{"id":2381,"date":"2023-01-23T17:29:32","date_gmt":"2023-01-23T16:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2381"},"modified":"2023-01-23T17:50:54","modified_gmt":"2023-01-23T16:50:54","slug":"luetzerath-stuttgart-21-und-die-drohende-klimakatastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2381","title":{"rendered":"L\u00fctzerath, Stuttgart 21 und die drohende Klimakatastrophe"},"content":{"rendered":"\n<h2><em>Rede Winfried Wolf \/\/ 645. Montagsdemonstration in Stuttgart am 23. Januar 2023<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p><br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident Kretschmann!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit der R\u00e4umung des Ortes L\u00fctzerath durch mehr als 1000 Polizei-Einsatzkr\u00e4fte erhoben Greta Thunberg und andere Klima-Aktive den Vorwurf, die Gr\u00fcnen h\u00e4tten ihre Klima-Ziele verraten. Darauf meldeten sich Sie, Herr Kretschmann, wie folgt zu Wort:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIn Wirklichkeit verraten wir nat\u00fcrlich gar nichts. Die Aussage ist einfach Bl\u00f6dsinn.\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a>&nbsp; Sie behaupteten dabei, dass doch \u201e280 Millionen Tonnen CO2 im Boden\u201c und dass \u201evier Ortschaften [im Braunkohlerevier; W.W.] erhalten bleiben\u201c w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was Sie, Herr Ministerpr\u00e4sident, da pauschal behaupten, wird von neutraler, wissenschaftlicher Seite im Detail widerlegt. Vor allem sind es prominnte Mitglieder Ihrer Partei, Gr\u00fcne-Mitglieder, die das widerlegen. Es waren die Klima-Aktivistinnen Luisa Neubauer&nbsp; und Pauline B\u00fcnger, die das deutlich machten. Frau Neubauer ist Gr\u00fcnen-Mitglied; Frau B\u00fcnger Sprecherin von Fridays for Future. In einem mit Fakten gespickten Artikel schrieben die beiden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eZwar werden&nbsp; [in dem Deal der Regierungen in D\u00fcsseldorf und Berlin mit RWE; W.W.] die Ausstiegsdaten f\u00fcr die Kraftwerke vorgezogen, die Menge an Kohle jedoch wird nicht begrenzt. Die Kohlemenge, die RWE vorher bis 2038 f\u00f6rdern und verbrennen wollte, wird jetzt schlicht schon in der H\u00e4lfte der Zeit verstromt. Aus Kohleausstieg wird jetzt Kohleintensivierung.\u201c Und weiter: \u201eDieser Kohleausstieg ist vor allem eins: eine Profitschutzma\u00dfnahme f\u00fcr RWE. [\u2026] Wir hatten gehofft, die Gr\u00fcnen w\u00fcrden die \u00f6kologischen Linien in der Ampel verteidigen. Nun sind sie diejenigen, die sie einrei\u00dfen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dem ist nur noch eine Personalie hinzuzuf\u00fcgen: Ab dem 1. M\u00e4rz 2023 ist ein gewisser <strong>Titus Rebhann der neue Cheflobbyist f\u00fcr den Energieriesen und Braunkohle-Verstromer RWE. Der Mann ist ein enger&nbsp; Vertrauter der amtierenden Au\u00dfenministerin; er leitete bis Ende 2021 das Bundestagsb\u00fcro von Annalena Baerbock. So was nennt man \u201ewertebasierte Politik\u201c \u2013 wobei \u201eWerte\u201c hier in Euro gemessen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Michael Theurer!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind Staatssekret\u00e4r im Bundesverkehrsministerium. Sie f\u00fchrten j\u00fcngst ein ausf\u00fchrliches Interview mit Christian Milankovic von der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em>. Darin finden sich Formulierungen im Stil der Dinosaurier Oettinger und Mappus. Sie sagten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Strecke Wendlingen \u2013 Ulm ist ein Jahrhundertprojekt, ein Meilenstein f\u00fcr die internationale Transversale von Paris \u00fcber Stuttgart, M\u00fcnchen und weiter nach Wien und Bratislava. Sie ist eine ingenieurstechnische Meisterleistung.