{"id":170,"date":"2018-11-25T13:05:00","date_gmt":"2018-11-25T12:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=170"},"modified":"2020-01-02T13:13:14","modified_gmt":"2020-01-02T12:13:14","slug":"novemberrevolution-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=170","title":{"rendered":"Novemberrevolution \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><em>Vorbemerkung<\/em>:<\/h2>\n\n\n\n<p>Kaum\nein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R\u00fcckblicken und\nDokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in\nDeutschland stattfand. Allerdings verf\u00e4lscht die gro\u00dfe Mehrheit\ndieser Beitr\u00e4ge das, um was es damals ging. Die tats\u00e4chlichen \nErrungenschaften der Revolution \u2013 Frieden, Frauenwahlrecht,\ndemokratische Grundrechte \u2013 werden nicht ausreichend gew\u00fcrdigt.\nDie tats\u00e4chlichen Ziele der Revolution \u2013 direkte Demokratie bzw.\neine Kontrolle eines Parlamentes durch R\u00e4te, gew\u00e4hlt von der\narbeitenden Bev\u00f6lkerung, werden so gut wie nie erw\u00e4hnt. Und die\ntats\u00e4chliche Gewalt, ausgehend von Freikorps, Reichswehr und fr\u00fchen\nfaschistischen Gruppen, mit der gegen diese berechtigten Forderungen\nund gegen die Arbeiterr\u00e4te vorgegangen wurde, wird nicht nur\nverschwiegen. Meist wird die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt und\nbehauptet, die Revolution selbst sei gewaltt\u00e4tig gewesen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir\nbringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf\u00fchrlichen\nText von Winfried Wolf zur Novemberrevolution, zur Bayerischen\nR\u00e4terepublik und zur aktuellen Debatte \u00fcber diese Ereignisse.\nDiesem Text lag urspr\u00fcnglich ein in Kassel und Stuttgart gehaltenes\nReferat des Verfassers zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerste Teil hat drei Ereignisse zum Thema, die der Novemberrevolution\n<em>vorausgingen<\/em> und die\nzum Verst\u00e4ndnis dieser Revolution wichtig sind: (1) die Sturzgeburt\nder deutschen Einheit und des Deutschen Reichs 1871,  (2) der Erste\nWeltkrieg und (3) der 5. Oktober 1918, als inmitten des Kriegs\nbereits eine parlamentarische Regierung mit zwei SPD-Ministern\ngebildet wurde \u2013 noch zu Kaisers Zeiten. Und als sich die\nVerantwortlichen f\u00fcr den Ersten Weltkrieg aus dem Staub machten und\ndamit die Steilvorlage f\u00fcr die \u201eDolchsto\u00df-Legende\u201c schufen.\n<em>NDS-Redaktion<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Klaus\nGietinger und Winfried Wolf ver\u00f6ffentlichten 2017 das Buch \u201eDer\nSeelentr\u00f6ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am\nErsten Weltkrieg erl\u00f6st\u201c (Schmetterling Stuttgart). Er st\u00fctzt\nsich in seinem hier folgenden Text vor allem auf Klaus Gietinger,\nNovember 1918. Der verpasste Fr\u00fchling (Nautilus, Hamburg 2018), auf\nSebastian Haffner, Der Verrat \u2013 Deutschland 1918\/19 (verschiedene\nAusgaben verschiedener Verlage) und auf Richard M\u00fcller, Die\nGeschichte der Revolution (urspr\u00fcnglich drei B\u00e4nde; zuletzt Berlin\n2011, Buchmacherei).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n***<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Novemberrevolution\nund Bayerische R\u00e4terepublik<\/strong> \n<\/h2>\n\n\n\n<h3>Begeisternde Versuche einer direkten Demokratie und die Debatten am 100. Jahrestag<\/h3>\n\n\n\n<p> <em>Winfried\nWolf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland ist das\nWort \u201eRevolution\u201c eher negativ besetzt. Eine \u201erevolutio\u201c \u2013\neine Umw\u00e4lzung; ein Zur\u00fcckw\u00e4lzen und ein entsprechender Prozess\n\u201erevolvere\u201c, eigentlich: \u201ezur\u00fcckdrehen\u201c, \u201ein einen\nurspr\u00fcnglichen, legitimen Zustand versetzen\u201c: das sind\nFremdw\u00f6rter, die man im politischen Diskurs in deutschen Landen eher\nmit spitzen Fingern anfasst. Wobei das vor allem f\u00fcr die <em>deutsche<\/em>\nGeschichte und f\u00fcr Politik in <em>Deutschland<\/em>\ngilt. Die <em>Franz\u00f6sische<\/em>\nRevolution, die <em>Russischen<\/em>\nRevolutionen 1905 und (im Februar und November) 1917, die <em>chinesische<\/em>\nRevolution 1949, dann vielleicht auch noch die <em>kubanische\n<\/em>Revolution 1959 und die Revolution in\n<em>Nicaragua<\/em> 1979: das\nmag noch angehen. In der deutschen Geschichte wird bestenfalls die\nRevolution von 1848 neutral und latent positiv gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die\nNovemberrevolution 1918? Gar die Bayerische R\u00e4terepublik? Die werden\nvielfach vergessen oder als Putsch, als \u201espartakistisch\u201c, als\n\u201ebolschewistisch\u201c und als Gewaltausbruch dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelte sich jedoch um\neine reale, um eine tats\u00e4chliche Revolution. Um die gr\u00f6\u00dfte, die es\nin der bisherigen deutschen Geschichte gab \u2013 um eine Revolution mit\neiner echter Massenbasis, ja, mit einer weit gr\u00f6\u00dferen\ndemokratischen Grundlage, als es eine solche 1848 in Deutschland oder\n1917 in Russland gab. Es war auch eine \u00e4u\u00dfert demokratische\nRevolution. Es war eine h\u00f6chst gutm\u00fctige und \u2013 soweit es die\nRevoltierenden und die Revolution\u00e4re betrifft \u2013 eine weitgehend\nunblutige.