{"id":2252,"date":"2022-10-31T23:03:49","date_gmt":"2022-10-31T22:03:49","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2252"},"modified":"2022-11-01T18:36:29","modified_gmt":"2022-11-01T17:36:29","slug":"die-misere-der-bahn-hat-verantwortliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2252","title":{"rendered":"Die Misere der Bahn hat Verantwortliche"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Eine Ansprache an die Herren Volker Wissing, Michael Theurer,<\/strong> <strong>Winfried Kretschmann, Winfried Hermann und Heinz D\u00fcrr<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Rede auf der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 vom 31. Oktober 2022<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VpESrt3UKno\">ier auf youtube ab Min. 40<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Misere der Bahn wird an jedem Tag neu demonstriert. Ausgefallene Z\u00fcge. Eine P\u00fcnktlichkeitsquote auf Rekordtief. Ein immer gr\u00f6\u00dferer R\u00fcckstau bei den Schienenwege-Investitionen. Das tragische Bahnungl\u00fcck in Burgrain bei Garmisch-Partenkirchen. Es gibt 250.000 fehlerhaften Schwellen, die ausgewechselt werden m\u00fcssen. Die Zahl der Langsamfahrstellen wurde drastisch erh\u00f6ht, damit es nicht zu weiteren Unf\u00e4llen kommt. Eine Brandschutz\u00fcbung vor einer Woche auf der Neubastrecke Wendlingen-Ulm demonstrierte: die Tunnelbauten sind brandgef\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es stellt sich die Frage: Ist das alles unabwendbar? Ergebnis eines freien Verkehrsmarktes?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort lautet eindeutig NEIN!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr dieses klimafeindliche Desaster liegt bei konkreten Institutionen und bei konkreten Personen. Ich will mich hier nicht bei den fr\u00fcheren Bahnchefs Heinz D\u00fcrr, Hartmut Mehdorn und R\u00fcdiger Grube aufhalten, die alle von Daimler kamen. Auch ist die Riege der abgehalfterten Verkehrsminister Wissmann, Tiefensee, Ramsauer, Dobrindt und Scheuer inzwischen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um das Hier und Jetzt. Um die jeweiligen Top-Leute im Verkehrsministerium, an der Bahnspitze und in der Regierung von \u201eThe L\u00e4nd\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprechen wir die Herren also direkt an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Volker Wissing! Sehr geehrter Herr Berthold Huber,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie beide sind f\u00fcr den Gesamtzustand des Bahnnetzes verantwortlich \u2013 Sie, Herr Wissing in der Bundesregierung, gest\u00fctzt auf Artikel 87e des Grundgesetzes, wonach der Bund bei \u201eAusbau und Erhalt des Schienennetzes\u201c das \u201eWohl der Allgemeinheit\u201c verfolgen muss. Und Sie Herr Huber als Infrastrukturvorstand der DB AG.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beide stellten im September das Projekt einer Generalsanierung des Netzes, genauer von \u201esieben bis acht Korridoren\u201c des Schienennetzes vor. Ein Projekt, das sich \u00fcber mehr als drei Jahre hinziehen wird, bei dem jeweils ein gro\u00dfer \u201eKorridor\u201c des Netzes f\u00fcr f\u00fcnf bis sechs Monate komplett gesperrt werden soll \u2013 als erstes die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Zur bisherigen Netzinstandhaltung bei laufendem Betrieb \u2013 mit Sperrung von einem von zwei Gleisen und vielfachem Nachtarbeitseinsatz \u2013 sagten Sie, Herr Huber: \u201eWir kommen aus einem konventionellen Betrieb, wir nennen das Bauen unter dem rollenden Rad. Das f\u00fchrt dazu, dass wir h\u00e4ppchenweise bauen, quasi mit dem Essl\u00f6ffel, statt industriell.