{"id":2003,"date":"2022-05-13T18:22:48","date_gmt":"2022-05-13T16:22:48","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2003"},"modified":"2022-05-13T18:28:17","modified_gmt":"2022-05-13T16:28:17","slug":"klimabahn-statt-betonbahn-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2003","title":{"rendered":"KlimaBahn statt BetonBahn"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>14. Alternativer Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG 2021\/22<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eKlimaBahn statt BetonBahn\u201c \u2013 so lautet der Titel einer bundesweiten Konferenz, die am kommenden Wochenende (14. und 15. Mai) in Stuttgart veranstaltet wird \u2013 unter anderem mit prominenten Verkehrspolitikern, Bahnkritikern und Klimaexperten wie Prof. Hermann Knoflacher (Wien), Prof. Helge Peukert (Siegen) und Prof. Wolfgang Hesse (M\u00fcnchen). Einen Hintergrund f\u00fcr diese Tagung bildet der 14. Alterative Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG, der am 30. M\u00e4rz 2022 auf einer Pressekonferenz in Berlin von der Bahnfachleutegruppe \u201eB\u00fcrgerbahn statt B\u00f6rsenbahn\u201c und von Aktiven aus dem B\u00fcndnis \u201eBahn f\u00fcr Alle\u201c vorgestellt wurde und der auf der genannten Konferenz als Print erh\u00e4ltlich ist.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlagwort \u201eBetonBahn\u201c charakterisiert die Realit\u00e4t in unserem Land. Die Behauptungen dem Ampel-Regierung, des f\u00fcr Klimaschutz verantwortlichen gr\u00fcnen Wirtschaftsminister Habeck und des f\u00fcr die Bahn verantwortlichen FDP-Verkehrsministers Wissing, wonach die Bahn in der aktuellen Legislaturperiode ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten werde, sind Schall und Rauch. Die Deutsche Bahn \u2013 dabei faktisch unterst\u00fctzt von dem Alleineigent\u00fcmer Bundesregierung \u2013 verfolgt weiterhin einen Kurs, mit dem die gesteckten Ziele weit verfehlt werden. Dazu drei Beispiele, die gleichzeitig ein Einblick in den genannten Alternativen Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG bieten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Beispiel 1. Die Verdopplung der Zahl der Fahrg\u00e4ste.&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel einer Verdopplung der Fahrg\u00e4ste im Schienenverkehr findet sich im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung vom November 2021. Das hei\u00dft im Fall des Fernverkehrs: In knapp einem Jahrzehnt soll es nach diesem Plan 300 Millionen Fahrg\u00e4ste geben. Nicht eindeutig ist, inwieweit sich diese Zielsetzung auch auf den Schienenpersonennahverkehr bezieht. Wenn das der Fall ist, w\u00e4re die Kraftanstrengung eine nochmals wesentlich gr\u00f6\u00dfere, denn der Schienenpersonennahverkehr ist nochmals deutlich gr\u00f6\u00dfer und wichtiger als der Schienenpersonenfernverkehr.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer: Das Ziel \u201eVerdopplung im Schienenverkehr\u201c fand in allen Medien ein breites positives Echo.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich handelt es sich um eine Zielsetzung mit wiederholter Ansage. Und mit fortgesetztem Scheitern. So verk\u00fcndete am 18. M\u00e4rz 2015 der damalige DB-Vorstand f\u00fcr den Personenverkehr, Ulrich Homburg, \u201eeine nie dagewesene Ausweitung des Fernverkehrsangebots\u201c und damit die \u201egr\u00f6\u00dfte Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs\u201c. Zugesagt wurde, dass die \u201ekostenlose Sitzplatzreservierung k\u00fcnftig in allen Fernverkehrstickets enthalten\u201c sei. Damals sollte die Zahl der Fernverkehrsreisenden um 50 Prozent gesteigert werden. Auf rund 225 Millionen Fahrg\u00e4ste bis 2030.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch damals griffen die Medien die Charmeoffensive der Bahn dankbar auf. Bald darauf erwies sich jedoch, dass diese Zielsetzungen nicht so ernst gemeint \u2013 und aus Sicht des Bahnkonzerns unrealistisch \u2013 sind. Ulrich Homburg wurde mit Goldenem Handschlag (und, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, erg\u00e4nzt um geheime Beratervertr\u00e4ge) entlassen. Reservierungen in den Fernverkehrsz\u00fcgen sind auch heute noch kostenpflichtig; sie sind l\u00e4ngst eine Art zweiter Ticketpreis.