{"id":2020,"date":"2022-06-14T19:23:00","date_gmt":"2022-06-14T17:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2020"},"modified":"2022-06-14T20:35:18","modified_gmt":"2022-06-14T18:35:18","slug":"der-grundkonflikt-strasse-gegen-schiene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2020","title":{"rendered":"Der Grundkonflikt Stra\u00dfe gegen Schiene"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>mit den drei Beispielen:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<h2><em><strong>Infrastruktur, Panoramabahn und Bahnungl\u00fcck in Bayern<\/strong><\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>Stuttgart, 12. Juni 2022 &#8211; Rede Winfried Wolf auf der Montagsdemo<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am vergangenen Samstag, dem 11. Juni 2022, brachte die \u201eStuttgarter Zeitung\u201c einen ganzseitigen Artikel mit der \u00dcberschrift: \u201eKommen im Zug noch alle mit? Bahnfahren hierzulande kann gerade billig sein. Ein Vergn\u00fcgen ist es selten. Das System hat die Krise.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erwartungen bei diesem Artikel konnten kaum hoch genug sein. Hie\u00df es dort doch beispielsweise: \u201eEs geht\u201c \u2013 bei der Krise der Bahn \u2013 \u201eum eine Art Kipppunkt, der nun erreicht scheint, ein Umkippen von Quantit\u00e4t in Qualit\u00e4t.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings verbleibt der Artikel, trotz des ganzseitigen Formats, weitgehend im Allgemeinen. Der Autor beschwert sich \u00fcber Unp\u00fcnktlichkeit, dar\u00fcber, dass \u201eder ICE nach Hamburg statt auf Gleis 5 auf Gleis 7 abf\u00e4hrt\u201c, dass es \u201estatt eines ICE ein Interregio\u201c sei\u201c \u2013 ganz sch\u00f6n grotesk, wo doch diese Zuggattung 2002 definitiv abgeschafft wurde und nur in Baden-W\u00fcrttemberg der Zwitter \u201eInterregio Express\u201c verkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter hei\u00dft es, dass dann dieser \u201eInterregio statt nach Hamburg nach Homburg f\u00e4hrt\u201c \u2013 wobei es ebenfalls eher unwahrscheinlich ist, dass ein als IR verkehrender ICE anstelle in die Hansestadt an der Elbe nach Homburg im Saarland oder nach Bad Homburg im Hochtaunus rollt. Oder gibt es inzwischen Zugentf\u00fchrungen? Im Grunde ist bei der DB haute fast alles vorstellbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch beenden wir das kleinliche Meckern. Denn richtig ist: Es gibt diesen Kipppunkt \u2013 die Krise der Bahn implodiert f\u00f6rmlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man an den folgenden Beispielen sehen: am Abbau von Infrastruktur \u2013 nicht zuletzt mit Stuttgart 21, bei der G\u00e4ubahn bzw. Panormabahn. Und nicht zuletzt an dem Ungl\u00fcck in Buchrain, Bayern.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em><strong>Beispiel 1: Infrastruktur und Stuttgart 21<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In dem zitierten Artikel hei\u00dft es, die Krise der Schiene w\u00fcrde sich \u201eeinreihen in die Krise anderer Gemeing\u00fcter\u201c. Der Autor mit Namen Felix Heidenreich verweist dabei auf \u201edie Verlotterung von Schulen\u201c, auf \u201edie hemmungslose Kommerzialisierung \u00f6ffentlichen Raums und die Degradierung der Stadt zur blo\u00dfe \u00b4City\u00b4\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut gebr\u00fcllt! M\u00f6chte man da sagen. Und es liegt doch hier JEDEM Stuttgarter und JEDER Stuttgarterin auf der Zunge, zu sagen: Genau, so ist es in dieser Stadt! Das Gemeingut Bonatzbau, das Gemeingut Kopfbahnhof Stuttgart l\u00e4sst man \u201everlottern\u201c. Was hier auf dem Gleisvorfeld dann, wenn es mal abgerissen und in den Untergrund verlegt ist, passieren soll, ist nichts anderes als eine \u201ehemmungslose Kommerzialisierung des \u00f6ffentlichen Raums\u201c, f\u00fchrt zur \u201eDegradierung der Stadt zur blo\u00dfen City.