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Und Sie, Herr Wissing, \u00e4u\u00dferten nochmals deutlicher: \u201eDie bisherige Baustrategie ist gescheitert. Das Ziel hie\u00df immer: Sanieren unter dem rollenden Rad.[\u2026] Die Folge: Es war immer etwas kaputt. [\u2026] Es wurden immer mehr Baustellen. [\u2026] So kann die Modernisierung des Netzes nicht gelingen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist schlichtweg falsch. Diese neue Art Generalsanierung ist ein teurer und gef\u00e4hrlicher Irrweg. Sie, Herr Huber, sind nun seit einem guten Vierteljahrhundert bei der DB besch\u00e4ftigt. Seit mehr als einem Jahrzehnt nehmen sie im Konzern verantwortliche Top-Positionen ein. Doch Sie sagen da \u2013 ohne erkennbar rot zu werden \u2013 schlicht, dass Sie und Ihre Teams im Top-Management der Deutschen Bahn AG jahrzehntelang Unsinn gemacht h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir von \u201eB\u00fcrgerbahn\u201c fragten Profis. Ich fragte in Wien den Verkehrsprofessor Hermann Knoflacher. Seine Antwort: Diese \u201eneue\u201c Art der Bahnsanierung mit kompletten Streckensperrungen sei grundfalsch; die bisherige Praxis habe sich \u00fcber mehr als hundert Jahre hinweg bew\u00e4hrt. Prof. Karl-Dieter Bodack aus Gr\u00f6benzell bei M\u00fcnchen, viele Jahre bei der Bahn in F\u00fchrungspositionen besch\u00e4ftigt, unterstreicht Knoflachers Einsch\u00e4tzung und erg\u00e4nzt: Die verschiedenen Elemente einer Strecke \u2013 Weichen, Gleise, Signalanlagen, Haltestellen, Bahnsteige \u2013 haben eine unterschiedlich lange Lebensdauer. Wenn man alles gleichzeitig erneuere, so sei das \u201eGeldverschwendung in gro\u00dfem Stil\u201c. Prof. Heiner Monheim wiederum fragte den langj\u00e4hrigen Chef der Schweizer Bahn, Benedikt Weibel. Seine Antwort hat denselben Tenor: Richtig ist und bleibt, wie es weltweit praktiziert wird: Sinnvoll sei die Instandhaltung unter dem rollenden Rad, bei laufendem Betrieb. Wie dies in der Schweiz auch weiter stattfinden werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidenden zwei Gr\u00fcnde f\u00fcr die \u201eradikale\u201c Wende in der Instandhaltungspolitik des DB-Konzerns lauten: <em>Erstens.<\/em> Man fuhr jahrzehntelang extrem verantwortungslos auf Substanz. Das will man nicht eingestehen. Daher die pl\u00f6tzliche Schein-Erkenntnis: Die Art der Instandhaltung war falsch \u2013 jetzt machen wir es anders als der Rest der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens.<\/em> Deutschland investiert so wenig in die Schiene wie kaum ein anderes europ\u00e4isches Land. Bei uns werden pro Kopf und Jahr 124 Euro in die Schiene investiert. In Schweden, \u00d6sterreich und Norwegen sind es mehr als doppelt so viel (253, 271 und 315 Euro). Und in dem Land, in dem die Schiene weitgehend noch Vorbild ist, in der Schweiz, sind es mit 440 Euro je Kopf 3,5 Mal mehr.<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Daran soll sich, so Ihre Politik, Herr Wissing und Herr Huber, nichts \u00e4ndern. Im Gegenteil: \u00dcber den neuen Haushalt f\u00fcr das Jahr 2023 urteilt das Deutsche Verkehrsforum: \u201eDie Investitionen werden real heruntergefahren\u201c.<sup><a id=\"sdfootnote4anc\" href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><em>Unsere Bilanz:<\/em> Die Bahnpolitik im Land war und bleibt ein Skandal. Selbst in Zeiten der nahenden Klimakatastrophe wird das Fahren auf Verschlei\u00df fortgesetzt. Nun wird durch ein grundfalsches Sanierungsprogramm zus\u00e4tzlich in gro\u00dfem Umfang Geld verschwendet. Damit bleibt am Ende f\u00fcr die Schiene noch weniger. Und von diesem Geld flie\u00dft wiederum der gr\u00f6\u00dfte Teil in zerst\u00f6rerische Gro\u00dfprojekte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>[Anrede]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zur zweiten Ansprache.