{"id":2566,"date":"2023-04-12T23:37:45","date_gmt":"2023-04-12T21:37:45","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2566"},"modified":"2023-04-12T23:37:46","modified_gmt":"2023-04-12T21:37:46","slug":"kriegswirtschaft-wirtschaftskrieg-und-die-rekordgewinne-der-oel-und-rohstoffkonzerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2566","title":{"rendered":"Kriegswirtschaft, Wirtschaftskrieg und die Rekordgewinne der \u00d6l- und Rohstoffkonzerne"},"content":{"rendered":"\n<h2>Reichtum und Luxus boomen. Armut weitet sich aus. Klimaschutz ist kein Thema<\/h2>\n\n\n\n<p>&nbsp;Die Zeit verdichtet sich. Die Ereignisse \u00fcberschlagen sich. Der Weg in die Selbstzerst\u00f6rung beschleunigt sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird gesagt, der Krieg sei der Vater aller Dinge. Tats\u00e4chlich trug der Ukraine-Krieg wesentlich zu einer Lage bei, die vor zwei Jahren niemand f\u00fcr m\u00f6glich hielt:<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt einen Umbau zur Kriegswirtschaft. Es existiert ein Wirtschaftskrieg. Es gibt einen Boom bei den \u00d6l- und Rohstoffkonzernen und in der Luxusbranche. All das zusammen veranlasst den angesehenen US-amerikanischen \u00d6konom Nouriel Roubini dazu, vor dem Weg in den Weltuntergang zu warnen.1<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h3>Kriegswirtschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 2023 liegen die direkten Kosten des Ukrainekriegs f\u00fcr den Westen \u2013 ohne die russischen \u2013 bei einigen hundert Milliarden Dollar. Davon hat die Ukraine den gr\u00f6\u00dften Teil zu tragen; der zweitgr\u00f6\u00dfte Betrag, offiziell rund 40 Milliarden Dollar, kommt in Form von Waffenhilfe aus den USA. Die Kosten f\u00fcr die aus der Ukraine in mittel- und westeurop\u00e4ische Staaten Gefl\u00fcchteten summieren sich auf weitere Hunderte Milliarden. Ber\u00fccksichtigt man die Zerst\u00f6rung auf dem Gebiet der Ukraine, also die Kosten f\u00fcr einen Wiederaufbau, dann wird in der Summe bereits eine Billion Dollar \u00fcberschritten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.11c.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.11c.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9966\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es noch die in Eu-ropa enorm angestiegenen Energiekosten aufgrund gestiegener \u00d6l- und Gaspreise, aufgrund staatlicher St\u00fctzungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Energiekon-zerne und aufgrund der Neuinvestitionen f\u00fcr die Umstellung auf LNG. Damit d\u00fcrften die Kosten f\u00fcr bislang 13 Monate Krieg allein im Westen und in der Ukraine bei einigen Billionen Dollar liegen. Sie sind damit h\u00f6her als die \u00f6ffentlichen Ausgaben in der Zeit der Wirtschaftskrise 2008\/2009 und h\u00f6her als die \u00f6ffentlichen Ausgaben w\u00e4hrend der Pandemie. Die materiellen und immateriellen Kosten, die der globale S\u00fcden in Form von h\u00f6heren Getreidepreisen, gestiegenen Energiekosten, Hunger und wachsendem Elend zu tragen hat, sind dabei noch nicht erfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Fr\u00fchjahr 2022 wurde der weltweite Umsatz der Industrie zur Herstellung von T\u00f6tungsger\u00e4t enorm gesteigert. Bis Anfang 2022 war das Image dieser Branche ein schlechtes; gro\u00dfe Pensionsfonds und \u201egr\u00fcne\u201c Investoren erkl\u00e4rten vielfach, Aktien von R\u00fcstungsunternehmen aus ihren Depots auszusondern. Heute werden solche Investments als ethisch wertvoll deklariert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits vor dem Ukraine-Krieg gab es ein Wachstum der R\u00fcstungsbranche, insbesondere hervorgerufen durch die Verpflichtung aller Nato-Staaten auf das Ziel, mindestens zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr R\u00fcstung und Milit\u00e4r auszugeben. Der Ukraine-Krieg f\u00fchrt seit Beginn zu einem R\u00fcstungsboom. Die weltweiten Ausgaben f\u00fcr R\u00fcstung und Milit\u00e4r \u00fcbersteigen die Zwei-Billionen-Dollar-Marke. Die Zahl der in dieser Industrie Besch\u00e4ftigten d\u00fcrfte bereits nahe zwei Millionen liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen die Menschen, die in den Armeen Dienst tun; insgesamt sind es weltweit mehr als 21 Millionen Soldatinnen und Soldaten, davon jeweils rund 5 Millionen, die entweder in westlichen oder in Armeen der Gegenseite Dienst tun.2<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind weltweit gut 23 Millionen Menschen in der R\u00fcstungsproduktion besch\u00e4ftigt beziehungsweise sie leisten Milit\u00e4rdienst. Es handelt sich&nbsp; nach der Landwirtschaft um den zweitgr\u00f6\u00dften Wirtschaftszweig der globalen \u00d6konomie. Zum Vergleich: In der gr\u00f6\u00dften Industrie der Weltwirtschaft, in der Autobranche, gibt es aktuell rund 12 Millionen Arbeitskr\u00e4fte. Der Krieg als Vater aller Dinge findet auch im rein Quantitativen seine Best\u00e4tigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt die oft ge\u00e4u\u00dferte Aussage, wonach \u201eKrieg ein gutes Gesch\u00e4ft\u201c sei? Karl Marx schrieb dazu: Tats\u00e4chlich sei, \u00f6konomisch betrachtet, \u201eKrieg (\u2026) dasselbe, als wenn eine Nation einen Teil ihres Kapitals ins Wasser w\u00fcrfe.