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kein Wort dazu in dem Artikel. Die Worte \u201eStuttgart 21\u201c und \u201eBonatz-Bau\u201c werden peinlichst vermieden. Dazu muss es nicht, wie in fr\u00fcheren Zeiten, eine Vorgabe der Chefredaktion geben; da reicht die sprichw\u00f6rtliche Schere im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir fragen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum wird in einem derart grunds\u00e4tzlichen Artikel nicht konkret erw\u00e4hnt, dass das Schienennetz seit 1994 um 20 Prozent abgebaut wurde?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wird nicht konkret belegt, dass die Zahl der Weichen im Netz sogar halbiert wurde? Warum kein Wort dazu, dass die Gleisanschl\u00fcsse um 80 Prozent \u2013 auf ein F\u00fcnftel des Bestand von 1994 \u2013 gekappt wurden? Warum wird nicht erw\u00e4hnt, dass das Jahr f\u00fcr Jahr so geht; dass allein im vergangenen Jahr 2021 erneut 41 Kilometer Gleise, erneut 182 Weichen und erneut 15 Gleisanschl\u00fcsse abgebaut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum kein Wort dar\u00fcber, dass in Stuttgart mit Stuttgart 21 ein exemplarischer Abbau der Kapazit\u00e4t um 30 Prozent stattfindet \u2013 und dass daf\u00fcr dann noch Steuergeld in H\u00f6he von mehr als 10 Milliarden Euro ausgegeben wird?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Beispiel 2 \u2013 die G\u00e4ubahn und die Panoramabahn<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In dem Artikel hei\u00dft es: \u201eWer von Z\u00fcrich nach Stuttgart reist, erlebt einen drastischen Kontrast: Kurz nach der Grenze\u201c, also in Basel, \u201ebeginnt das Chaos\u201c. Und was kommt dann? Der Autor beklagt sich \u00fcber \u201eZugdurchsagen\u201c, die die Reise \u201ezum Vabanque-Spiel werden\u201c lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss den Mann am Schlawittchen packen und ihm zurufen: \u201eAber Herr Heidenreich, warum vermeiden Sie dann die Worte \u201eG\u00e4ubahn\u201c und \u201ePanoramabahn\u201c? Beides sind doch im Verbreitungskreis der <em>Stuttgarter Zeitung <\/em>und in diesen Tagen DAS POLITIKUM in Sachen Bahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wurde und wird das Gutachten der Stadt Stuttgart zur G\u00e4ubahn, datiert auf November 2020, bis heute geheim gehalten? Kannte OB Kuhn, der diese Studie ja in Auftrag gab, das Ergebnis des Gutachtens?<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin scheint diese Studie in den letzten Wochen seiner Amtszeit fertig erstellt worden zu sein? Auf alle F\u00e4lle kennt OB Nopper das Gutachten. Warum, so fragen wir weiter, wird das Gutachten als geheimes behandelt und nicht umgehend in G\u00e4nze ver\u00f6ffentlicht? Finanziert wurde es doch immerhin mit Steuergeldern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das stimmt, was dazu im SWR und bei KONTEXT ver\u00f6ffentlicht wurde, dann sind die Pl\u00e4ne zur Aufgabe der Panorama-Bahn rechtswidrig. Dann gibt es auf dieser Strecke weiterhin eine Betriebspflicht der Bahn, die nur aufgehoben werden kann, wenn es offiziell ein Stilllegungsverfahren gibt. Dann muss der Verkauf dieses Bahngel\u00e4ndes an die Stadt Stuttgart m\u00f6glicherweise r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Dann ist aber auch der neue \u201ePfaffensteig-Tunnel\u201c von Vaihingen zum Flughafen, der die Panoramabahn