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Michael Theurer,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>als sie noch Oberb\u00fcrgermeister von Horb waren, da haben Sie gut ein Dutzend Mal die bundesweit wichtigen \u201eHorber Schienentage\u201c er\u00f6ffnet. Mich begr\u00fc\u00dften Sie dort zwei Mal namentlich \u2013 als, wie Sie sagten, \u201eSohn der Stadt Horb\u201c. Diese Blumen reiche ich posthum an meine Mama; die Tatsache, dass ich in Horb geboren wurde, ist allein ihr Verdienst.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen sind Sie, Herr Theurer, Staatssekret\u00e4r im Verkehrsministerium und Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr den Schienenverkehr. Meine Horber Freunde vom Zentrum \u201eKultur im Kloster\u201c sagten mir, dass man Sie dort durchaus noch ab und an sieht. Und sich freundlich gr\u00fc\u00dft \u2013 auch wenn inzwischen die politische Distanz deutlich gr\u00f6\u00dfer wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun liegt Horb an der G\u00e4ubahn \u2013 an der ber\u00fchmten Bahnstrecke Z\u00fcrich \u2013 Singen \u2013 Stuttgart. Diese Bahn soll ab 2025 auf der H\u00f6he von Vaihingen gekappt werden, dort wo die wunderbare Panoramabahn beginnt, die bisher im Stuttgarter Kopfbahnhof endet. Viele Jahre lang soll es dann gar keine durchgehende Verbindung Z\u00fcrich \u2013 Stuttgart mehr geben. Und irgendwann, um das Jahr 2035 oder 2040 herum, soll es einen neuen, zehn Kilometer langen sogenannten Pfaffensteigtunnel geben, mit dem man von der H\u00f6he kommend ins Dunkle gedr\u00fcckt, zum Stuttgarter Flughafen und von dort in den Stuttgart21-Tiefbahnhof geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So gut wie alle St\u00e4dte und deren B\u00fcrgermeister an dieser Strecke sind emp\u00f6rt \u00fcber die Unterbrechung und Zerst\u00f6rung dieser wunderbaren Eisenbahnstrecke, \u00fcber die ein ausgezeichneter swr-Film von Hermann Abmayr aus dem Jahr 2019 berichtet.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\" id=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Und was machen da Sie \u2013 als Horber, als vielj\u00e4hriger Schirmherr der Horber Schienentage? Sie ducken sich weg! Sie sind zu feige, um gegen die de facto-Aufgabe der Panoramabahn, die Stuttgart 21 geopfert werden soll, zu protestieren! Stattdessen bet\u00e4tigen Sie sich als Nebelwerfer.<\/p>\n\n\n\n<p>So \u00e4u\u00dferten Sie j\u00fcngst im \u201eSchwarzw\u00e4lder Bote\u201c, es geh\u00f6re \u201euntersucht, ob wir dann [nach der Unterbrechung der G\u00e4ubahn bei Vaihingen; W.W.] den Regionalzug aus Freudenstadt in Eutingen gabeln lassen \u2013 ein Teil f\u00e4hrt Richtung S\u00fcden. Der andere Teil wird an die S-Bahn angekoppelt und k\u00f6nnte dann m\u00f6glicherweise durch den S-Bahn-Tunnel bis zum Hauptbahnhof fahren.&#8220;<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\" id=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup> Das ist Eiertanz und bahntechnischer Unfug.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen, Herr Theurer, ist der Pfaffensteigtunnel Teil von Stuttgart 21, 2.0, von einem <em>zweiten Stuttgart 21<\/em>. Mit diesem \u2013 und mit weiteren neuen Tunnelprojekten \u2013 werden wir am Ende gut 100 Kilometer Schienen-Tunnelstrecken unter der Landeshauptstadt haben. Zum Vergleich: Bundesweit gibt es \u201enur\u201c 580 Kilometer Tunnelstrecken im Schienennetz. Unter der baden-w\u00fcrttembergischen Landeshauptstadt l\u00e4ge dann ein Sechstel aller Schienentunnelstrecken im gesamten deutschen Schienennetz. Eine vergleichbare Tunnelmanie gibt es nirgendwo sonst.