{"id":2083,"date":"2022-07-07T17:40:28","date_gmt":"2022-07-07T15:40:28","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2083"},"modified":"2022-07-07T17:40:29","modified_gmt":"2022-07-07T15:40:29","slug":"melnyk-wird-erst-recht-zum-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2083","title":{"rendered":"Melnyk wird erst recht zum Skandal \u2013"},"content":{"rendered":"\n<h2>Die FAZ wiederholt die Relativierungen des Bandera-Antisemitismus<\/h2>\n\n\n\n<p>Das dreist\u00fcndige Gespr\u00e4ch von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85554\">\u201ejung und naiv\u201c<\/a>\u00a0vom 30.6. mit Andrij Melnyk, dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, bot ausreichend Stoff daf\u00fcr, dass der Mann umgehend den Hut nehmen und seinen Job abgeben m\u00fcsste. Rechtfertigung von Antisemitismus und eine Verharmlosung des Holocaust sollten in Deutschland nicht akzeptabel sein. Und ein Loblied auf einen Polen-Schl\u00e4chter d\u00fcrfte in der Ukraine von heute kontraproduktiv wirken. Doch genau diese Vorw\u00fcrfe m\u00fcssen Melnyk gemacht werden. Dennoch gibt es in deutschen Medien und in Kiew nur zur\u00fcckhaltende Kritik. Es wird massiv bagatellisiert. Mehr noch: Der Mann wird offensichtlich bef\u00f6rdert. Er soll im Herbst zum stellvertretenden Au\u00dfenminister der Ukraine gek\u00fcrt werden. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Liest man am 6. Juli einige deutsche Zeitungen, dann gewinnt man zun\u00e4chst den Eindruck, Melnyk sei doch zur persona non grata geworden. So hei\u00dft es in der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c unter der \u00dcberschrift \u201eAls Vermittler ausgedient\u201c, Melnyk stehe \u201evor einer R\u00fcckkehr nach Kiew\u201c, wo er \u201ewom\u00f6glich Vize-Au\u00dfenminister werden k\u00f6nnte\u201c. Doch \u201ewas als Aufstieg interpretiert werden kann, w\u00e4re \u2026 de facto eine R\u00fcckstufung.\u201c \u00c4hnlich die \u201eNeue Osnabr\u00fccker Zeitung\u201c, in der es hei\u00dft: \u201eMit einer derart penetrant provokativen Art, wie sie der Topdiplomat an den Tag legt, sichert man sich nicht die Solidarit\u00e4t der Deutschen [\u2026] Je eher Pr\u00e4sident Selenskyj also einen Nachfolger f\u00fcr Melnyk pr\u00e4sentiert, der ein wenig mehr Gesp\u00fcr f\u00fcr deutsche Empfindlichkeiten beweist, umso besser f\u00fcr die ukrainische Sache. Ob es zielf\u00fchrend ist, Melnyk als stellvertretenden Au\u00dfenminister wegzuloben, steht auf einem anderen Blatt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eFrankfurter Allgemeine Zeitung\u201c schaut sich dieses \u201eandere Blatt\u201c genauer an und stellt fest: \u201eEine Degradierung w\u00e4re der Weggang (von Melnyk nach Kiew; W.W.) allerdings nicht. Denn der 46 Jahre alte Diplomat soll in Kiew Stellvertretender Au\u00dfenminister werden. [\u2026] F\u00fcr sein Land hat er einen guten Job gemacht.\u201c Eine entsprechende Blattlinie scheint es auch bei der \u201eSchw\u00e4bischen Zeitung\u201c zu geben. Sie pr\u00e4sentiert Melnyk \u2013 ebenfalls in der Ausgabe vom 6.7. \u2013 in Form einer Hofberichterstattung auf einer dreiviertel Seite mit Foto und in Siegerpose. In dem Interview, gef\u00fchrt vom Chefredakteur der Zeitung, Hendrik Groth, in der \u2013 mit pr\u00e4chtig-kitschigem Barockgest\u00fchl ausgestatteten \u2013 \u201eukrainischen Residenz in Berlin Dahlem\u201c, gibt es nicht eine einzige kritische Frage zu den aktuellen Themen. Stattdessen darf Melnyk erneut austeilen, so gegen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des \u201ezweiten offenen Briefs\u201c, j\u00fcngst ver\u00f6ffentlicht in der \u201eZeit\u201c. Melnyk: \u201eSolche Briefe spielen Russland in die H\u00e4nde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz offensichtlich aber konnten die Macher von \u201ejung und naiv\u201c Wirkung erzeugen. Und die Mainstream-Medien m\u00fchen sich ab, die Plattform herunterzumachen, unsauberen Journalismus zu unterstellen und die entscheidenden Aussagen, die Melnyk dort machte, zu relativieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Art Interview?