{"id":1120,"date":"2017-11-01T21:48:00","date_gmt":"2017-11-01T20:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1120"},"modified":"2020-08-27T08:58:16","modified_gmt":"2020-08-27T06:58:16","slug":"billigfliegerei-ihr-zustandekommen-ihre-lobby-ihr-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1120","title":{"rendered":"Billigfliegerei: ihr Zustandekommen &#8211; ihre Lobby \u2013 ihr Preis"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Mit der\nBilligfliegerei sei der Flugverkehr demokratisiert worden. So lautet\ndie g\u00e4ngige These. Genauso gut k\u00f6nnte man behaupten (und wurde\nbehauptet), mit der Guillotine sei das Sterben eine humane\nAngelegenheit geworden. Tats\u00e4chlich stellt der massenhafte\nFlugverkehr einen wesentlichen Beitrag zur Klimazerst\u00f6rung \u2013 und\ndamit unter anderem zur Bedrohung der Gesundheit von Milliarden\nMenschen und letzten Endes zur Infragestellung des \u00dcberlebens\nmenschlicher Existenz auf dem Planeten Erde \u2013 dar. Im folgenden\nBeitrag analysiert WW die unterschiedlichen Faktoren, die zur\nBilligfliegerei beitrugen und bilanziert die umfassende\nSubventionierung, die diese zerst\u00f6rerische Form der Mobilit\u00e4t erst\nerm\u00f6glichen. Und dies am Beispiel des dann Pleite gegangenen\nBilligfliegers Air Berlin.<strong> Weiterlesen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Flugbranche ist der am\nschnellsten wachsende Zweig im gesamten Bereich des motorisierten\nPersonenverkehrs. Rund alle 15 Jahre kommt es zur Verdopplung des\nWeltflugverkehrs. Es handelt sich zugleich um diejenige Verkehrsart,\ndie am st\u00e4rksten zur Klimaerw\u00e4rmung beitr\u00e4gt. Der st\u00e4rkste\nTreiber im Weltflugverkehr sind die Billigairlines. Und es ist eine\nWeltverkehrspolitik im Allgemeinen und eine deutsche Verkehrspolitik\nim Besonderen, die die F\u00f6rderung dieser Verkehrsart mit Milliarden\nEuro an Steuergeldern im Jahr betreibt. Air Berlin spielte eine\nwichtige Rolle bei dieser Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Allseits wird die Pleite von Air Berlin bedauert. Die Umst\u00e4nde der Insolvenz werden angeprangert. Ein \u201edrohendes Monopol\u201c wird beklagt. Ist es aber nicht so, dass der wirkliche Skandal die noch bestehenden Billigairlines und die gesamte Branche der Billigfliegerei ist? Dass es eine enge, korrumpierende Vernetzung des Flugverkehrs mit der Politik gibt?<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind vor allem f\u00fcnf\nFaktoren, die den j\u00fcngeren Erfolg des Flugverkehrs im Allgemeinen\nund den der Billigairlines im Besonderen bewirkten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens die Trennung\nvon Infrastruktur und Betrieb.<\/strong> Indem die\nAirports und Landebahnen getrennt von den Airlines existieren, kann\ndas Grundprinzip im Kapitalismus, Vergesellschaftung von Verlusten\nund eine Privatisierung der Gewinne, ideal umgesetzt werden. Die mehr\nals hundert gro\u00dfen Airports und die rund 1000 Regionalairports in\nEuropa sind in der Gesamtbilanz massiv defizit\u00e4r. Das gilt auch\ndann, wenn man nur die direkten Kosten als Ma\u00dfstab nimmt und externe\nKosten ausklammert. Sie werden durch Steuermilliarden am Leben\nerhalten. Dass einmal ein Airport pleitegehen w\u00fcrde, hat man eher\nselten geh\u00f6rt. Dabei w\u00e4re dies