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier lautet unsere<em> Bilanz<\/em>: Selbst in Zeiten der nahenden Klimakatastrophe werden Schienenstrecken zerst\u00f6rt. Werden Millionen zus\u00e4tzliche CO2-Emssionen durch v\u00f6llig unn\u00f6tigen Tunnelbau produziert. Die Verantwortung daf\u00fcr tragen namentlich bekannte Politiker, so Sie, Herr Theurer!<\/p>\n\n\n\n<p><em>[Anrede)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir bei der <em>dritten <\/em>Ansprache sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrte Herren Winfried Kretschmann und Winfried Hermann!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie beide sind ausgewiesene Kenner der Problematik von Stuttgart 21. Vor der Regierungs\u00fcbernahme am 12. Mai 2011 kritisierten Sie auf Montagsdemonstrationen kompetent das Projekt, umjubelt von Tausenden S21-Gegnerinnen und Gegnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun lassen Sie nicht nur zu, dass das Projekt unter Ihrer gr\u00fcn gef\u00fchrten Regierung seit gut zehn Jahren umgesetzt wird. Sie haben auch Ihre konkrete Kritik am Projekt aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Film, den Klaus Gietinger f\u00fcr unsere Gruppe B\u00fcrgerbahn drehte \u2013 und der am 21. November im \u201eDelphi\u201c-Kino in Stuttgart Premiere hat \u2013 sagen Sie, Herr Hermann, der S21-Bahnhof sei \u201evielleicht bis 2030 zukunftsf\u00e4hig\u201c, doch da es \u201edanach\u201c eine Verdopplung der Fahrgastzahlen geben m\u00fcsse, m\u00fcsse man halt eine \u201eErg\u00e4nzungsstation\u201c bauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fcgen hinzu: Das soll eine zweiter <em>unterirdischer<\/em> Bahnhof sein. Und: Es soll ein KOPFbahnhof sein! Als ob wir nicht seit 25 Jahren als Begr\u00fcndung f\u00fcr S21 h\u00f6ren w\u00fcrden, Kopfbahnh\u00f6fe seien aus der Zeit gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beide, Herr Kretschmann und Herr Hermann, lie\u00dfen in den neuen gr\u00fcn-schwarzen Koalitionsvertrag, datiert auf den 21. Mai 2021, diese \u201eErg\u00e4nzungsstation\u201c hineinschreiben \u2013 als Teil des zweiten Stuttgart 21.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal hei\u00dft das: Unserer zwei Jahrzehnte lang ge\u00e4u\u00dferten Kritik, der 21-Bahnhof h\u00e4tte nicht ausreichende Kapazit\u00e4ten, wird klammheimlich Recht gegeben. Doch anstatt zu sagen, dann m\u00fcsse der bestehende Kopfbahnhof erhalten bleiben, sollen es nun gleich zwei Untergrundbahnh\u00f6fe werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft auch: Dass es noch mehr Tunnelstrecken \u2013 und noch mehr Brandgefahr geben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr gab es vor wenigen Tagen ein bedr\u00fcckendes Beispiel. Am 22. Oktober fand auf der Neubaustrecke Wendlingen \u2013 Ulm, die im Dezember in Betrieb gehen soll, ein Gro\u00dfeinsatz von Feuerwehren mit 650 Einsatzkr\u00e4ften statt. Ge\u00fcbt wurde der Brand eines ICE im 8,7 Kilometer langen Albvorlandtunnel.