{"id":2199,"date":"2022-10-03T23:31:42","date_gmt":"2022-10-03T21:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2199"},"modified":"2023-04-08T00:59:36","modified_gmt":"2023-04-07T22:59:36","slug":"blog-30-editorial-fuer-die-neue-lp21-ausgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2199","title":{"rendered":"blog 30: Editorial f\u00fcr die neue LP21 Ausgabe"},"content":{"rendered":"\n<h1><\/h1>\n\n\n\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n\n\n\n<p>in diesen Monaten, Wochen und Tagen hat man den Eindruck, dass uns immer neue verst\u00f6rende und zerst\u00f6rerische Dinge um die Ohren fliegen. Das Cover dieses Heftes verwendet ein Foto einer raumplastischen Nachbildung einer explodierenden Granate im Milit\u00e4rhistorischen Museum in Dresden.*<\/p>\n\n\n\n<p>Hitzesommer, Waldbr\u00e4nde, kein Wasser im Po-Tal, Niedrigwasser im Rhein, und, ganz allgemein, das Erreichen drohender Klimakipppunkte; dann die Expansion des Ukraine-Kriegs mit neuen nuklearen Drohungen, ein t\u00fcrkischer Pr\u00e4sident, der gleich an drei Fronten (Nordirak, Rojava, \u00c4g\u00e4is) milit\u00e4risch interveniert oder zu intervenieren droht; der Sieg des rechten und neofaschistischen Lagers bei der Parlamentswahl in Italien, Inflationsrekorde, neue Rezessions\u00e4ngste, drohende n\u00e4chste Eurokrise\u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und das ist noch lange nicht alles. Lunapark21 bem\u00fcht sich zwar, dieses breite Spektrum an Horrornachrichten zu ber\u00fccksichtigen bzw. darauf mit Berichten und Analysen \u2013 und auch mit Mut-Machendem \u2013 einzugehen. Ganz gelingen kann uns dies indesssen nicht; zu zahlreich sind die Negativ-Entwicklungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Documenta 15 in Kassel, die am 25. September die Tore schloss, wurde in vielen deutschen Medien fast ausschlie\u00dflich unter dem Aspekt \u201eAntisemitismus\u201c \u201eabgehandelt\u201c. Dass der Vorwurf \u201eAntisemitismus\u201c seit vielen Jahren als Vorwand daf\u00fcr genutzt wird, um fortschrittliche Positionen \u2013 und insbesondere berechtigte Kritik an der v\u00f6lkerrechtswidrigen Politik der Regierungen in Tel Aviv gegen\u00fcber der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung \u2013 auszugrenzen, ist nicht neu. Im konkreten Fall ging es vor allem darum, dass die auf der Kasseler Kunstausstellung pr\u00e4sentierten vielf\u00e4ltigen Positionen aus dem globalen S\u00fcden, die Vorw\u00fcrfe von Kolonialismus und Rassismus, nicht auf die politische Tagesordnung gelangen sollten. Inwieweit die deutschen Verantwortlichen f\u00fcr die Documenta mit mehr Fingerspitzengef\u00fchl der Totschlagkeule Antisemitismus h\u00e4tten ausweichen k\u00f6nnen, sei hier dahingestellt. Die krasse Ungleichgewichtung, mit der der Antisemitismus-Vorwurf im Fall der Documenta vorgetragen wurde, ist jedoch augenf\u00e4llig. Da reichten zwei oder drei problematische Darstellungen in Wimmelbildern f\u00fcr den Vorwurf aus, die gesamte Ausstellung mit ihren Tausenden Exponaten sei von Antisemitismus gepr\u00e4gt. Das wurde auch weiter so vorgetragen, nachdem diese Bilder abgeh\u00e4ngt worden waren. So gut wie keine massive \u00f6ffentliche Reaktion gibt es dann dort, wo in Deutschland von offizieller Seite Antisemitismus ungeniert zur Schau gestellt wird. Vier Tage vor Er\u00f6ffnung der Documenta hatte der Bundesgerichtshof die Klage eines Juden abgewiesen, der sich von einem Relief an der Au\u00dfenwand der Stadtkirche von Wittenberg beleidigt sieht. Das Relief zeigt Juden, die sich an den Geschlechtsorganen einer Sau zu schaffen machen. In Deutschland gibt es an mehr als drei Dutzend Kirchen solche \u201eJuden-S\u00e4ue\u201c. Nur in Wittenberg wurde dies \u00f6ffentlich kritisiert und problematisiert \u2013 mit dem Ergebnis, dass das daf\u00fcr letztinstanzlich entscheidende Gericht feststellt, \u00f6ffentlich zur Schau gestellter Antisemitismus sei eben kein Antisemitismus, sondern irgendwie kulturgeschichtlich zu verstehen. Es war die FAZ, die schrieb: Dieser \u201eText des h\u00f6chstrichterlichen Urteils liest sich wie die Vorlage f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des K\u00fcnstlerkollektivs\u201c (auf der Documenta).<\/p>\n\n\n\n<p>Lunapark21 hat seit Gr\u00fcndung 2008 immer einen Schwerpunkt im Bereich Verkehr und Bahn. Im Zeitraum 2009 bis 2019 erschienen \u2013 erg\u00e4nzend zu den Quartalsheften \u2013 16 LP21-Extrahefte, von denen knapp die H\u00e4lfte verkehrspolitischen Themen gewidmet war. Auch wenn die Extrahefte vor zwei Jahren aufgegeben wurden, setzen wir die Tradition nun im Oktober 2022 fort. Wir publizieren in Erg\u00e4nzung zum \u201enormalen\u201c Quartalsheft ein Sonderheft, in dem wir die Referate der Konferenz \u201eKlimabahn statt Betonbahn\u201c, die am 14. und 15. Mai in Stuttgart stattfand, dokumentieren. Das Heft geht als \u201eBonus\u201c an alle unsere Abonnentinnen und Abonnenten. Es kann auch getrennt \u00fcber unsere Bestelladresse bezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Heft ist ein Doppelheft (Nr. 59\/60). Der Grund: eine ernsthafte Erkrankung meinerseits. Bei der ist erst Ende dieses Jahres abzusehen, wie es weitergeht. Mit der Bitte um Verst\u00e4ndnis und in der Hoffnung auf ein Weitermachen und Wiedersehen, dann Anfang 2023. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine erkenntnisreiche Lekt\u00fcre w\u00fcnscht: <\/p>\n\n\n\n<p>Winfried Wolf<\/p>\n\n\n\n<p>* Das Foto f\u00fcr unser Cover machte J\u00fcrgen B\u00f6nig im August im Milit\u00e4rhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Das raumplastisches Gebilde einer explodierenden Granate entstand nach einem Konzept von Merz\/Holzer Kobler (hgmerz.com u. holzerkobler.com).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserin, lieber Leser, in diesen Monaten, Wochen und Tagen hat man den Eindruck, dass uns immer neue verst\u00f6rende und zerst\u00f6rerische Dinge um die Ohren fliegen. 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