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00e4hnlich, wie dies fr\u00fcher in der DDR der Fall war, hat man schlicht die alten Ziele, die nicht erreicht wurden, ersetzt durch neue Ziele, die noch unrealistischer sind. Bereits 2019 hie\u00df es unter der Regierung Merkel, Ziel sei jetzt \u201e100 Prozent mehr Fahrg\u00e4ste im Fernverkehr bis 2030\u201c. Zwei Jahre sp\u00e4ter wiederholt also die Ampel dieses Ziel. Obgleich es in den vergangenen Jahren zu der entgegengesetzten Fahrgastentwicklung kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wie sieht die Realit\u00e4t \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg aus? Im Jahr 1997 gab es im Schienenpersonenfernverkehr einen bisherigen Rekord mit 152 Millionen Fahrg\u00e4sten. Danach sank diese Zahl auf bis zu 119 Millionen im Jahr 2007 ab, vor allem weil die Zuggattung Interregio eingestellt wurde und weil Bahnchef Mehdorn und Autokanzler Schr\u00f6der mit Sparprogrammen die Bahn an die B\u00f6rse bringen wollten. Seither gab es einen weitgehend kontinuierlichen Anstieg auf 151 Millionen im Jahr 2019, was damit jedoch immer noch knapp unter dem 1997er Niveau lag. Die Deutsche Bahn behauptete in den Jahren 2016 bis 2019 immer wieder wahrheitswidrig, man habe einen \u201eRekord\u201c im Schienenpersonenfernverkehr erreicht. Das wurde in den Qualit\u00e4ts-Medien nachgeplappert \u2013 und von uns in den Alternativen Gesch\u00e4ftsberichten Deutsche Bahn AG Jahr um Jahr korrigiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Weniger Fahrg\u00e4ste = p\u00fcnktlichere Z\u00fcge \u2013&nbsp; ausgefallene Z\u00fcge = 100 Prozent p\u00fcnktlich<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>2020 sank \u2013 Corona-bedingt \u2013 die Zahl&nbsp; der Fernverkehrsfahrg\u00e4ste auf 79 Millionen. Im vergangenen Jahr 2021 waren es mit 82 Millionen Fahrg\u00e4sten nicht viel mehr. Also nur 54 Prozent des Werts von 2019 oder des Werts von 1997. Oder auch 27,3 Prozent des Ziels von 2030. 2022 d\u00fcrfte erstmals wieder ein Wert von mehr als 100 Millionen Fahrg\u00e4sten erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei fatalerweise die P\u00fcnktlichkeit exakt parallel mit dem neuen Wachstum der Fahrgastzahlen sinkt: 2020 jubelte die Deutsche Bahn AG, die P\u00fcnktlichkeit sei auf 81,8 Prozent gestiegen \u2013 bei fast halbierten Fahrgastzahlen schien es da einen Zusammenhang zu geben. 2021, nach dem beschriebenen bescheidenen Anstieg, sank dann die P\u00fcnktlichkeitsquote erneut auf 75,2 Prozent ab. Im April 2022 \u2013 die Fahrgastzahlen waren im ersten Quartal erneut deutlich gestiegen \u2013 lag die Quote mit 69,1 Prozent sogar unter der 70-Prozent-Marke. Das ist ein Negativ-Rekord.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist sind zwei Dinge zu beachten: Erstens gilt bei der Deutschen Bahn ein Zug nur dann als unp\u00fcnktlich, wenn die planm\u00e4\u00dfige Ankunftszeit um mehr als sechs Minuten \u00fcberschritten wird. In der Schweiz liegt dieser Wert bei der H\u00e4lfte. Und trotz dieser deutlich strengeren Definition von P\u00fcnktlichkeit wurde dort 2021 eine P\u00fcnktlichkeitsquote von 91,9 Prozent erreicht. Zweitens finden Z\u00fcge, die komplett ausfallen, in der Statistik keinerlei Ber\u00fccksichtigung. In den Zeiten vor Gr\u00fcndung der Deutschen Bahn AG gab es so gut wie keine ausgefallenen Z\u00fcge; inzwischen spielen solche Ausf\u00e4lle jedoch eine erhebliche Rolle. Es gibt hier also um den grotesken Effekt, dass ein ausgefallener Zug als \u201e100 Prozent p\u00fcnktlich\u201c gewertet wird. Womit ein Anreiz darin besteht, einen erst deutlich versp\u00e4teten einsetzbaren Zug gleich ganz ausfallen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die katastrophale P\u00fcnktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn AG f\u00fchrt inzwischen dazu, dass in einer von der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung herausgegebenen Zeitschrift ernsthaft argumentiert wird, man m\u00f6ge \u201eVersp\u00e4tungsminuten\u201c nicht mehr \u201eals Hochverrat an den Idealen der Moderne auslegen\u201c und pr\u00fcfen, ob man nicht stattdessen durch \u201eServiceeinrichtungen im Zug und am Bahnhof Anreize f\u00fcr eine allgemein erh\u00f6hte Zeittoleranz im Bahnverkehr schaffen und [damit] den Beschleunigungskreislauf durchbrechen\u201c k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist: Von dem aktuellen Niveau aus binnen acht Jahre auf 300 Millionen zu kommen, ist unter den gegebenen Bedingungen v\u00f6llig unrealistisch. Zumal es, siehe der folgende Punkt, daf\u00fcr keine entsprechenden Anstrengungen gibt. Sprich: Die Zielsetzung \u201eVerdopplung\u201c ist nicht materiell untersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Beispiel 2. Die fortgesetzte R\u00fcckw\u00e4rts-Entwicklung der Kapazit\u00e4ten.