{"id":174,"date":"2018-11-26T13:13:00","date_gmt":"2018-11-26T12:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=174"},"modified":"2020-01-28T20:19:59","modified_gmt":"2020-01-28T19:19:59","slug":"serie-zur-novemberrevolution-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=174","title":{"rendered":"Novemberrevolution \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Der deutsche Bundespr\u00e4sident Walter Steinmeier behauptete am Jahrestag der Novemberrevolution, es sei ein gro\u00dfes Verdienst der SPD, \u201edass sie in einem Klima der Gewalt [\u2026] den Kompromiss mit den gem\u00e4\u00dfigten Kr\u00e4ften des B\u00fcrgertums suchte\u201c. Eine genaue Untersuchung der Ereignisse zwischen November 1918 und M\u00e4rz 1920 ergibt ein anderes Bild: Damals suchte die F\u00fchrung der SPD immer wieder die enge Zusammenarbeit mit denen, die Verantwortung f\u00fcr den Weltkrieg trugen, die unvers\u00f6hnliche Feinde der Arbeiterbewegung waren und die sich als Vorreiter f\u00fcr den Faschismus erwiesen (\u00fcbrigens trug die besonders brutale Freikorps-Einheit Ehrhardt bereits 1920 das Hakenkreuz auf dem Helm).   <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit\ndieser Geschichtsverf\u00e4lschung, die auch Steinmeier vortr\u00e4gt, werden\nvor allem die tats\u00e4chlichen Ziele der Revolution \u2013 direkte\nDemokratie bzw. eine Kontrolle eines Parlaments durch R\u00e4te, gew\u00e4hlt\nvon der arbeitenden Bev\u00f6lkerung \u2013 in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf\u00fchrlichen\nText von Winfried Wolf zur Novemberrevolution, zur Bayerischen\nR\u00e4terepublik und zur aktuellen Debatte \u00fcber diese Ereignisse. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerste Teil hatte drei Ereignisse, die zum Verst\u00e4ndnis dieser\nRevolution wichtig sind, zum Thema: (1) die Sturzgeburt des Deutschen\nReichs 1871, (2) der Erste Weltkrieg und (3) die Bildung einer ersten\nparlamentarischen Regierung am 3. Oktober, also noch zu Kaisers\nZeiten. Teil 3 geht ein auf die Bayerische R\u00e4terepublik, nennt vier\nGr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern der Revolution und warnt vor einer neuen\nMilitarisierung, wie sie von der deutschen Bundeskanzlerin und von\ndem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten ausgerechnet im Zusammenhang mit dem\nGedenken an das Kriegsende vor 100 Jahren vorgetragen wurden. \/\/\n<em>NDS-Redaktion<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Klaus\nGietinger und Winfried Wolf ver\u00f6ffentlichten 2017 das Buch \u201eDer\nSeelentr\u00f6ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am\nErsten Weltkrieg erl\u00f6st.\u201c (Schmetterling Stuttgart). Er st\u00fctzt\nsich in seinem hier verbreiteten Text vor allem auf Klaus Gietinger,\nNovember 1918. Der verpasste Fr\u00fchling (Nautilus, Hamburg 2018),\nSebastian Haffner, Der Verrat \u2013 Deutschland 1918\/19 (verschiedene\nAusgaben verschiedener Verlage) und Richard M\u00fcller, Die Geschichte\nder Revolution (urspr\u00fcnglich drei B\u00e4nde; zuletzt Berlin 2011,\nBuchmacherei).<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Die Revolution in Deutschland <\/strong><\/em><em><strong>und die Debatte anl\u00e4sslich des 100. Jahrestags<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Diejenigen, die\nakzeptieren, dass es \u00fcberhaupt eine Revolution in Deutschland gab,\nstellen diese in der Regel als die Tat weniger dar. Teilweise als\nTheaterauff\u00fchrung oder Operette, Teilweise als Putsch. Oft als\nResultat einer Kabinettspolitik. Dabei gelegentlich als v\u00f6llig\nunn\u00f6tig. So hei\u00dft es in dem aufwendigen Heft \u201eGeo Epoche \u2013\nKollektion\u201c zum Thema \u201eDie Weimarer Republik\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie\ndeutsche Revolution ist umwuchert von Mythen [\u2026] Sie war,\nhistorisch gesehen, ein verfehltes Unternehmen. Sie bricht aus, als\nder Umbau des autokratischen Kaiserreichs in eine parlamentarische\nDemokratie praktisch vollendet und das Kriegsende nur noch eine Frage\nvon wenigen Tagen ist. [\u2026] Diese demokratische Umw\u00e4lzung ist das\nWerk des letzten kaiserlichen Kanzlers, Prinz Max von Baden.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Andere moderne Interpreten\nsehen die Revolution als Ergebnis einer Politik zur\u00fcckhaltend-kluger\nKr\u00e4fte. In diesem Sinne \u00e4u\u00dferte sich der deutsche\nBundespr\u00e4sidenten Walter Steinmeier, der am 100. Jahrestag der\nNovemberrevolution das Folgende ausf\u00fchrte: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEs bleibt das gro\u00dfe Verdienst der gem\u00e4\u00dfigten\nArbeiterbewegung, dass sie \u2013 in einem Klima der Gewalt, inmitten\nvon Not und Hunger \u2013 den Kompromiss mit den gem\u00e4\u00dfigten Kr\u00e4ften\ndes B\u00fcrgertums suchte, dass sie der parlamentarischen Demokratie den\nVorrang gab!\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Welche eine Verdrehung\nfast aller Umst\u00e4nde! Es gab kein Klima der Gewalt, insoweit es die\nRevolution betraf. Diese Revolution beendete ein extremes Klima der\nGewalt, das vom 4. August 1914 bis zum 9. November 1918 mit dem Krieg\nherrschte. F\u00fcr die SPD-F\u00fchrung mit Ebert, Scheidemann und Noske \u2013\nund diese meinte Steinmeier mit den \u201egem\u00e4\u00dfigten Kr\u00e4ften der\nArbeiterbewegung\u201c ganz offensichtlich \u2013 war die parlamentarische\nDemokratie nur ein Instrument, um eine direkte Demokratie von\nArbeiterr\u00e4ten oder eine Struktur, bei der das Parlament erg\u00e4nzt und\nkontrolliert wird durch Arbeiterr\u00e4te, zu verhindern. Vor allem\nsuchte die SPD nicht einen \u201eKompromiss mit den gem\u00e4\u00dfigten Kr\u00e4ften\ndes B\u00fcrgertums\u201c. Vielmehr ging sie ein jahrelanges B\u00fcndnis mit\nden rechtesten Kreisen ein, um mit Hilfe dieser die Revolution\nniederzuschlagen.  Gustav Noske sprach Klartext; Steinmeier direkt\nwidersprechend: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch habe mich immer auf das Nachdr\u00fccklichste jedem\nKompromiss <em>widersetzt<\/em>,\nweil bei mir nicht der geringste Zweifel bestand, dass die\nAuseinandersetzung zwischen revolution\u00e4rer Phraseologie und den\nrealen Notwendigkeiten fr\u00fcher oder sp\u00e4ter h\u00e4tte kommen m\u00fcssen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Was es im November 1918\nund danach in Deutschland gab, das war eine zutiefst demokratische,\nvon breiten Massen getragene Revolution, eine weitreichende Umw\u00e4lzung\nder politischen Verh\u00e4ltnisse. Die deutsche Revolution hatte eine\nbreitere soziale Basis und damit eine gr\u00f6\u00dfere demokratische\nLegitimation als die Oktoberrevolution in Russland (was nat\u00fcrlich\nauch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass in Russland 1917 die\nArbeiterklasse eine deutliche Minderheit darstellte und die gro\u00dfe\nMehrheit der Bev\u00f6lkerung auf dem Land lebte). Diese\nNovemberrevolution hatte das Ziel einer direkten Demokratie, wie sie\nim Wesentlichen durch die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te zum Ausdruck\ngebracht wurde. Sie war weitgehend unblutig, insoweit es die\nRevolution\u00e4re betrifft. Und sie war gnadenlos gutm\u00fctig und\nidealistisch \u2013 zu gutm\u00fctig angesichts ihrer Feinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nCharaktereigenschaften der deutsche Revolution lassen sich bei <em>drei\nunterschiedlichen geschichtlichen Ereignissen<\/em>\ndarstellen: In der eigentlichen Revolution und hier in den Monaten\nNovember und Dezember 1918. (2) Anfang Januar 1919, in derjenigen\nWoche, die f\u00e4lschlich als \u201eSpartakus-Aufstand\u201c bezeichnet wird.\n(3) In den Tagen nach dem Kapp-Putsch vom 13. M\u00e4rz 1920. Diese\nCharaktereigenschaften traten an vielen Orten und Regionen und in\nallen L\u00e4ndern der jungen Republik deutlich zu Tage. In diesem Text\ngehe ich jedoch \u2013 vor allem aus r\u00e4umlichen Gr\u00fcnden \u2013 prim\u00e4r\nauf die Ereignissen in Berlin ein; \u201enur\u201c die Bayerische\nR\u00e4terepublik wird erg\u00e4nzend behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf alle drei Ereignisse\nund in allen Regionen, in denen die Revolution mit ihren\ndemokratischen und antimilitaristischen Forderungen Gewicht erlangte,\nantwortete die SPD-F\u00fchrung mit dem Einsatz von milit\u00e4rischer\nGewalt. Mit der Ausf\u00fchrung dieser Milit\u00e4rgewalt beauftragte sie die\nganz Rechten, die Freikorps. Diese Gewaltanwendung steigerte sich von\nEreignis zu Ereignis \u2013 bis hin zu einer unerh\u00f6rten, in der\ndeutschen Geschichte seit dem drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg nie dagewesenen\nGewaltorgie. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erstaunlich und\ngrotesk, wenn am 9. November 2018 in der Tageszeitung <em>taz<\/em>\nin einem Interview mit einem Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung\nund einem Vertreter der Rosa Luxemburg-Stiftung die Frage gestellt\nwird \u201eWann haben Sie zuletzt die Parole geh\u00f6rt: Wer hat uns\nverraten \u2013 Sozialdemokraten?\u201c und dann der SPD-Mann antwortet:\n\u201eIch finde das historisch ziemlich undifferenziert\u201c, wobei der\nVertreter der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Stillschweigen zustimmt und\nerg\u00e4nzt mit: \u201eIm Ernst w\u00fcrde den [einen solchen \u00b4Spruch\u00b4; W.W.]\nheute keiner mehr von sich geben.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Verrat ist sicher auch\neine moralische Kategorie. Es geht hier jedoch um eine politische\nDefinition. Darum, dass die SPD 1918 bis 1920 <em>vorgab<\/em>,\nf\u00fcr Demokratie, Frieden und die Revolution einzutreten, dass sie\njedoch gleichzeitig und <em>hinter dem R\u00fccken\nihrer Anh\u00e4nger<\/em> aufs Engste mit denen\nzusammenarbeitete, die f\u00fcr Diktatur, Krieg und Konterrevolution\nstanden und die den Faschismus von 1933 vorbereiteten.