mindestens ebenso naheliegend wie\nder Air Berlin-Crash-Flug. Die Nicht-Er\u00f6ffnung des Berliner\nGro\u00dfflughafens BER gilt zwar als Running Gag. Doch die Tatsache,\ndass die Steuerzahler f\u00fcr diese Airport-Brache t\u00e4glich mehrere\nMillionen Euro zu bezahlen haben, wird \u2013 falls dar\u00fcber \u00fcberhaupt\nberichtet wird \u2013 als notwendiges \u00dcbel angesehen. Das\nmarktwirtschaftliche Prinzip, dass sich im Kapitalismus alles \nrechnen m\u00fcsse, wurde hier (und andernorts im Weltflugverkehr) au\u00dfer\nKraft gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens die direkte\nSubventionierung im Flugzeugbau und -betrieb.<\/strong>\nDer Flugverkehr ist die am st\u00e4rkste subventionierte Verkehrsbranche\n\u00fcberhaupt. Das beginnt bei dem Bau von Flugzeugen \u2013 die vier\ngro\u00dfen westlichen Flugzeughersteller Boeing (USA), EADS\/Airbus\n(Frankreich-Deutschland), Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien)\nerhalten in gro\u00dfem Ma\u00dfstab staatliche Finanzhilfen \u2013 bei\nEADS\/Airbus und Boeing auch auf dem Umweg \u00fcber den milit\u00e4rischen\nZweig des Business. Die 5 Milliarden Euro teure Entwicklung des\nAirbus-Modells A380 wurde zu gut 50 Prozent \u00fcber staatliche Gelder\naus Paris und Berlin bezahlt. Das Gro\u00dfflugzeug erweist sich, wie von\nExperten, aber auch von der Boeing-Konkurrenz, vorhergesagt, als\nPleite-Modell. Doch dies hat keinerlei ernstere Konsequenzen f\u00fcr den\nHersteller Airbus. Obgleich offensichtlich, dass das Flugzeug niemals\nprofitabel eingesetzt werden kann, wird es weiter gebaut. Das setzt\nsich fort \u00fcber die Airlines, von denen ein gro\u00dfer Teil mit\nMilliarden Euro und US-Dollar \u00fcber Wasser gehalten wird\n(hervorgehobene Beispiele sind Alitalia und die Golf-Airlines). Und\ndies endet bei der weltweit verordneten Steuerfreiheit von Kerosin\nnoch lange nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drittens das oftmals\nkrasse Sozialdumping. <\/strong>Billigairlines wie\nRyanair, easyJet und bis vor kurzem Air Berlin und die Billigt\u00f6chter\nder klassischen Fluglinien, wie Eurowings als Lufthansa-Tochter,\nbetreiben einen massiven Abbau von sozialen Standards. Die aktuell\nbekannt gewordenen Fakten bei Ryanair sind m\u00f6glicherweise\neurop\u00e4ischer Negativrekord (Billigairlines in den USA und in Asien\nunterbieten diesen noch). Doch grunds\u00e4tzlich d\u00fcrfte Vergleichbares\nauch in Europa f\u00fcr die gesamte Branche der Billigairlines gelten:\nDas fliegende Personal (Stewards, Stewardessen et cetera) erh\u00e4lt bei\nRyanair Bruttol\u00f6hne von rund 1200 Euro monatlich \u2013 bei st\u00e4ndiger\nSchicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit. Viele Kabinenmitarbeiter\nwerden in jedem Winter f\u00fcr mehrere Wochen unbezahlt freigestellt, um\nso Personalkosten zu sparen. Ryanair-Piloten arbeiten vielfach als\nIch-AGs \u2013 als Scheinselbst\u00e4ndige ohne ausreichende soziale\nAbsicherung. Sie sind oft durch Knebelvertr\u00e4ge, nach denen eine\nTeilnahme an Arbeitsk\u00e4mpfen mit dem Wegfall von Bonuszahlungen und\nschlechteren Arbeitszeiten bestraft wird, an die irische Airline\ngebunden. Grunds\u00e4tzlich gilt bei allen Arbeitsvertr\u00e4gen f\u00fcr\nFlugbegleiter und Piloten irisches Recht. Das sieht besonders kurze\nK\u00fcndigungsfristen, deutlich weniger Urlaubstage sowie die\nM\u00f6glichkeit von dauerhafter Anstellung in Leiharbeit vor.