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zielsetzung einer massiven Steigerung der Fahrg\u00e4ste m\u00fcsste sich widerspiegeln in einem Ausbau des Netzes, in mehr Sitzpl\u00e4tzen und mehr Z\u00fcgen. Vergleichbares behauptet die Deutsche Bahn auch. So hei\u00dft es in der April-Ausgabe der Zeitschrift \u201emobil\u201c, die in allen Fernverkehrsz\u00fcgen ausliegt: \u201eDie DB macht viele stillgelegte Gleisabschnitte im Land wieder befahrbar. Gut f\u00fcr die Verkehrswende.\u201c In dem Beitrag hei\u00dft es auch: \u201eUnd so wird das Schienennetz nicht mehr schrumpfen, sondern dem gestiegenen Bedarf entsprechend wachsen.\u201c<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> J\u00fcngst konnte man dem Berliner \u201eTagesspiegel\u201c die Aussage entnehmen: \u201eInnerhalb der n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre soll das Angebot (im Schienenpersonennahverkehr im Land Brandenburg; W.W.) wie nie zuvor in der j\u00fcngeren Geschichte des Landes ausgeweitet werden; n\u00e4mlich um ein Viertel.\u201c<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie sieht die Realit\u00e4t aus? In der folgenden Tabelle finden sich wichtige Parameter f\u00fcr die materielle Entwicklung von Infrastruktur und Kapazit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tabelle: Grunddaten Personenverkehr der Deutschen Bahn 1994 bis 2021<\/em><a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\"><em><strong>[7]<\/strong><\/em><\/a><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>&nbsp;<\/td><td><strong>&nbsp;<\/strong><\/td><td><strong>1994<\/strong><\/td><td><strong>1998<\/strong><\/td><td><strong>2000<\/strong><\/td><td><strong>2014<\/strong><\/td><td><strong>2018<\/strong><\/td><td><strong>2021<\/strong><\/td><td><strong>Niveau<\/strong> <strong>2018 gegen\u00fcber 2000<\/strong><\/td><td><strong>Niveau<\/strong> <strong>2021<\/strong> <strong>gegen\u00fcber<\/strong> <strong>2000<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>1<\/td><td><strong>Reisende Fernverkehr (in Mio.)<\/strong><\/td><td>139<\/td><td>149<\/td><td>145<\/td><td>129<\/td><td>148<\/td><td>81,9<\/td><td>102%<\/td><td>55,0%<\/td><\/tr><tr><td>2<\/td><td><strong>Reisende Nahverkehr* (in Mio.)<\/strong><\/td><td>1.171***<\/td><td>1450<\/td><td>1568<\/td><td>1898<\/td><td>1940<\/td><td>1.121<\/td><td>124%<\/td><td>71,5%<\/td><\/tr><tr><td>3<\/td><td><strong>Pkm Fernverkehr (in Mio.)<\/strong><\/td><td>29.847<\/td><td>34.275<\/td><td>36.226<\/td><td>36.102<\/td><td>42.872<\/td><td>24.762<\/td><td>118%<\/td><td>68,4%<\/td><\/tr><tr><td>4<\/td><td><strong>Pkm Nahverkehr* (in Mio.)<\/strong><\/td><td>30.272<\/td><td>31.324<\/td><td>38.162<\/td><td>43.573<\/td><td>41.878<\/td><td>21.407<\/td><td>110%<\/td><td>56,1%<\/td><\/tr><tr><td>5<\/td><td><strong>Personenkilometer DB gesamt<\/strong> <strong>(in Mio Pkm)<\/strong><\/td><td>60.119<\/td><td>65.599<\/td><td>74.387<\/td><td>79.675<\/td><td>84.705<\/td><td>50.831<\/td><td>114%<\/td><td>68,3%<\/td><\/tr><tr><td>6<\/td><td><strong>Sitzpl\u00e4tze; DB gesamt (in Tsd.)<\/strong><\/td><td>1.147<\/td><td>1.360<\/td><td>1.463<\/td><td>1.255<\/td><td>1.226<\/td><td>1.362<\/td><td>83,4%<\/td><td>93,1%<\/td><\/tr><tr><td>7<\/td><td><strong>Sitzpl\u00e4tze DB Nahverkehr (in Tsd.)*<\/strong><\/td><td>\u2026<\/td><td>1.084<\/td><td>1.182<\/td><td>1.052<\/td><td>997<\/td><td>949<\/td><td>94,8%<\/td><td>80,3%<\/td><\/tr><tr><td>8<\/td><td><strong>Sitzpl\u00e4tze DB Fernverkehr (in Tsd.)<\/strong><\/td><td>\u2026<\/td><td>258<\/td><td>281<\/td><td>203<\/td><td>229<\/td><td>269<\/td><td>81,5%<\/td><td>95,7%<\/td><\/tr><tr><td>9<\/td><td><strong>Z\u00fcge je Stichtag Nahverkehr*<\/strong><\/td><td>32.055<\/td><td>31.000<\/td><td>28.995<\/td><td>23.446<\/td><td>22.558<\/td><td>21.968<\/td><td>77,8%<\/td><td>75,8%<\/td><\/tr><tr><td>10<\/td><td><strong>Z\u00fcge je Stichtag Fernverkehr<\/strong><\/td><td>1119**<\/td><td>rd. 1000<\/td><td>1557<\/td><td>1290<\/td><td>1.476<\/td><td>1.537<\/td><td>94,8%<\/td><td>98,7%<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;<em>* Ab 1998 = DB Regio \/\/&nbsp; ** 1993 (= letztes Jahr vor der Bahnreform waren es noch 1368 Z\u00fcge je Tag&nbsp; \/\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;*** 1993 1.288 Mio<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es seit 1994 einen fortgesetzten Abbau des Schienennetzes in Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t. Der Schienenverkehr selbst konnte im Vergleich zum Jahr 2000 und bis vor der Pandemie-bedingten Krise nur im Nahverkehr gesteigert werden. Gleichzeitig wurden die Kapazit\u00e4ten im gesamten Personenverkehr reduziert \u2013 weniger Sitzpl\u00e4tze und weniger Z\u00fcge sind die Realit\u00e4t. Jeder Zugreisende bekommt das hautnah zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret: Die Betriebsl\u00e4nge des Netzes wurde im gesamten 27-Jahres-Zeitraum 1994 bis 2021 um 19 Prozent oder um ein F\u00fcnftel abgebaut.