{"id":2474,"date":"2023-03-13T00:02:21","date_gmt":"2023-03-12T23:02:21","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2474"},"modified":"2023-03-22T21:07:36","modified_gmt":"2023-03-22T20:07:36","slug":"blog-37-auch-im-gueterverkehr-gilt-vermeiden-vermeiden-vermeiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2474","title":{"rendered":"blog 37: Auch im G\u00fcterverkehr gilt: Vermeiden! Vermeiden! Vermeiden!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Standardargument derjenigen, mit denen wir gemeinsam f\u00fcr eine \u00fcberzeugende Klimapolitik k\u00e4mpfen, lautet: den Stra\u00dfeng\u00fcterverkehr auf die Schiene verlagern! Es gab in Westdeutschland auch mal einen SPD-Verkehrsminister mit Namen Georg Leber, dessen st\u00e4ndig wiederholte, einpr\u00e4gsame Forderung lautete: \u201eG\u00fcter geh\u00f6ren auf die Schiene\u201c.&nbsp; Einmal abgesehen davon, dass die Verkehrspolitik in dessen Amtsjahren 1966 bis 1972 in krassem Gegensatz zu dieser Forderung stand, ist erkennbar: Damals w\u00e4re eine solche Forderung noch umsetzbar gewesen. Auf der Schiene wurden damals fast ebenso viele G\u00fcter transportiert wie mit Lkw im Fern- und Nahverkehr (siehe Tabelle, dort die Zahlen f\u00fcr 1967).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Heute haben wir v\u00f6llig andere Verh\u00e4ltnisse. Die Transportleistung auf der Stra\u00dfe ist vier Mal gr\u00f6\u00dfer als diejenige im Schienenverkehr. W\u00fcrde man einen gro\u00dfen Teil des G\u00fcterverkehrs auf die Schienen verlagern, so m\u00fcsste man mindestens drei Mal so viele G\u00fcterz\u00fcge fahren wie bisher und das Schienennetz daf\u00fcr massiv ausbauen. Was wiederum mehr als zwei Jahrzehnte Zeit in Anspruch nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch hier gilt, was ich vor zwei Wochen in meinem RailBlog zum Personenverkehr schrieb: Das oberste Ziel ist nicht \u201eVerkehrt (Transporte) verlagern\u201c, sondern \u201eTransporte vermeiden\u201c. In der vorletzten Zeile der Tabelle finden sich die Tonnen-Kilometer pro Person in den Jahren 1967, 1990 und 2019. Also die Transportleistung, die auf je einen Mensch in Westdeutschland im Jahr 1967 und 1990 und auf einen Mensch im vereinigten Deutschland im Jahr 2019 entfiel. Diese Leistung hat sich im gesamten Zeitraum fast verdreifacht. Selbst im Zeitraum 1990 bis 2019 gab es noch eine Steigerung um knapp 80 Prozent (79,2%). Doch im gleichen Zeitraum gab es keine qualitative Verbesserung des Lebensstandards. Ein gro\u00dfer Teil dieses G\u00fcterverkehrs ist k\u00fcnstlicher, inflation\u00e4rer, unn\u00f6tiger Verkehr. Wenn wir heute im Jahr zehn Mal mehr Pakete empfangen als vor 25 Jahren, dann ist dies vor allem ein Ergebnis der Privatisierung der Post, der Liberalisierung der Lieferdienste, der Verbilligung dieser Transporte aufgrund von Dumpingl\u00f6hnen usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es die Globalisierung, die zu absurden \u201eLieferketten\u201c f\u00fchrte, wo viele Produkte, bevor sie an den letzten Kunden gelangen, Zehntausende Kilometer zur\u00fccklegten \u2013 was wiederum Ergebnis des Dumpings&nbsp; der Transportkosten und der Externalisierung vieler Umweltkosten ist (z.B. solche Kosten im Fall der Elbvertiefung in Hamburg, wobei hier die direkt anfallenden Kosten die Steuerzahlenden stemmen und indirekten Kosten wie wachsende Gefahren bei der Dammsicherheit im oberen Elbeverlauf erst sp\u00e4ter auftreten).&nbsp; Hinzu kommt, dass mindestens 15, eher 20 Prozent der Transporte v\u00f6llig unsinnig sind, so wenn Deutschland \u00e4hnlich viel Zucker und Tierfutter exportiert wie unser Land Zucker oder Tierfutter importiert. Es gibt enorme Transporte (= Exporte) bayerischer Milch nach Italien und umgekehrt Transporte (= Importe) von italienischer (meist s\u00fcdtiroler) Milch nach Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beginn einer Planung f\u00fcr einen nachhaltigen Transportsektor muss also eine Analyse dessen stehen, was da alles transportiert wird. Sodann ist zu pr\u00fcfen, wie die unn\u00f6tigen Transporte durch Regulierung (einschlie\u00dflich einer Verteuerung der Transporte) vermieden werden k\u00f6nnen. Erst dann geht es darum, verbliebene Transporte auf das Binnenschiff und die Schiene zu verlagern. Wobei nat\u00fcrlich beim Vermeiden und Verlagern ein Rad ins andere greift und es sich um parallele Prozesse handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der notwendige Ausbau der Schiene d\u00fcrfte sich dann in engeren Grenzen \u2013 gesch\u00e4tzt plus 35-40 Prozent \u2013 halten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: G\u00fctertransporte in Westdeutschland bzw. Gesamtdeutschland 1967, 1990 und 2018 <\/strong>(Transportleistung in Milliarden Tonnenkilometer \u2013 tkm) \u2013 absolut und pro Kopf)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img src=\"http:\/\/buergerbahn-denkfabrik.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Tabelle-gueterverkehr.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>* = BRD (Westdeutschland) ** Gesamtdeutschland *** Gesamter Lkw-Verkehr<\/p>\n\n\n\n<p>Z<em>uerst <\/em>er<em>schienen im <a href=\"https:\/\/buergerbahn-denkfabrik.org\/category\/rail-blog\/\">RAIL BLOG <\/a>von &#8222;B\u00fcrgerbahn &#8211; Denkfabrik f\u00fcr eine starke Schiene&#8220; <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Standardargument derjenigen, mit denen wir gemeinsam f\u00fcr eine \u00fcberzeugende Klimapolitik k\u00e4mpfen, lautet: den Stra\u00dfeng\u00fcterverkehr auf die Schiene verlagern! 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