{"id":1394,"date":"2021-03-26T20:54:00","date_gmt":"2021-03-26T19:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1394"},"modified":"2021-03-25T20:55:13","modified_gmt":"2021-03-25T19:55:13","slug":"fuer-die-konsequente-verkehrswende-rot-solidarisch-sozialistisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=1394","title":{"rendered":"F\u00fcr die konsequente Verkehrswende: rot + solidarisch = sozialistisch"},"content":{"rendered":"\n<h2>Gru\u00dfadresse  1. Mai in Z\u00fcrich<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Eine konsequente Verkehrswende ist\nzugleich solidarische und linke Politik. Konsequente Verkehrswende\nist nicht nur gr\u00fcn und \u00f6kologisch, sondern auch rot und\nsozialistisch. Und dies aus drei Gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Erstens<\/em> verstehen wir als Linke\nMobilit\u00e4t als ein gesellschaftliches Gut; etwas, das mit kollektiver\nKommunikation und mit Bewegung auf Augenh\u00f6he zu tun hat. Wenn sich\nein Porsche Cayenne und ein  Velo im Verkehr begegnen, ist das das\nGegenteil dessen, was wir unter gesellschaftlicher Mobilit\u00e4t\nverstehen.  Auch widersprechen sich autonomes Fahren und E-Autos\neinerseits und Fu\u00dfverkehr und Radeln andererseits. Die kollektive\nund gleichberechtigte Mobilit\u00e4t wird am besten verwirklicht, wenn\nsie so gut wie ganz nur aus Fu\u00dfverkehr, Radverkehr und Verkehren mit\n\u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln &#8211; Bus und Tram \u2013 besteht. Das Auto\nsollte in einem solchen Verkehrskonzept ein Restposten sein.  \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens<\/em>  meint\ngesellschaftliches Gut auch, es sollte gratis sein. Es war eine\nhistorische Errungenschaft  der fortschrittlichen Bewegungen, dass \nseit Jahrzehnten Gesundheit, Altersversorgung und Bildung weitgehend\nallgemein finanzierten G\u00fcter sind. Dass sie also im konkreten\nindividuellen Gebrauch gratis sind. So sollte es auch im Fall der\nMobilit\u00e4t sein. Die Gesellschaft finanziert gute, breite Gehwege,\nflotte Radwege und komfortable \u00f6ffentliche Verkehrsmittel. Ihr\nkonkreter individueller Gebrauch erfolgt gratis \u2013 zum Nulltarif. \nWie das im Einzelnen finanziert wird, mag von Fall zu Fall\nverschieden sein. Gegebenenfalls ist ein entsprechender Nulltarif in\nden \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln von denen zu finanzieren, die genug\nhaben und die viel davon profitieren: von den Unternehmen. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drittens<\/em> sind wir Linken die\nEinzigen, die auch im Verkehrsbereich an die erste Stelle das Thema\nVerkehr VERMEIDEN stellen. Und danach erst das Verkehr VERLAGERN. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist gemeint: Bereits aus Gr\u00fcnden\nder Bek\u00e4mpfung der drohenden Klimakatastrophe muss alles getan\nwerden, die materielle Produktion (und den motorisierten Verkehr\ngleich welcher Art) zu reduzieren. Dieser ist immer mit das Klima\nbelastenden Emissionen verbunden.  Hinzu kommt: Wir erlebten in\nj\u00fcngerer Zeit einen erzwungenen Verkehr, eine Verkehrsinflation,\neine immense Zunahme der im Jahr je Person zur\u00fcckgelegten Kilometer.\nMehr Kilometer ist nicht identisch mit mehr Mobilit\u00e4t und schon gar\nnicht identisch mit mehr Lebensqualit\u00e4t. Zwei Beispiele: \n<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Der Anstieg der Bodenpreise und\n\tder Mieten ist ein Produkt der kapitalistischen Bodenordnung. Damit\n\twird Verkehr \u2013 und zwar unn\u00f6tiger Verkehr \u2013 produziert. Die\n\tLeute mit weniger hohen Einkommen ziehen ins Umland; es wird immer\n\tmehr Zersiedelung geschaffen. Wir sind f\u00fcr einen Stopp der\n\tBodenspekulation und f\u00fcr eine Deckelung von Bodenpreisen und\n\tMieten. Was bereits EINE Ma\u00dfnahme zur Reduktion von Verkehr ist. \n\t\n\t<\/li><li>Oder nochmals mehr praktisch: Eine\n\tStadt, die wieder den Menschen  geh\u00f6rt, in der man gefahrlos auf\n\tden Stra\u00dfen flanieren, in Stra\u00dfencafes plaudern und auf gr\u00fcnen\n\tPl\u00e4tzen mit Freunden, Freundinnen und Kids chillen kann, ist eine\n\tStadt, die in riesigem Ma\u00dfstab Verkehr REDUZIERT. Weil dann\n\tMobilit\u00e4t wieder im Nahbereich und ohne Kilometerfra\u00df stattfinden\n\tkann. Mit Bertolt Brecht: \u201eDie Tr\u00e4umerei von der Natur \/ Kommt\n\tvon der Unwirtlichkeit der St\u00e4dte.\u201c\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Eine solidarische Gesellschaft ist der\ndirekte Widerspruch zu der Anforderung der kapitalistischen\nProduktionsweise, in der das \u201eimmer weiter, immer schneller, immer\nmehr\u201c im Zentrum steht. Eine konsequente Verkehrswende l\u00e4uft auf\neine echte Revolutionierung des Verkehrssektors hinaus. Sie ist\nidentisch mit Entschleunigung und Genuss. Slow Food statt Fast Food.\nSlow Foot &amp; Genuss anstelle von Rasen &amp; High Speed. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Oder in den Worten des linken\nTheoretikers Walter Benjamin: \u201eMarx sagt, die Revolutionen sind die\nLokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem g\u00e4nzlich\nanders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug\nreisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gru\u00dfadresse 1. Mai in Z\u00fcrich Eine konsequente Verkehrswende ist zugleich solidarische und linke Politik. Konsequente Verkehrswende ist nicht nur gr\u00fcn und \u00f6kologisch, sondern auch rot und sozialistisch. 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