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Der 9.\nNovember und die Zeit bis Ende des Jahres 1918<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Ausl\u00f6ser der deutschen\nRevolution war eine Befehlsverweigerung von Matrosen und eine Revolte\nder Kriegsschiffbesatzungen in Wilhelmshaven am 28. Oktober 1918.\nDiesen war \u2013 ziemlich \u00fcberraschend und in offenem Widerspruch zur\neigentlichen Einsch\u00e4tzung der Obersten Heeresleitung \u2013 von der\nFlottenf\u00fchrung das Auslaufen der Schiffe aus den H\u00e4fen befohlen\nworden. Gewissenerma\u00dfen f\u00fcnf nach zw\u00f6lf sollte noch eine\nEntscheidungsschlacht mit der britischen Flotte gesucht werden. Die\neinzelnen Etappen dieser Meuterei sollen hier nicht nachgezeichnet\nwerden.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup>\nFest steht: Im Zentrum standen hier die mutigen Taten Weniger. Und:\nEs waren <em>unkoordinierte<\/em>\nund <em>nicht organisierte<\/em>\nAktivit\u00e4ten von Meuterei und Aufstand. Ein vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt\nder Meuterei bestand darin, dass am 4. November in Kiel die Matrosen\ndes Dritten Geschwaders Soldatenr\u00e4te w\u00e4hlten, ihre Offiziere\nentwaffneten, auf den Schiffen rote Fahnen hissten und hunderte\nMatrosen befreiten. Es handelte sich bei den befreiten Matrosen um\ndiejenigen, die zuvor in Wilhelmshaven gemeutert hatten, die von dort\ndurch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel transportiert wurden und die in\nKiel im Gef\u00e4ngnis auf ihre Aburteilung gewartet hatten. Bis zum 7.\nNovember hatte der Aufstand an den K\u00fcsten auch L\u00fcbeck,\nBrunsb\u00fcttelkoog, Hamburg, Bremen und \u2013 erneut &#8211; Wilhelmshaven\nerfasst; er griff bereits auf westdeutsche St\u00e4dte wie K\u00f6ln,\nHannover und Oldenburg \u00fcber. Die SPD-F\u00fchrung und die neue von der\nSPD mitgetragene Reichsregierung entsandten Gustav Noske nach Kiel,\nder von dort nach Berlin telegrafierte, er habe nur \u201edie eine\nHoffnung: freiwillige R\u00fcckkehr [der Matrosen; W.W.] zur Ordnung\nunter sozialdemokratischer F\u00fchrung.\u201c Der Kurzzeitkanzler Prinz Max\nvon Baden lie\u00df auch keinen Zweifel daran, was die Funktion der\nNoske-Mission sei, als er im Kabinett den Beschluss durchsetzte:\n\u201eFreie Hand f\u00fcr Noske bei dem Versuch, den lokalen Aufstand zu\nersticken.\u201c Selbst zu diesem Zeitpunkt agierte die SPD-F\u00fchrung im\nSinne der Obersten Heeresf\u00fchrung und des Kaisers.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Geist war der\nFlasche entwichen. Sie lie\u00df sich nicht mehr schlie\u00dfen. Die Revolte\nbreitete sich aus und ergriff die Hauptstadt. Am 9. November wurde\ndie neue Staatsform gleich  zwei Mal ausgerufen \u2013 als \u201edeutsche\nRepublik\u201c durch Gustav Scheidemann bzw. als \u201esozialistische\nRepublik in Deutschland\u201c durch Karl Liebknecht. Das waren noch mehr\noder weniger spontane Aktionen. Doch dann gab es doch so etwas wie\nein revolution\u00e4res Zentrum: Echte Revolution\u00e4re nahmen die Sache in\ndie Hand. Und wer waren diese? Rosa Luxemburg? Karl Liebknecht? Die\nUSPD-F\u00fchrung? Die Spartakisten, damals der linke Fl\u00fcgel in der\nUSPD? Niemand von diesen! Es war eine Gruppe, die als Revolution\u00e4re\nObleute in die Geschichte einging. Gingen sie wirklich in die\nGeschichte ein? Jedenfalls h\u00e4tten sie so eingehen m\u00fcssen.\nAnl\u00e4sslich der 100-Jahr-Feiern wurden sie jedoch bestenfalls am\nRande erw\u00e4hnt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im offiziellen Gedenken\nwurde nirgendwo ihre zentrale Rolle begriffen und dargelegt. In dem\nzitierten Geo-Heft ist die Rede von \u201eSPD-Obleuten\u201c, die die\nSPD-F\u00fchrung warnen, die \u201eRevolution sei nicht aufzuhalten\u201c.<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup>\nEine groteske Fehleinsch\u00e4tzung bzw. Falschdarstellung. Eine l\u00f6bliche\nAusnahme bildet dabei Klaus Gietinger, der aktuell mit seinem neuen\nBuch \u201eNovember 1918\u201c durch die Lande tourt und mit seinen\nVortr\u00e4gen die zentrale Rolle der Obleute ausf\u00fchrlich herausarbeitet\nund die Ignoranz der offiziellen Geschichtsschreibung anprangert<sup>\n<a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup>.\nSebastian Haffner beschreibt diese Gruppe wie folgt: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Gruppe der Revolution\u00e4ren Obleute hatte sich in\nden gro\u00dfen Streiks des vergangenen Winters [also des Winters\n1917\/1918; W.W.] gebildet. Sie waren die wirklichen Streikf\u00fchrer\ngewesen. Seitdem hielten sie konspirativ zusammen, seit einigen\nWochen planten sie die Revolution, und am 4. November hatten sie \u2013\nohne von der Lawine etwas zu ahnen, die an diesem Tag in Kiel ins\nRollen kam \u2013 einen Putsch in Berlin f\u00fcr den 11. November\nbeschlossen, Waffen besorgt und verteilt und Pl\u00e4ne zu einem\nHandstreich auf die Regierungszentren entworfen. Die Entwicklung war\nden Revolution\u00e4ren Obleuten dann davon gelaufen, aber sie waren\nnicht gesonnen, sie \u00fcber sie hinweggehen zu lassen.  Am Nachmittag\ndieses 9. Novembers, w\u00e4hrend die Massen begeistert, ziellos und\nschon etwas erm\u00fcdet durch die Stra\u00dfen von Berlin wogten, w\u00e4hrend\nEbert in der Reichskanzlei zu regieren versuchte und w\u00e4hrend die\nFraktionen der SPD und USPD endlos tagten und sich nicht dar\u00fcber\neinig werden konnten, unter welchen Bedingungen die USPD in Eberts\nRegierung eintreten k\u00f6nnte, hielten die Revolution\u00e4ren Obleute eine\nBeratung ab und schritten zur Tat. [\u2026] Sie sahen klar, worauf es\njetzt ankam: den Massen eine handlungsf\u00e4hige Spitze zu geben, ein\nOrgan, das Politik machen konnte, eine Revolutionsregierung. [\u2026]\nSie trommelten ein paar hundert ihrer Gefolgsleute zusammen. Am Abend\n[\u2026] besetzten sie den Reichstag.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Peter von Oertzen\nanalysiert die Obleute in \u00e4hnlicher Weise. Er unterstreicht, dass\ndiese zwar fast alle \u201eder USPD angeh\u00f6rten und die Partei als\nPlattform ihrer T\u00e4tigkeit nutzten\u201c, dass sie aber zugleich sich\nals \u201eselbst\u00e4ndige Gruppe\u201c verstanden und \u201enicht als Anh\u00e4ngsel\nder Parteiorganisation.\u201c F\u00fcr Oertzen waren \u201edie revolution\u00e4ren\nObleute im Grunde nichts anderes als die Organisation der\nArbeitermassen selbst.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Peter von\nOertzen, dem ehemaligen Mitglied im Kuratorium der\nRosa-Luxemburg-Stiftung, stellte Uwe Sonnenberg, der Vertreter dieser\nStiftung, am 9. November 2018 fest: \u201eEs gab keine politische Kraft,\ndie ein Konzept f\u00fcr die Revolution hatte und auf den 9. November\nvorbereitet war\u201c.<sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup>\nDoch, diese Kraft gab es. Der f\u00fchrende Kopf der Revolution\u00e4ren\nObleute, Richard M\u00fcller schrieb: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Vorbereitungen der Revolution\u00e4ren Obleute [\u2026]\nwirkten zweifellos mitentscheidend auf den Lauf der Dinge. In vielen\nSitzungen waren alle Eventualit\u00e4ten des Aufstandes mit den\neinflussreichsten Personen der Gro\u00dfbetriebe durchgesprochen worden.\n[\u2026] Am Tag des Aufstands bedurfte es keiner Leitung, sie w\u00e4re auch\nrein technisch nicht m\u00f6glich gewesen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Obleute hatten in\nEbert und in den Mehrheitssozialisten einen vergleichbar gut\norganisierten Gegenspieler. Und sie standen vor dem Dilemma einer\nMehrheit von Arbeitern und Soldaten, die von der Revolution\nbegeistert und zugleich gegen\u00fcber der SPD-F\u00fchrung naiv waren. Und\ndann erhielt die Mehrheitssozialdemokratie heimliche und sp\u00e4ter\noffene Unterst\u00fctzung durch die Kr\u00e4fte des untergegangenen Regimes,\nvor allem durch das Milit\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend des 9. November\nbeschloss eine von den Revolution\u00e4ren Obleuten angef\u00fchrte,\nimprovisierte Tagung im besetzten Reichstag, bereits am n\u00e4chsten\nTag, dem 10. November, in allen Betrieben und Kasernen Arbeiter- und\nSoldatenr\u00e4te w\u00e4hlen zu lassen. Diese sollten sich am gleichen Tag\num f\u00fcnf Uhr nachmittags  im Zirkus Busch versammeln, um eine\nrevolution\u00e4re F\u00fchrung zu bestimmen. Die zun\u00e4chst \u00fcberrumpelte\nSPD-F\u00fchrung mobilisierte umgehend die eigenen Leute. Noch in der\nNacht vom 9. auf den 10. November konnte die SPD-F\u00fchrung in den\nBerliner Kasernen 40.000 Flugbl\u00e4tter verteilen. Der von der SPD im\nAmt belassene preu\u00dfische Kriegsminister Sche\u00fcch gew\u00e4hrte dabei\nwichtige logistische Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammensetzung der\nrund 3000 neu gew\u00e4hlten Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, die sich dann\nam 10. November um 5 Uhr nachmittags im Zirkus Busch versammelt\nhatten, war dann zur \u00dcberraschung der Obleute mehrheitlich\nSPD-dominiert. Das galt insbesondere f\u00fcr die Soldatenr\u00e4te. Das war,\nso Gietingers Erkenntnis, vor allem der mangelnden Agitation der USPD\nunter den Soldaten geschuldet. In der Zirkus-Busch-Arena dominierten\nForderungen nach \u201eEinigkeit\u201c und \u201eKein Bruderkampf!