2020). Erneut Rassismus pur. Tats\u00e4chlich spricht fast alles daf\u00fcr, dass das Virus bei den T\u00f6nnies-Betrieben und damit seinen Ursprung in Deutschland hatte. Auf alle F\u00e4lle konnte die extreme Verbreitung nur auf Basis der Verh\u00e4ltnisse in den T\u00f6nnies-Schlacht- und Zerlegebetrieben (Arbeit ohne Abstand, nur 4-8 Grad Celsius, die Luft getr\u00e4nkt mit Fl\u00fcssigkeiten, teilweise mit Blut) erfolgen. Es gab z.B. in ganz Bulgarien bis zum 26. Juni gerade mal 211 Corona-Tote. Rechnet man das auf Deutschland um, dann entspricht das rund 2500 Corona-Toten. Tats\u00e4chlich gab es hierzulande bislang knapp 9000 Corona-Tote. Die Corona-Infektionen in Bulgarien und Rum\u00e4nien sind wesentlich geringer als in Deutschland. Eher trifft das Umgekehrte zu: Menschen, die sich in Deutschland bei T\u00f6nnies mit dem Virus infizierten, fl\u00fcchten zur\u00fcck in ihre Heimatl\u00e4nder und tragen dazu bei, dass es dort zu neuen Corona-Ausbr\u00fcchen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch daf\u00fcr tr\u00e4gt die deutsche Seite die Hauptverantwortung. Der Rassismus, der den osteurop\u00e4ischen T\u00f6nnies-Besch\u00e4ftigten in Deutschland entgegenschl\u00e4gt und der Einsatz von Bundeswehr (!) zur Durchsetzung der Quarant\u00e4ne trugen erheblich dazu bei, dass Dutzende T\u00f6nnies-Besch\u00e4ftigte in ihren Wohnorten im Umland von G\u00fctersloh erst gar nicht aufzufinden waren, dass diese sich versteckten und dass sie den Weg in die Heimat antraten. (Siehe ausf\u00fchrlich auch Werner R\u00fcgemer auf Seite 6).<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst erschienen in <a href=\"https:\/\/www.info-faktencheck.de\/wordpress\/2020\/06\/30\/das-system-toennies-ist-das-system-kapital\/\">FaktenCheck:CORONA Nr. 2<\/a><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragen und Antworten Am 26. Juni 2020 verk\u00fcndete die Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner auf einem \u201eFleisch-Gipfel\u201c die \u201eFleisch-Wende\u201c. Der Milliard\u00e4r Clemens T\u00f6nnies Clemens war per Video zugeschaltet. 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