ja ersetzen soll, unn\u00f6tig. Zerst\u00f6rerisch und sinnlos ist er ja ohnehin. Wie bei Stuttgart 21 will man etwas Bestehendes und Gut-Funktionierendes kaputt machen, durch etwas Schlechteres ersetzen \u2013 und daf\u00fcr viel Steuergeld einsetzen. Im Fall des Tunnels will man dann noch zulassen, dass ein gutes Jahrzehnt lang auf der Bahnverbindung Z\u00fcrich \u2013 Stuttgart Hunderttausende Fahrg\u00e4ste oben in Vaihingen stranden und dann per S-Bahn ins Stuttgarter Zentrum bummeln m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir fragen weiter: Warum wird in dem <em>Stuttgarter Zeitung<\/em>-Artikel nicht darauf hingewiesen, dass gerade dies ein Paradebeispiel f\u00fcr einen \u201enicht-pfleglichen\u201c Umgang mit Allmende, mit Gemeingut darstellt. Zumal es bei der Panoramabahn ja nicht um <em>irgendeine <\/em>Allmende geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bahn ist eine ingenieurtechnische Glanzleistung, ist eine touristische Vorzeigestrecke, die in der wunderbaren Fernseh-Serie der \u201eEisenbahn-Romantik\u201c von Hagen von Ortloff \u2013 \u00fcbrigens ein Stuttgart21-Gegner \u2013 ganz oben steht. Bei der Panoramabahn sollte es, ich wiederhole mich, einen Antrag im Gemeinderat in Stuttgart geben, diese in das <em>Weltkulturerbe der Vereinten Nationen <\/em>aufnehmen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Beispiel 3 \u2013 das Ungl\u00fcck in Buchrain in Bayern<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In dem<em> Stuttgarter-Zeitung<\/em>-Artikel ist zu lesen. \u201eDer tragische Unfall einer Regionalbahn bei Garmisch-Partenkirchen zeigt unter anderem, dass es bei der Krise der Bahn nicht blo\u00df um Bagatellen geht. Hier werden Menschen nicht nur genervt, sondern auch gef\u00e4hrdet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>PUNKT.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war es aber auch bereits. Man findet in der <em>Stuttgarter Zeitung <\/em>und allgemein in den \u00fcbrigen Medien wenig systematische Recherche zu diesem neuen Bahnungl\u00fcck, das f\u00fcnf Tote und viele Schwerverletzte forderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es sind unabh\u00e4ngige Fachleute au\u00dferhalb der offiziellen Strukturen, die die aufschlussreichen Fakten zusammentragen \u2013 so unsere Freundinnen und Freunde von \u201ePrellbock Altona\u201c, die am 14. und 15. Mai im Stuttgarter Gewerkschaftshaus mit dem Aktionsb\u00fcndnis gegen Stuttgart 21 und mit B\u00fcrgerbahn statt B\u00f6rsenbahn zusammen den \u201eKlimabahn-Kongress\u201c ausrichteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die am heutigen Tag zu dem Ungl\u00fcck eine ausf\u00fchrliche Presseinformation ver\u00f6ffentlichten, an der ich mitwirken durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Ergebnis<\/em>, das sei auch hier \u00f6ffentlich kundgetan, besagt:<\/p>\n\n\n\n<p>Erneut geht es bei diesem Ungl\u00fcck um Systemversagen. Erneut geht es um den fahrl\u00e4ssigen Umgang mit dem Gemeingut Bahninfrastruktur oder Allmende. Und erneut geht es um den Zielkonflikt Stra\u00dfe versus Schiene.