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich auch um\neine Revolution, die <em>Bleibendes<\/em>\nschuf. Es waren die Novemberrevolution und ihre Vorl\u00e4ufer, die\nMassenstreiks in der deutschen R\u00fcstungsindustrie, die das Kriegende\nerzwangen und die den <em>Frieden<\/em>\nm\u00f6glich machten. Die Monarchie und die Feudalherrschaft wurden im\nNovember 1918 beseitigt: Danach wurde nie mehr, auch nicht in der\nNS-Zeit und auch nicht nach Ende des Zweiten Weltkriegs \u00fcber die\nWiedereinf\u00fchrung der Monarchie diskutiert. Der Kaiser und die\nfeudalen Zeiten waren ab November 1918 endg\u00fcltig diskreditiert. Ein\nReferendum \u00fcber die Monarchie, wie es ein solches 1946 in Italien\nnach dem Untergang des Faschismus gegeben hatte, stand in Deutschland\nrespektive in Westdeutschland nie zur Debatte.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Erreicht wurde im November\n1918 \u2013 und zwar bereits f\u00fcr die Wahl zu den Arbeiter- und\nSoldatenr\u00e4ten im November \u2013 auch das allgemeine <em>Frauenwahlrecht<\/em>\n\u2013 das selbst im \u201eKommunistischen Manifest\u201c nicht vorgesehen war\n(auch wenn es damals, z.B. von Flora Tristan, l\u00e4ngst gefordert\nwurde). Verbreitung fand in der Novemberrevolution ein <em>Modell\ndirekter Demokratie auf der Grundlage von Arbeiterr\u00e4ten, <\/em>das\nim Grunde zutiefst demokratisch war und bei dem eine Gleichsetzung\nmit \u201eBolschewismus\u201c oder gar Diktatur verfehlt erscheint. Es ist\nerschreckend, wenn sich im Rahmen des 100-j\u00e4hrigen Gedenkens an die\nNovemberrevolution Mark Jones, ein Historiker aus Irland, in der\n<em>Frankfurter Rundschau<\/em>\njust in einem solchen Tenor \u00e4u\u00dfert: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEs gab eine tats\u00e4chlich linke Gefahr. Anh\u00e4nger des\nSpartakus-Bundes waren mit Maschinengewehren unterwegs. [\u2026] Die\nunmittelbare Gefahr f\u00fcr die Republik kam 1918\/19 nicht von rechts,\nsondern von links. [\u2026] Furchteinfl\u00f6\u00dfend war die Tatsache, dass\netwa zwei Millionen russische Kriegsgefangene in Deutschland waren\n[\u2026] Was w\u00e4re, wenn es Karl Liebknecht gel\u00e4nge, diese zwei\nMillionen Russen zu mobilisieren.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup>\n \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1963 verfasste der\nSPD-Politiker und sp\u00e4tere nieders\u00e4chsische Kultusminister Peter von\nOertzen eine richtungsweisende Studie, in der er den demokratischen\nCharakter der Revolution und die demokratische Struktur der R\u00e4te ins\nZentrum r\u00fcckte. Er konstatierte damals: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEs scheint mir kein Zufall zu sein, dass die\nherk\u00f6mmliche Historie der Novemberrevolution die R\u00e4te meistens\nnicht nur schief, sondern praktisch gar nicht dargestellt hat.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>In der Regel werden im\nZusammenhang mit dem, was die Novemberrevolution an \u201eBleibendem\u201c\nschuf, auch die sp\u00e4ter in der Weimarer Republik verankerten\n<em>Betriebsr\u00e4te<\/em> erw\u00e4hnt.\nDas ist allerdings einigerma\u00dfen ambivalent: Die\nin der Weimarer Republik zugestandene Form der Betriebsr\u00e4te waren\nper Paragraf 165 der Weimarer Verfassung gesetzlich dazu\nverpflichtet, zum Wohle der Besch\u00e4ftigten <em>und\n<\/em>des\nBetriebs zusammenzuarbeiten. Das aber ist etwas deutlich anderes als\ndie Arbeiterr\u00e4te in der Novemberrevolution, bei denen es sich um\nOrgane einer direkten Interessenvertretung der arbeitenden Klasse\nhandelte \u2013 ohne Verpflichtung zu einer Zusammenarbeit mit \u201eden\nBetrieben\u201c, also mit den Unternehmern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Frage\nlautet: <em>WARUM<\/em> wird die\nNovemberrevolution seit einem Jahrhundert derart kleingeredet, warum\nso gern vergessen, warum derartig denunziert? Die Antwort lautet: Das\nhat viel mit dem <em>Verrat<\/em>\nan der Revolution zu tun und damit, dass die ma\u00dfgeblichen Verr\u00e4ter\nder Weimarer Republik  ihren Stempel aufdr\u00fcckten und dass\ndiejenigen, die in der politischen Tradition dieser Verr\u00e4ter stehen,\nseit 1949 die Bundesrepublik Deutschland pr\u00e4gen. Damit haben sie\nauch die offizielle Geschichtsschreibung ma\u00dfgeblich mitbestimmt.\nAllein der Umstand, dass ich am Vorabend des hundertsten Jahrestages\nder Novemberrevolution in Kassel im \u201ePhilipp Scheidemann\u201c-Saal\n(in der Universit\u00e4t) sprach, ist grotesk: Scheidemann war ma\u00dfgeblich\nam Verrat dieser demokratischen Revolution beteiligt. Die Tatsache,\ndass nur ein paar Steinw\u00fcrfe vom Ort dieser Veranstaltung entfernt,\nin Wilhelmsh\u00f6he, eine geheime Telefonleitung endete, \u00fcber die in\nBerlin der f\u00fchrende SPD-Mann, Friedrich Ebert, regelm\u00e4\u00dfig mit der\nObersten Heeresleitung, die im nicht-revolution\u00e4ren Kassel  und dort\nin den R\u00e4umen der ehemals kaiserlichen Residenz, ihr Hauptquartier\nhatte, verbunden waren, spricht B\u00e4nde. Die Tatsache, dass die SPD\nihre Stiftung nach dem Mann benennt, der f\u00fcr die Ermordung Tausender\nArbeiterinnen und Arbeiter Mitverantwortung tr\u00e4gt, und dass diese\nFriedrich-Ebert-Stiftung in unserer Gesellschaft und f\u00fcr\nGewerkschaften eine wichtige Rolle spielt, ist h\u00f6chst irritierend.\nWenn dann noch im Juli 2018, also im Vorfeld des 100. Jahrestages der\nRevolution, die SPD ihre Historische Kommission aufl\u00f6ste, eine\nGruppe von Historikern, die just zum 100. Jahrestag der Revolution\neine Tagung durchf\u00fchren wollte, dann rechtfertigt dies die\nFeststellung des (letzten) Vorsitzenden dieser Kommission, Horst\nFaulenbach, wonach die Entscheider im SPD-Vorstand von einer\n\u201egewissen\nGeschichtslosigkeit\u201c gepr\u00e4gt seien. Faulenbach: \u201eDie sind immer\nim Heute. Die haben kein Gestern, und deshalb leider auch kein\nMorgen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es den 9.\nNovember <em>1938<\/em>.