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Profis Christoph Engelhardt und Hans Heydemann haben im Detail nachgewiesen, wie im Wortsinne brandgef\u00e4hrlich diese Strecke ist: Gemeint: im Fall eines Brandes ist der Brandschutz nicht gew\u00e4hrleistet. Dieter Reicherter als Anwalt wies nach, dass eine \u201eWirtschaftlichkeit\u201c der Strecke mit Lug und Trug \u201eherbei-gerechnet\u201c und dabei behauptet wurde, auf der Strecke w\u00fcrden auch G\u00fcterz\u00fcge verkehren. Diese G\u00fcterz\u00fcge gibt es nur auf dem Papier. Selbst die ICE1 und die ICE2 und viele TGV-Z\u00fcge schaffen die Steigung auf der Neubaustrecke nicht; erst recht gilt das f\u00fcr G\u00fcterz\u00fcge. Zu all dem kommt hinzu: Aufgedeckt wurde, dass es beim Herzst\u00fcck der Strecke, bei der Filstalbr\u00fccke, zu einer Verdreifachung der veranschlagten Kosten kam \u2013 und dass seit Anfang 2023 die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Betrugs ermittelt. Weswegen wir hiermit den Antrag stellen, beim Namen dieser Br\u00fccke den vierten Buchstaben \u201es\u201c durch ein \u201ez\u201c zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie, Herr Theurer, sagten dann im zitierten Interview, mit der Neubaustrecke w\u00fcrde sich \u201edie Fahrtzeit zwischen Stuttgart und Ulm um eine Viertelstunde reduzieren.\u201c So gut wie alle Medien und die Deutsche Bahn AG selbst f\u00fchrten diese gewonnene Viertelstunde als Begr\u00fcndung f\u00fcr die 4 Milliarden Euro teure Strecke an.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wir von \u201eB\u00fcrgerbahn\u201c behaupteten: Die Fahrtzeit zwischen den beiden Landeshauptst\u00e4dten lag bereits einmal bei 2 Stunden. Und wir f\u00fcgten im Dezember unserer Presseerkl\u00e4rung als Beleg einen Scan des Kursbuchs 1995\/96 an.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die meisten Menschen heute \u2013 und so gut wie alle Journalistinnen und Journalisten \u2013 Kursb\u00fccher kaum noch lesen k\u00f6nnen, habe ich mir antiquarisch das Heft \u201eSt\u00e4dteverbindungen\u201c, herausgegeben von der Deutschen Bahn AG, besorgt. Auf dem Cover steht: \u201eFahrplan g\u00fcltig vom 28. 5.1995 bis 1.6.1996.\u201c Und dort sind auf Seite 707 elf Tagesverbindungen mit dem ICE aufgef\u00fchrt \u2013 jede nur 2 Stunden und 1 Minute Fahrtzeit. Beispielsweise Abfahrt M\u00fcnchen Hbf 10.45h \u2013 Ankunft Stuttgart Hbf 12.46h.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Klartext: Vor einem Vierteljahrhundert gab es diese 2-Stunden-Fahrtzeit bereits. Vor allem durch die Verschlechterung der Infrastruktur hat sich diese dann um mehr als eine Viertelstunde verl\u00e4ngert. Und diese verschlamperte Viertelstunde wird jetzt mit einer s\u00fcndhaft teuren Neubaustrecke \u201ehereingeholt\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und es geht noch weiter: Ende der 1980er Jahre hatte die Bundesbahn Pl\u00e4ne zur Optimierung der Bestandstrecke \u00fcber &nbsp;Geislingen vorliegen, bei deren Umsetzung die Fahrtzeit um bis zu acht Minuten reduziert worden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier, Herr Theurer, gilt: Sie und ihr Chef betreiben eine klimasch\u00e4dliche Betonpolitik. Mit einem Bruchteil der Summe, die f\u00fcr Wendlingen-Ulm ausgegeben wurde, h\u00e4tte man die Infrastruktur in Schuss halten, die alte Fahrtzeit von zwei Stunden verteidigen \u2013 und sogar noch auf der bestehenden Strecke mehr als f\u00fcnf Minuten Fahrtzeit-Reduzierung auf 1 Stunde 50 Minuten einfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Frank Nopper!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neulich pl\u00e4dierten Sie daf\u00fcr, dass Elektroautos weiter im Stuttgarter Stadtgebiet gratis parken d\u00fcrfen. Was ein komplettes Jahrzehnt lang der Fall war. Der Gemeinderat entschied dann mehrheitlich anders und beendete diesen pauschalen Freiparkschein.