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Bericht der \u201e<em>N\u00fcrtinger Zeitung\u201c <\/em>hei\u00dft es, die Feuerwehren verf\u00fcgten nicht \u00fcber die notwendige Technik; diese Technik musste teilweise von der Baustelle ausgeliehen werden. Es habe, so wurde weiter berichtet, \u201eeine gef\u00fchlte Ewigkeit gedauert\u201c, bis die Fahrzeuge eingefahren seien. Die Zeitung berichtete auch mit Details, auf Basis des Materials von Christoph Engelhardt von unserer B\u00fcrgerbahn-Gruppe, dass ICE-Z\u00fcge durchaus in Brand geraten k\u00f6nnen \u2013 und dass das bereits rund ein Dutzend Mal erfolgte. Die Zeitung stellte in diesem Zusammenhang dem Eisenbahnbundesamt konkrete Fragen zur Brandgefahr in einem S21-Tunnel. Das Blatt stellt dann fest &#8211; ZITAT: \u201eDie Genehmigungsbeh\u00f6rde ging auf unsere Fragen nicht konkret ein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was die N\u00fcrtinger wissen durften, sollen die Menschen in der Landeshauptstadt eher nicht wissen. In den beiden Stuttgarter Zeitungen wurde es so dargestellt, als sei bei der \u00dcbung alles im gr\u00fcnen Bereich abgelaufen. Die Unterschiede zwischen der \u201e<em>N\u00fcrtinger Zeitung\u201c<\/em> und den \u201e<em>Stuttgarter Nachrichten\u201c<\/em> sind dann so gro\u00df, dass Peter M\u00fcller in einem Schreiben an beide Zeitungen \u00e4u\u00dferte: \u201eIch (bin) mir nicht sicher, ob beide Zeitungen \u00fcber das gleiche Ereignis berichteten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So verschwiegen z.B. die \u201e<em>Stuttgarter Nachrichten<\/em>\u201c, dass laut <em>\u201eN\u00fcrtinger Zeitung\u201c<\/em>, \u201edie Presse [bei der \u00dcbung] nicht zugelassen war\u201c und dass, ebenfalls laut \u201e<em>N\u00fcrtinger Zeitung<\/em>\u201c, \u201ein einem internen Papier gar die Rede davon (ist), dass nur autorisierte Personen mit Vertretern der Presse sprechen und auch nur autorisierte Personen im Tunnel fotografieren d\u00fcrfen.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\" id=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere <em>Bilanz<\/em> lautet: Immer noch mehr Tunnel mit S21 und S21 2.0 hei\u00dft: immer noch gr\u00f6\u00dfere Brandgefahren. Einen \u00fcberzeugenden Brandschutz f\u00fcr Stuttgart 21 gibt es nicht. Daf\u00fcr tragen konkrete Politiker die Verantwortung \u2013 so Sie, Herr Kretschmann, und Sie, Herr Hermann, die sie diesen Tunnelmanie weiter f\u00f6rdern und die konkreten immer neuen Berichte \u00fcber die Brandgefahren und den fehlenden Brandschutz bei S21 ignorieren! Damit versto\u00dfen Sie gegen Ihren Amtseid. Dieser lautet, dass Sie Ihre \u201eKraft dem Wohl des Volkes widmen und [\u2026] Schaden von ihm wenden m\u00fcssen.<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\" id=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zur letzten und vierten Ansprache.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr D\u00fcrr!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind ja faktisch der Haupterfinder von Stuttgart 21 \u2013 jedenfalls in der Au\u00dfendarstellung. Daher kommt Ihnen in dem neuen Stuttgart21-Film von Klaus Gietinger die Ehre zu, dass wir Ihre Rede aus dem Jahr 1994, in der Sie das Mega-Projekt verk\u00fcnden, in Ton und Bild dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals sagten Sie im Stuttgarter Stadtparlament: \u201eDer Verkehr durch dieses Projekt kann erheblich gesteigert werden, also ich sag mal ganz schlicht, verdoppelt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das dumm und dreist \u2013 dass das m\u00f6glicherweise sogar Lug und Trug \u2013 war, ist inzwischen best\u00e4tigt: S21 bringt keine Verdopplung. Stuttgart 21 bedeutet im Gegenteil einen deutlichen Abbau der Kapazit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hatte Regisseur und B\u00fcrgerbahn-Mitglied Klaus Gietinger die Gelegenheit, j\u00fcngst, Mitte 2022, mit Ihnen, Herr D\u00fcrr, ein neues Interview zu f\u00fchren. Und da sagen Sie zum gleichen Thema:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, des Problem war, dass des pl\u00f6tzlich <em>ein Bahnhof <\/em>geworde isch. Mir ging\u2019s aber nur drum, wenn der Sackbahnhof wegkommt, dass dann Stuttgart-Zentrum 125 Hektar Land kriegt, im Zentrum, ja. Und des hamm die nicht verstande, dann gings nur noch um den Bahnhof.