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der FAZ erschienen am 6.7. gleich zwei Artikel, die jeweils eine dreiviertel Seite in Anspruch nehmen. Ein erster, erschienen im Politik-Teil und verfasst von \u201eGerhard Gnauck , Warschau, und Markus Wehner, Berlin\u201c, tr\u00e4gt die \u00dcberschrift: \u201eVerschwinden wird er sicher nicht\u201c. Ein zweiter Artikel, nur mit Gerhard Gnauck als Autor und im Ressort \u201eMedien\u201c wiedergegeben, hat die \u00dcberschrift \u201eLeise T\u00f6ne werden im Krieg \u00fcberh\u00f6rt\u201c. In dem zuletzt genannten Beitrag hei\u00dft es: \u201eNicht den heutigen Krieg oder aktuelle Kriegsverbrechen wollten die \u00b4jungen und naiven\u00b4 Medienmacher in den Mittelpunkt stellen\u2026 Russische Kriegsverbrechen kamen, so die Auskunft der ukrainischen Botschaft, in dem Gespr\u00e4ch erst gar nicht vor. Die Sendemacher nahmen stattdessen eine Passage \u00fcber Verbrechen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs heraus und schickten sie per Twitter in die Welt. Die Passage erhellt wenig\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine groteske Verzerrung des Interviews. Wobei es schon absurd ist, dass die FAZ sich bei einer der Aussagen, um was es in dem Interview geht, auf die \u201eAuskunft der Ukrainischen Botschaft\u201c berufen muss. In dem dreist\u00fcndigen Gespr\u00e4ch gibt es ausf\u00fchrliche Passagen zum Krieg selbst. Die \u201eMacher\u201c von \u201ejung und naiv\u201c relativieren mit keinem Wort das, was in diesem Krieg stattfindet. Richtig ist, dass das Thema Bandera \/ OUN \/ Zweiter Weltkrieg rund die H\u00e4lfte der dreist\u00fcndigen Sendung bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer war Bandera?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eS\u00fcddeutschen\u201c (6.7.) hei\u00dft es: Stepan Bandera \u201ef\u00fchrte zeitweilig die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), unter deren Anh\u00e4ngern viele Antisemiten waren.\u201c Tats\u00e4chlich war Bandera ab Mitte der 1930er Jahre Teil der OUN-F\u00fchrung und ab 1940 und bis Anfang der 1950er Jahre der \u2013 auch so bezeichnete \u2013 \u201eF\u00fchrer\u201c der OUN-B, wobei das \u201eB\u201c f\u00fcr \u201eBandera\u201c stand. Die OUN-B war der radikalere Teil der OUN. Die OUN war zu hundert Prozent antisemitisch. Siehe unten. OUN und Bandera sind nicht zu trennen beziehungsweise diejenigen, die das zu trennen versuchen, f\u00e4lschen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirklich im KZ? Und wenn ja, wann genau?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dem Gnauck\/Wehner-FAZ-Artikel ist zu lesen: \u201eTats\u00e4chlich war Bandera [\u2026] von 1942 bis 1944 eine Art Vorzugsh\u00e4ftling im Konzentrationslager Sachsenhausen und konnte diese Befehle [Juden zu vernichten; W.W.] nicht geben.\u201c Damit wird die Linie von Melnyk verfolgt, Bandera sei eine Art freischwebende Figur und in der Regel nicht direkt f\u00fcr die OUN-Verbrechen verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich befand Bandera sich von Anfang Juli 1941 bis September 1944 in Sachsenhausen. Die Verbrechen der OUN begannen jedoch mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen ab September 1939; die OUN unter Bandera agierte da als Hilfstruppe der Nazis, auch bei der Vernichtung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. Bandera war damit bis Ende Juni 1941 und ab September 1944 auch Teil der operativen F\u00fchrung der OUN. Inwieweit er von Sachsenhausen aus \u201eBefehle erteilen\u201c konnte, mag strittig bleiben. Das ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht relevant. Weder distanzierte sich die OUN von ihm noch er sich irgendwann von der OUN und ihrem verbrecherischen Wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bandera war im KZ Sachsenhausen \u201eEhrenh\u00e4ftling\u201c. Er bewohnte dort zwei Zimmer, ausgestattet mit M\u00f6beln und Teppichen. Es gibt keinerlei Berichte \u00fcber Misshandlungen. Faktisch befand er sich dort in einer Art mittelm\u00e4\u00dfig komfortablen Hausarrest, der verh\u00e4ngt wurde, weil Banderas Projekt einer unabh\u00e4ngigen Ukraine ab Juli 1942 nicht mehr ins Konzept der NS-Kriegsf\u00fchrung passte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was waren die OUN, die UPA und in welchem Verh\u00e4ltnis standen sie zu Stepan Bandera?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dem FAZ-Artikel von Gerhard Gnauck und Markus Wehner hei\u00dft es: \u201eDie von Bandera gef\u00fchrte Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) wollte einen ethnisch homogenen Staat, in dem es keinen Platz f\u00fcr Juden und Polen geben sollte. Milizen, die sich auf Banderas OUN beriefen, sollen zwischen 1942 und 1944 an der Ermordung zehntausender Juden und Polen im Westen der Ukraine beteiligt gewesen sein. [\u2026] Bandera und die ohne seine direkte Teilnahme gegr\u00fcndete Ukrainische Aufst\u00e4ndische Armee (UPA) sind in Polen Reizthemen, vor allem im rechten Teil des polnischen Spektrums. Die ethnischen S\u00e4uberungen vor allem in der Region Wollhynien hatten damals zehntausende Todesopfer gefordert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es die typischen Relativierungen, wie sie auch Melnyk dutzendfach im Gespr\u00e4ch vornahm; sie sind alle angesichts der geschichtlichen Forschungen durch nichts gerechtfertigt. Die Milizen \u201eberiefen\u201c sich nicht blo\u00df auf Bandera; es waren OUN-Milizen bzw. UPA-Milizen. Die UPA war eine Gr\u00fcndung der OUN-B; sie wurde von der OUN-F\u00fchrung, in der angegebenen Zeit auch direkt von Bandera, befehligt. Zu schreiben, diese Todesschwadronen \u201esollen\u201c an den genannten Verbrechen beteiligt gewesen sein, ist skandal\u00f6s. Sie waren direkt beteiligt, oft Ausf\u00fchrende. Die Aussage, dass die OUN und die UPA \u201evor allem im rechten polnischen Spektrum\u201c verurteilt w\u00fcrden, soll erneut relativierend wirken. OUN\/UPA und Bandera gelten bei der gesamten politisch bewussten polnischen Bev\u00f6lkerung als verbrecherisch; der politisch rechtsstehenden polnischen Regierung ist es eher unangenehm, dass Melnyk und Asow-Regiment-Faschisten die aktuelle Harmonie, die es zwischen Warschau und Kiew gibt, st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem zweiten FAZ-Artikel, verfasst ausschlie\u00dflich von Gerhard Gnauck, hei\u00dft es: \u201eIn erster Linie wurden polnische Zivilisten ermordet, in zweiter Linie j\u00fcdische. Beide wollte die OUN durch \u00b4ethnische S\u00e4uberungen\u00b4 loswerden. Tilo Jung und sein Gespr\u00e4chspartner h\u00e4tten an dieser Stelle erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, dass viele V\u00f6lker, die keinen eigenen Staat hatten, zur Waffe des Terrors griffen \u2013 wie Bandera es tat. [\u2026] Richtig war allenfalls, dass der Nationalist die einmarschierenden Nazitruppen \u00b4ausnutzen wollte\u00b4, um eine unabh\u00e4ngige Ukraine zu schaffen \u2013 was ihm nach wenigen Tagen untersagt und mit Verhaftung beantwortet wurde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig ist, dass man die faschistische Ideologie und die Verbrechen von Bandera und OUN nur konkret nachvollziehen kann, wenn man sie im Zusammenhang mit den h\u00f6chst unterschiedlichen Phasen des Krieges in Verbindung bringt. Ich nannte dazu, gest\u00fctzt auf die Darstellung des Historikers Keith Lowe, vier Phasen, was hier nicht