<\/p>\n\n\n\n<p>Erneut zielt man zur Ablenkung f\u00e4lschlich, wie so oft bei vergleichbaren vorausgegangenen Unf\u00e4llen, darauf ab, die Fehler im Bereich \u201emenschliches Versagen\u201c zu verorten und das Versagen im oberen Management im Bahnkonzern bzw. bei DB Netz \u2013 und damit den systemischen Charakter dieses Versagens \u2013 zu verdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>KONKRET sind es drei Ebenen, die unsere Kritik an der unzureichenden Aufarbeitung dieses Ungl\u00fccks unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ebene 1. Es gab eine <\/strong><strong>Stra\u00dfenzusammenf\u00fchrung, die dazu f\u00fchrte, dass die Breite des bestehenden Bahndamms abgebaut, eine sp\u00e4tere Zweigleisigkeit ausgeschlossen und ein gef\u00e4hrlicher Steilhang geschaffen wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konkret wurden im Jahr 2000 die Bundesstra\u00dfen 23 und 2 im Zuge des Baus des Farchant-Tunnels zu einer autobahn\u00e4hnlichen Stra\u00dfe zusammengebunde und n\u00e4her an den bestehenden Bahndamm heranger\u00fcckt. Gleichzeitig wurde ein Gew\u00e4sser, der Katzenbach, n\u00e4her an den Bahndamm verlegt. Beides zusammen f\u00fchrte dazu, dass der Bahndamm auf der \u00f6stlichen Seite erheblich steiler angelegt werden musste. Bekanntlich st\u00fcrzten beim Ungl\u00fcck Waggons den Abhang herunter und verkeilten sich zwischen Bahndamm und dem h\u00f6her gelegenen Betonrand der B23. All das trug zur hohen Zahl an Schwerverletzten bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen wurde mit dem Stra\u00dfenausbau und dem Bahndamm-Abbau auch f\u00fcr die Zukunft ausgeschlossen, dass diese viel frequentierte Bahnstrecke zweigleisig ausgebaut werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ebene 2. Es fehlt an der Ungl\u00fccksstelle eine Fangschiene, die das Ungl\u00fcck weitgehend ausgeschlossen und die Tote und Schwerverletzte verhindert h\u00e4tte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die beschriebenen Ver\u00e4nderungen bei Stra\u00dfe, Bach und Bahndamm w\u00e4re der Einbau einer sogenannten Fang- oder F\u00fchrungsschiene erforderlich gewesen. Die Fangschiene ist eine dritte Schiene im Abstand von 180 Millimetern zur bogeninneren Schiene des Gleises, die auch ein entgleistes Fahrzeug sicher im Gleis h\u00e4lt. Fangschienen werden vor allem auf und unter Br\u00fccken und Viadukten eingesetzt. Sie sind gerade in Bayern auf Bahnd\u00e4mmen mit steilen Flanken weit verbreitet. Nach der Ver\u00e4nderung des Bahndamms im Zuge der Verbreiterung und Teilverlegung der Stra\u00dfe h\u00e4tte also das Gleis zumindest im Bogenbereich vor und hinter der Unfallstelle durch eine Fangschiene erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ebene 3. Die Deutsche Bahn beziehungsweise deren Tochter DB Netz waren sich bewusst, dass es sich bei dem fraglichen Streckenabschnitt inzwischen um eine kritische Stelle handelte. Doch aus dieser Erkenntnis resultierten keine Ma\u00dfnahmen zum Schutz des laufenden Bahnbetriebs.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Bericht der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c vom 8. Juni gab es eine Baustelleninformation der Deutschen Bahn. Danach stand unter anderem eine Gleiserneuerung&nbsp;auf H\u00f6he von Farchant an und eine Gleislageberichtigung bei Oberau und Farchant.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Arbeiten h\u00e4tten Ende Juni \u2013 also nur vier Wochen nach dem Ungl\u00fcck \u2013 beginnen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>[Anrede]<\/p>\n\n\n\n<p>In der Summe zu diesen Fakten auf drei Ebenen stellen wir an die Verantwortlichen bei Deutsche Bahn AG und bei DB Netz die folgenden Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat in den vergangenen Jahren veranlasst, dass der Bahndamm zu Gunsten einer Stra\u00dfenbau-Ma\u00dfnahme geschw\u00e4cht wurde? Wer hat damit auch verhindert, dass der geplante zweigleisige Ausbau dieser Strecke f\u00fcr alle Zeiten verhindert wurde? Gab es dazu eine Genehmigung seitens des Eisenbahnbundesamtes? Hat die Deutsche Bahn f\u00fcr die vorgenannte Stra\u00dfenbau-Ma\u00dfnahme Bahngel\u00e4nde verkauft und dadurch Einnahmen generieren k\u00f6nnen? Wenn ja, wann erfolgte dies und wie hoch waren die Einnahmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter fragen wir:<\/p>\n\n\n\n<p>Wurde nach den Hochwasser-Ereignissen von 2013 und 2021 der Bahndamm auf Sch\u00e4den untersucht? Kam es zu Erosionen durch den dicht an den Bahndamm verlegten Katzenbach?