\nVielerorts liest man, <em>beide <\/em>Termine\n\u2013 der 9. November 1918 mit der Revolution und der 9. November 1938\nmit der sog. Reichspogromnacht, der Auftakt zur massenhaften\nVerfolgung der J\u00fcdinnen und Juden \u2013  geh\u00f6rten zusammen.\nGelegentlich werden am hundertsten Jahrestag beide Termine nachgerade\ngewaltsam zusammengepresst. So hie\u00df es am 9. November 2018 in der\nFAZ auf Seite 1 unter dem Foto einer brennenden Synagoge: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eWar dies nicht der Tag, an dem 1938 ein organisierter\nMob  Jagd auf Juden machte und Synagogen [\u2026] anz\u00fcndete? Und waren\nnicht 1918 an jenem Tag viele geschockt, als sie vom Sturz des\nKaisers und der Ausrufung der Republik h\u00f6rten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Warum folgt man mit diesem\nVerr\u00fchren von zwei h\u00f6chst unterschiedlichen Ereignissen dem Diktat\nund der Propaganda der Nazis? Klar gestellt werden muss, was heute\nniemand sagt: Die \u201eReichspogromnacht\u201c wurde auf den Tag \u201e9.\nNovember\u201c gezielt gelegt; da war kein blinder geschichtlicher\nProzess am Walten. Es war auch nicht irgendein \u201eorganisierter Mob\u201c,\nder da Jagd auf Menschen machte. Den Mob stellten vor allem SA und\nSS; die Organisatoren waren Himmler, Goebbels, G\u00f6ring und Hitler.\nUnd der Tag wurde ausgew\u00e4hlt von den F\u00fchrern der SS, der SA und der\nNSDAP, den legitimen Nachfolgern der Freikorps, die die Arbeiterinnen\nund Arbeiter in Deutschland im Zeitraum Dezember 1918 bis weit in die\n1920er Jahre hinein zu Tausenden ermordet hatten. Viele NS-F\u00fchrer\nwaren selbst als Freikorps-M\u00f6rder aktiv gewesen. Eines dieser\nFreikorps trug seit Januar 1920 das Hakenkreuz auf dem Helm. Indem\ndie Nazis denselben Tag, den \u201e9. November\u201c, f\u00fcr den Auftakt zur\nJudenverfolgung w\u00e4hlten, wollten sie jede  positive Erinnerung an\ndie Novemberrevolution ausl\u00f6schen und jede Identifikation der\ndeutschen Bev\u00f6lkerung im Allgemeinen und der deutschen arbeitenden\nKlasse im Besonderen mit der Revolution zerst\u00f6ren. \u201eDer Jude\nwar\u00b4s, der Schande \u00fcber Deutschland brachte\u201c \u2013 das war die\nBotschaft, die das NS-Regime mit der sogenannten Reichspogromnacht am\n9. November 1938 verbreiten wollte. Ein Goebbels-Coup, der\noffensichtlich bis heute von Erfolg gekr\u00f6nt ist. Die beiden Tage 9.\nNovember 1918 und 9. November 1938 haben nur insoweit etwas\nmiteinander zu tun, als es diesen beschriebenen <em>demagogischen\nund aufgezwungenen<\/em> Zusammenhang gibt. Sie\nm\u00fcssen von uns strikt getrennt gesehen und gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\t\t\t\t\t\t***<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt <em>drei\nwichtige geschichtliche Entwicklungen<\/em>, die\ndarzustellen sind, wenn man die Novemberrevolution verstehen will:\n<em>Erstens <\/em>die\nSturzgeburt der deutschen Nationalstaatsbildung 1871. <em>Zweitens\n<\/em>der Erste Weltkrieg als ein von den deutschen\nEliten bewusst herbeigef\u00fchrter Krieg mit den Zielen wirtschaftlicher\nund politischer Expansion. Und <em>drittens<\/em>\ndas Datum 3. Oktober 1918, als \u2013 noch inmitten des Kriegs \u2013  in\nDeutschland erstmals eine parlamentarische Demokratie eingef\u00fchrt\nwurde. Bei allen drei Ereignissen gab es eine spezifische Entwicklung\nder Sozialdemokatie und insbesondere der SPD-F\u00fchrung, die erheblich\ndazu beitrug , dass die SPD-F\u00fchrung so agierte, wie sie dann in der\nNovemberrevolution und in den Jahren danach agierte.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Erste Voraussetzung: Die Sturzgeburt deutscher Nationalstaat<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die b\u00fcrgerliche\nRevolution von 1848 war bekanntlich gescheitert. Dies war ein\nmissgl\u00fcckter, eher zaghafter Versuch, ein einheitliches Deutschland\nherzustellen und den Feudalismus zu beseitigen. Damals schreckte das\ndeutsche B\u00fcrgertum bereits vor dem jungen Proletariat zur\u00fcck und\nging ein B\u00fcndnis mit den M\u00e4chten des alten Regimes, den Junkern,\nF\u00fcrsten, und K\u00f6nigen ein. Die Kleinstaaten blieben bestehen. Ab\n1866 gab es mit dem Norddeutschen Bund, in dem Preu\u00dfen die\nVormachtstellung hatte,  eine Freihandelsvereinbarung. Diese hatte\n\u00fcbrigens erstaunlich viel \u00c4hnlichkeit mit der heutigen EU, in der\ndie Bundesrepublik Deutschland die dominierende Position innehat.\nDoch eine deutsche Einheit konnte auf rein wirtschaftlichem Weg nicht\nhergestellt werden. Selbst der Norddeutsche Bund war das Ergebnis\neines Krieges, desjenigen zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen 1866.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig aber\nentwickelte sich der Kapitalismus und suchte objektiv nach einer\nbreiteren Basis. Doch er war in das Korsett von Kleinstaaten\neingezw\u00e4ngt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am 19. Juli 1870 erkl\u00e4rte\nder franz\u00f6sische Kaiser Napoleon III Preu\u00dfen den Krieg, durchaus\nprovoziert seitens Preu\u00dfen (\u201eEmser Depesche\u201c). Wobei nat\u00fcrlich\ndie Elite in Frankreich ihrerseits erwartete, dass mit einem solchen\nKrieg die \u00f6konomische Basis des franz\u00f6sischen Kapitalismus\nerweitert werden k\u00f6nnte. Die franz\u00f6sischen Armeen unterlagen den\nvon Preu\u00dfen angef\u00fchrten Heeren des Norddeutschen Bundes und der\ns\u00fcddeutschen Staaten. Die s\u00fcddeutschen Staaten hatten sich dem\nNorddeutschen Bund und damit Preu\u00dfen angeschlossen, womit eine\ndeutsche Einheit faktisch inmitten des Kriegsgeschehens und <em>durch\nden Krieg <\/em>hergestellt