\nRyanair-Boss Michael O\u00b4Leary hat nat\u00fcrlich seine besondere\nMenschenkenntnis: \u201eUnsere Mitarbeiter interessieren sich schlicht\nnicht f\u00fcr Gewerkschaften.\u201c (FAZ vom 24. 10.2017) Es gibt eine\nlogische Verbindung zwischen diesem Sozialdumping und der Tatsache,\ndass der irische Billigflieger hochprofitabel und die gr\u00f6\u00dfte\nAirline in Europa ist. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viertens die\nweitreichende Externalisierung von Kosten.<\/strong>\nDass in Europa mehrere Millionen Menschen wegen Flugl\u00e4rm kaum oder\nnur schlecht schlafen k\u00f6nnen, wird als eine Art \u201ePreis der\nMobilit\u00e4t\u201c betrachtet. Doch das galt jahrzehntelang als eine Art\nKomfortst\u00f6rung f\u00fcr die Betroffenen. Sp\u00e4testens seit dem Jahr 2010,\nseit dem Vorliegen der Studie des Epidemiologen Prof. Dr. Eberhard\nGreiser, der die Krankenkassendaten von mehr als einer Million\nFlughafenanliegern im Raum Bonn\/K\u00f6ln auswertete, ist klar, was Rudi\nHechler, langj\u00e4hriger Aktivist gegen den Flughafenausbau in\nFrankfurt\/Main, wie folgt formulierte: \u201eWer in den Einflugschneisen\nwohnt, riskiert seine Gesundheit, wom\u00f6glich sogar sein Leben. In\nseiner Studie (\u2026), die er (Professor Greiser) im Auftrag des\nUmweltbundesamtes erstellte, kann man erfahren: Wer unter dem\nL\u00e4rmteppich lebt, bekommt eher einen Schlaganfall, das Krebsrisiko\nsteigt.\u201c (1) \n<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen liegen auch\nBerichte und Daten dar\u00fcber vor, dass nat\u00fcrlich auch die\n\u201eklassischen\u201c Schadstoffemissionen (unter anderem\nSchwefeldioxide, Schwefeloxide, Stickstoffoxid), die bei der\nVerbrennung von \u00d6lderivaten entstehen, gesundheitssch\u00e4digend\nwirken. Doch all diese sch\u00e4digenden Wirkungen des Flugverkehrs, von\ndenen, das sei wiederholt, allein in Westeuropa mehrere Millionen\nMenschen direkt betroffen sind, gehen nicht in die Kosten des\nFlugverkehrs ein; es sind \u201eexterne Kosten\u201c, die von den Menschen\ndirekt in Form von gesundheitlichen Sch\u00e4den, von den Kranken- und\nRentenversicherungen zu tragen sind. Sie werden externalisiert. (2) \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcnftens die massive\nDurchdringung der Politik mit den Interessen der Airportbetreiber,\nder Flugzeughersteller und der Airlines.<\/strong> Bei\nallen deutschen Airports sind staatliche Institutionen direkt\nbeteiligt: Kommunen, Bundesl\u00e4nder und der Bund selbst. Daran\ngekoppelt sind mehrere tausend lukrative \u00c4mter und Jobs \u2013 in den\nAufsichtsgremien, in den operativen Organen, in Beir\u00e4ten. So kommt\nes, dass die entsprechenden, gew\u00e4hlten Organe so gut wie immer die\nInteressen der Flugzeugbranche vertreten \u2013 gleichg\u00fcltig, welche\nPartei dort regiert beziehungsweise mitregiert. Was konkret hei\u00dft:\nSeit die Gr\u00fcnen in Stuttgart auf Landes- und Landeshauptstadtebene\nund in Hessen auf Landesebene mitregieren, ist deren Kritik am\nweiteren Ausbau des Flugverkehrs nicht nur geschwunden. Die Gr\u00fcne\nPartei ist vielmehr auch aktiv daran beteiligt, dass der Flugverkehr\nimmer mehr w\u00e4chst und die Billigfliegerei