\u201c. Nachdem\ndort als erster Redner Friedrich Ebert in staatsm\u00e4nnischem Ton\nverk\u00fcndet hatte, dass man am Vormittag eine Regierung der\nVolksbeauftragten gebildet h\u00e4tte, die parit\u00e4tisch aus SPD und USPD\nzusammengesetzt sei, konnte der zweite Redner, der USPD-F\u00fchrer\nHaase, dem im wesentlichen nur beipflichten. Der dritte Redner war\ndie Revolutionsikone Karl Liebknecht. Doch dieser setzte\noffensichtlich die falschen Akzente, als er in seiner Ansprache vor\nallem  die Rolle der SPD im Krieg brandmarkte. Er erntete dabei, wie\nRichard M\u00fcller von der Obleuten berichtet, \u201emerklichen\nWiderspruch\u201c.<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup>\nGietinger \u00fcbertreibt wohl, wenn er schreibt, Liebknecht sei\n\u201eniedergeschrien\u201c worden. Laut Richard M\u00fcllers Bericht agierten\ndie Obleute bei diesem entscheidenden Treffen auch als Gruppe h\u00f6chst\nungeschickt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich wollten die\nObleute, gerade weil sie die Man\u00f6ver der SPD erkannt hatten und weil\nsie wussten, dass im Zirkus die SPD eine Mehrheit hatte, ohne gr\u00f6\u00dfere\nDebatte einen <em>Aktionsausschuss<\/em>\nw\u00e4hlen lassen, der ausschlie\u00dflich aus \u201ezuverl\u00e4ssigen\nMitgliedern\u201c der Obleute und des Spartakusbundes bestanden h\u00e4tte.\nDies sollte, wie Richard M\u00fcller schreibt, \u201eohne jede Debatte,\ngewisserma\u00dfen durch einen Bluff [\u2026] zustande kommen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup>\nDoch der Top-Mann der Obleute, Barth, glaubte eine Rede zur\nBegr\u00fcndung dieses Aktionsausschusses halten zu m\u00fcssen. M\u00fcller: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDas war ein Fehler. Der aufmerksame Zuh\u00f6rer erkannte\nzwischen Barths Worten die nicht klar ausgesprochenen Absichten. Im\nletzten Augenblick verlangte nun Ebert das Wort und meinte, er halte\neinen solchen Aktionsausschuss nicht f\u00fcr notwendig, aber, wenn schon\neiner gew\u00e4hlt werden sollte, dann m\u00fcsste er wie die Regierung\nparit\u00e4tisch von beiden Parteien besetzt werden.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Eberts konnte sich mit\nseiner Forderung schlussendlich durchsetzen. Der \u201eAktionsausschuss\u201c\n\u2013 sein sp\u00e4terer Name lautete \u201eVollzugsrat\u201c \u2013 zur Kontrolle\nder Regierung der Volksbeauftragten wurde zwar gew\u00e4hlt. Doch auch\ndieser war nun parit\u00e4tisch besetzt. Hinzu kam: Die Linke  war im\nVollzugsrat personell nicht optimal vertreten; Karl Liebknecht\nweigerte sich, sich in ein Gremium \u201ezusammen mit den\nKriegsunterst\u00fctzern der SPD\u201c hineinw\u00e4hlen zu lassen.<sup><a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Gut einen Monat sp\u00e4ter,\nam 16. Dezember, kam es in Berlin zum ersten Reichsr\u00e4tekongress.\nFormal gesehen war dies ein gewaltiger Fortschritt. Und dies h\u00e4tte\nauch einen neuen H\u00f6hepunkt der Revolution darstellen k\u00f6nnen. Doch\ninhaltlich war der revolution\u00e4re Elan verpufft. Vergleichbares zu\ndem, was die Revolution\u00e4ren Obleute auf Berliner Ebene an Strukturen\ngeschaffen hatten, gab es auf der Ebene des Reichs nicht. Spartakus\nz\u00e4hlte Deutschland-weit zu diesem Zeitpunkt erst wenige Tausend\nMitglieder. Die USPD war politisch h\u00f6chst heterogen und\norganisatorisch ebenfalls wenig verankert. So war der\nReichsr\u00e4tekongress Mitte Dezember 1918 noch mehr als die Versammlung\nim Zirkus Bush am 10. November 1918 von der Mehrheitssozialdemokratie\ndominiert. Der Reichsr\u00e4tekongress beschloss, wie von Ebert\ngefordert, die Vorverlegung des Wahltermins f\u00fcr die\nNationalversammlung auf den 19. Januar 1919. Damit war ein\nentscheidendes Ziel der SPD-Rechten n\u00e4her ger\u00fcckt: Die R\u00fcckf\u00fchrung\naller Regierungsgewalt in indirekt-demokratische Strukturen und die\nweitere Unterminierung der Strukturen direkter Demokratie, so der\nArbeiter- und Soldatenr\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n<p>Anstelle des am 10.\nNovember gew\u00e4hlten Vollzugsrats w\u00e4hlte der Reichsr\u00e4tekongress\neinen sechszehnk\u00f6pfigen Zentralrat, dessen Kompetenzen gegen\u00fcber\nder Regierung im Vergleich zum Vollzugsrat nochmals deutlich gestutzt\nwaren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00e4hnlich wie\nLiebknecht es am 10. November abgelehnt hatte, sich in den\nAktionsausschuss bzw. in den Vollzugsrat w\u00e4hlen zu lassen, weigerten\nsich nun die Unabh\u00e4ngigen, sich an dem Zentralrat \u00fcberhaupt zu\nbeteiligen. Dieser wurde damit eine reine SPD-Angelegenheit. Dabei\nzeichnete sich durchaus ab, dass die Arbeiterbasis und die R\u00e4te sich\npolitisierten. So forderte der Kongress die Sozialisierung der\nSchl\u00fcsselindustrien. Auf Antrag eines Hamburger Soldatenrats  wurde\nmit gro\u00dfer Mehrheit eine weitreichende Umgestaltung des\nMilit\u00e4rwesens beschlossen: die Oberste Kommandogewalt m\u00fcsse bei den\nVolksbeauftragten \u2013 \u201eunter Kontrolle des Zentralrats\u201c \u2013\nliegen; die Disziplinargewalt bei den Soldatenr\u00e4ten; es m\u00fcsse\n\u201efreie Offizierswahl\u201c herrschen. Die Angst vor einer neuen\nMilit\u00e4rdiktatur sa\u00df so gut wie allen in den Knochen. Der\ngrundlegend antimilitaristische Charakter der Revolution wurde mit\ndem Beschluss dieser \u201eHamburger Punkte\u201c ein weiteres Mal\nunterstrichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch solche Beschl\u00fcsse\nentsprachen weitgehend Wunschdenken. Die Entscheidungen fielen l\u00e4ngst\nnicht mehr auf Ebene von Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten. Die Regierung\nder Volksbeauftragten war zum entscheidenden Machtzentrum geworden.\nUnd in dieser wurde die Dominanz der Mehrheitssozialdemokraten von\nTag zu Tag gr\u00f6\u00dfer \u2013 auch aufgrund der mangelnden personellen\nQualit\u00e4ten der dort vertretenden USPD-Leute bzw. der Weigerung\nf\u00fchrender Radikaler, in dieses Gremium zu gehen. Am 29. Dezember\ntraten dann die USPD-Vertreter sogar aus der Regierung der\nVolksbeauftragten aus. Damit waren die rechten Sozialdemokraten auch\ndort unter sich. Diese Entwicklungen nach rechts auf den oberen\nEbenen sind auch deshalb tragisch, weil es unter den Arbeitern zu\neiner entgegengesetzten Entwicklung kam. Peter von Oertzen schreibt: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eAn diesen Vorg\u00e4ngen ist besonders bemerkenswert,\ndass die sozialdemokratischen Arbeiterr\u00e4te, obwohl in politischer\nHinsicht noch den Auffassungen ihrer Parteileitung treu, in den\nwirtschaftlichen Fragen anfingen, eigene Wege zu gehen und [\u2026] ein\neigenes R\u00e4te- und Wirtschaftsprogramm zu entwickeln. [\u2026] Auch auf\npolitischem Gebiet l\u00f6ste sich die sozialdemokratische Front\nallm\u00e4hlich auf. Obwohl die SPD und die Demokraten am 17. Januar 1919\nbei der Wahl zum Vollzugsrat, eine klare Mehrheit erhalten hatten,\ngelang es der USPD-Fraktion doch, bei Abstimmungen \u00fcber\ngrunds\u00e4tzliche politische Fragen am 17. Januar und am 31. Januar\n1919 jeweils ein Drittel der gegnerischen Arbeiterr\u00e4te auf ihre\nSeite zu ziehen und ihre Resolutionen durchzubringen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die SPD-F\u00fchrer in den\nentscheidenden Regierungs\u00e4mtern arbeiteten vom ersten Tag der\nRevolution an hinter dem R\u00fccken der Massen und meist ohne Wissen von\nKontrollgremien wie Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Aktionsausschuss und\nVollzugsrat mit den rechten Milit\u00e4rs und mit der Obersten\nHeeresleitung, die zun\u00e4chst im belgischen Spa und ab dem 14.\nNovember in Kassel-Wilhelmsh\u00f6he ihren Sitz hatte, eng zusammen. Im\nZentrum stand dabei eine Art Pakt, den der Chef der Obersten\nHeeresleitung, General Groener, mit Friedrich Ebert noch am 10.\nNovember, nach der turbulenten Tagung im Zirkus Busch, geschlossen\nhatte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Groener forderte von Ebert\ndie Bek\u00e4mpfung von \u201eBolschewismus und Radikalismus\u201c, faktisch\ndes Spartakusbundes. Groener bot daf\u00fcr jede m\u00f6gliche milit\u00e4rische\nUnterst\u00fctzung. Die Verbindung wurde dabei in gro\u00dfen Teilen \u00fcber\neine geheime Telefonleitung gehalten, die noch aus Kriegszeiten das\nmilit\u00e4rische Hauptquartier (zun\u00e4chst in Spa, dann in Kassel) mit\ndem Kanzleramt verband. Groener berichtet, dass er noch in der Nacht\nvom 10. auf den 11. November ein \u201eB\u00fcndnis\u201c mit Ebert geschlossen\nhabe. Ebert schwieg dazu; widersprach jedoch nicht. Groener: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEbert ging [in dieser Nacht; W.W.] auf meinen\nB\u00fcndnisvorschlag ein. [\u2026] Von da an besprachen wir uns t\u00e4glich\nabends auf einer geheimen Leitung zwischen der Reichskanzlei und der\nHeeresleitung \u00fcber die notwendigen Ma\u00dfnahmen. Dieses B\u00fcndnis hat\nsich bew\u00e4hrt.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Und so kam es bereits in\ndieser ersten Phase der Novemberrevolution bei allen tastenden\nSchritten, die die revolution\u00e4ren Massen machten, und bei allen\nAktivit\u00e4ten, die die Radikalen sich ausdachten, zu konkreten Akten\nder milit\u00e4rischen Konterrevolution. Wobei diese fast immer, dies\njedoch f\u00fcr die Massen nicht erkenntlich, in geheimer Absprache mit\nEbert (und einem engen SPD-Kreis um diesen herum) erfolgten. Zwei\nBeispiele:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bereits am 10.\n\tDezember marschierten zehn Divisionen des geschlagenen Heeres in\n\tBerlin ein. Diese hatten, wie Groener festhielt, ein genau\n\tdefiniertes \u201emilit\u00e4risches Programm\u201c. Es bestand vor allem in\n\tder \u201eS\u00e4uberung Berlins von Spartakisten\u201c und in \u201eder\n\tEntwaffnung Berlins\u201c. Das Programm \u2013 das erst 1940 \u00f6ffentlich\n\tgemacht wurde \u2013 enthielt Punkte wie den Folgenden: \u201eWer ohne\n\tWaffenschein noch Waffen in Besitz hat, wird erschossen.