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings bleibt es dabei: Die Stadt Stuttgart f\u00f6rdert massiv E-Pkw \u2013 so durch den Bau von Ladestationen auf Steuerzahlerkosten. Aktuell sind es bereits 1000 solcher Stationen; weitere gut 2000 sollen folgen<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Das hei\u00dft auch: Der entsprechende Raum f\u00fcr diese Ladestationen wird als ein f\u00fcr die Allgemeinheit zug\u00e4nglicher verkleinert \u2013 zugunsten dieser privilegierten Art der Fortbewegung, die sich vor allem die gehobene Mittelklasse und die Reichen leisten \u2013 mit ihren Zweit- und Drittwagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit ein paar Tagen liegt die Bilanz der Pkw-Neuzulassungen 2022 vor. Danach stieg der Pkw-Bestand im vergangenen Jahr erneut um mehr als 400.000; er \u00fcbersteigt nun 49 Millionen Pkw. Vor zw\u00f6lf Jahren waren es 10 Millionen weniger. Spannend ist hier das Verh\u00e4ltnis Verbrenner zu E-Pkw. Es gibt Anfang 2023 gerade mal knapp eine Million E-Pkw. Das sind nur 2 Prozent des Gesamtbestands. Davon sind rund zwei Drittel entweder Zweit- und Drittwagen oder Wagen im \u00f6ffentlichen Bestand. Wenn wir nur die Bilanz der Jahre 2018 bis 2022 ziehen, dann sieht das wie folgt aus: Die Zahl der Verbrenner-Pkw stieg in diesem Vier-Jahres-Zeitraum um zwei Millionen. Die der E-Pkw stieg um 850.000.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Und das in den Jahren mit massiver F\u00f6rderung der E-Pkw. Damit best\u00e4tigt sich, was ich seit f\u00fcnf Jahren sage und schreibe: Die sogenannte E-Mobility ist reines Green-Washing. Sie dient in doppelter Weise dem Verschleiern: erstens weil auch die Zahl der Verbrenner-Pkw immer weiter w\u00e4chst. Und zweitens, weil E-Pkw \u00fcber den gesamten Lebenszyklus hinweg keine Einsparung an CO2 bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir lagern das Thema Klimasch\u00e4dlichkeit des Pkw-Verkehrs insgesamt aus: Die CO2-Belastung und die Belastung von Landschaft, Natur und Menschen finden bei E-Mobility vor allem im globalen S\u00fcden bei der Lithium-F\u00f6rderung oder in China und im Kongo bei der F\u00f6rderung der Seltenen Erden statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz neu bei diesem Thema sind die Enth\u00fcllungen zum \u00d6lkonzern Exxon. Demzufolge hatten die \u00d6l-Bosse bereits vor 50 Jahren Studien vorliegen, die belegten: Durch die Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger \u2013 wie \u00d6l und Gas \u2013 gelangt Kohlenstoffdioxid in die Atmosph\u00e4re, was, mittels des Treibhauseffekts, \u201ezu katastrophalen Sch\u00e4den f\u00fchren w\u00fcrde\u201c. Das geht soweit, dass die Herren in den Chefetagen der \u00d6lmultis bereits Mitte der 1970er Jahre wussten, \u201edass die Erderw\u00e4rmung sp\u00e4testens ab dem Jahr 2000 messbar w\u00e4re und in der Folge Natur, Mensch und Technik fundamental bedroht sein\u201c sein w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Exakt so kam es.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit die \u00d6lkonzerne diese Erkenntnisse zur Klimaerhitzung, die durch deren eigenes Handeln entsteht, haben, trugen sie ma\u00dfgeblich dazu bei, dass sich die Zahl der Autos weltweit <em>verdreifachte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Tageszeitung schlagzeilte dieser Tage dazu zutreffend mit: \u201eDenn sie wussten, was sie tun.\u201c<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Winfried Hermann!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie gaben Anfang Januar der FAZ ein Interview, wobei Sie sich schick vor einer Betonwand mit wilden Graffitis ablichten lie\u00dfen. In diesem Interview behaupten Sie:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir Gr\u00fcnen wollten ja nur den unterirdischen Bahnhof nicht, die Neubaustrecke schon.