wurde. Damit wurde das\nurspr\u00fcnglich demokratische Ziel von Nationalstaatlichkeit und\nEinheit in dreifacher Weise ins Undemokratische verkehrt: \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erstens<\/em>\nkam es am 18. Januar 1871 auf dem Gebiet der Besiegten und im\nSpiegelsaal von Versailles zur \u201eKaiserproklamation\u201c, was in\nFrankreich als Dem\u00fctigung und Provokation empfunden wurde. <em>Zweitens<\/em>\neinverleibte sich das neue Deutsche Reich die franz\u00f6sischen Gebiete\nElsass und Lothringen als Kriegsbeute, was bereits eine schwere\nHypothek darstellte und mit zu den harten Bedingungen des Versailler\nVertrags beitrug. <em>Drittens<\/em>\ngab es einen fatalen Deal zwischen den siegreichen Deutschen und der\nneuen franz\u00f6sischen Regierung: Berlin lie\u00df die franz\u00f6sischen\nKriegsgefangenen frei, damit diese den Aufstand in Paris \u2013 die\nPariser Kommune \u2013 zusammenschie\u00dfen und Tausende Revolution\u00e4re\nabschlachten konnten. Wof\u00fcr Preu\u00dfen bzw. das neue Deutsche Reich\nals Gegenleistung die erste Reparationszahlung erhielt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Reichskanzler Bismarck\nerkl\u00e4rte diesen Zusammenhang vor dem Reichstag wie folgt: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eNach der milit\u00e4rischen Lage der Dinge d\u00fcrfen wir\nhoffen, dass der Kampf vor und in Paris sich seinem Ende n\u00e4hert.\nSobald die Truppen der [franz\u00f6sischen] Regierung siegreich sein\nwerden \u2013 wozu wir die Mittel jetzt [\u2026] durch verst\u00e4rkte\nFreilassung der Gefangenen breitwillig gew\u00e4hren werden \u2013 , wird\ninnerhalb von drei\u00dfig Tagen eine erste Zahlung von f\u00fcnfhundert\nMillionen Franken stattzufinden haben.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten ab diesem\nZeitpunkt einen deutschen Nationalstaat, der durch einen Krieg\nzustande kam, der mit der Niederschlagung einer Arbeiterrevolution in\nVerbindung stand und der mit einer \u201eErbfeindschaft\u201c belastet war.\nIn der Verfassung des deutschen Nationalstaats waren nur wenige\ndemokratische Rechte und Institutionen verankert: Zwar galt f\u00fcr den\nReichstag ein allgemeines Wahlrecht f\u00fcr M\u00e4nner ab dem Alter von 25\nJahren. Allerdings waren bei der Reichstagswahl 1874 noch gut 10\nProzent von der Wahlbeteiligung ausgeschlossen. In Preu\u00dfen galt\nweiterhin \u2013 und dies bis 1918 \u2013 das Dreiklassenwahlrecht (ein\nnach Einkommen strukturiertes St\u00e4ndewahlrecht). Im \u00dcbrigen war die\nPosition des Reichstags \u00e4u\u00dferst schwach \u2013 das Parlament diente\nvor allem dem Dampfablassen. Die Herrschaft der Junker und K\u00f6nige \u2013\nletztere auf Landesebene \u2013 blieb bestehen. Die nun einsetzende\ngewaltige \u2013 und vier Jahrzehnte w\u00e4hrende \u2013 kapitalistische\nExpansion wurde in starkem Ma\u00df durch die aufgezwungenen\nReparationsleistungen, die Frankreich zu bezahlen hatte, finanziert.\nDiese sehr hohe Belastung mit Reparationszahlungen trug zus\u00e4tzlich\ndazu bei, dass nach dem Ersten Weltkrieg die Siegerm\u00e4chte ihrerseits\nim Versailler Vertrag Deutschland kaum finanzierbare Reparationen\nauferlegten.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem\nwiderspr\u00fcchlichen Rahmen wurde die sozialdemokratische Partei gro\u00df:\nWenige Jahre nach der Reichsgr\u00fcndung, 1875, gab es die Vereinigung\nder zwei konkurrierenden sozialdemokratischen Verb\u00e4nde SDAP und ADAV\nzur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), die 1890 in\nSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt wurde. Die\nvereinigte Partei entwickelte sich trotz des langj\u00e4hrigen Verbots\nsozialistischer Bet\u00e4tigung (\u201eSozialistengesetze\u201c von 1878 bis\n1890) zur st\u00e4rksten Partei im Reich und auch zur gr\u00f6\u00dften\nArbeiterpartei in Europa. 1914 z\u00e4hlte die SPD eine Million\nMitglieder. Zwischen 1890 und 1914 wuchs die W\u00e4hlerschaft der SPD\nvon eineinhalb auf viereinhalb Millionen Stimmen.Die SPD-F\u00fchrung war in diesen Jahrzehnten\nmit st\u00e4ndigem wirtschaftlichen Wachstum bei gleichzeitigem\nexplosionsartigem Wachstum der Partei erheblichen Einfl\u00fcssen\nausgesetzt, die in Richtung Integration in die b\u00fcrgerliche\nGesellschaft wirkten und die nur eine \u00e4u\u00dferst bewusste und\nmoralisch integre F\u00fchrung  h\u00e4tte parieren k\u00f6nnen. Wilhelm\nLiebknecht und August Bebel bildeten jahrzehntelang das R\u00fcckgrat\neiner solchen F\u00fchrung; beide hatten \u00fcbrigen am 28. November 1870 im\nReichstag (des Norddeutschen Bundes) die Kriegskredite abgelehnt \u2013\neine Tradition, die Karl Liebknecht, der Sohn von Wilhelm Liebknecht,\ndann im Ersten Weltkrieg fortsetzen sollte. Wilhelm Liebknecht starb\n1900; August Bebel am Vorabend des Ersten Weltkriegs, 1913.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens ab den 1890er\nJahren gab es in der SPD heftige Auseinandersetzungen um die Fragen\nBeibehaltung der sozialistischen Zielsetzungen und Nein zu jedem\nimperialistischen Krieg.  \n<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Zweite\nVoraussetzung: Der Erste Weltkrieg<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Es hei\u00dft: \u201eDer Erste\nWeltkrieg brach am 4. August 1914  aus\u201c. Nat\u00fcrlich brach dieser\nnicht einfach so aus \u2013 wie ein Naturereignis. Oder wie von\nChristopher Clark in dem Buch \u201eDie Schlafwandler\u201c behauptet,\nindem die Politiker in London, Paris, Moskau und Rom in den Krieg\nschlafwandelnd hinein stolperten.