\u201c Das\n\tProgramm, das im Zeitraum 10. bis 15. Dezember umgesetzt werden\n\tsollte, konnte dann jedoch nicht realisiert werden. Und dies aus dem\n\teinfachen Grund, weil die heimkehrenden Divisionen sich in dem\n\trevolution\u00e4ren Klima Berlins schlicht aufl\u00f6sten und die gro\u00dfe\n\tMehrheit der Soldaten nach Hause ging. Schlie\u00dflich nagte der Hunger\n\tim Magen und klopfte Weihnachten an den T\u00fcren.\n\t<\/li><li>An Weihnachten gab es\n\tden n\u00e4chsten Vorsto\u00df der Konterrevolution. Die Volksmarinedivision\n\t(VMD), eine bis dahin der Revolution, aber auch der SPD gewogene\n\tTruppe mit urspr\u00fcnglich 3000 Mann, die seit Revolutionsbeginn im\n\tBerliner Schloss ihr Quartier hatte, wurde als Unsicherheitsfaktor\n\tidentifiziert und sollte nach dem Willen der SPD-F\u00fchrung \u2013\n\tunterst\u00fctzt von Groener \u2013 verlegt und verkleinert werden. Ein\n\tMittel dabei war, dass ihnen wiederholt der Sold vorenthalten wurde.\n\tDie Soldaten wehrten sich und besetzen in diesem Zusammenhang die\n\tReichskanzlei und setzten zeitweilig sogar die Volksbeauftragten\n\tunter Hausarrest. Ebert forderte \u00fcber seine Direktleitung Hilfe an.\n\tDiese wurde ihm gew\u00e4hrt; anscheinend sichere Truppen aus der\n\tBerliner Umgebung wurden herangef\u00fchrt. \n\t\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Es\nkam \u2013 auf Befehl Eberts \u2013 am 23. Dezember 1918 zum offenen\nAngriff auf die Volksmarinedivision. Diese wehrte sich in ihrem\nQuartier, dem Marstall des Schlosses, mit ihren Waffen und hielt\nstundenlang dem massiven Beschuss stand. W\u00e4hrend des Kampfes\nstr\u00f6mten tausende Menschen, auch Frauen mit Kindern, auf den\nSchlossplatz und unterst\u00fctzten die Volksmarinedivision. Die\nMassenpr\u00e4senz wirkte zersetzend auf die Konterrevolution\u00e4re. Eine\ngr\u00f6\u00dfere Zahl der Truppe desertierte; die Volksmarinedivision\nsiegte. Entnervt kabelte der Generalstabsoffizier, der die Verbindung\nzum Hauptquartier hielt, nach Kassel: \u201eDie Truppen des\nGeneralkommandos Lequis sind nicht mehr aktiv verwendungsf\u00e4hig.\u201c\nIm Hauptquartier der Milit\u00e4rs in Kassel herrscht Panikstimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re in dieser\nSituation ein Leichtes gewesen, erneut die Regierung der\nVolksbeauftragten festzusetzen und die Verantwortlichen f\u00fcr das\nMassaker \u2013 es gab 70 Tote \u2013 allen voran Friedrich Ebert, zur\nRechenschaft zu ziehen. Dazu kam es nicht. Haffner: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Revolution hatte keine F\u00fchrung, sie sah ihre\nChance nicht \u2013 und au\u00dferdem war jetzt Heiligabend. Die Matrosen\n[\u2026] hatten gek\u00e4mpft und gesiegt; jetzt wollten sie feiern. Was\nLiebknecht betraf \u2013 der mit den Ereignissen der letzten Tage nicht\ndas Geringste zu tun hatte &#8211; , so war er die ganze Nacht damit\nbesch\u00e4ftigt, eine besonders wirkungsvolle Anklage-Nummer der Roten\nFahne herzustellen, die am n\u00e4chsten Morgen mit der riesen\nBalken-\u00dcberschrift \u00b4Eberts Blutweihnacht\u00b4 herauskam. Die\nRevolution\u00e4ren Obleute, die an diesem Abend wie jedermann zu Hause\nvor dem Weihnachtsbaum sa\u00dfen, [\u2026] riefen f\u00fcr den ersten Feiertag\nzu einer Demonstration auf. [\u2026] Die Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokraten\naber [\u2026] sahen nur eins: dass sie aus dieser Regierung heraus\nmussten [\u2026] Damit taten sie Ebert [\u2026] den gr\u00f6\u00dften Gefallen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Nachr\u00fccker\nin die nunmehr rein mehrheitssozialdemokratische Regierung war Gustav\nNoske. Er hatte bereits im Hintergrund die Konterrevolution\norganisiert. Dies tat er fortan als Mitglied der Regierung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn hier festgestellt\nwird, die Zusammenarbeit zwischen Ebert und Groener sei ein\n\u201egeheimer\u201c Pakt gewesen, dann trifft das formal und f\u00fcr die\nbeschriebene \u201eTechnik\u201c (geheime Telefonverbindung) zu. Ebert\nverbarg allerdings seine Gesinnung nicht.  Als am 10. Dezember die\nerw\u00e4hnten zehn Divisionen  in Berlin einmarschierten, hielt Ebert\neine Rede, die in den Berliner Zeitungen dokumentiert wurde. Er sagte\ndabei u.a.: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind\nhat Euch \u00fcberwunden [\u2026] Ihr habt die Heimat vor feindlichem\nEinfall gesch\u00fctzt, ihr habt Euren Frauen und Kindern, Euren Eltern\nden Mord und den Brand des Krieges ferngehalten, Deutschlands Fluren\nund Werkst\u00e4tten vor Verw\u00fcstung und Zerst\u00f6rung bewahrt. [\u2026] Auf\nEuch vor allem ruht die Hoffnung der deutschen Freiheit. Ihr seid die\nst\u00e4rksten Tr\u00e4ger der deutschen Zukunft.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wohlgemerkt: Das sagte\nEbert nicht vor den Soldatenr\u00e4ten, die sich eine knappe Woche sp\u00e4ter\nauf dem Reichsr\u00e4tekongress in Berlin versammeln wollten. Mehr noch:\nDiese rechten Einheiten sollten eben die Etablierung von R\u00e4ten\nverhindern und die Stadt von \u201eSpartakisten s\u00e4ubern\u201c. Als \u201eTr\u00e4ger\nder deutschen Zukunft\u201c bezeichnete Ebert bereits einen Monat nach\nder Novemberrevolution in aller \u00d6ffentlichkeit \u2013 die\nkonterrevolution\u00e4ren, von Kassel aus dirigierten Truppen.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Der Januar 1919 \u2013 der angebliche \u201eSpartakus-Aufstand\u201c und die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eFriedrich Ebert und die\nvon ihm gef\u00fchrte Sozialdemokratie haben nicht die Arbeiterbewegung\nverraten. Sie haben sie gerettet.\u201c Dies war am 9. November 2018 auf\nSeite 1 der <em>Berliner Zeitung<\/em>,\nverfasst von Arno Widmann, zu lesen. Am gleichen Tag konnte man der\n<em>taz<\/em> den Satz\nentnehmen: \u201eDie SPD hat 1918\/19 ein gewaltiges St\u00fcck dazu\nbeigetragen, dass aus der Krise keine Katastrophe wurde.\u201c Dies\nsagte in dem bereits zitierten <em>taz<\/em>-Interview\nMeik Woyke, der Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Mann\nsagte dort auch: \u201eFriedrich Ebert \u00fcbte mit Sicherheit keinen\nTerror aus.\u201c Die Argumentation, die SPD h\u00e4tte in der\nNovemberrevolution \u201edas Schlimmste verhindert\u201c, bezieht sich\nmeist auf den Januar 1919 und dort auf das, was als\n\u201eSpartakusaufstand\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bereits diese\nBezeichnung \u2013 die sich unwidersprochen so auch in der <em>taz<\/em>\nfindet \u2013 ist nicht zutreffend. Spartakus hat im Januar 1919 keinen\nAufstand angef\u00fchrt. Und das, was damals stattfand, ist mit dem\nBegriff \u201eAufstand\u201c auch unzureichend beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Passiert war das Folgende:\nAm 4. Januar 1919 weigerte sich Emil Eichhorn, Berliner\nPolizeipr\u00e4sident und USPD-Mitglied, seine vom preu\u00dfischen\nInnenminister verf\u00fcgte Entlassung anzunehmen. Er wurde dabei von der\nBerliner USPD, den Revolution\u00e4ren Obleuten und von der wenige Tage\nzuvor gegr\u00fcndeten KPD, die aus Spartakus hervorgegangen war,\nunterst\u00fctzt. Dieses B\u00fcndnis rief darauf f\u00fcr den 5. Januar als\nAntwort auf die provokative Entlassung Eichhorns zu einer\nProtestkundgebung auf. Das Ganze sah dabei eher nach \u201erevolution\u00e4rer\nGymnastik\u201c, und sicher nicht nach Aufstand aus. Eichhorn war laut\nHaffner \u201eein herzlich unbedeutender Mann\u201c; das d\u00fcrfte\nuntertrieben sein. Er war, so Richard M\u00fcller, der \u201eerste Berliner\nPolizeipr\u00e4sident der Revolution\u201c und hatte zuvor, am 10.  November\n1918, bei der \u00dcbergabe des \u201ewie eine Festung armierten\u201c Berliner\nPolizeipr\u00e4sidiums eine ma\u00dfgebliche Rolle gespielt.<sup><a href=\"#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum 5. Januar. Aus\nder Protestkundgebung wurde \u2013 f\u00fcr diejenigen, die dazu aufgerufen\nhatten, einigerma\u00dfen unerwartet \u2013 eine spontane Massenexplosion.\nSie wies viele Parallelen zum 9. November auf, auch wenn es nun in\ndieser Massenerhebung weit weniger Planung gab. Hunderttausende\nArbeiterinnen und Arbeiter gingen auf die Stra\u00dfen; tausende\nbesetzten gro\u00dfe Bahnh\u00f6fe, Druckereien und Zeitungsredaktionen; in\nden letzteren wurden die Druckmaschinen gestoppt, die Belegschaften\nnach Hause geschickt und \u201eRevolutionsausgaben\u201c gedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin beschloss das\nB\u00fcndnis, das zu der Protestkundgebung aufgerufen hatte, einen Aufruf\nzu einer weiteren Massendemonstration am Tag darauf auf. In diesem\nAufruf hei\u00dft es, es gelte nunmehr \u201edie Revolution zu festigen und\ndurchzuf\u00fchren\u201c und die Regierung Ebert-Scheidemann zu st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde ein\n\u201eProvisorischer Revolutionsausschuss\u201c, bestehend aus 53 Mann,\ngebildet. Unter ihnen waren mit Karl Liebknecht und Pieck lediglich\nzwei Spartakus-KPD-Leute. Heinrich Dorrenbach, der F\u00fchrer der\nVolksmarinedivision, behauptete in diesem Kreis, \u201enicht nur die\nVolksmarinedivision, sondern auch die anderen Berliner Regimenter\u201c\nst\u00fcnden bereit, um \u201edie Regierung Ebert-Scheidemann zu st\u00fcrzen\u201c.\nLetzteres war eine Fehleinsch\u00e4tzung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Revolutionsausschuss\nteilte mit, dass er \u201edie Regierungsgesch\u00e4fte vorl\u00e4ufig\n\u00fcbernommen\u201c habe und rief zum Generalstreik auf. Haffner:<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eAuch dieser Aufruf [zu neuerlichen\nProtestversammlungen und zum allgemeinen Streik; W.W.] wurde befolgt.