zu wiederholen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Periode 1939 bis 1945 als Ganzes, dann waren die OUN und die UPA wesentlich mitverantwortlich f\u00fcr die Ermordung von 200.000 J\u00fcdinnen und Juden und f\u00fcr rund 90.000 ermordete Polinnen und Polen. Dass es \u201ein erster Linie um polnische Zivilisten\u201c gegangen w\u00e4re, ist demnach falsch. Die Formulierung, dass man mit Massenmord die polnischen und j\u00fcdischen Menschen \u201eloswerden\u201c wollte, deutet bereits auf die dann folgenden drei Verharmlosungen hin. Da hei\u00dft es zun\u00e4chst, andere h\u00e4tten doch ebenso gehandelt; Terror und Faschismus seien doch eine Art Zug der Zeit gewesen. Im Interview sagte dazu Tilo Jung bereits, dass das damit ja nicht weniger zu verurteilen w\u00e4re. Sodann wird behauptet, Bandera h\u00e4tte die NS-Besatzer \u201eausnutzen\u201c wollen, was ihm aber \u201enach wenigen Tagen untersagt\u201c und mit \u201eVerhaftung\u201c beantwortet worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Skandal im Skandal: Die f\u00fchrende Zeitung in Deutschland wiederholt faktisch fast alle Relativierungen, die Melnyk in Sachen Bandera\/OUN selbst vortrug. Es ist aber so: Die Ideologie von Bandera und diejenige von OUN und UPA war durch und durch faschistisch und antisemitisch. Sie besagte explizit, dass Juden, Polen und Russen die \u201edrei Feinde\u201c der Ukraine seien; weswegen diese auszurotten seien. Die Praxis von Bandera und OUN\/UPA entsprach dieser Ideologie. Sie begingen vielfachen Massenmord \u2013 mal im Verbund mit den Nazi-Banden, mal als eigenst\u00e4ndige Formationen. Die Art und Weise, wie sie mordeten, unterschied sich nicht von den Methoden der Nazis, was auch damit zusammenh\u00e4ngt, dass sie ihre ersten massenhaften Verbrechen (1939-1941) als Hilfstruppen der SS und der Einsatzkommandos der Wehrmacht begingen; dass es die deutsche Seite war, die ihnen das m\u00f6rderische Handwerkszeug beibrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Melnyk jetzt sagt \u2013 so zitiert in der FAZ \u2013 die Juden seien \u201eein untrennbarer Teil der Geschichte meiner Heimat, ein fester Bestandteil unserer DNA\u201c, dann wirkt das grotesk vor dem Hintergrund seiner vielfachen Aussagen, Stepan Bandera sei ein \u201eK\u00e4mpfer f\u00fcr die ukrainische Unabh\u00e4ngigkeit\u201c gewesen, den er bewundere. Das machte er auch dadurch deutlich, dass er am 27. April 2015 bei seinem Besuch in M\u00fcnchen am Grab des Antisemiten und Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera Blumen niederlegte. Im jung-und-naiv-Interview erkl\u00e4rte er zwei Mal und mit Verve, dass er sich nicht von Bandera distanzieren werde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Fl\u00fcchtlinge und der aktuelle Rassismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Rassismus der Bandera-OUN-Ideologie spielt auch im aktuellen Ukraine-Krieg eine erkennbare Rolle. Wobei es so gut wie keine Juden auf ukrainischem Gebiet mehr gibt; und es so bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Kiew und Tel Aviv bleibt. Und Polen enger B\u00fcndnispartner und wichtige Durchgangsstation f\u00fcr die Waffenlieferungen ist, weswegen man sich hier keinen h\u00e4rteren Disput leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt von den drei Feinden der Ukraine Russland. Und Russischsprachige gibt es in der Ukraine als Ganzes wohl um die 40 Prozent; auf dem aktuell verbliebenen, von Kiew beherrschten Gebiet sind es wohl um die 30 Prozent. Und selbst in Lwiw, der Heimatstadt von Melnyk, sind es nach dessen eigenen Aussagen rund ein F\u00fcnftel. Zwei Mal in dem \u201ejung und naiv\u201c-Gespr\u00e4ch wurde Melnyk gefragt, ob er denn keine russischen oder russischsprachigen Freunde oder Bekannte h\u00e4tte. Er verneinte dies. Das ist im \u00dcbrigen verwunderlich, da er ja in den Jahren 2010 bis 2014 auch unter dem ukrainischen, eher russlandfreundlichen Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowytsch als Diplomat treu diente.