gedeiht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u2013 inzwischen\nweltweit f\u00fchrende \u2013 Flugzeugbauer Airbus, ehemals EADS-Airbus, ist\nfaktisch ein Unternehmen, das sich unter der staatlichen Kontrolle\nder Regierungen in Berlin und Paris befindet und zu einem Drittel von\nR\u00fcstungsauftr\u00e4gen und zu zwei Dritteln von Auftr\u00e4gen f\u00fcr zivile\nFlugzeuge lebt. Dabei sind R\u00fcstung und Zivilbusiness oft eng\nmiteinander verwoben. Aktuell untersucht die Justiz in Frankreich und\nin \u00d6sterreich einen spannenden Vorgang: Um vor mehr als einem\nJahrzehnt 13 Eurofighter-Kampfflugzeuge, gebaut von EADS\/Airbus,\ndamals noch in Verbindung mit dem britischen R\u00fcstungskonzern BAe, an\n\u00d6sterreich zu verkaufen, m\u00fcsse EADS, so hatte die \u00f6sterreichische\nSeite gefordert, erg\u00e4nzende Wirtschaftsauftr\u00e4ge im Wert von vier\nMilliarden Euro (!) beschaffen, um die damals schw\u00e4chelnde\n\u00f6sterreichische Wirtschaft anzukurbeln. Zu diesem Zweck hatte\nEADS\/Airbus, unter F\u00fchrung des damaligen EADS-Deutschlandchefs Tom\nEnders, heute Chef des Gesamtkonzerns Airbus, Tarnfirmen in Zypern\nund London, gef\u00fchrt von Ex-EADS-Managern, gegr\u00fcndet \u2013 und auf\ndiese Weise offensichtlich den Auftrag ergattert. (3) \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem solchen\nGro\u00dfgesch\u00e4ft bleibt die individuelle Bestechung von Politikern\nnicht aus. Dass dies auch im gro\u00dfen, gewisserma\u00dfen fl\u00e4chendeckenden\nMa\u00dfstab erfolgen kann, daf\u00fcr legt Air Berlin beredtes Zeugnis ab.\nAktuell wird \u201eentdeckt\u201c, dass der Air Berlin-Gr\u00fcnder, zugleich\nlangj\u00e4hriger Air Berlin-Chef, Joachim Hunold, pers\u00f6nlich und auf\nFirmenkosten \u201eh\u00e4ufig die Airline nutzte\u201c. Es sollen auch \u2013\nh\u00f6chst pikant \u2013 bis zu 60.000 Euro Air Berlin-Gelder an den\nAachener Karnevalsverein geflossen sein. Auch wird enth\u00fcllt, Hunold\nhabe sich von der eigenen Airline \u201eeinen Pay-TV-Anschluss im Wert\nvon 32,90 Euro im Monat\u201c bezahlen lassen, was \u201eden Tatbestand der\nUntreue\u201c rechtfertige. Wegen all dieser Vorg\u00e4nge habe Hartmut\nMehdorn als der Nachfolger im Amt an der Air Berlin-Spitze die\n\u201eUS-Kanzlei PricewaterhouseCoopers Legal monatelang insgesamt 17\nSachverhaltskomplexe\u201c, die den Untreue-Verdacht rechtfertigten,\nuntersuchen lassen. Soweit die investigative Recherche des Blattes\n<em>Bild am Sonntag <\/em>(<em>vom<\/em>\n22. Oktober 2017).<\/p>\n\n\n\n<p>Komisch ist dabei, dass\ndie Liste mit den 100 Polit-Promis, die in der Hunold-\u00c4ra rund ein\nJahrzehnt lang gratis die Airline benutzen durften, nicht erw\u00e4hnt\nwird. Hartmut Mehdorn hatte am Beginn seiner Amtszeit als Air\nBerlin-Boss die Existenz einer solchen Liste bekannt gemacht \u2013\ndamals jedoch ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt, die konkreten Namen derjenigen,\ndie in diese spezifische Hunold\u00b4sche Gunst gekommen waren, w\u00fcrden\nnicht ver\u00f6ffentlicht. Doch warum werden diese Namen nicht jetzt,\nnach der Air-Berlin-Pleite und im Rahmen des Insolvenzverfahrens\n\u00f6ffentlich gemacht? Warum wird nicht aufgedeckt, wie der Luftverkehr\nim Allgemeinen und die Billigfliegerei im Besonderen mit einer\numfassenden Korruptionsmaschine