\nDie Massen waren am Montagvormittag wieder auf den Stra\u00dfen,\nvielleicht noch zahlreicher wie am Sonntag. Kopf an Kopf standen sie\nvon der Siegesallee bis zum Alexanderplatz, bewaffnet,\nerwartungsvoll, tatbereit. [\u2026] Jetzt glaubten sie, eine F\u00fchrung zu\nhaben; jetzt erwarteten sie eine Entscheidung, Kampf und Sieg. Und\ndann geschah nichts. Die F\u00fchrung lie\u00df nichts von sich h\u00f6ren.\nEinzelne Gruppen machten sich selbst\u00e4ndig. Und besetzten noch ein\npaar \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude. [\u2026] Den entscheidenden Sturm auf die\nRegierungsgeb\u00e4ude wollte aber offenbar ohne Befehl niemand wagen;\nund Befehle kamen nicht.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Rolle beim\nZ\u00f6gern des Revolutionsausschusses spielte, dass die Regimenter in\nder Stadt sich nicht \u2013 wie erwartet \u2013 auf die Seite der\nRevolution schlugen. Selbst die Volksmarinedivision erkl\u00e4rte sich\nmehrheitlich \u201eneutral\u201c; ein Drittel schloss sich den Arbeitern an\nund beteiligte sich vor allem an der Besetzung des Schlesischen\nBahnhofs (heute Ostbahnhof).<\/p>\n\n\n\n<p>Nun spricht sicher einiges\ndaf\u00fcr, dass die Kr\u00e4fte f\u00fcr eine Besetzung von Reichstag und\nReichskanzlei ausgereicht h\u00e4tten. Man verf\u00fcgte auch mit den\nZeitungsredaktionen \u00fcber die Mittel, die rechte Propaganda\nauszuschalten und eine objektive Berichterstattung zu gew\u00e4hrleisten.\nM\u00f6glich erscheint auch, dass die wankenden bewaffneten Kr\u00e4fte sich\nim Fall, dass derart \u201evollendete Tatsachen\u201c geschaffen worden\nw\u00e4ren, auf die Seiten der neuen Macht gestellt h\u00e4tten. Das ist\njedoch alles Spekulation.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man allerdings, wie\ndies der Fall war, einen Angriff auf die zentralen Schaltzentralen\nnicht durchf\u00fchrte, weil man zur Einsch\u00e4tzung gelangt war, dass\ndaf\u00fcr die Kr\u00e4fte nicht ausreichend und der Zeitpunkt falsch waren,\ndann musste man auch die Kraft haben, die Unternehmung abzusagen, f\u00fcr\neinen geordneten R\u00fcckzug zu sorgen und dazu aufrufen, die Besetzung\nder vielen strategisch wichtigen Geb\u00e4ude aufzugeben. Doch, so\nHaffner, \u201edas war mehr, als die dreiundf\u00fcnfzig innerhalb von\nvierundzwanzig Stunden leisten konnten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam zu Verhandlungen\nzwischen Regierung und Revolutionsausschuss. Ebert lie\u00df sich dabei\nbewusst Zeit \u2013 Zeit, die er brauchte, um eigene Truppen\nheranzuf\u00fchren. Am 9. Januar war es soweit. Ein umfassender\nmilit\u00e4rischer Angriff auf die Positionen der Aufst\u00e4ndischen begann.\nIn den Tagen 9. Januar bis 12. Januar \u201ewurde auf Befehl Eberts die\nRevolution in der Hauptstadt zusammengeschossen. [\u2026] Eine\nbuntscheckige Truppenschar [\u2026] eroberte in schweren Stra\u00dfen- und\nH\u00e4userk\u00e4mpfen die besetzten Geb\u00e4ude eines nach dem anderen zur\u00fcck,\nzuletzt [\u2026] das Polizeipr\u00e4sidium.\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als die blutige Arbeit\nbereits weitgehend erledigt war, marschierten am 11. Januar neu\ngebildete Freikorps-Einheiten mit Gustav Noske an der Spitze in die\nStadt ein, die Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division des sp\u00e4teren\nLuxemburg-Liebknecht-M\u00f6rders Waldemar Pabst und das Landesj\u00e4gerkorps\nMaercker. Am 15. Januar wurde der gesamte S\u00fcden und Westen Berlins\nund die Innenstadt von dem neu gebildeten \u201eGeneralkommando\nL\u00fcttwitz\u201c besetzt. Haffner: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDen Westen Berlins \u00fcbernahm die neu gebildete\n\u00b4Garde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division\u00b4. Im feudalen Eden-Hotel\nschlug sie ihr Hauptquartier auf. Sie f\u00fchrte Plakate mit, auf denen\nstand: [\u2026] \u00b4Berliner! Die Division verspricht Euch, nicht eher die\nHauptstadt wieder zu verlassen, als bis die Ordnung endg\u00fcltig\nwiederhergestellt ist.\u00b4 Noch am Tag ihres Einzugs gab die Division\nihre Visitenkarte ab: mit der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa\nLuxemburg.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>War der Januaraufstand ein\nPutsch? Das kann bejaht werden \u2013 es war ein Putschversuch. War es\nein <em>geplanter<\/em>\nUmsturzversuch? Das muss verneint werden. Es war eine spontane\nErhebung. Wurde er von einer Minderheit durchgef\u00fchrt? Auch das\ntrifft nicht zu \u2013 an der Erhebung beteiligten sich Hunderttausende.\nDie geplante Absetzung des Polizeipr\u00e4sidenten wurde als Provokation\nverstanden. Und es war eine Provokation in doppelter Hinsicht: Mit\ndem Auswechseln des Polizeipr\u00e4sidenten sollte das weitere Vordringen\nder Konterrevolution in der Hauptstadt durchgesetzt werden.\nGleichzeitig spielten bei der darauf einsetzenden Radikalisierung\nProvokateure eine Rolle. Handelte es sich um einen von Spartakus\nangef\u00fchrten Putschversuch? Definitiv nicht. Die KPD hatte sich im\nVorfeld ausdr\u00fccklich gegen eine \u00dcbernahme der Regierung\nausgesprochen. In einem unmittelbar vor den Januar-K\u00e4mpfen durch die\nKPD verteilten Flugblatt hei\u00dft es: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eW\u00fcrden die Berliner\nArbeiter heute die Nationalversammlung auseinanderjagen, w\u00fcrden sie\ndie Scheidemann-Ebert ins Gef\u00e4ngnis werfen, w\u00e4hrend die Arbeiter\ndes Ruhrgebiets, Oberschlesiens [\u2026] ruhig bleiben, so w\u00fcrden die\nKapitalisten morgen Berlin durch Aushungern unterwerfen k\u00f6nnen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a><\/sup>\nWar es ein Aufstand, angeleitet von \u201eden\u201c Revolution\u00e4ren\nObleuten? Auch das trifft so nicht zu. Der f\u00fchrende Kopf der\nObleute, Richard M\u00fcller, wandte sich z.B. \u201ein der sch\u00e4rfsten Form\ngegen das vorgeschlagene Ziel des Kampfes, Sturz der Regierung. Er\nlegte dar, dass daf\u00fcr weder politisch, noch milit\u00e4risch die\nVoraussetzungen gegeben seien. Die Bewegung im Reiche wachse von Tag\nzu Tag. [\u2026] Ein  verfr\u00fchtes isoliertes Vorgehen in Berlin k\u00f6nne\ndie weitere Entwicklung der Revolution gef\u00e4hrden.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a><\/sup>\nRichtig ist, dass die Mehrheit der Berliner Revolution\u00e4ren Obleute\nund eine Mehrheit der Berliner USPD sich angesichts der beschriebenen\n\u2013 von allen nicht erwarteten \u2013 Massendemonstrationen und der dort\nzum Ausdruck gebrachten Stimmungen zu den Umsturzforderungen hatten\nhinrei\u00dfen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebknecht selbst, der \u2013\ndabei auch seinem Naturell folgend \u2013 diese Umsturzforderungen\nunterst\u00fctzt hatte und zu einem der Wortf\u00fchrer derselben wurde,\nwurde kurz nach dem Umsturzversuch von Rosa Luxemburg mit den Worten\nkritisiert: \u201eKarl, wo bleibt unser Programm?\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Grotesk ist auf alle\nF\u00e4lle, wenn in der offiziellen Geschichtschreibung und in den\neingangs zu diesem Abschnitt zitierten Kommentaren anl\u00e4sslich des\n100. Jahrestags der Novemberrevolution in erster Linie der\nUmsturzversuch als \u201egewaltt\u00e4tig\u201c gegei\u00dfelt und dabei das bald\ndarauf stattfindende W\u00fcten der Konterrevolution ausgeblendet oder\nrelativiert wird. In der <em>Berliner Zeitung\n<\/em>schreibt dazu der bereits zitierte Arno\nWidmann sogar: \u201eSo rabiat die junge Republik auch unter\nZuhilfenahme der alten Apparate gegen alles, was links von ihr stand,\nvorging, so vern\u00fcnftig war das auch.\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Umsturzversuch hatte\nkeine gr\u00f6\u00dfere Zahl an Opfern gefordert. Auch hier waren die Massen\ngutm\u00fctig geblieben und zur\u00fcckhaltend und unblutig vorgegangen. Die\nkonterrevolution\u00e4re Bewegung, die nicht von der \u201ejungen Republik\u201c,\nsondern von Ebert, Noske und Scheidemann kommandiert wurde, hatte\ndagegen vielen hundert Menschen das Leben gekostet. Es kam nun auch\nzu unerh\u00f6rten Gr\u00e4ueln. Haffner: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Vorw\u00e4rts-Besatzung schickte sechs Parlament\u00e4re\nmit einer wei\u00dfen Fahne, um \u00fcber  freien Anzug zu verhandeln. Einer\nvon ihnen wurde mit der Forderung nach bedingungsloser \u00dcbergabe\nzur\u00fcckgeschickt, die \u00fcbrigen f\u00fcnf  [\u2026] furchtbar mi\u00dfhandelt und\nschlie\u00dflich [\u2026] erschossen. Dann wurde der Vorw\u00e4rts gest\u00fcrmt.\nDreihundert Verteidiger wurden gefangen genommen. Major von Stephani\nrief in der Reichskanzlei an und fragte, was er mit den vielen\nGefangenen anfangen solle. Nach eigener schriftlicher Beurkundung\nerhielt er die Antwort: \u00b4Alle erschie\u00dfen!\u00b4 Das verweigerte er; er\nwar noch ein Offizier der alten Schule. Sieben der Gefangenen wurden\ntrotzdem erschossen, fast alle mit Gewehrkolben furchtbar\nmi\u00dfhandelt.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ermordung von Rosa\nLuxemburg und Karl Liebknecht wird in der Regel als ein gesondertes \u2013\nisoliertes \u2013 Ereignis \u201ein den Revolutionswirren\u201c dargestellt.