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus hakt an dieser Stelle mit den Worten nach: \u201eAber der [Bahnhof] ist doch jetzt zu klein?\u201c Antwort D\u00fcrr: \u201eGut, der geht ja trotzdem [\u2026] Des kriegen sie schon hin, die k\u00f6nnen ja schneller, n\u00f6n\u00f6, des geht schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wurden Sie, Herr D\u00fcrr, zum neuen Kronzeuge daf\u00fcr, was Stuttgart 21 wirklich ist \u2013 und was wir immer wieder sagen, was nicht zuletzt Joe Bauer immer wieder mit Blick auf die Zerst\u00f6rung der Stadt Stuttgart hier vortr\u00e4gt: Es geht nicht um Schienen, Bahnhof und Fahrplanverbesserung. Es geht um Immobilien, Spekulation und Gewinnoptimierung. Und dabei geht es auch um eine weitere Zu-Bebauung im Stuttgarter Zentrums, ausgerechnet in Zeiten der nahenden Klimakatastrophe, ausgerechnet dort, wo die Frischluftzufuhr im Stuttgarter Kessel so dringend notwendig ist \u2013 und nun durch hohe Neubauten weiter abgeblockt werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erkl\u00e4rt ja dann auch, warum der S21-Miterfinder G\u00fcnther Oettinger im Beirat des neuen Immobilienkonzerns Gr\u00f6ner auftaucht, warum der S21-Betreiber Ronald Pofalla im selben Immobilienkonzern als neuer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wirkt \u2013 wobei Gr\u00f6ner wiederum erkl\u00e4rte, ein wesentliches Anliegen des Konzerns sei es, sich um \u201edie Bahnh\u00f6fe der Bahn zu k\u00fcmmern\u201c. Das erkl\u00e4rt auch, warum die Oettinger-Partnerin Friederike Beyer und die ehemalige S21-Betreiberin und fr\u00fchere Verkehrsministerin Tanja G\u00f6nner bei ECE, der Tochter des Otto-Konzerns, Europas gr\u00f6\u00dftem Immobilienentwickler, aktiv wurden. Und wenn R\u00fcdiger Grube als Bahnchef neue S21-Tunnel beschlie\u00dfen lie\u00df, dann war es logisch, dass er nach seinem Weggang aus dem Bahntower beim Tunnelbauer Herrenknecht anheuerte. Wie sagte der Herr doch: \u201eCash in the D\u00e4sh \u2013 is the name of the game!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>[Anrede]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es muss eingestanden werden: Die zerst\u00f6rerische Macht der Betonlobby und die Gier der Spekulanten, die hinter Stuttgart 21 stehen, ist gewaltig. Und oft erscheint es so: Je besser unsere Argumente werden, desto hartleibiger und ignoranter werden unsere Gegner.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir geben nicht auf. Wir nicht als B\u00fcrgerbahn-Gruppe mit dem Alterativen Gesch\u00e4ftsbericht Deutsche Bahn AG von Ende M\u00e4rz, mit der \u201eKlimabahn statt Beton-Bahn\u201c-Konferenz von Mitte Mai im Stuttgarter DGB-Haus und mit dem soeben erschienenen neuen Lunapark21-Klimabahn-Heft, das diese Konferenz dokumentiert. Ihr nicht mit den bewundernswerten Demonstrationen an jedem Montag und mit der tapferen Dauer-Mahnwache gegen\u00fcber des verst\u00fcmmelten Bonatzbaus \u2026 Mit all dem halten wir dagegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste H\u00f6hepunkt unseres Widerstands wird der 21. November sei \u2013 dann, wenn nach der Montagsdemo im Delphi-Kino die Premiere des Films \u201eDas Trojanische Pferd \u2013 Stuttgart21\u201c stattfindet. Wobei zwei weitere Termine im gleichen Kino fest geplant sind und es bereits ein Dutzend St\u00e4dte gibt, die den Film in den n\u00e4chsten Wochen zeigen werden, darunter in Hamburg, wo unsere Freunde und Freundinnen von Prellbock-Altona ein vergleichbar bahnzerst\u00f6rerisches Projekt bek\u00e4mpfen und immer wieder auf die Parallelen zu Stuttgart 21 verweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: Klaus Gietinger wird am 21. November auf der Demo reden und nach der Filmvorf\u00fchrung mit dem Publikum diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt mir, wie immer, zu sagen: Aufrecht gehen! Mensch bleiben!