\u201c Und weiter: \u201eStuttgart 21 war eine Entscheidung unserer Vorg\u00e4nger, die ich immer falsch fand. Die Bev\u00f6lkerung wollte aber im Volksentscheid nicht aussteigen. Mein Job ist es seitdem, das Projekt zu begleiten. Das mache ich, das macht mein Haus mit gro\u00dfem Einsatz, seit elf Jahren.\u201c<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist zweierlei zu sagen: Ihre Antwort zur Neubaustrecke ist falsch. Ihre Antwort zu Stuttgart 21 ist korrekt. Konkret: Dass Sie immer pro Neubaustrecke gewesen seien, ist unwahr. Als Sie 2009 noch in der Opposition im Bundestag waren, brachten Sie und Ihre Fraktion eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung ein, um die Kosten der Neubaustrecke zu hinterfragen. Im Ergebnis sagten Sie: \u201eDiese Strecke ist ein absolutes Luxusprojekt\u201c. Und Sie warnten die Deutsche Bahn, diese w\u00fcrde damit \u201eHarakiri\u201c machen. Sie legten sich sogar mit dem damaligen Gr\u00fcnen Landesvorsitzenden Cem \u00d6zdemir an, der Ihnen widersprach, und erkl\u00e4ren lie\u00df: \u201eWir Gr\u00fcnen im Land sind f\u00fcr die Neubaustrecke.\u201c<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zutreffend dann ist: Seit elf Jahren \u201ebegleiten\u201c Sie das Projekt Stuttgart 21. Und Sie tun dies \u201emit gro\u00dfem Einsatz\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier agieren Sie gegen die alte \u2013 fr\u00fchere \u2013 \u00dcberzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute nun verschanzen Sie sich hinter einer Volksabstimmung, die jedoch \u2013 unter anderem \u2013 die klare Pr\u00e4misse hatte: Stuttgart 21 kostet maximal 4,2 Milliarden Euro. Allein dadurch, dass die Kosten nun beim Zweieinhalbfachen liegen, gibt es keinerlei Bindung an diesen Entscheid. Vor allem gilt: Mit Stuttgart 21 wird die Kapazit\u00e4t eines seit mehr als 100 Jahren bestehenden gro\u00dfen Bahnhofs massiv reduziert. Damit wird Verkehr von der Schiene auf die Stra\u00dfe verlagert. Damit wird ein aktiver Beitrag zur Klimaerw\u00e4rmung geleistet. Damit versto\u00dfen Sie, Herr Hermann, gegen Ihren Amtseid, wonach Sie \u201eSchaden vom Volk abhalten\u201c m\u00fcssen. Damit versto\u00dfen Sie gegen das Landesklimaschutzgesetz, wie zuletzt am 11. M\u00e4rz 2022 novelliert. Und genau hier setzen J\u00fcrgen Resch und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) an. Sie sagen: Stuttgart 21, der drohende Abriss des Kopfbahnhofs, ist ein Versto\u00df gegen die Verfassung und gegen das Landesklimaschutzgesetz.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Gesetz ist verbindlich festgelegt, dass \u201ebei dem Schutz des Klimas [\u2026] die Rangfolge\u201c eingehalten werden muss: \u201eVermeiden von Treibhausgasemissionen, Verringerung von Treibhausgas-emissionen\u201c. Dort ist auch festgelegt, dass Sie als Chef des Verkehrsressorts daf\u00fcr Sorge zu tragen haben, dass bis zum Jahr 2030 diese Emissionen im Bereich Verkehr auf 55 Prozent des Niveaus von 1990 gesenkt werden. Stuttgart 21 \u2013 und der Bau und Betrieb der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm \u2013 letzterer ist mit dem Verbrauch von enorm viel zus\u00e4tzlicher Energie verbunden \u2013 versto\u00dfen eklatant gegen diese verpflichtenden Zielsetzungen.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr geehrter Herr Henning Jeschke!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ja eher selten, dass hierzulande gro\u00dfe Medien Klimaschutz-Aktiven, dann noch solchen von der \u201eLetzten Generation\u201c, eine Plattform bieten. Anfang 2023 tat dies <em>Der Spiegel<\/em>. In dem entsprechenden Gespr\u00e4ch stellen Sie fest:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Begrenzung [der Klimaerw\u00e4rmung; W.W.] auf unter 1,5 Grad \u00dcberhitzung ist physikalisch durch. [\u2026] Wir sind wohl ohne Kurs\u00e4nderung nur wenige Jahre von dem Punkt entfernt, wo wir \u00fcber zwei Grad unausweichlich festschreiben.