\nAls M\u00f6rder werden dabei die Freikorps-Soldaten genannt. Wenn in\ndiesem Zusammenhang der Name Gustav Noske f\u00e4llt, dann wird auch dies\nin der Regel als eine individuelle Angelegenheit dargestellt. Die SPD\nals solche taucht dabei oft nicht oder nur am Rande auf; die Namen\nEbert und Scheidemann ebenfalls nicht. Tatsche ist, dass die\nSPD-F\u00fchrung als die in Berlin die Macht aus\u00fcbende Kraft zulie\u00df,\ndass seit Wochen in der Stadt Hunderttausende \u2013 M\u00fcller schreibt:\n\u201eMillionen\u201c \u2013 Flugbl\u00e4tter zirkulierten und Plakate verklebt\nwaren, die offen zum Mord an Luxemburg und Liebknecht aufforderten.\n\u201eT\u00f6tet Liebknecht!\u201c \u201eSchlagt Rosa Luxemburg tot!\u201c, so\nlauteten die Parolen. Plakate mit solchen Aufforderungen waren auch\nin \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden und in den Kasernen angeschlagen. In der\nSPD-Parteizeitung <em> Der Vorw\u00e4rts<\/em>\nwurde am 13. Januar 1919 ein \u201eGedicht\u201c mit einem offenen\nMordaufruf abgedruckt. In diesem hei\u00dft es: \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vielhundert\nTote in einer Reih\u00b4-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Proletarier!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es\nfragten nicht Eisen, Pulver und Blei,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>ob\neiner rechts, links oder Spartakus sei,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Proletarier!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer\nhat die Gewalt in die Stra\u00dfen gesandt,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Proletarier?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer\nnahm die Waffe zuerst in die Hand<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nhat auf ihre Entscheidung gebrannt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Spartakus!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Viel\nhundert Tote in einer Reih\u00b4- <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Proletarier!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Karl,\nRosa, Radek und Kumpanei \u2013<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es\nist keiner dabei, es ist keiner dabei:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Proletarier!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem ist der\nZusammenhang zwischen der unglaublichen Brutalit\u00e4t, die die\nkonterrevolution\u00e4ren Truppen zur Niederschlagung des Umsturzversuchs\n\u2013 nicht zuletzt bei der R\u00fcckeroberung des Verlagsgeb\u00e4udes des\n<em>Vorw\u00e4rts<\/em> \u2013 ausge\u00fcbt\nhatten, und den Morden an den beiden f\u00fchrenden Personen der\ndeutschen Arbeiterbewegung, offenkundig. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mord wurde von jenem\nneuen Hauptquartier der Konterrevolution im Hotel Eden aus\norchestriert, das Teil des Angriffs auf die Arbeiterinnen und\nArbeiter war. Gustav Noske als Mann der Reichsregierung stand bei all\ndiesen m\u00f6rderischen Aktionen im Zentrum. Waldemar Pabst, der den\ndirekten Mordauftrag an Luxemburg und Liebknecht erteilte hatte,\nhatte zuvor, nach der Gefangennahme der beiden und nach deren\n\u00dcberstellung ins Hotel Eden, Noske angerufen und von diesem \u2013 so\nPabst \u2013 gesagt bekommen, er \u201em\u00fcsse selbst verantworten, was zu\ntun sei.\u201c Klaus Gietinger: \u201ePabst verstand dies zu Recht als\nFreibrief zur Ermordung der beiden ehemaligen Parteigenossen\nNoskes.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Mord an\nLiebknecht und Luxemburg bekannt und Details in der \u201eRoten Fahne\u201c\nver\u00f6ffentlicht wurden, riefen USPD und KPD zum Generalstreik auf.\nDoch dieser wurde nur von einigen Zehntausend befolgt. Die\nJanuar-K\u00e4mpfe hatten die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte demoralisiert. Als\nam 25. Januar die Leiche Liebknechts \u2013 die Leiche von Rosa\nLuxemburg galt zun\u00e4chst aus unauffindbar \u2013 mit 33 Opfern der\nJanuar-K\u00e4mpfe bestattet wurde, folgten Hunderttausende dem\nTrauerzug.  Richard M\u00fcller: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDer Oberbefehlshaben Noske hatte nur bestimmte\nStra\u00dfen f\u00fcr den  Trauerzug freigegeben. [\u2026] Das abgesperrte\nGebiet von Gro\u00df-Berlin glich einem gewaltigen Heerhaufen [\u2026] Auf\nPl\u00e4tzen und an Kreuzungspunkten der Hauptverkehrsstra\u00dfen standen\nschu\u00dfbereit Maschinengewehre, Kanonen und Minenwerfer inmitten\nriesiger Haufen schwerer und leichter Munition. Noskes Aufwand war\numsonst.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen war die\nZusammenarbeit mit den Freikorps sp\u00e4testens nach der Ermordung von\nRosa Luxemburg und dem Einmarsch der ersten Freikorps-Verb\u00e4nde mit\nGustav Noske an deren Spitze im Allgemeinen bekannt. Die Anwerbung\nder Freikorps-Mitglieder erfolgte inzwischen offen \u2013 so auch auf\nden Seiten der SPD-Parteizeitung \u201eVorw\u00e4rts\u201c. Am 23. Februar 1919\ngab es im \u201eVorw\u00e4rts\u201c eine ganze Seite, auf der zwei Dutzend\nFreikorps-Verb\u00e4nde f\u00fcr neue Mitglieder warben. Wobei diese Anzeigen\nwohl eher das Anbiedern der SPD-F\u00fchrung bei den rechten Kr\u00e4ften zum\nAusdruck brachten. Peter von Oertzen und Klaus Gietinger\nargumentieren \u00fcberzeugend, dass es unter den Freikorps-Leuten so gut\nwie keine Arbeiter gab. Diese setzten sich \u00fcberwiegend aus\nehemaligen Offizieren des kaiserlichen Heeres, aus Studenten, brotlos\ngewordenen Handwerkern, ehemaligen Frontsoldaten mit\nlumpenproletarischen Hintergrund und aus Kriminellen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 19. Januar 1919 fanden\ndie Wahlen zum Reichstag statt. Die SPD wurde mit 37,9 Prozent die\nmit Abstand st\u00e4rkste Partei. Die USPD erreichte nur 7,6 Prozent. Die\nKPD hatte die Wahlen boykottiert. Die \u2013 allerdings verfeindeten \u2013\nArbeiterparteien erreichten zusammen immerhin 45,5 Prozent.\nZweitst\u00e4rkste Partei \u2013 und f\u00fchrende b\u00fcrgerliche Partei \u2013 war\ndas Zentrum (19,7%).<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Der\nKapp-Putsch und der Generalstreik vom M\u00e4rz 1920<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Es schien so, als h\u00e4tten\ndie Januar-K\u00e4mpfe 1919 der Revolution das Genick gebrochen. Zumal im\nMai 1919 auch die Bayerische R\u00e4terepublik von der Konterrevolution\nendg\u00fcltig niedergewalzt worden war (siehe dazu unten). Wenn es\ndennoch im Fr\u00fchjahr 1920 in ganz Deutschland zu einer dritten\ndemokratischen und revolution\u00e4ren Massenerhebung kam, so wird damit\nein weiteres Mal die Tiefe, die Reife und der umfassende Charakter\nder revolution\u00e4ren Entwicklung in Deutschland unter Beweis gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ging es jedoch\num das Entgegengesetzte \u2013 darum, dass sich die Logik, die aus den\nneu aufgebauten \u2013 alten \u2013 konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4ften\nresultierte, Bahn brach. Am 13. M\u00e4rz 1920 putschten\nFreikorps-Verb\u00e4nde erfolgreich. Sie \u00fcbernahmen in Berlin im\nHandstreich die Regierungsgewalt und verjagten die\nEbert-Scheidemann-Noske-Regierung. Gebildet wurde ein weit\nrechtsstehendes, faschistoides Regime. Es war im Grunde ein Vorspiel\nauf das, was im Januar 1933 stattfand.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Ausgangspunkt bei\ndiesen Ereignissen bildete der Versailler Vertrag. Dieser trat am 10.\nJanuar 1920 in Kraft. Er forderte eine Begrenzung der Reichswahr von\nbislang 400.000 Mann auf 100.000 Soldaten (plus 15.000 Matrosen). In\ndiesem Zusammenhang sollte ein gr\u00f6\u00dferer Teil der Freikorps\naufgel\u00f6st werden. Betroffen war davon auch die Brigade Ehrhardt, ein\nf\u00fcnftausend Mann starkes Freikorps, das noch 1919 in Lettland gegen\nbolschewistische Einheiten gek\u00e4mpft und im B\u00fcrgerkrieg in Berlin\nund in M\u00fcnchen bei den Massakern gegen die Arbeiter eingesetzt\nworden waren. Die Einheit war im Januar 1920 auf den\nTruppen\u00fcbungsplatz D\u00f6berith bei Berlin verlegt worden. Die extrem\nrechts eingestellten Berufssoldaten trugen bereits das <em>Hakenkreuz<\/em>\nauf dem Stahlhelm. Haffner: \u201eDer Geist dieser Truppe war schon 1920\nunverkennbar Geist vom Geiste der k\u00fcnftigen Waffen-SS.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a><\/sup>\nUnd diesen \u201eGeist\u201c gab es bereits damals vertont \u2013 als\n\u201eEhrhardt-Lied\u201c: <em>\u201eHakenkreuz am\nStahlhelm \/ Schwarzwei\u00dfrot das Band \/ Die Brigade Ehrhardt \/ Werden\nwir genannt.<\/em>\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hinterm\u00e4nner und\nOrganisatoren des Putsches waren Mitglieder einer Verschw\u00f6rergruppe\nmit Namen \u201eNationale Vereinigung\u201c, die seit August 1919 den\nStaatsstreich  vorbereitete. Die \u201eNationale Vereinigung\u201c  wurde\nu.a. unterst\u00fctzt von dem Pressezar Alfred Hugenberg, dem\nIndustriellen Hugo Stinnes, dem Geheimrat Duisberg von den\nBAYER-Werken und nicht zuletzt von dem Weltkrieg-Diktator Ludendorff.\nMa\u00dfgebliche Betreiber des Netzwerks waren General von L\u00fcttwitz,\nWaldemar Pabst und Wolfgang Kapp. Kapp, nach dem der Putsch dann in\nden Geschichtsb\u00fcchern benannt wurde, war Generallandschaftsdirektor\nund Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom 12. auf\nden 13. M\u00e4rz marschierten Freikorpseinheiten unter Kapit\u00e4n Ehrhardt\nin Berlin ein. Ihr Befehl lautete, \u201ejeden Widerstand r\u00fccksichtslos\nzu brechen und das Zentrum der Stadt mit den Ministerien zu\nbesetzen\u201c. Obgleich Noske einen solchen Putsch ahnte und\nReichswehreinheiten im Regierungsviertel zusammen gezogen hatte,\nhatten die Putschisten Erfolg auf der ganzen Linie. Die Offiziere\ns\u00e4mtlicher Reichswehreinheiten, die Noske zur Verteidigung herbei\nbeordert hatte, hatten sich (unter der Losung \u201eReichswehr schie\u00dft\nnicht auf Reichswehr\u201c) darauf verst\u00e4ndigt, die SPD-gef\u00fchrte\nRegierung nicht zu verteidigen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regierung war\nschutzlos. Und sie war denjenigen rechtsradikalen Einheiten\nausgeliefert, die sie in den vergangenen Monaten aufgep\u00e4ppelt hatte.