<\/p>\n\n\n\n<p>Oben bleiben!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Winfried Wolf ist Chefredakteur von Lunapark21. Er ist aktiv bei B\u00fcrgerbahn statt B\u00f6rsenbahn. Autor u.a. von \u201eabgrundtief + bodenlos. Stuttgart 21, sein absehbares Scheitern und die Kultur des Widerstands\u201c (PapyRossa, 3. Auflage, K\u00f6ln 2019) und (zusammen mit Bernhard Knierim) von \u201eAbgefahren. Warum wir eine neue Bahnpolitik brauchen (PapyRossa, K\u00f6ln 2018).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Oktober 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Interview in der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 1. Oktober 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\" id=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Allianz pro Schiene, Bericht vom 7. Juli 2022. Stand: 2021. https:\/\/www.allianz-pro-schiene.de\/presse\/pressemitteilungen\/deutschland-bei-schieneninvestitionen-weiter-abgehaengt\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\" id=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Deutsches Verkehrsforum, Politikbrief 2\/2022; https:\/\/www.verkehrsforum.de\/application\/files\/6216\/5667\/8989\/PB_2_2022.pdf#page=4<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\" id=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Hier noch zu sehen: https:\/\/www.swrfernsehen.de\/eisenbahn-romantik\/folgen\/broadcastcontrib-swr-37008.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\" id=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Schwarzw\u00e4lder Bote vom 19.7.2022. An anderer Stelle sagte Theurer, \u201eeine m\u00f6gliche Alternative sei eine Umleitung \u00fcber Renningen (Kreis B\u00f6blingen), \u00fcber die man von Norden in den Tiefbahnhof in Stuttgart einfahre. Eine weitere M\u00f6glichkeit sei der Umweg \u00fcber T\u00fcbingen, wobei die Strecke zwischen Horb und der Uni-Stadt nicht elektrifiziert ist und man andere Loks br\u00e4uchte.\u201c S\u00fcddeutsche Zeitung vom 19.7.2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\" id=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Wendlinger Zeitung \/ N\u00fcrtinger Zeitung vom 24. Oktober 2022. <a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Heino\/AAA%20BsB-neu\/BsB-neu%202022\/ICE-Trasse%20Wendlingen-Ulm_%20Reicht%20der%20Brandschutz_%20-%20N\u00c3\u00bcrtinger%20Zeitung.pdf\">ICE-Trasse Wendlingen-Ulm_ Reicht der Brandschutz_ &#8211; N\u00fcrtinger Zeitung.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\" id=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Artikel 48 der Verfassung Baden-W\u00fcrttembergs lautet: &#8222;Ich schw\u00f6re, da\u00df ich meine Kraft dem Wohle des Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, Verfassung und Recht wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erf\u00fcllen und Gerechtigkeit gegen jedermann \u00fcben werde. So wahr mir Gott helfe.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Ansprache an die Herren Volker Wissing, Michael Theurer, Winfried Kretschmann, Winfried Hermann und Heinz D\u00fcrr Rede auf der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 vom 31. Oktober 2022 Hier auf youtube ab Min. 40 Die Misere der Bahn wird an jedem Tag neu demonstriert. Ausgefallene Z\u00fcge. Eine P\u00fcnktlichkeitsquote auf Rekordtief. 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