<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup>\nDieser Krieg wurde, wie Hunderte vor ihm, von Menschen gemacht und\nwar von materiellen Interessen bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende\nTriebkraft, die zum Ersten Weltkrieg f\u00fchrte, resultierte aus dem\nCharakter des Deutschen Reichs als eines \u201ezu sp\u00e4t gekommenen\nImperialismus\u201c. Damit ist gemeint: Als Deutschland endlich ein\neinigerma\u00dfen geeinter \u2013 kapitalistischer \u2013 Nationalstaat war,\nwar die koloniale Beute unter den \u00fcbrigen f\u00fchrenden\nkapitalistischen \u2013 imperialistischen \u2013 L\u00e4ndern bereits verteilt:\nder britische, der franz\u00f6sische \u2013 teilweise auch der spanische,\nder portugiesische, der holl\u00e4ndische, der japanische und der\nUS-amerikanische \u2013 Imperialismus hatten sich den \u00fcberw\u00e4ltigenden\nTeil der daf\u00fcr in Frage kommenden, lukrativen Gebiete in Asien und\nAfrika unter den Nagel gerissen. Das, was das neue deutsche Reich\nnoch erbeuten konnte, war \u2013 aus Sicht der gro\u00dfen Unternehmer, der\nBank-Bosse, der Regierung und der Kolonialvereine \u2013 eher \u201ezweite\nWahl\u201c. W\u00e4hrend vor allem Gro\u00dfbritannien und Frankreich aus ihren\nkolonialen \u201eErwerbungen\u201c gigantische Gewinne bezogen und damit\nihre jeweilige industrielle Entwicklung finanzierten und den\nBinnenmarkt befeuerten, d\u00fcrften die eher bescheidenen\nKolonialgebiete, die das Deutsche Reich sich aneignen konnte, in der\nGesamtbilanz nie Nettogewinne an das Heimatkapital abgef\u00fchrt haben.\nIn Deutschland entwickelte sich die Parole, man wolle endlich auch\n\u201eeinen Platz an der Sonne\u201c haben. Eine Losung, die Ende des 19.\nJahrhunderts, auch in rechten SPD-Kreisen an Unterst\u00fctzung gewann \u2013\nso bei dem SPD-Politiker Gustav Noske, der ab 1906\nReichstagsabgeordneter war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieses \u201ezu\nsp\u00e4t gekommenen Imperialismus\u201c entwickelten die Eliten in\nDeutschland Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Kapitalexpansion <em>mit\nmilit\u00e4rischen Mitteln. <\/em>Der Schlieffen-Plan\nwar eine Konkretisierung dieses Gedankens. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Milit\u00e4rs im Deutschen\nReich entwickelten den Plan f\u00fcr einen Angriffskrieg, mit dem\nzun\u00e4chst im Westen, vor allem gegen\u00fcber Frankreich, in einem\n\u201eBlitzkrieg\u201c ein Erfolg erreicht werden sollte. Danach sollten so\ngut wie alle Kr\u00e4fte gen Osten geworfen und dort \u2013 vor allem\ngegen\u00fcber Russland \u2013 ein Krieg entfesselt werden. Der\nSchlieffen-Plan war der Plan f\u00fcr einen Angriffskrieg an zwei\nFronten. Es war ein Plan, zur Unterwerfung Europas unter eine\ndeutsche Kontrolle. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Er wurde konkretisiert\ndurch Dutzende \u201eDenkschriften\u201c, mit denen f\u00fchrende deutsche\nUnternehmer und Banker w\u00e4hrend des Krieges deutlich machten, dass\ndas Ziel eine gewaltige Erweiterung des deutschen Reichsgebiets war.\nExemplarisch sei hier aus einem solchen Dokument \u00fcber \u201edie\nzuk\u00fcnftige Gestaltung Europas\u201c zitiert, das August Thyssen, der\nEigent\u00fcmer des zweitgr\u00f6\u00dften deutschen Stahlkonzerns im September\n1914  &#8211; also wenige Wochen nach Kriegsbeginn \u2013 an die\nReichsregierung richtete. Dort hei\u00dft es u.a.: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eUnsere Armee ist gradezu [sic] gro\u00dfartig. [\u2026] Ich\nsehe ein, wie gro\u00df und k\u00fchn man in Berlin alles plante [\u2026] Die\nZeit kommt n\u00e4her, wo wir [\u2026) den Friedensvertrag vorbereiten\nm\u00fcssen. [\u2026] Werden wir den Krieg so glorreich durchf\u00fchren, wie\nwir ihn begonnen haben, dann werden wir Frankreich und Russland\nniederwerfen und beiden Staaten die Bedingungen [\u2026] diktieren\nk\u00f6nnen. [\u2026] Was zun\u00e4chst das westliche Gebiet anbelangt, so bin\nich der Meinung, dass Belgien, die [franz\u00f6sischen; W.W.]\nDepartements du Nord und Pas de Calais mit den H\u00e4fen D\u00fcnkirchen und\nBoulogne, das Departement Meurthe und Moselle mit dem franz\u00f6sischen\nFestungsg\u00fcrtel und der Maas als Grenze bis zur H\u00f6he von Givet und\nim S\u00fcden die Departements Vosges und Haut-Saone mit der Festung\nBelfort dem Reiche als Reichsland einverleibt werden m\u00fcssen.\nRussland muss uns die Ostseeprovinzen, vielleicht Teile von Polen und\n<\/p>\n\n\n\n<p> Don-Gebiet mit Odessa, die Krim, sowie asowisches Gebiet und\nden Kaukasus abtreten, um auf dem Landwege Kleinasien und Persien zu\nerreichen. [\u2026] Wir werden nur dann eine Weltmachtstellung erreichen\nk\u00f6nnen, wenn wir jetzt nach dem Kaukasus und Kleinasien kommen, um\nEngland in \u00c4gypten und Indien [\u2026] erreichen zu k\u00f6nnen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Der Weltkrieg wurde von\nder deutschen bzw. von der \u00f6sterreichisch-habsburgischen Seite\nbegonnen \u2013 was die Bombardierung von Belgrad durch die\n\u00f6sterreichische Armee ab dem 29. Juli 1914, der Einfall der\ndeutscher Einheiten in das neutrale Gro\u00dfherzogtum Luxemburg am 2.\nAugust und der Einmarsch der deutschen Armeen in das neutrale Belgien\nam 4. August 1914 dokumentieren. Es war dann auch das Deutsche Reich,\ndas diesen Krieg als erstes mit extrem brutalen und\nv\u00f6lkerrechtswidrigen Mittel f\u00fchrte. Das gilt f\u00fcr den\nunbeschr\u00e4nkten U-Boot-Krieg: deutsche U-Boote griffen hunderte\nzivile Schiffe an und versenkten sie. Das gilt f\u00fcr die Massaker, die\ndeutsche Truppen in Belgien und die \u00f6sterreichische Truppen in\nSerbien an der Zivilbev\u00f6lkerung ver\u00fcbten. Und das wird mit dem\nEinsatz von Giftgas an der Front dokumentiert, den die deutschen\nMilit\u00e4rs als Erste begonnen hatten und der vor allem auf Seiten der\nKriegsgegner zehntausende Opfer forderte.