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die \u201eL\u00e4nge aller Gleise\u201c, die auch die Neben- und Ausweichgleise einschlie\u00dft, wurde im gleichen Zeitraum um 21,1 Prozent gekappt. Hier gab es selbst im Verlauf des Jahres 2021 noch einen Abbau um 41 Kilometer. Einen Stillstand von Z\u00fcgen vor Bahnh\u00f6fen, begr\u00fcndet mit Durchsagen wie \u201eder Gleisabschnitt vor uns ist noch belegt\u201c, gab es bis Ende der 1990er Jahre so gut wie nie \u2013 eben weil es ausreichend Schienenkapazit\u00e4ten gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Angaben zur Zahl der \u201eWeichen und Kreuzungen\u201c im Netz, so wurden diese im genannten Zeitraum sogar um 54 Prozent \u2013 also auf weniger als die H\u00e4lfte \u2013 abgebaut. Auch hier gab es 2021 einen neuen Abbau; im Verlauf dieses letzten Jahres wurden weitere 182 Weichen aus dem Netz genommen. W\u00e4hlt man als letzten Parameter die Gleisanschl\u00fcsse \u2013 das sind die Anschl\u00fcsse von Unternehmen und Gewerbeparks an das Schienennetz, also die direkten Zug\u00e4nge zum Schieneng\u00fcterverkehr \u2013 so liegt hier die Reduktion bei mehr als 80 Prozent; im 27-Jahreszeitraum gab es also einen R\u00fcckbau auf weniger als ein F\u00fcnftel. Und erneut das fatale Ergebnis f\u00fcr 2021: 15 Gleisanschl\u00fcsse wurden allein im vergangenen Jahr aus dem Netz genommen.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder verk\u00fcndet die DB, man habe neue Z\u00fcge gekauft, man habe in besseres Wagenmaterial investiert und es w\u00fcrden zus\u00e4tzliche Z\u00fcge eingesetzt. Die Statistik weist aus, dass im Gesamtkontext diese Behauptungen zu einem erheblichen Teil irref\u00fchrend sind. Die Zahl der Sitzpl\u00e4tze im Fernverkehr liegt 2021 leicht unter dem 2000er Niveau (bei 95,7%). Im Nahverkehr liegt sie gar um ein F\u00fcnftel unter dem 2000er Niveau, bei 80,3 Prozent. Und auch die Zahl der je Tag eingesetzten Z\u00fcge liegt im Nahverkehr um fast ein Viertel unter dem Niveau von vor 21 Jahren. Im Fernverkehr hat sie das 2000er Niveau noch nicht wieder erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter oben wurde die Nahverkehrsoffensive zitiert, die f\u00fcr das Bundesland Brandenburg angek\u00fcndigt wurde. Fatalerweise gab es jedoch in den neuen Bundesl\u00e4ndern, und nicht zuletzt in Brandenburg, in den 1990er Jahren einen fatalen R\u00fcckbau. So wurde in Brandenburg das Schienennetz bis 2021 und im Vergleich zu 1990 um mehr als ein Drittel gekappt. In dem genannten Bundesland wurden seit der Wende und bis 2021 42 Streckenabschnitte auf insgesamt 26 Bahnlinien komplett stillgelegt. Die zitierte \u201eNahverkehrsoffensive\u201c der kommenden Jahre 2022 bis 2027 wird damit zumindest deutlich relativiert.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wohlgemerkt: Genannt werden hier immer die offiziellen Zahlen der Deutschen Bahn AG. Diese widersprechen eindeutig den Behauptungen des Bahnkonzerns von einem Ausbau oder vom gestoppten Abbau bei der Netzqualit\u00e4t oder von einem verbesserten Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss sich einmal vorstellen, was in Deutschland einig Autoland los w\u00e4re, wenn Vergleichbares im Stra\u00dfenverkehr stattfinden w\u00fcrde, wenn Herr Wissing verk\u00fcnden w\u00fcrde: \u201eIm letzten Jahr wurde die Zahl der Autobahnabfahrten um 22 gekappt; gleichzeitig wurde die Zahl der Autobahn-Rastst\u00e4tten und Tankstellen um 35 reduziert. 2500 Kilometer Stra\u00dfen wurden in Schienenstrecken umgewidmet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich findet hierzulande Jahr f\u00fcr Jahr ein Ausbau des Stra\u00dfennetzes in L\u00e4nge, also Quantit\u00e4t, und vor allem in der Qualit\u00e4t: noch breitere Stra\u00dfen, noch mehr Fahrbahnen, noch mehr Auf- und Abfahrten an Autobahnen, noch mehr Lkw-Abstellpl\u00e4tze, noch mehr Versiegelung. All das \u2013 der Abbau von Kapazit\u00e4ten im Bereich Schiene und der fortgesetzte Ausbau der Kapazit\u00e4ten im Bereich Stra\u00dfe \u2013 ist ein einziger Klimaskandal!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine KlimaBahn ben\u00f6tigt nat\u00fcrlich eine Entwicklung, die der aktuellen und realen entgegengesetzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir ben\u00f6tigen einen <strong>Ausbau<\/strong> des Netzes in Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t. Und in diesem Zusammenhang auch einen realistischen Plan f\u00fcr ein 100 Prozent elektrifiziertes Schienennetz. Aktuell liegt der Elektrifizierungsgrad erst bei 61 Prozent. Geht es im bisherigen Tempo mit der Elektrifizierung weiter, dann ist das Netz in exakt 93 Jahren komplett elektrifiziert.