&nbsp; [\u2026] Es wird Extremwetter geben, Missernten, scheiternde Staaten, B\u00fcrgerkriege, Massenflucht\u2026 Es drohen Todeszonen am \u00c4quator. [\u2026] In Europa werden sich Politiker durchsetzen, die Mauern hochziehen und an den Grenzen schie\u00dfen lassen. [\u2026] Ich halte es f\u00fcr eine realistische Gefahr, dass es die globale Wirtschaft [\u2026] in 10, 20, 30 Jahren nicht mehr gibt, weil die Lieferketten v\u00f6llig zusammenbrechen.\u201c<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\"><strong>[11]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dem ist in G\u00e4nze zuzustimmen. Die L\u00fctzerath-R\u00e4umung, das ungebremste Wachstum des Pkw-Bestands, die fortgesetzte Konzentration von Bund und Bahnkonzern auf eine Beton-Bahn anstelle einer Klimabahn \u2013 und, das sei hinzugef\u00fcgt: der Schei\u00df-Krieg in der Ukraine, von einer hirnlosen, aggressiven Kreml-Mafia begonnen, und von einer hirnlosen westlichen Politik mit der Lieferung von fortgesetzt schwereren Waffen verl\u00e4ngert, bei Missachtung aller M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen Waffenstillstand und f\u00fcr eine Verhandlungsl\u00f6sung&nbsp; und einen Kompromiss-Frieden \u2013 all das sind Elemente auf dem Weg in die Klimakatastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie, Herr Jeschke, sagen dann in diesem Interview auch:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUnser Ziel ist, dass sich die Regierung an die Verfassung h\u00e4lt und die Klimasicherheit an die erste Stelle stellt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch das ist zutreffend: Der Umweltschutz ist Teil der Verfassung. Und das h\u00f6chste Gericht dieses Landes, das Bundesverfassungsgericht, hat mit Beschluss vom 18. Januar 2022 festgestellt, dass das Umweltschutzstaatsziel den Bund und die L\u00e4nder zum Klimaschutz <em>verpflichtet <\/em>\u2013 und dass es dazu \u201eDurchf\u00fchrungsma\u00dfnahmen&nbsp; und einer eigenen Gesetzgebung in den Bundesl\u00e4ndern\u201c bedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Ma\u00dfnahme w\u00e4re die Verf\u00fcgung von Tempolimits. Eine Forderung, weswegen ihr Euch \u2013 von der \u201eLetzten Generation\u201c \u2013 im Protest auf dem Beton von Autobahnen festklebt. Nun pr\u00e4sentierte vor drei Tagen das Umwelt-Bundesamt eine neue Studie, wonach allein Tempo 120 auf Autobahnen eine Einsparung im Verkehrsbereich von j\u00e4hrlich 6,7 Millionen Tonnen oder um 4,2 Prozent bringen w\u00fcrde. Erg\u00e4nzt um Tempo 30 in Wohngebieten und Tempo 80 auf den \u00fcbrigen Fernstra\u00dfen w\u00e4ren es sicher 15 Millionen Tonnen und knapp 10 Prozent Einsparung der verkehrsbedingten Treibhausgas-Emissionen. Und all das k\u00f6nnte umgesetzt werden ohne jegliche Kosten. Und so gut wie von heute auf morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ein Tempolimit lehnen unisono der Verkehrsminister im Bund als \u201eIdeologie\u201c und der Ministerpr\u00e4sident im Land als \u201eirrelevant\u201c ab. Diese Ablehnung ist skandal\u00f6s. Sie ist zugleich logisch: Der Liberale Wissing und der Gr\u00fcne Kretschmann werden von den Interessen der Autokonzerne bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann sagten Sie, Herr Jeschke, zwei S\u00e4tze, die f\u00fcr uns hier in Stuttgart \u2013 und f\u00fcr alle, die seit vielen Jahren diesen Kampf gegen die Klima-Anheizer f\u00fchren \u2013 wichtig sind. Sie sagten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eZu viele Menschen glauben immer noch, wir h\u00e4tten die Lage [die Klimaerw\u00e4rmung betreffend; W.W.] im Griff; sie m\u00fcssten oder k\u00f6nnten nichts tun. Doch wenn wir darauf warten, dass die Krisen durch Extremwetter die Menschen aufr\u00fctteln, wird es zu sp\u00e4t sein. Wir m\u00fcssen jetzt eine politische Krise erzeugen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne:<\/p>\n\n\n\n<p>Tun wir alles, um diese politische Krise zu erzeugen!