verkn\u00fcpft sind, die auch das\nPolitikbusiness im Griff h\u00e4lt? (4) \n<\/p>\n\n\n\n<p>\t\t\t\t\t\t***<\/p>\n\n\n\n<p>Am 28. Mai 2010 sandte\nJoachim Hunold an Horst K\u00f6hler ein in einem rotzigen Ton gehaltenes\nFax, in dem er Bezug nahm auf eine wenige Tage zuvor gehaltene Rede\ndes damaligen Bundespr\u00e4sidenten auf dem Weltverkehrsforum in\nLeipzig. Der \u201eChief Executive Officer\u2033 der\nBillig-Fluggesellschaft Air Berlin schrieb: \u201eSie hinterfragen\nkritisch die Sinnhaftigkeit von Personen- und G\u00fcterverkehr und\nschlagen vor, von unserer mobilen Lebensweise nur noch das zu\nbehalten, was ,gef\u00e4llt\u00b4 und nicht blo\u00df ,Zeit und Nerven\u00b4 kostet.\nIch teile ausdr\u00fccklich Ihre Auffassung nicht. (&#8230;) Verkehr ist\nnichts anderes als der Ausdruck unseres auf globalen Handel\nangelegten Wirtschaftssystems (&#8230;) Die von Ihnen vorgeschlagene\nEinf\u00fchrung der Kerosinsteuer (&#8230;) tr\u00e4gt nicht im Sinne von\nNachhaltigkeit zu mehr Kostenwahrheit bei, sondern im Gegenteil zu\neiner noch st\u00e4rkeren Fehlallokation (von Kosten) zu Lasten des\nLuftverkehrs. Lassen Sie mich zu Ihrer Polemik gegen die Werbung\nmeines Unternehmens f\u00fcr Fl\u00fcge ab 29 Euro Stellung nehmen. Warum\nsollten wir unterbinden, dass einer Familie (&#8230;) eine von langer\nHand geplante Urlaubsreise in das fernere Ausland erm\u00f6glicht wird?\nDas br\u00e4chte in \u00f6kologischer Hinsicht keinerlei Mehrwert. Aber es\nw\u00fcrde Menschen mit weniger Wohlstand vom Luftverkehr ausschlie\u00dfen.\u2033\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Tage nach Eingang des\n\u2013 auch zeitgleich als offener Brief an alle Bundestagsabgeordneten\nversandten \u2013 Fax-Schreibens quittierte Horst K\u00f6hler den Job als\nBundespr\u00e4sident (5). Wurde er von Hunold aus dem Amt gefaxt? Das\nw\u00e4re sicher eine \u00dcbertreibung \u2013 das Hunold-Schreiben dokumentiert\neher im Allgemeinen die Entfremdung, die sich damals zwischen Horst\nK\u00f6hler als Bundespr\u00e4sidenten und der \u201epolitischen Klasse\u2033\nentwickelt hatte. Immerhin war K\u00f6hler zuvor Chef des Internationalen\nW\u00e4hrungsfonds. Er hatte in dieser Funktion die Globalisierung mit\nihren Kernbestandteilen Welthandel und weltweite Transporte\nvorangetrieben. Er wurde in fr\u00fcheren Zeiten insbesondere von\nkonservativen Kreisen ob seiner neoliberalen Positionen gefeiert. In\nseinen letzten Monaten als Bundespr\u00e4sident kritisierte er allerdings\ndie Finanzm\u00e4rkte als \u201eMonster\u2033, pr\u00e4sentierte er sich als\nBedenkentr\u00e4ger angesichts der Globalisierung und kritisierte\n\u201eAusw\u00fcchse\u201c des modernen Kapitalismus, so die Billigstfliegerei.\nDas war dann eine Moralpredigt und eine Ausw\u00fcchse-Kritik zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Horst K\u00f6hler ist heute\nUnperson. Hunold allerdings sa\u00df auf Platz 1C beim Abschiedsflug in\nder letzten Air Berlin-Maschine, als diese am 27. Oktober 2017 in\nBerlin Tegel landete. Er wird als \u201eMister Air Berlin\u201c gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol><li>Rudi Hechler, \u201eVon\n\tder Startbahn West zur Landebahn Nordwest\u201c, in: Globalisierung.