<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Das ist grotesk \u2013 eine Klimabahn muss schnellstm\u00f6glich mit 100 Prozent \u00d6kostrom betrieben werden. Ein solches Ziel sollte in zw\u00f6lf Jahren umsetzbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Beispiel 3. Das Fahrpreissystem und das 9-Euro-Ticket<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich zum letzten Fahrplanwechsel, im Dezember 2021, wurden die Fahrpreise der Bahn erneut erh\u00f6ht. Diese liegen damit im Fernverkehr um 38 Prozent \u00fcber dem Niveau von 2003; im Nahverkehr liegen sie sogar um 59 Prozent \u00fcber dem Stand von 2003. Diese nominellen Erh\u00f6hungen \u00fcbersteigen die Inflationsrate deutlich. Die BahnCard50 wurde im vergangenen Dezember um f\u00fcnf Euro verteuert \u2013 auf aktuell 234 Euro. 2002 kostete sie noch 138 Euro. Exakt am Tag der Bilanzpressekonferenz des Bahnkonzerns, am 31. M\u00e4rz 2022, wurde das Angebot einer PartnerBahnCard eingestellt. Damit verloren mehr als 100.000 Stammkundinnen und Stammkunden dieses einigerma\u00dfen g\u00fcnstige Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p>All das unterstreicht: Ausgerechnet in Zeiten des Klimanotstands setzt die Deutsche Bahn einen Kurs fort, der die Kundschaft vor den Kopf st\u00f6\u00dft, der massiv fahrgastfeindlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird es in wenigen Tagen und f\u00fcr den begrenzten Zeitraum von drei Monaten das 9-Euro-Ticket pro Monat geben. Es soll f\u00fcr fast alle \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel G\u00fcltigkeit haben; im Schienenverkehr auch f\u00fcr die regionalen Z\u00fcge (und nicht f\u00fcr den Fernverkehr). Grunds\u00e4tzlich geht das in die richtige Richtung \u2013 und es d\u00fcrfte auch einen Run auf diese Tickets geben. Zumal es diese in der Haupt-Ferien- und Urlaubszeit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch auf diesem Gebiet gibt es zu Recht erhebliche Kritik. <em>Erstens <\/em>\u00e4ndert das nichts daran, dass grunds\u00e4tzlich die Standard-Bahnpreise zu hoch sind. Das Nebeneinander von relativ teuren Flex-Preisen \u2013 also den Normal-Preisen \u2013 und den Schn\u00e4ppchen-Preisen, die dann oft nicht nachvollziehbar billig sind, \u00fcberzeugt nicht. <em>Zweitens<\/em> gibt es kaum Vorbereitungen f\u00fcr den zu erwartenden Run auf diese Spottpreis-Tickets. Es k\u00f6nnte damit zu chaotischen \u00dcberlastungen kommen, was abschreckend wirken w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich und <em>drittens<\/em> ist und bleibt das Tarifsystem <em>systemisch falsch<\/em>: Mit der <em>Zugbindung<\/em>, die es dann wieder ab September bei fast allen Schn\u00e4ppchenpreisen gibt, wurde ein entscheidender Systemvorteil der Schiene aufgeben \u2013 der, dass man mit einer normalen Fahrkarte \u2013 dem vorherrschenden Ticket zum Normal-Tarif \u2013 <em>einfach einsteigen und losfahren <\/em>konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als ein Jahrhundert lang war das ein Grundprinzip im Schienenverkehr: Mit der Fahrkarte kann man in einem relativ gro\u00dfen Zeitraum mit jedem Zug \u201eeinfach so\u201c eine Bahnfahrt machen. Das wurde unter Hartmut Mehdorn mit dem 2002\/2003 neu eingef\u00fchrten Bahnpreissystem \u201ePEP\u201c grundlegend ge\u00e4ndert \u2013 mit einer Anlehnung am Lufthansa-Ticketing; ausgef\u00fchrt von einem Ex-Lufthansa-Manager \u2013 und mit einem gravierenden Abbau von Fahrgastfreundlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere an eine ausgezeichnete Werbung der Bundesbahn von Mitte der 1980er Jahre. Man m\u00fcsste das entsprechende Bild nochmals aus den Tiefen der Bahn-Archive hervorholen: Auf einem gro\u00dfen Foto sah man eine junge Frau und einen jungen Mann, die auf einer Bank auf einem Bahnhof sitzen und sich k\u00fcssen. Dar\u00fcber eine gro\u00dfe Tafel mit dem Text: \u201eMacht nichts. Der Intercity f\u00e4hrt zu jeder Stunde. 9.23 Uhr \u2026 10.23 Uhr\u2026 11.23 Uhr \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zeiten sind vorbei. Doch das Programm einer KlimaBahn-Initiative wird genau diese Wiedereinf\u00fchrung von allgemein g\u00fcltigen Tickets und insbesondere die Einf\u00fchrung von Mobilit\u00e4tskarten, die immer und \u00fcberall g\u00fcltig sind, bei denen man wieder \u201eeinfach losfahren kann\u201c, enthalten m\u00fcssen. In diesem Sinn ver\u00f6ffentlichte am 9. Mai die Bahn-Initiative \u201ePrellbock Altona\u201c, die am kommenden Wochenende auf der \u201eKlimaBahnKonferenz\u201c in Stuttgart pr\u00e4sent sein wird, eine Presseerkl\u00e4rung, in der es hei\u00dft: \u201eDas 9-Euro Ticket muss kommen, kann aber nur der Einstieg sein. Es muss sofort im Anschluss an die Einmalaktion in ein Klimaticket f\u00fcr den gesamten Bahn- und \u00f6ffentlichen Nahverkehr \u00fcberf\u00fchrt werden. Im Zeichen des Klimawandels m\u00fcssen zur St\u00fctzung attraktiver Ticketpreise entsprechende Bundesmittel zur Verf\u00fcgung gestellt werden.