<\/p>\n\n\n\n<p>Unterst\u00fctzen wir solidarisch die Leute, die den Kampf gegen die beschleunigte Kohlef\u00f6rderung und -verbrennung in L\u00fctzerath und anderswo fortsetzen!<\/p>\n\n\n\n<p>Seien wir solidarisch mit den wunderbaren Menschen der Letzten Generation! Mit den Freundinnen und Freunden der Fridays, von Extinction Rebellion, von Robin Wood und anderen Aktiven, die sich nicht einsch\u00fcchtern lassen. Dank an alle, die diese Montags-Demo weiter erm\u00f6glichen \u2013 so an Eberhard Linckh von Robin Wood, der einen phantastischen Video-Trailer zur Demo produzierte und diese erneut dokumentiert. Gru\u00df und Dank an Klaus Gietinger, der mit seinem sauguten Stuttgart 21-Film unseren Widerstad neu belebte \u2013 der Film wird \u00fcbrigens im Zentrum einer Werkschau der Arbeit von Peter Lenk stehen, die am 24. M\u00e4rz in der Kunsthalle in \u00dcberlingen er\u00f6ffnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gehen wir weiter \u2013 Montag f\u00fcr Montag, Tag f\u00fcr Tag, unseren aufrechten Gang:<\/p>\n\n\n\n<p>OBEN BLEIBEN!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bericht swr vom 17.1.2023<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Luisa Neubauer und Pauline Br\u00fcnger, Ihr habt Euch verrechnet!, in: taz vom 13. Januar 2023.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> In der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c hei\u00dft es beispielsweise: \u201eIm ICE dauert die Reise zwischen Stuttgart und M\u00fcnchen so keine zwei Stunden mehr. Das bedeutet rund 15 Minuten weniger.\u201c S\u00fcddeutsche Zeitung vom 10. Dezember 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Stuttgart braucht 3600 Ladepunkte f\u00fcr E-Autos, in: Stuttgarter Zeitung vom 3. August 2022 und: bw24 vom 17.1.2023<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Neuzulassungen nach: Kraftfahrzeug-Bundesamt, Flensburg; Januar 2023. Angaben zum Bestand hochgerechnet auf Basis vorangegangener Jahre; also vorl\u00e4ufig.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Hier Zitate nach: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Januar 2023; Basis: Studie \u201eAssessing ExxonMobil\u00b4s global warming-projections\u201c, ver\u00f6ffentlicht in der Wissenschaftsstudie Science.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00dcberschrift nach: s\u00fcddeutsche Zeitung vom 20.1.2023.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u201eIch sto\u00dfe mir \u00f6fters den Kopf an\u201c \u2013 Interview mit Winfried Hermann in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Januar 2023.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Kleine Anfrage der Gr\u00fcnen, Bundesdrucksache 17\/995; Bericht im Schwarzw\u00e4lder Bote vom 7. September 2009.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Zitate zum \u201eKlimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz\u201c nach: Drucksache 17\/3741 Landtag Baden-W\u00fcrttemberg, dort vor allem \u00a73 und \u00a735.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Hier und bei sp\u00e4teren Jeschke-Zitaten nach: \u201eWir m\u00fcssen jetzt eine politische Krise erzeugen\u201c, in: Der Spiegel 2\/2023 vom 7. Januar 2023.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede Winfried Wolf \/\/ 645. Montagsdemonstration in Stuttgart am 23. Januar 2023 Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident Kretschmann! Im Zusammenhang mit der R\u00e4umung des Ortes L\u00fctzerath durch mehr als 1000 Polizei-Einsatzkr\u00e4fte erhoben Greta Thunberg und andere Klima-Aktive den Vorwurf, die Gr\u00fcnen h\u00e4tten ihre Klima-Ziele verraten. 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