<\/p>\n\n\n\n<p>Wann fand die letzte Messfahrt zur \u00dcberpr\u00fcfung der Gleislage und zur Einhaltung der entsprechenden Toleranzen statt und welche Ergebnisse wurden dabei festgestellt?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es zutreffend, dass Triebfahrzeugf\u00fchrer schon vor dem Ungl\u00fcck Gleislagefehler bem\u00e4ngelt haben? Wenn ja, was wurde aufgrund der Beschwerden zur Streckensanierung veranlasst? Wenn ja, warum wurde keine Reduktion der Fahrgeschwindigkeit veranlasst bzw. warum wurde keine Langsamfahrstelle (La) eingerichtet?<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat veranlasst und genehmigt, dass nach dem Unfall die verungl\u00fcckten Waggons f\u00fcr den Abtransport zerlegt wurden? Man nennt so etwas \u201eBeseitigung von wichtigen Beweismitteln\u201c. Es sei hier darauf verwiesen, dass die Deutsche Bahn auch 1998 bei der Eisenbahn-Katastrophe von Eschede versucht hatte, das Ungl\u00fccksrad, das urs\u00e4chlich f\u00fcr das Ungl\u00fcck war, verschwinden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren Verantwortliche der Fraunhofer-Gesellschaft, darunter der stellvertretende Chef der Darmst\u00e4dter Niederlassung, Professor Vatroslav Grubisic, die das verhindern konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem ICE-3-Achsbruch in K\u00f6ln im Juli 2008 hatte die DB ebenfalls das entscheidende Beweismittel, die entsprechende Achse einschlie\u00dflich des Drehgestells, vom Ungl\u00fccksort entfernt und eigenm\u00e4chtig nach Berlin verbracht. Es wurde erst mehr als eine Woche sp\u00e4ter in Berlin der Bundesanstalt f\u00fcr Materialpr\u00fcfung \u00fcbergeben. Und die stellte dann in einer Untersuchung fest, dass alle Achsen der ICE-3 \u201enicht dauerfest\u201c waren und in den n\u00e4chsten Jahren ausgetauscht werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>[Anrede]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aus all dem \u2013 dem, was ich zur Infrastruktur und Stuttgart 21 sagte, dem, was ich zur Panorama-Bahn ausf\u00fchrte, und aus dem, was ich zum Bahnungl\u00fcck in Buchrain erl\u00e4uterte \u2013 folgt:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutsche Bahn AG ist ein Monster, das mit der Allmende Infrastruktur, mit den Fahrg\u00e4sten und nicht zuletzt auch mit ihren Bahnbesch\u00e4ftigten absolut verantwortungslos umgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Konzern handelt nach der Devise, die der vorletzte Bahnchef, R\u00fcdiger Grube, offen ausgab: \u201eCash in the D\u00e4sch \/ is he name oft he game\u201c. Sie setzt diese Infrastruktur in erster Linie als Geldmaschine ein, nicht zuletzt um die exorbitanten Boni der Bahn-Oberen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Infrastruktur der Schiene muss gesch\u00fctzt werden. Sie darf nicht weiter der Holding als ausbeutbare Ressource zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zusammenlegung der drei Bahnt\u00f6chter Netz, Bahnh\u00f6fe und Energie, deren Zusammenf\u00fchrung in einer einheitlichen und gemeinn\u00fctzigen Infrastrukturgesellschaft ist sinnvoll und notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vor allem gilt:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutsche Bahn bzw. dann die Infrastrukturgesellschaft Schiene m\u00fcssen ihre Hausaufgaben machen. Alle Gro\u00dfprojekte geh\u00f6ren auf den Pr\u00fcfstand oder gestoppt. Letzteres gilt zuallererst f\u00fcr Stuttgart 21.