\n\tFlugverkehr. Gegenwehr, Sonderheft der Zeitschrift Lunapark21 vom\n\tSeptember 2010 (Extra03), herausgegeben von BBI-B\u00fcndnis der\n\tB\u00fcrgerinitiativen Kein Flughafenausbau \u2013 F\u00fcr ein Nachtflugverbot\n\tvon 22 bis 06 Uhr; B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen Hessen, Sabine Leidig\n\t(MdB) und Herbert Behrens (MdB), DIE LINKE, S. 29.\n\t<\/li><li>In einer\n\twissenschaftlichen Studie, verfasst von Prof. Hans Behrbohm, hei\u00dft\n\tes: So werden \u201eje nach Flugzeugtyp und -gruppe in Abh\u00e4ngigkeit\n\tvon verschiedenen Faktoren (\u2026) im Take-off &amp; Landing-Zyklus z.\n\tB. bei einer Boeing 737 1.250 Liter Kerosin verbrannt.\u201c Das\n\tentspricht also 25 Tankf\u00fcllungen eines Mittelklasse-Pkw. \u201eBesonders\n\tdie Feinst\u00e4ube mit kleinsten Partikelgr\u00f6\u00dfen, die mit organischen\n\tSubstanzen kontaminiert sind, werden durch die D\u00fcsenstrahltriebwerke\n\tin H\u00f6hen unter 1500 Metern direkt in die f\u00fcr die Lungenatmung\n\trelevanten Luftschichten der Menschen ausgesto\u00dfen und k\u00f6nnen bis\n\tin die Alveolen (Lungenbl\u00e4schen) gelangen, was besonders gef\u00e4hrlich\n\tist. Die Abgaswolke enth\u00e4lt unter anderem Benzole, Ethylbenzole,\n\tNaphtalin, Phenol, Mesithylen, Xylole und andere Stoffe. Die\n\tSubstanzen sind kanzerogen, f\u00fchren zu Erkrankungen der Atemwege und\n\tLunge und k\u00f6nnen Chromosomenver\u00e4nderungen und Leber- und\n\tNierensch\u00e4den ausl\u00f6sen.\u201c Hans Behrbohm, \u201eFlugverkehr und\n\tGesundheit. Gesundheitssch\u00e4den durch Flugl\u00e4rm, Schadstoffe und\n\tFeinstaub, Einfluss auf Stadtklima und \u00d6kosysteme\u201c, in: face,\n\t4\/2011.\n\t<\/li><li>Siehe: Im Sumpf, in:\n\tDer Spiegel 43\/2017 vom 21. Oktober 2017.\n\t<\/li><li>1998 sandte der\n\tdamalige Bundestagspr\u00e4sident Thierse an alle damaligen\n\tBundestagsabgeordneten eine Lufthansa-Senator-Karte. Ab diesem\n\tZeitpunkt wurden allen MdBs die Meilen, die sie (Business- und Erste\n\tKlasse) mit Lufthansa flogen, ihrem privaten miles-and-more-Konto\n\tgutgeschrieben. Im Bundestagswahlkampf 2002 ver\u00f6ffentliche das\n\tBlatt \u201eBild\u201c dann die Bilanz einzelner, herausgepickter\n\tBundestagsabgeordneter, die sich auf diese Weise privat und in der\n\tErsten Klasse auf Kosten der Steuerzahler Fl\u00fcge geg\u00f6nnt hatten.\n\t<\/li><li>Als Begr\u00fcndung f\u00fcr\n\tseinen R\u00fccktritt nannte K\u00f6hler \u201eRespektlosigkeit vor dem Amt\u2033.\n\tIn der \u00d6ffentlichkeit wurden vor allem K\u00f6hlers \u00c4u\u00dferungen zur\n\tRechtfertigung des Afghanistan-Kriegs wahrgenommen. Ma\u00dfgebliche,\n\tb\u00fcrgerliche Kreise hoben jedoch K\u00f6hlers Kritik an den\n\tFinanzm\u00e4rkten negativ hervor. Nach seinem R\u00fccktritt gingen sie zur\n\tTagesordnung \u00fcber. Hunold-Brief in: Handelsblatt vom 1. Juni 2010.\n\tKritik an K\u00f6hler wegen Bankenkritik unter anderem in B\u00f6rsen-Zeitung\n\tvom 1. Juni 2010 und in Der Spiegel 22\/2010.\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien\nerstmals im November 2017 \u2013 unklar, wo.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Billigfliegerei sei der Flugverkehr demokratisiert worden. So lautet die g\u00e4ngige These. Genauso gut k\u00f6nnte man behaupten (und wurde behauptet), mit der Guillotine sei das Sterben eine humane Angelegenheit geworden. 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