<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Krieg spielte in\nDeutschland im \u00dcbrigen Antisemitismus eine gro\u00dfe Rolle. Juden \nwurden als Verantwortliche f\u00fcr die unzureichende\nLebensmittelversorgung im Reich hingestellt. Die Rede war von einem\n\u201eSystem Rathenau\u201c: Juden h\u00e4tten einen zu gro\u00dfen Einfluss im\nWirtschaftsleben, worauf der Industrielle Walter Rathenau (AEG) im\nM\u00e4rz 1915 die Leitung der Kriegsrohstoffabteilung im preu\u00dfischen\nKriegsministerium niederlegte. Am 11. November 1916 veranlasste der\npreu\u00dfische Kriegsminister Wild von Hohenborn eine \u201eJudenz\u00e4hlung\u201c\nim deutschen Heer, um zu pr\u00fcfen, inwieweit die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung\nin ausreichendem Ma\u00df ihren \u201evaterl\u00e4ndischen Verpflichtungen\nnachkommen\u201c w\u00fcrde.<sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des gesamten\nKriegs spielte die SPD eine entscheidende Rolle. Ohne sie h\u00e4tte der\ndeutsche Angriffskrieg nicht in dieser Form gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen \u2013\nja er w\u00e4re wohl dann verhindert worden, wenn die SPD an ihrer bis\nJuli 1914 praktizierten Anti-Kriegshaltung festgehalten, gegen den\nKrieg mobilisiert und im Reichstag gegen die Kriegskredite gestimmt\nh\u00e4tte. Die F\u00fchrungen von SPD und Gewerkschaften hatten beim Nahen\ndes Krieges zun\u00e4chst die Bef\u00fcrchtung, es k\u00f6nne der\nBelagerungszustand ausgerufen und damit die Bewegungsfreiheit der\nSPD-F\u00fchrung massiv eingeschr\u00e4nkt, eine allgemeine Zensur verh\u00e4ngt,\nSPD-Zeitungen verboten und Streiks grunds\u00e4tzlich untersagt werden.\nDoch der Obersten Heeresleitung und der Reichsf\u00fchrung mit Kaiser und\nKanzler war klar, dass die \u201eFront im Inneren\u201c stehen musste,\nwollte man den geplanten Krieg nach au\u00dfen f\u00fchren. Es gab Absprachen\nmit der SPD-F\u00fchrung \u00fcber einen de-facto-Tausch: Zustimmung der SPD\nim Reichstag zu den Kriegskrediten gegen die weitgehend ungehinderte\nWeiterexistenz der SPD w\u00e4hrend des Krieges. Wobei der entsprechende\nSPD-Verrat an den eigenen Antikriegszielen nicht vom Himmel fiel. Er\nentsprach der skizzierten Langzeitanpassung der SPD-F\u00fchrung an den\nkaiserlich-b\u00fcrgerlichen Nationalstaat. Bereits im November 1913,\nzehn Monate vor dem Krieg, verk\u00fcndete der sozialdemokratische\nGewerkschaftsf\u00fchrer Gustav Bauer, die Kriegsfrage sei \u201ekeine\nprinzipielle\u201c mehr, sondern \u201eein taktisches Problem: Es gilt f\u00fcr\ndas Proletariat abzuw\u00e4gen, ob der Krieg Vorteile bringen k\u00f6nne oder\nnicht und danach ist ihr Verhalten auszurichten.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Und so stimmte die\nSPD-Reichstagsfraktion bei einer internen Abstimmung mit 96 zu 14\nStimmen f\u00fcr die Kriegskredite. Im Reichstag selbst galt am 4. August\n1914 dann die Fraktionsdisziplin, die von allen eingehalten wurde:\n<em>alle<\/em> SPD-Abgeordneten,\nKarl Liebknecht eingeschlossen, stimmten f\u00fcr die Kriegskredite. Hugo\nHaase, ein Kriegsgegner, musste im Reichstag die Rede zur Begr\u00fcndung\nf\u00fcr das SPD-Ja zu den Kriegskrediten halten \u2013 m\u00fcndend in dem\nber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Satz: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir lassen das\nVaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich.\u201c Worauf der\nKaiser die ber\u00fcchtigte Antwort gab: \u201eIch kenne keine Parteien\nmehr, ich kenne nur noch Deutsche.\u201c Diese Schmieren<em>trag\u00f6die<\/em>\nerfolgte zu einem Zeitpunkt, als viele Zehntausende  Mitglieder von\nSPD und Gewerkschaften gegen den Krieg auf der Stra\u00dfe demonstrierten\n\u2013 insgesamt waren es im Juli 1914 rund 750.000. Die von der\nSPD-Reichstagsfraktion demonstrierte Einstimmigkeit zugunsten des von\nDeutschland ausgehenden Kriegs musste absolut entwaffnend wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst im Dezember 1914 gab\nes im Reichstag eine erste Stimme gegen den Krieg. Karl Liebknecht\nwagte als einziger diesen Schritt. Er war seit diesem Zeitpunkt <em>die<\/em>\nSymbolfigur im Widerstand gegen den Krieg. Dies trug wesentlich dazu\nbei, dass er am 15. Januar 1919 ermordet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar spaltete sich die SPD\n1916 noch w\u00e4hrend des Krieges. Genauer gesagt: Die SPD schloss die\nKriegsgegner aus; diese versammelten sich ab diesem Zeitpunkt in der\nUnabh\u00e4ngigen Sozialdemokratie; der USPD. Doch die\nMehrheitssozialdemokratie, die auch nach dem Weltkrieg die Mehrheit\nder Arbeiterinnen und Arbeiter hinter sich wusste, unterst\u00fctzte bis\nzum Kriegsende den Krieg und stimmte unter anderem f\u00fcr immer neue\nKriegskredite. Sie  engagierte sich auch in den Streiks gegen den\nKrieg \u2013 zu deren Verhinderung, Verk\u00fcrzung und f\u00fcr deren Abw\u00fcrgen.\nSie bzw. sozialdemokratische Gewerkschaftsf\u00fchrer waren auch zu einer\nengen Zusammenarbeit mit den Milit\u00e4rs bereit und lieferten an diese\nListen mit Streikf\u00fchrern, die darauf meist eingezogen und zum\nEinsatz an der Front  abkommandiert wurden.<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup>\nEs ist offensichtlich, dass der Krieg eine wichtige <em>Schule<\/em>\nwar, um die SPD-F\u00fchrung auf das vorzubereiten, was sie dann in der\nRevolution tat.