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch offensichtlich hat sich der Mann inzwischen klar entschieden. Neu f\u00fcr einen j\u00fcdischen Pr\u00e4sidenten Selenskyj und dabei gleichbleibend f\u00fcr den Judenhasser Bandera. In dem Interview rechtfertigt er das Verbot von zehn Parteien in der Ukraine, da diese alle \u201erusslandfreudlich\u201c seien; auch w\u00fcrde die russische Kultur \u201eals Waffe\u201c eingesetzt, weswegen er auch auf diesem Gebiet entsprechende Ausgrenzungen und Verbote mitzutragen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Melnyk wurde beim Thema Fl\u00fcchtlinge rhetorisch gefragt, ob er denn wisse, welches Land \u2013 nach Polen \u2013 am meisten Fl\u00fcchtlinge aufgenommen habe. Die Antwort: 1,1 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer seien nach Russland gefl\u00fcchtet. Und dies, so \u201ejung und naiv\u201c-Journalist Hans Jessen, seien die offiziellen Zahlen des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks UNHCR. Melnyk protestierte mehrfach gegen diese Feststellung und bezweifelte die Glaubw\u00fcrdigkeit dieser Zahl. Er behauptete, diese Menschen seien \u00fcberwiegend deportiert oder zur Flucht in diese Richtung gezwungen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eNeuen Z\u00fcrcher Zeitung\u201c vom 6. Juli gibt es eine interessante Reportage aus dem Donbass. In dieser wird ein Bewohner der Stadt Slowjansk, die sich noch unter ukrainischer Kontrolle befindet, wie folgt zitiert: \u201eEines ist klar: Dieser Krieg muss sofort aufh\u00f6ren.\u201c Viele Dinge seien falsch gelaufen hier im Donbass. \u201eDaran tr\u00e4gt die Regierung in Kiew auch Schuld. Wir h\u00e4tten zumindest Autonomie bekommen m\u00fcssen, wenn nicht sogar mehr. Schlie\u00dflich sprechen wir Russisch, kein Ukrainisch.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/krieg-im-donbass-reportage-aus-einer-untergehenden-region-ld.1690961?ga=1&amp;kid=nl164_2022-7-5&amp;mktcid=nled&amp;mktcval=164_2022-07-06\">hei\u00dft es im NZZ-Bericht<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie ist nicht die Einzige in der Stadt, die so denkt. \u00b4Ein gewisser Teil unserer Einwohner ist nun einmal prorussisch\u00b4, sagt Wadim Lach, der B\u00fcrgermeister. \u00b4Das ist ein Problem. Aber wir k\u00f6nnen daran nichts \u00e4ndern. Ich frage mich nur, warum diese Leute nicht einfach hin\u00fcber nach Russland gehen.\u00b4\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es war die 2014 an die Macht gekommene Regierung Jazeniuk, die Russisch als zweite Amtssprache abschaffte, was wesentlich zum Krieg in der Ostukraine und zum Entstehen der \u201eVolksrepubliken\u201c beitrug. Es war die Regierung Poroschenko, die 2019 ein Gesetz beschlie\u00dfen lie\u00df, wonach in der Ukraine alle Publikationen, die in russischer Sprache erscheinen, zugleich in ukrainischer Sprache publiziert werden m\u00fcssen. Das Gesetz trat Anfang 2022, kurz vor Kriegsbeginn, in Kraft; es bedeutet das Aus f\u00fcr viele Zeitungen, Zeitschriften und Verlage, die in erster Linie in russischer Sprache publizieren. Und es sind heute Selenskyis eigene Leute, die der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung zurufen: Geht doch r\u00fcber!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FAZ wiederholt die Relativierungen des Bandera-Antisemitismus Das dreist\u00fcndige Gespr\u00e4ch von\u00a0\u201ejung und naiv\u201c\u00a0vom 30.6. mit Andrij Melnyk, dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, bot ausreichend Stoff daf\u00fcr, dass der Mann umgehend den Hut nehmen und seinen Job abgeben m\u00fcsste. 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