\u201c<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Oktober 2021 gibt es im Nachbarland \u00d6sterreich ein solches Klimaticket. Es kostet dort 1095 Euro im Jahr (oder drei Euro pro Tag). Es berechtigt dann im gesamten Jahr zur freien Fahrt auf <em>allen <\/em>\u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln \u2013 im gesamten Land, mit Bus, Tram, Bahn, ohne jede Einschr\u00e4nkung (Nachtz\u00fcge und Linienschiffe ausgenommen). Seniorinnen und Senioren und Jugendliche zahlen nur 821 Euro im Jahr. Wer 110 Euro zus\u00e4tzlich bezahlt, kann bis zu vier Kinder jeweils mitnehmen. Das \u00f6sterreichische Klimaticket ist ein voller Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbertr\u00e4gt man ein solches Ticket auf das in der Fl\u00e4che deutlich gr\u00f6\u00dfere Deutschland, dann sollte ein solches Klimaticket hierzulande f\u00fcr 1460 (vier Euro pro Tag) oder f\u00fcr maximal 1825 (f\u00fcnf Euro pro Tag) machbar sein. Nat\u00fcrlich m\u00fcsste der Bund daf\u00fcr erg\u00e4nzende Mittel bereitstellen. Doch diese erg\u00e4nzenden Bundesmittel w\u00fcrden real keine Nettokosten darstellen, da parallel vor allem der Autoverkehr r\u00fcckl\u00e4ufig w\u00e4re, womit die enormen volkswirtschaftlichen und Klima-Kosten des Stra\u00dfenverkehrs reduziert werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Hochr\u00fcstung \u2013 auch im Bereich Schiene<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese Mittel vorhanden sind, zeigt die L\u00e4ssigkeit, mit der die Bundesregierung derzeit eine Hochr\u00fcstung sondergleichen betreibt: 100 Milliarden Euro extra als Sonderfonds plus die st\u00e4ndige Erh\u00f6hung des j\u00e4hrlichen R\u00fcstungsetats um rund 35 bis 40 Prozent &#8211; Stichwort: zwei Prozent des BIP f\u00fcr R\u00fcstung. Damit wird ein spezifischer Sektor \u2013 das Milit\u00e4r \u2013 gef\u00f6rdert, was nicht nur brandgef\u00e4hrlich ist und die Gefahr eines europaweiten Kriegs steigert. In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass das Milit\u00e4r weltweit der gr\u00f6\u00dfte institutionelle Klimas\u00fcnder ist \u2013 mit den h\u00f6chsten CO2-Emissionen \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema R\u00fcstung hat auch direkt etwas mit der Schiene und dem Bahnkonzern zu tun. Seit 2016 gibt es das EU-Programm \u201eConnnecting Europe Facility\u201c. Diese Bezeichnung \u2013 \u201eEuropas F\u00e4higkeiten zu verbinden\u201c \u2013 ist bereits George-Orwell-Sprech. Es handelt sich um ein EU-Programm, mit dem europaweit die Schieneninfrastruktur f\u00fcr schnelle Milit\u00e4rtransporte ausgebaut wird. Unter anderem gibt es den Ausbau des sogenannten \u201e740-Meter-Netzes\u201c. Gemeint ist damit ein spezifisches milit\u00e4risch zu nutzendes Netz, auf dem G\u00fcterz\u00fcge in einer L\u00e4nge von 740 Metern L\u00e4nge, also einem Dreiviertelkilometer, beladen mit Panzern und anderem milit\u00e4rischem Ger\u00e4t, verkehren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es einerseits um innereurop\u00e4ische Milit\u00e4rtransporte. Andererseits und vor allem geht es dabei um Transporte von US-Kriegsger\u00e4t, das in den (deutschen, niederl\u00e4ndischen und belgischen) Nordseeh\u00e4fen anlandet und von dort nach Osten zu transportieren ist \u2013 vor allem nach Polen und in die baltischen Staaten. Und das sind immer Transporte mit einem &nbsp;Deutschland-Transit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei interessante Spezifika dabei sind: <em>Erstens <\/em>dass dieses Netz f\u00fcr Milit\u00e4rtransporte nach den entsprechenden EU-Vorgaben <em>komplett elektrifiziert <\/em>sein muss. Hier will die Deutsche Bahn also schnell das umsetzen, was sie im Gesamtnetz nicht oder nur z\u00f6gerlich angeht bzw. argumentiert, man k\u00f6nne auf Wasserstoff-Antriebe &nbsp;bzw. auf Akku-Z\u00fcge setzen. Zweitens m\u00fcssen an vielen Stellen in dem so definierten Netz die Tunnelprofile deutlich geweitet werden, damit dort Z\u00fcge mit Panzern verkehren k\u00f6nnen. Hier findet also das Gegenteil dessen statt, was bei den Tunnelbauten unter Stuttgart im Rahmen von Stuttgart 21 gemacht wurde, wo die Deutsche Bahn im Wortsinn eine brandgef\u00e4hrliche Verengung der Tunnelprofile vorgenommen hat.