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Dritte Voraussetzung: <\/strong><\/em> <em><strong>Eine Regierung mit SPD-Ministern am 3. Oktober 1918<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>In der offiziellen\nGeschichtsschreibung hei\u00dft es, mit dem Kriegsende, am 9. November\n1918 habe es eine <em>erste<\/em>\nparlamentarische Regierung mit SPD-Beteiligung gegeben. Das ist\nunrichtig. Vergleichbares erfolgte bereits gut einen Monat fr\u00fcher;\nam 3. Oktober 1918. An diesem Tag wurde in Deutschland die\nparlamentarische Demokratie eingef\u00fchrt und eine neue Regierung\ngebildet, der der SPD-F\u00fchrer Philipp Scheidemann und der\nGewerkschaftsf\u00fchrer Gustav Bauer als Staatssekret\u00e4re (das war die\ndamalige Bezeichnung f\u00fcr Minister) angeh\u00f6rten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Interimsregierung\nmit der SPD auf dem Klappsitz durfte dann, wie von der Obersten\nHeeresleitung gefordert, ein Waffenstillstandsgesuch beim\nUS-Pr\u00e4sidenten Wilson einreichen. Und es war auch die Oberste\nHeeresleitung selbst, die die SPD in die Regierung hievte. Deren\nf\u00fchrender Kopf, der \u201eErste Generalquartiermeister\u201c Erich\nLudendorff, der seit 1916 faktisch an der Spitze einer\nMilit\u00e4rdiktatur stand, erkl\u00e4rte Anfang Oktober 1918: \u201eIch habe\nSeine Majest\u00e4t gebeten, jetzt auch diejenigen Kreise an die\nRegierung zu bringen, denen wir es in der Hauptsache zu danken haben,\ndass wir soweit gekommen sind.\u201c Kurt Tucholsky schrieb sp\u00e4ter\neinmal: \u201eEs ist ein Ungl\u00fcck, dass die SPD Sozialdemokratische\nPartei Deutschlands hei\u00dft. Hie\u00dfe sie seit dem 1. August 1914\nReformistische Partei oder Partei des kleineren \u00dcbels oder Hier\nk\u00f6nnen Familien Kaffee kochen oder so etwas \u2013 vielen Arbeitern\nh\u00e4tte der neue Name die Augen ge\u00f6ffnet.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup>\nTucholsky w\u00e4re sicher mit der Erg\u00e4nzung einverstanden gewesen, die\nSPD k\u00f6nne man auch bezeichnen als \u201edie Partei, der wir verdanken,\ndass wir soweit gekommen sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was war passiert, dass\nes diesen 3. Oktober gab? Und warum wird dieses Datum  nirgendwo\nerw\u00e4hnt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Anfang 1917 hatte es\nimmer massivere Streiks in den deutschen Gro\u00dfbetrieben, insbesondere\nin der R\u00fcstungsindustrie gegeben. Im Januar 1918 hatten mehr als\n700.000 Arbeiterinnen und Arbeiter gestreikt. Wie sp\u00e4ter noch\ndazustellen sein wird, wurden diese Streiks in Berlin ma\u00dfgeblich von\neiner kleinen Gruppe konspirativ arbeitender Revolution\u00e4re\nvorbereitet und geleitet. Im Sommer desselben Jahres kam es zur\nMassendesertion und zu Absatzbewegungen von der Truppe: das deutsche\nHeer verlor binnen weniger Wochen bis zu einer Million Mann.\nGleichzeitig waren mehr als 200.000 frische Soldaten aus den USA in\nFrankreich gelandet und in den Krieg eingetreten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nKurz\ngesagt: Der Krieg war f\u00fcr den Kaiser, den Reichskanzler und f\u00fcr die\nOberste Heeresleitung schlicht verloren. In dieser Situation\nbereiteten die Verantwortlichen ihren Abgang vor: Sie machten sich\naus dem Staub. Sie setzten sich sp\u00e4ter nach Holland (der Kaiser) und\nnach Schweden (Ludendorff) ab. Sie \u00fcbertrugen zuvor die\nVerantwortung auf die SPD und die zivilen \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201c\nB\u00fcrgerlichen. Diese sollten die Suppe ausl\u00f6ffeln, die die Milit\u00e4rs,\ndie Wirtschaftsf\u00fchrer, die Junker und der Kaiser der deutschen\nBev\u00f6lkerung eingebrockt hatten. Wobei zum Suppe-Ausl\u00f6ffeln immer\nzwei geh\u00f6ren: einer der  das S\u00fcppchen braut und einer der die Br\u00fche\naufnimmt. Die SPD-F\u00fchrung war zu Letzterem bereit. Der\nSPD-Parteif\u00fchrer Friedrich Ebert formulierte dies perfekt wie folgt:\n \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eWir m\u00fcssen jetzt im Gegenteil uns in die Bresche\nwerfen. Wir m\u00fcssen dabei sehen, ob wir genug Einfluss bekommen, um\nunsere Forderungen durchzusetzen, und wenn es m\u00f6glich ist, sie mit\nder Rettung des Landes zu verbinden, dann ist es unsere verdammte\nPflicht und Schuldigkeit, dies zu tun.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Damit wurde aus Sicht der\nrechten Kreise die Basis f\u00fcr die Dolchsto\u00df-Legende gelegt: Die\nArmee war scheinbar \u201eim Felde unbesiegt\u201c, wie es Ebert sp\u00e4ter\nselbst best\u00e4tigen w\u00fcrde. Der Waffenstillstand musste von  einer\nRegierung mit SPD-Beteiligung erbeten und von Zivilisten im Wald von\nCompi\u00e8gne unterzeichnet werden \u2013 was demjenigen, der dies an\nf\u00fchrender Stelle tat, Staatssekret\u00e4r Matthias Erzberger, im Jahr\n1921 den Tod durch faschistische Femem\u00f6rder brachte. Die Milit\u00e4rs\nbeauftragten zwar Erzberger, in jedem Fall den Waffenstillstand zu\nunterzeichnen, gleichg\u00fcltig, welche Bedingungen die Sieger stellen\nw\u00fcrden, doch sie weigerten sich, den logischen letzten Schritt zu\ntun und selbst zu unterzeichnen. Die Siegerm\u00e4chte wiederum\nakzeptierten in Compi\u00e8gne diese seltsam zusammengesetzte Delegation.\nDie SPD und die \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201c b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte wurden auf\ndiese Weise auch f\u00fcr den Friedensvertrag von Versailles\nverantwortlich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich lie\u00df sich am Ende behaupten, es habe keine Verantwortlichen f\u00fcr den Krieg gegeben. Alle seien schlafwandelnd in denselben hineingestolpert. Irgendwie brach der Krieg aus. Und irgendwie wurde den tapferen deutschen Soldaten am Ende ein Dolchsto\u00df in deren R\u00fccken verpasst \u2013 durch die verr\u00e4terische Linke und durch b\u00fcrgerlich-liberale Flaumacher.