\nSelbst der Generalstabschef von Seeckt erkl\u00e4rte offen, es sei\nbesser, \u201ewenn Erhardt\u201c, der inzwischen an der Siegess\u00e4ule Halt\ngemacht und ein Ultimatum ausgesprochen hatte, auf eine\n\u201egleichg\u00fcltige Reichswehr\u201c sto\u00dfe, als wenn er \u201eals Sieger\neiner gewonnenen  Schlacht am Brandenburger Tor\u201c in Berlin\neinziehe.<sup><a href=\"#sdfootnote30sym\"><sup>30<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren dabei nicht, wie\ndies die vorherrschende Geschichtsschreibung nahelegt, irgendwelche\nwild gewordenen Freikorps-Leute, die da putschten. Die Atempause, die\ndie Freikorps-Einheiten am Abend des 13. M\u00e4rz der noch amtierenden\nRegierung gew\u00e4hrten, wird in der \u201eIllustrierten Geschichte der\ndeutschen Revolution\u201c wie folgt beschrieben: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEhrhardt r\u00fcckte mit seinen Landsknechten nach dem\nBrandenburger Tor vor. Die Reichswehrposten r\u00e4umten nach kurzer\nVerhandlung das Feld. Hier gaben sich nun die F\u00fchrer des\nKapp-Putsches das historische, \u00b4zuf\u00e4llige\u00b4 Stelldichein. Ehrhardt\nstellte es so dar: \u00b4Ich bemerkte im Hintergrunde einige Herren im\nGehrock und Zylinder. Zu ihnen gesellte sich als\n\u00b4Morgenspazierg\u00e4nger\u00b4 General Ludendorff. Erst sp\u00e4ter wurde es\nmir klar, dass diese Gruppe Zylindertr\u00e4ger Herr Kapp und seine\nk\u00fcnftigen Minister waren.\u00b4 Wer sieht bei diesen Worten nicht das\nzynische Grinsen dieses Landsknechtsf\u00fchrers?\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote31sym\"><sup>31<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ludendorff, fahnenfl\u00fcchtig\nam Kriegsende und zugleich zu feige, um die Kapitulation zu\nunterzeichnen, war aus seinem Exil in Schweden wieder aufgetaucht.\nDer Kopf der Milit\u00e4rdiktatur im Ersten Weltkrieg zog die Strippen.\nEr war dann drei Jahre sp\u00e4ter beim Hitler-Putsch 1923 erneut mit von\nder Partie. Wobei die Putschisten 1923 als Termin den 9. November\ngew\u00e4hlt hatten \u2013 mit derselben Intention, wie sie dies 1938 tun\nsollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sozialdemokratischen\nMinister mit Ebert an der Spitze flohen aus Berlin. Sie fanden \u2013\nnach einer Zwischenstation in Dresden \u2013 schlie\u00dflich Unterschlupf\nin Stuttgart. In Berlin zogen die Kapp-Putschisten in Reichskanzlei\nund Reichstag ein. Binnen weniger Stunden unterstellten sich die\nBerliner Truppen, die gesamte Marine, die Heereskommandos in\nOstpreu\u00dfen, Pommern, Brandenburg und Schlesien dem neuen\nOberbefehlshaber L\u00fcttwitz und dem neuen Reichskanzler Kapp. Andere\nTeile der bewaffneten Kr\u00e4fte blieben \u201eneutral\u201c.  Buchst\u00e4blich\nniemand aus dem Milit\u00e4r stellte sich auf die Seite der rechtm\u00e4\u00dfigen,\nder gew\u00e4hlten Regierung. Selbst f\u00fchrende Sozialdemokraten \u2013 so\nder Berliner Polizeipr\u00e4sident Ernst \u2013 unterst\u00fctzten die neue\nRegierung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Putsch-Regierung lie\u00df\nPlakate verkleben, die mit \u201eDer Reichskanzler Kapp\u201c unterzeichnet\nwaren. Auf einem dieser Plakate, datiert auf den 15. M\u00e4rz, war zu\nlesen: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Lage ist gut. Die alte Regierung will die\nAufforderung zum Generalstreik widerrufen, da sie dieses Unrecht am\ndeutschen Volk eingesehen hat. Verhandlungen zwischen alter und neuer\nRegierung haben begonnen und sind in gutem Fortschreiten. Die Bildung\nder neuen Regierung auf breitester demokratischer Basis ist in\nk\u00fcrzester Zeit zu erwarten. Sie war bisher verz\u00f6gert durch den\nAufruf der alten Regierung zum Generalstreik.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3>Generalstreik? Unrecht am\ndeutschen Volk? War da was?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ja, da war was. Vor ihrer\n\u00fcberhasteten Flucht aus Berlin hatten die SPD-F\u00fchrer \u2013 wohl in\neiner Art Reflex, bezugnehmend auf die Zeiten vor August 1914 \u2013\neinen Aufruf zum Generalstreik verfasst. Sie hatten diesen auch\nunterzeichnet. Oder hatten sie ihn doch nicht unterschrieben? Genau\ngenommen war eine Unterzeichnung vorgesehen. Denn die Namen der\nUnterzeichnenden sollen auf dem Original-Aufruf nur mit Bleistift\ngekrakelt gewesen sein. Als die Ex-Minister und der Ex-Kanzler Ebert\nin Dresden, bei ihrer ersten Zwischenstation auf der Flucht, von dem\ndort kommandierenden General Maercker mit dem \u201eunerh\u00f6rten Aufruf\nzum Generalstreik\u201c konfrontiert wurden, versicherten die SPD-Mannen\nhoch und heilig, ihre Namen seien ohne ihre Einwilligung unter\n\u201edieses Elaborat gesetzt\u201c worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das \u201eElaborat\u201c\nwar in der Welt. Und es entwickelte ein Eigenleben. Es d\u00fcrfte in\nBerlin nicht allzu viele Plakate mit dem Generalstreik-Aufruf gegeben\nhaben; schlie\u00dflich herrschten hier die Kapp-Putschisten mit eiserner\nHand: Sie hinterlie\u00dfen nach einer Woche Kurzzeitdiktatur allein in\nder Hauptstadt 200 Tote. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Text des Aufrufs\nzum Generalstreik sprach eine derart klare Sprache, dass er ins Herz\nder Arbeiterinnen und Arbeiter traf und es eines fl\u00e4chendeckenden\nPlakatierens nicht bedurfte. Dort hie\u00df es: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eArbeiter! Genossen! Wir (!) haben die Revolution\nnicht gemacht, um uns heute wieder einem blutigen Landsknechtsregime\nzu unterwerfen [\u2026] Es geht um alles! Darum sind die sch\u00e4rfsten\nAbwehrmittel geboten! [\u2026] Legt die Arbeit nieder! Streikt!\nSchneidet der reaktion\u00e4ren Clique die Luft ab! K\u00e4mpft mit jedem\nMittel um die Erhaltung der Republik! [\u2026] Es gibt nur ein Mittel\ngegen die Diktatur Wilhelm II: Lahmlegung jedes Wirtschaftslebens!\n[\u2026] Generalstreik auf der ganzen Linie! Proletarier, vereinigt\nEuch! Nieder mit der Gegenrevolution!\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote32sym\"><sup>32<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Den Aufforderungen zum\nGeneralstreik wurde Folge geleistet. Und dies in einem Umfang, wie es\ndies nie zuvor in Deutschland und seitdem nie wieder gegeben hat. Das\ngesamte Land kam zum Stillstand. Kein Eisenbahnverkehr. Keine Post.\nKeine Zeitungen. In Berlin gab es nicht einmal Wasser, Gas und\nelektrisches Licht. Alle Verbindungen zwischen der Hauptstadt und den\nProvinzen waren unterbrochen. Kapp &amp; Co. waren binnen weniger\nStunden isoliert und weitgehend hilflos \u2013 trotz viel Gejammer,\ntrotz massiver Drohungen (unter anderem mit dem Todesurteil bei\nStreikteilnahme), trotz vielen Versprechungen \u00fcber die Bildung einer\n\u201eneuen demokratischen Regierung\u201c. Siehe oben. Sebastian Haffner: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDie Putschregierung in Berlin war nach drei Tagen\nGeneralstreik ebenso ohnm\u00e4chtig geworden wie die Exilregierung in\nStuttgart. Beide beherrschten nur noch ihre Vorzimmer. In dieser\nGeneralstreikwoche vom 14. zum 21. M\u00e4rz 1920 wiederholte das\ndeutsche Proletariat noch einmal seine Leistung der Revolutionswoche\nvom 4. zum 10. November 1918. Die \u00c4hnlichkeit der beiden Vorg\u00e4nge\nist \u00fcberw\u00e4ltigend. Wie damals spielte sich \u00fcberall in Deutschland\ndas Gleiche ab [\u2026] \u2013 aus einer spontanen Solidarit\u00e4t des Denkens\nund des F\u00fchlens heraus. Wie damals war der Charakter der\nMassenaktion nicht sozialistisch, sondern demokratisch und\nantimilitaristisch: Der Generalstreik jetzt wie die Revolution damals\nrichtete sich gegen eine Milit\u00e4rherrschaft [\u2026] Und wie damals\nbestand die gro\u00dfe Masse der Streikenden aus Sozialdemokraten. Nur\ndie sozialdemokratischen Minister hatten ja zum Streik aufgerufen.\nDie Unabh\u00e4ngigen weigerten sich zun\u00e4chst, sich dem Streikruf\nanzuschlie\u00dfen. [\u2026] Die Berliner KPD-Zentrale [\u2026] gab am selben\nTag sogar einen Aufruf gegen den Streik heraus: \u00b4Keinen Finger\nr\u00fchren f\u00fcr die in Schmach und Schande untergegangene Regierung der\nM\u00f6rder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs!\u00b4 Das alles blieb ohne\ndie geringste Wirkung. Auch die USPD- und KPD-Anh\u00e4nger streikten wie\nein Mann und den Parteif\u00fchrern blieb schlie\u00dflich nichts anderes\n\u00fcbrig, als sich ihren Mannschaften anzuschlie\u00dfen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote33sym\"><sup>33<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die Streikbewegung f\u00fchrte\nschlagartig zum Wiederaufleben der R\u00e4tebewegung. In gro\u00dfen Teilen\nDeutschlands ging sie in eine bewaffnete Erhebung \u00fcber. So rollte\neine improvisierte \u201eRote Ruhrarmee\u201c wie eine Lawine durch das\nRevier. Haffner: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eAm Ende der Streikwoche stand das ganze Ruhrgebiet\nunter der Herrschaft der bewaffneten Arbeiter. Aber gerade diese\nunerwartete Machtentfaltung der erneuerten Revolution wurde ihr zum\nVerh\u00e4ngnis. Die Kapp-Regierung war zwar [\u2026] nicht zu halten. [\u2026]\nAber die Angst vor der schon endg\u00fcltig besiegt geglaubten Revolution\n[\u2026] einte im Lauf weniger Tage wieder die Gegner vom 13. M\u00e4rz.\nGegen die Revolution fanden b\u00fcrgerlicher Staat und milit\u00e4rische\nRebellen rasch wieder zusammen. Und es dauerte nicht lange, bis auch\ndie SPD in diese Einheitsfront einschwenkte.