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zur Klimabahn: Zu fordern ist ein <em>Sonderfonds im Kampf gegen den Klimanotstand.<\/em> Mit einer spezifischen Finanzierung f\u00fcr eine KlimaBahn und f\u00fcr eine echte Verkehrswende in diesem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei dazu neben einem KlimaTicket auch die Umsetzung von Tempolimits 120 \u2013 80 \u2013 30 geh\u00f6ren. Es gibt keinen einzigen anderen Bereich in der Gesellschaft, wo man nicht mit einer einfachen Ma\u00dfnahme und ohne jegliche Kosten sofort bis zu 10 Prozent Energie im Verkehrssektor einsparen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deutsche Bahn w\u00e4chst \u2013 mit Luft- und Seefracht und in Toronto<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem neuem Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG stieg im vergangenen Jahr der Gesamtumsatz um 18 Prozent auf 47 Milliarden Euro. Das klingt gut. Tats\u00e4chlich war es in erster Linie das Auslandsgesch\u00e4ft, das deutlich wuchs. Und hier war es vor allem die See- und Luftfracht, die dieses Wachstum generierten. Konkret wuchs der Umsatz bei der Tochter Schenker um 33 Prozent, und hier die See- und Luftfracht sogar um 58 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Damit machen allein der Schifftransport und die Luftfracht bereits mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes des Bahnkonzerns aus. Nimmt man die Bereiche Logistik und Lkw-Transporte hinzu, dann entf\u00e4llt bereits die H\u00e4lfte des Gesamtumsatzes auch Nicht-Schienen-Bereiche, teilweise auch auf Sektoren, die in Konkurrenz zum Schienenverkehr stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei soll es in den n\u00e4chsten Jahren noch zu einer deutlichen Expansion der DB-Engagements im Ausland kommen. W\u00e4hrend die DB-Tochter DB Regio im Schienenpersonennahverkehr in Deutschland immer wieder Anteile verliert und unter anderem in der Drei-Millionen-Metropole Berlin in B\u00e4lde wohl den S-Bahn-Verkehr insgesamt oder zum Teil aufgeben wird, t\u00e4tigte der Konzern im April in Kanada einen gewaltigen Deal. F\u00fcr die Dauer eines Vierteljahrhunderts wird die Deutsche Bahn f\u00fcr einen zweistelligen Milliardenbetrag den gesamten Schienenpersonennahverkehr in der Drei-Millionen-Metropole Toronto \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier erleben wir eine Entwicklung, die in offenem Widerspruch steht zur Bahn- und Verkehrspolitik, wie sie angeblich vom Bahnvorstand oder dem Bundesverkehrsministeriums betrieben wird. Seit vielen Jahren ist davon die Rede, die Deutsche Bahn werde sich zuk\u00fcnftig \u201eauf das Kerngesch\u00e4ft konzentrieren\u201c. Man werde die Auslandsbeteiligungen ganz oder teilweise verkaufen.&nbsp; Doch das Gegenteil findet statt. Das Argument, die gr\u00f6\u00dfte Auslandsbeteiligung, Schenker, sei doch \u201eprofitabel\u201c \u00fcberzeugt dabei nicht. Erstens, weil es Vergleichbares jahrelang auch von der zweitgr\u00f6\u00dften Auslandstochter, Arriva, behauptet wurde. Inzwischen musste der Bahnkonzern auf Arriva eine Abschreibung in H\u00f6he von 1,4 Milliarden Euro vornehmen. Ein Verkauf von Arriva wird aktuell erst gar nicht mehr versucht, da diese Tochter inzwischen als \u201eunverk\u00e4uflich\u201c gilt. Insgesamt, so rechnet Prof. Christian B\u00f6ttger vor, musste die Deutsche Bahn in den vergangenen 12 Jahren mehr als drei Milliarden Euro Verluste bei den Auslandsengagements hinnehmen. Demnach d\u00fcrften diese Gesch\u00e4fte auf l\u00e4ngere Frist gesehen auch rein betriebswirtschaftlich unrentabel sein.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens und vor allem geht es nicht prim\u00e4r um die Frage, ob diese Auslandsbeteiligungen teilweise profitabel oder am Ende doch unprofitabel sind. Es geht vor allem darum, dass das Top-Management der DB AG sich seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten prim\u00e4r als Vertretung eines Global Players versteht, dass diese Bahn-Oberen einen erheblichen Teil ihrer Kapazit\u00e4ten auf die Global-Player-Entwicklung konzentrieren und vor allem ein Denken in diesen globalen Sph\u00e4ren favorisieren. F\u00fcr dieses Top-Management, das sich bevorzugt in schweren Mercedes-Audi- und BMW-Limousinen bewegt, ist die Schiene vor allem altes Eisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein grundlegender Neuanfang bei der Bahn kann im Bereich Schiene die Potentiale heben, die f\u00fcr die Verkehrswende essentiell sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83833\">hier<\/a> ver\u00f6ffentlicht<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das