<\/p>\n\n\n\n<h4>Anmerkungen:<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>\n\t  In Italien bestand die Monarchie auch w\u00e4hrend der faschistischen\n\tDiktatur. Sie wurde 1946 in einem Referendum (mit der eher knappen\n\tMehrheit von 54,3 %) abgeschafft. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>\n\t\u201eAngst macht mir die Verrohung der Sprache\u201c, Interview mit Mark\n\tJones in: Frankfurter Rundschau vom 12. November 2018.\n\tOffensichtlich hat sich Jones inzwischen dem Zeitgeist angepasst.\n\tDenn in seinem Buch \u201eFounding Weimar\u201c (\u201eAm Anfang war Gewalt\u201c;\n\tBerlin 2017) schreibt er noch von \u201eGr\u00fcndungsmassakern\u201c der\n\tFreikorps, die diese in Zusammenarbeit mit der SPD-F\u00fchrung ver\u00fcbt\n\th\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a>\n\tPeter von Oertzen, Betriebsr\u00e4te in der Novemberrevolution. Eine\n\tpolitikwissenschaftliche Untersuchung \u00fcber Ideengehalt und Struktur\n\tder betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterr\u00e4te in der\n\tdeutschen Revolution 1918\/19, Erstauflage 1963, hier nach: Bonn-Bad\n\tGodesberg 1976, S.53. Dieser richtungsweisenden Arbeit liegt eine\n\tpers\u00f6nliche Motivation zu Grunde: der Vater des Verfassers,\n\tFriedrich Wilhelm von Oertzen, war Freikorps-Offizier. Ich war 2001\n\tdaran beteiligt, einen Alternativentwurf f\u00fcr ein PDS-Programm zu\n\terarbeiten. Peter von Oertzen, der sich in den letzten Jahren seines\n\tLebens der PDS angen\u00e4hert hatte und u.a. im Kuratorium der Rosa\n\tLuxemburg-Stiftung aktiv war, beteiligte sich an diesen\n\tDiskussionen. Er skizzierte in diesem Zusammenhang sein Modell eines\n\tdemokratischen Sozialismus mit R\u00e4testrukturen und wandte sich \u2013\n\tzusammen mit Prof. Dr. Frank Deppe \u2013 am 27. Juni 2001 (vergeblich)\n\tan die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer mit der Aufforderung, eine\n\tbreite, auch \u00f6ffentlich gef\u00fchrte Debatte \u00fcber ein sozialistisches\n\tGrundsatzprogramm zu f\u00fchren. Brief abgedruckt in: Programm der PDS.\n\tEntwurf 2.2., Berlin, Sommer 2001.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>\n\tInterview mit Faulenbach im Deutschlandfunk am 2. August 2018;\n\tsiehe:\n\thttps:\/\/www.deutschlandfunk.de\/spd-loest-historische-kommission-auf-eine-gewisse.862.de.html?dram:article_id=424525<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>\n\tZitiert bei: Sebastian Haffner, Die Pariser Kommune, In: Haffner,\n\tHermlin, Tucholsky, Zwecklegenden, Die SPD und das Scheitern der\n\tArbeiterbewegung, Berlin 1996, S. 45.  \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a>\n\tKlaus Gietinger und ich antworteten auf das Buch von Clark, das\n\tallein in Deutschland eine verkaufte Auflage von mehr als 200.000\n\thatte, mit dem Buch \u201eDer Seelentr\u00f6ster. Wie Christopher Clark die\n\tDeutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl\u00f6ste\u201c (Stuttgart\n\t2017; Schmetterling). Clark identifiziert in seinem Buch in infamer,\n\toft rassistischer Weise die Serben als Kriegsausl\u00f6ser. Unser Buch\n\t\u201eDer Seelentr\u00f6ster\u201c erschien im November 2018 in serbischer\n\t\u00dcbersetzung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a>\n\tAbgedruckt in: Europastrategien des deutschen Kapitals 1900 \u2013\n\t1945, herausgegeben von Reinhard Opitz, Bonn 1994, S. 222.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>\n\t Nach den ersten Giftgaseins\u00e4tzen durch deutsche Truppen am 22.\n\tApril 1915 an der Westfront, bei Ypern, setzten auch die britischen,\n\tfranz\u00f6sischen und russischen Truppen Giftgas ein. Am Ende z\u00e4hlte\n\tdie deutsche Seite 2300 durch Giftgas Get\u00f6tete und die\n\t\u00f6sterreichisch-ungarische 3000 durch Giftgas Get\u00f6tete. Bis zu\n\t56.000 Soldaten der zaristischen Armee, 6109 britische Soldaten,\n\t8000 franz\u00f6sische und 14.000 US-amerikanische Soldaten wurden durch\n\tGiftgasangriffe der Mittelm\u00e4chte get\u00f6tet. Im Einzelnen nach: Klaus\n\tGietinger \/ Winfried Wolf, Der Seelentr\u00f6ster. Wie Christopher Clark\n\tdie Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl\u00f6ste, Stuttgart\n\t2017, S. 32.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a>\n\t Gietinger\/Wolf, S. 34f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a>\n\t Zitiert bei Gietinger\/Wolf, a.a. O., S. 170.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a>\n\tPeter von Oertzen dokumentierte in seinem Buch in diesem Sinne\n\tdetaillierte, \u201eeinwandfreie Belege f\u00fcr die Zusammenarbeit der\n\tGewerkschaftsf\u00fchrer mit den Milit\u00e4rbeh\u00f6rden\u201c. Siehe dort, S.\n\t63, Anmerkung 2. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a>\n\tZitiert in: Zwecklegenden, a.a.O., S. 4.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a>\n\tZitiert bei Haffner, Der Verrat, a.a.O., S. 34.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R\u00fcckblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verf\u00e4lscht die gro\u00dfe Mehrheit dieser Beitr\u00e4ge das, um was es damals ging. Die tats\u00e4chlichen Errungenschaften der Revolution \u2013 Frieden, Frauenwahlrecht, demokratische Grundrechte \u2013 werden nicht &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/170"}],"collection":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=170"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/170\/revisions\/173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}