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote34sym\"><sup>34<\/sup><\/a><\/sup>\n \n<\/p>\n\n\n\n<p>Kapp &amp; Co. traten\nzur\u00fcck. Doch ihnen wurde von der alten, mit dem Generalstreik ins\nAmt zur\u00fcck bef\u00f6rderten SPD-Regierung gestattet, dies in geordneter\nFormation zu tun. Den Putschisten wurde faktisch Straffreiheit\ngew\u00e4hrt. Die Brigade Ehrhardt zog in Formation aus Berlin ab. Als\nw\u00e4hrend dieses Abzugs am Brandenburger Tor aus der umstehenden\nBev\u00f6lkerung Buh-Rufe ert\u00f6nten, feuerten die Freikorps-M\u00e4nner in\ndie Menge und hinterlie\u00dfen zw\u00f6lf Tote und drei\u00dfig Schwerverletzte\nauf dem Pariser Platz. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reichsregierung kehrte\naus Stuttgart nach Berlin zur\u00fcck. Ihre ersten zwei Ziele waren: die\nBeendigung des Generalstreiks und die Entwaffnung der Roten\nRuhr-Armee bzw. der bewaffneten Arbeitermilizen. Mit der Entwaffnung\nbeauftragten sie die Reichswehr. Diese wiederum beauftragte mit der\nNiederschlagung der Aufst\u00e4ndischen bevorzugt Verb\u00e4nde, die unter\nKapp und L\u00fcttwitz als Putschisten aufgetreten waren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Haffner: \u201eSo endete der\nKapp-Putsch mit einem m\u00f6rderischen Strafgericht der immer noch\nsozialdemokratisch gef\u00fchrten Regierung \u00fcber ihre Retter, ausgef\u00fchrt\nvon denen, vor denen sie gerettet worden waren.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote35sym\"><sup>35<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Eine der Bedingungen, die mit den Putschisten vor deren Abzug vereinbart worden waren, waren vorgezogene Reichstagswahlen. Am 6. Juni 1920 wurde gew\u00e4hlt. Die Stimmenzahl der SPD wurde mehr als halbiert.<sup><a href=\"#sdfootnote36sym\"><sup>36<\/sup><\/a><\/sup> Die SPD schied damit nicht nur als f\u00fchrende Regierungspartei aus. Sie wurde von den B\u00fcrgerlichen f\u00fcrs parlamentarische Regieren auch nicht mehr ben\u00f6tigt. Ebenso wie der Kapp-Putsch bereits angedeutet hatte, dass die SPD f\u00fcr die Konterrevolution ihre Bedeutung verloren hatte. Ab diesen Wahlen und bis zum Ende der Weimarer Republik gab es nun B\u00fcrgerblock-Regierungen, deren letzte 1933 die Regierungsgesch\u00e4fte in die H\u00e4nde der Faschisten \u00fcbergab.   <\/p>\n\n\n\n<h4>Anmerkungen:<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>\n\tHeinrich Jaenicke, Friedrich Ebert, Das Gesicht der Republik, Geo\n\tEpoche Kollektion \u2013 Die Weimarer Republik, Nr. 12, Hamburg (Gruner\n\t+ Jahr) 2018, S.27.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>\n\tZitiert nach: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 10. November 2018.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a>\n\tHier zitiert bei: Klaus Gietinger, November 1918, Der verpasste\n\tFr\u00fchling des 20. Jahrhunderts, Hamburg 2018, S. 102.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>\n\t Taz vom 9. November 2018; Interview mit Meik Woyke (FES) und Uwe\n\tSonnenberg (rls).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>\n\t Sie sind gut beschrieben bei Haffner, Verrat\u2026, S. 44-46 und Klaus\n\tGietinger, November 1918\u2026, a.a.O., S. 50ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a>\n\tDort hei\u00dft es auf S. 30: \u201eAus Berliner Gro\u00dfbetrieben kommen\n\talarmierende Berichte. Die revolution\u00e4re Bewegung sei nicht\n\taufzuhalten, erkl\u00e4ren SPD-Obleute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a>\n\tKlaus Gietinger, a.a.O., vor allem S.57ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>\n\tHaffner, Verrat, a.a.O., S. 80.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a>\n\tPeter von Oertzen, a.a.O., S. 72f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a>\n\tTaz vom 9. November 2018, S.9.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a>\n\tRichard M\u00fcller, Eine Geschichte der Novemberrevolution, Erstausgabe\n\t1924 und 1925; hier nach: Oktober 2017, S. 246. Dieses wunderbare,\n\tgut dokumentierte und gut erz\u00e4hlte Buch ist auch insofern\n\terstaunlich, als der Verfasser ein Arbeiter ist, der \u201emit diesem\n\tWerk eine Geschichte von unten\u00b4 im  besten Sinne (schuf): eine\n\tDarstellung der Jahre 1914-1919 nicht aus Sicht von Parteien,\n\tGener\u00e4len, Abgeordneten und Diplomaten, sondern als Geschichte\n\tsozialer K\u00e4mpfe\u201c. Ralf Hoffrogge in der Einleitung zu dieser\n\tArbeit; S.11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a>\n\tRichard M\u00fcller, a.a.O., S. 266.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a>\n\t Richard M\u00fcller, a.a.O., S. 265.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote14anc\">14<\/a>\n\t R. M\u00fcller, a.a.O., S. 266.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote15anc\">15<\/a>\n\t \u00dcber die erste Sitzung des Vollzugsrats der Arbeiter- und\n\tSoldatenr\u00e4te hei\u00dft es: \u201eBei der Festsetzung der Tagesordnung\n\twurde ein Antrag auf Zulassung von Rosa Luxemburg und Karl\n\tLiebknecht als G\u00e4ste mit beratender Stimme gegen die Stimmen der\n\tUnabh\u00e4ngigen abgelehnt.\u201c Zitiert bei R. M\u00fcller, a.a.O., S. 429. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\">16<\/a>\n\tA.a.O., S. 83f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote17anc\">17<\/a>\n\tZitiert bei Haffner, a.a.O., S. 94.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote18anc\">18<\/a>\n\tHaffner, a.a.O. S. 120.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote19anc\">19<\/a>\n\tZitiert bei Klaus Gietinger, a.a.O., S. 84.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote20anc\">20<\/a>\n\tR. M\u00fcller, a.a.O., S. 244f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote21anc\">21<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 127.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote22anc\">22<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 137.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote23anc\">23<\/a>\n\tZitiert bei Richard M\u00fcller, a.a.O., S. 544.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote24anc\">24<\/a>\n\t Richard M\u00fcller, a.a.O., S. 547. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote25anc\">25<\/a>\n\t Zitiert bei Haffner, a.a.O., S. 133. R. M\u00fcller bezeichnete das\n\tVorgehen auch Liebknechts als einen \u201ePutsch, vor dem [\u2026] auch\n\tdie Zentrale der Kommunistischen Partei eindringlich gewarnt hatte.\n\tLiebknecht und Pieck waren Mitglieder dieser Zentrale. Sie\n\tverleugneten die offizielle Politik dieser Partei. Sie stellten die\n\tsch\u00e4rften Forderungen auf und griffen jeden an, der es wagte,\n\tBedenken vorzutragen.\u201c R. M\u00fcller, a.a.O., S. 548.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote26anc\">26<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 132.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote27anc\">27<\/a>\n\tKlaus Gietinger, Der Konterrevolution\u00e4r. Waldemar Pabst \u2013 eine\n\tdeutsche Karriere, Hamburg 2008, S.125. Gietinger konnte hier als\n\terster aus den unver\u00f6ffentlichten Memoiren von W. Pabst zitieren.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote28anc\">28<\/a>\n\t Richard M\u00fcller, a.a.O., S. 597.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote29anc\">29<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 178.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote30anc\">30<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 181.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote31anc\">31<\/a>\n\tIllustrierte Geschichte der deutschen Revolution, Internationaler\n\tArbeiter-Verlag Berlin, Berlin 1929, hier nach: Reprint Verlag Neue\n\tKritik o.J. (ca. 1970), S.460.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote32anc\">32<\/a>\n\tZitiert bei: Haffner, a.a.O., S. 182. Man ist geneigt zu rufen: Oh\n\th\u00e4ttet ihr doch Vergleichbares im August 1914 beschlossen! Dann\n\tw\u00e4re der deutschen Bev\u00f6lkerung und der Welt vielleicht weit mehr\n\tals \u201enur\u201c ein reaktion\u00e4rer Putsch erspart geblieben! \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote33anc\">33<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 185f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote34anc\">34<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S. 187f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote35anc\">35<\/a>\n\tHaffner, a.a.O., S.191.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote36anc\">36<\/a>\n\tDer Stimmenanteil der SPD sank von 37,9 Prozent (1919er Wahl) auf\n\t21,6 Prozent \u2013 und damit aufgrund der geringeren Wahlbeteiligung\n\tetwas weniger als im Fall der absoluten Stimmenzahl. Der Stimmanteil\n\tder USPD schnellte von 7,6 (1919) auf 17,9 Prozent hoch. Die KPD,\n\tdie erstmals bei Reichstagswahlen antrat, kam auf 2,1 Prozent. In\n\tden 1924er Wahlen sank der SPD-Stimmenanteil ein weiteres Mal \u2013\n\tauf 20,5%. Die USPD war marginalisiert (0,8%), Die KPD erreichte\n\t12,6%. Interessant ist, dass SPD und USPD 1919 auf gut 45 % kamen,\n\tw\u00e4hrend SPD und USPD und KPD 1920 addiert nur auf 38,3% und 1924\n\tmit addiert 41,6 % auch deutlich unter dem 1919er Ergebnis lagen. \n\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Bundespr\u00e4sident Walter Steinmeier behauptete am Jahrestag der Novemberrevolution, es sei ein gro\u00dfes Verdienst der SPD, \u201edass sie in einem Klima der Gewalt [\u2026] den Kompromiss mit den gem\u00e4\u00dfigten Kr\u00e4ften des B\u00fcrgertums suchte\u201c. 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