pdf des Alternativen Gesch\u00e4ftsberichts Deutsche Bahn ist \u00fcber die Website <a href=\"http:\/\/www.klimabahn-initiative.de\">www.klimabahn-initiative.de<\/a> abrufbar; hier: <a href=\"https:\/\/klimabahn-initiative.de\/2022\/03\/30\/alternativer-geschaeftsbericht-deutsche-bahn-2020-21\/\">https:\/\/klimabahn-initiative.de\/2022\/03\/30\/alternativer-geschaeftsbericht-deutsche-bahn-2020-21\/<\/a> Auf dieser Website findet sich auch das Programm der genannten Stuttgarter Konferenz \u201eKlimabahn statt Betonbahn\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> 2019 \u2013 im letzten aussagekr\u00e4ftigen Jahr vor der Pandemie \u2013 gab es im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) 2780 Millionen Fahrg\u00e4ste; im Schienenpersonenfernverkehr (SPFV)&nbsp; waren es, wie erw\u00e4hnt, 151 Millionen. Nimmt man die Leistung&nbsp; &#8211; gemessen in&nbsp; Personenkilometern (= Zahl der Fahrg\u00e4ste multipliziert mit der zur\u00fcckgelegten Entfernung) \u2013 dann waren es 2019 55,7 Milliarden Personenkilometer im SPNV und 44,7 Milliarden Pkm im SPFV. Der SPFV machte damit 44,5 Prozent&nbsp; der gesamten Verkehrsleistung im Schienenpersonenverkehr aus. Oder auch: Der SPNV \u00fcberwog mit 55,5 Prozent deutlich. Angaben nach: Verkehr in Zahlen 2020\/21, herausgegeben vom Bundesministerium f\u00fcr Verkehr und digitale Infrastruktur, S.216ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> U.a. nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Mai 2022 und vom 1. April 2022; jeweils nach Angaben der Deutschen Bahn AG. Danach gilt ein Zug als \u201eversp\u00e4tet\u201c, wenn er seine planm\u00e4\u00dfige Ankunftszeit am Zielbahnhof um weniger als sechs Minuten unterschreitet. Komplett oder teilweise ausgefallene Z\u00fcge gehen groteskerweise nicht in diesen Rechnung ein.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Robin Kellermann, Warten auf die Bahn \u2013 eine Bau und Kulturgeschichte, in: Aus Politik und Gesellschaft \u2013 Die Bahn, Beilage der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c, herausgegeben von der Bundeszentrale f\u00fcr Politische Bildung, 8-9\/2022, 21. Februar 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Arne Matzanke in Mobil 04\/2022, Seite 77.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Thorsten Metzner, Bahn frei \u2013 Brandenburg pr\u00e4sentiert einen neuen Nahverkehrsplan, in: Der Tagesspiegel vom 11. Mai 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Alle Angaben nach Daten und Fakten, Deutsche Bahn AG (bis einschlie\u00dflich Ausgabe 2021 vom April 2022).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Mit \u201eBetriebsl\u00e4nge\u201c wird der Umfang des Schienennetzes bezeichnet, auf dem es fahrplanm\u00e4\u00dfigen Schienenverkehr (Personenverkehr und\/oder Schieneng\u00fcterverkehr) gibt. Die Betriebsl\u00e4nge lag 1994 noch bei 41.300 km. Ende 2021 waren es 33.401 km.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Die exakten Zahlen f\u00fcr die letzten drei Parameter: L\u00e4nger der Gleise 1994 =78.073 \u2013 Ende 2021 = 60.928. Zahl der Weichen und Kreuzungen 1994 = 131.968; Ende 2021 = 65.550. Zahl der Gleisanschl\u00fcsse 1994 = 11.742; Ende 2021 = 2314. Alle Angaben nach: Daten und Fakten, herausgegeben von der Deutschen Bahn AG; letzte Ausgabe f\u00fcr 2021.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Dieter Doege und Winfried Wolf, Auf dem falschen Gleis \u2013 Schienenpersonennahverkehr in Brandenburg, herausgegeben vom Landesverband Berlin-Brandenburg von PRO BAHN, Februar 2012.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Siehe Alternativer Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche&nbsp; Bahn AG 2021\/22, a.a.O., S.36ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Presseerkl\u00e4rung Prellbock Altona vom 9. Mai 2022; hier mit einem Zitat des Pressesprechers dieser Bahn-Initiative, Michael Jung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Christian B\u00f6ttger, \u201eProblemkind\u201c Deutsche Bahn? Strukturen und Reformbedarf des deutschen Schienenverkehrs, in: in: Aus Politik und Gesellschaft \u2013 Die Bahn, Beilage der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c, herausgegeben von der Bundeszentrale f\u00fcr Politische Bildung, 8-9\/2022, 21. Februar 2022.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14. Alternativer Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG 2021\/22 \u201eKlimaBahn statt BetonBahn\u201c \u2013 so lautet der Titel einer bundesweiten Konferenz, die am kommenden Wochenende (14. und 15. 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