<\/p>\n\n\n\n<p>Hauptaufgabe muss sein, die unz\u00e4hligen Sch\u00e4den an Gleisen und begleitender Infrastruktur systemgerecht zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutsche Bahn AG muss alle Kr\u00e4fte darauf fokussieren, die Tausende Langsamfahrstrecken, die es inzwischen im gesamten Netz gibt und die immer ein Sicherheitsrisiko darstellen \u2013 bis Ende 2023 zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>[Anrede]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und damit bin ich zum Schluss wieder bei dem Artikel in der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em>. Dort hei\u00dft es: Noch \u201ein diesem Sommer droht (bei der Bahn) ein Systemkollaps.\u201c Das sehen und erleben in den 9-Euro-Ticket-Zeiten Hunderttausende Fahrg\u00e4ste Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Autor vergleicht dabei unsere Bahn mit der Schiene in der Schweiz \u2013 und schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs scheint kein Zufall, dass dort (in der Schweiz) ganz anders auf die Bahn geschaut wird. Hier hat man viel Erfahrung mit sogenannten Allmende-G\u00fctern, also beispielsweise den Gemeindew\u00e4ldern, die allen Dorfbewohnern geh\u00f6ren und daher gemeinsam und pfleglich und nachhaltig bewirtschaftet werden m\u00fcssen. K\u00f6nnten wir nicht auch (wie in der Schweiz) die Bahn in diesem Sinn als Gemeingut verstehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie recht hat der Autor mit diesen Aussagen. Schade halt, dass er sich die Konkretisierungen zu Stuttgart verkneift. Und hier gibt es in dem viel zitierten Artikel eine zutreffende Verallgemeinerung mit einer noch trefflicheren Konkretion f\u00fcr die Schiene. Dort hei\u00dft es: \u201eDer Klimakrise werden Demokratien nur erfolgreich begegnen k\u00f6nnen, wenn der Staat und die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gemeinsam und nicht gegeneinander agieren. [\u2026] Eine funktionierende, zuverl\u00e4ssige, ja \u2013 was f\u00fcr eine verr\u00fcckte Idee! \u2013 angenehme Bahn w\u00e4re das perfekte Symbol daf\u00fcr, dass kollektives Handeln gelingt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderbar, kann man dazu nur sagen! Denn g\u00e4be es dieses kollektive Handeln und w\u00fcrde man die Bahn als Gemeingut behandeln, mit ihr pfleglich umgehen, dann g\u00e4be es keine Pl\u00e4ne zur Zerschneidung der Insel Fehmarn. Es g\u00e4be keine Pl\u00e4ne zur Zerst\u00f6rung des Kopfbahnhofs Altona mit dem Bau des Nadel\u00f6hrs eines kleineren Bahnhofs in Diebsteich. Es g\u00e4be keinen Plan f\u00fcr eine neue H\u00f6chstgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Bielefeld. Und nat\u00fcrlich g\u00e4be es vor allem kein Stuttgart 21 und keine Pl\u00e4ne zur Aufgabe der Panoramabahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann k\u00f6nnten wir alle: OBEN BLEIBEN.<\/p>\n\n\n\n<p><em>N\u00e4here Infos siehe: <\/em><a href=\"http:\/\/www.klimabahn-initiative.de\/\"><em>www.klimabahn-initiative.de<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den drei Beispielen: Infrastruktur, Panoramabahn und Bahnungl\u00fcck in Bayern Stuttgart, 12. Juni 2022 &#8211; Rede Winfried Wolf auf der Montagsdemo Am vergangenen Samstag, dem 11. Juni 2022, brachte die \u201eStuttgarter Zeitung\u201c einen ganzseitigen Artikel mit der \u00dcberschrift: \u201eKommen im Zug noch alle mit? 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