\u201c3 Tats\u00e4chlich sind R\u00fcstung und Kriege kein Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Gesellschaft. Auch keines f\u00fcr den Kapitalismus als Ganzes. Sie sind nur profitabel f\u00fcr eine Branche. Und die Ausgaben und die Profite in dieser Branche \u2013 und erst Recht die Kriegskosten \u2013 sind Gelder, die in anderen, gesellschaftlich relevanten Bereichen fehlen. Die seit Jahrzehnten vorgetragene Losung \u201eIn der R\u00fcstung sind sie fix, f\u00fcr die Bildung tun sie nix\u201c ist zutreffend, weil sie einen direkten, logischen Zusammenhang zum Ausdruck bringt. Oder auch: Allein mit den deutschen Kosten f\u00fcr die Beteiligung&nbsp; am FCAS-Kampfflugzeug-Programm k\u00f6nnte man das gesamte deutsche Schienennetz elektrifizieren und sanieren und damit einen relevan ten Beitrag im Kampf gegen die Klimakatastrophe leisten.<\/p>\n\n\n\n<h3>Wirtschaftskrieg<\/h3>\n\n\n\n<p>Krieg aus kapitalistischer Sicht zahlt sich direkt finanziell in zwei F\u00e4llen aus: Dann, wenn es sich um einen erfolgreichen Raubkrieg handelt, wenn also der Wert des Geraubten die Kriegskosten \u00fcbersteigt. Die herrschende Klasse in Deutschland unternahm zwei entsprechende Versuche 1914 und 1939. Es gab f\u00fcr beide Kriege Denkschriften aus Kreisen der gesellschaftlichen Eliten, in denen der erwartete Gewinn berechnet wurde. Krieg zahlt sich auch dann aus, wenn damit geopolitische Ziele verfolgt und durchgesetzt werden. Die russische F\u00fchrung verfolgt mit der Invasion in der Ukraine solche geopolitischen Ziele; sie will ihre bedr\u00e4ngte Position als Weltmacht aufrechterhalten und ein gro\u00dfes geographisches Vorfeld kontrollieren, das vermeintlichen Schutz bietet. Die US-Regierung verfolgt mit ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine ihrerseits geopolitische Interessen. Konkret verfolgt sie drei Ziele. Erstens soll Russland milit\u00e4risch geschw\u00e4cht werden. Zweitens sollen&nbsp; alle Bande zwischen der EU, insbesondere Deutschland, und der Ukraine mit Russland gekappt und die EU plus Ukraine wirtschaftspolitisch und milit\u00e4risch zum Anh\u00e4ngsel der USA werden. Drittens schlie\u00dflich gilt es die \u201ewestliche Wertegemeinschaft\u201c einzunorden auf das nicht mehr so ferne Ziel, China milit\u00e4risch in die Schranken zu weisen und den angeschlagenen Status der USA als Hegemon neu zu etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erhebliche milit\u00e4rische Schw\u00e4chung Russlands ist mit dem bisherigen Verlauf des Krieges bereits erfolgt. Es d\u00fcrfte viele Jahre dauern, bis sich das russische Milit\u00e4r von den Folgen des Ukraine-Kriegs erholt hat. Bei den Milit\u00e4rs und in den Denkfabriken in den USA gibt es aktuell zwei Lager. In dem einen h\u00e4lt man einen baldigen Verhandlungsfrieden \u2013 faktisch ein Einfrieren des Status Quo \u2013 f\u00fcr sinnvoll, auch um die Gefahr einer weiteren Eskalation zu vermeiden und weil man bereits eine massive Schw\u00e4chung der russischen Armee kon-statiert. Aber auch aus R\u00fccksicht auf einen absehbar wachsenden innenpolitischen Widerstand, der um so gr\u00f6\u00dfer wird, je n\u00e4her die Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2024 r\u00fccken. Das andere Lager setzt auf eine Fortdauer des Krieges und teilweise auch darauf, durch die Lieferung von Kampfflugzeugen und Lenkraketen mit gr\u00f6\u00dferer Reichweite ukrainische Angriffe auf die Krim und auf russisches Gebiet zu erm\u00f6glichen.&nbsp; Letzteres ist ein Spiel mit dem Feuer, wobei der Brandherd 8000 Kilometer von Washington entfernt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Ziel Nummer zwei ist weitgehend erreicht. Nordstream I und II sind zerst\u00f6rt. Die verbliebenen Pipelines verlaufen \u00fcberwiegend \u00fcber ukrainisches Gebiet und k\u00f6nnen jederzeit abgedichtet werden (\u00d6sterreich und Italien beziehen daraus noch Gas). Der deutsch-russische Handel wurde deutlich reduziert; wichtige deutsche Investitionen in Russland mussten verkauft werden. Die mit der Kappung der Energie-Zusammenarbeit zwischen EU und Russland erheblich gestiegenen Energiepreise in Europa f\u00fchren dazu, dass der \u201eStandort EU\u201c sich deutlich verschlechterte. Zus\u00e4tzlich wurde im August 2022 von der Biden-Administration der Inflation Reduction Act (IRA) in Kraft gesetzt. Offiziell sollen dabei die Ziele Inflationsbek\u00e4mpfung, Industriepolitik und Klimaschutz bef\u00f6rdert werden. Dabei handelt es sich um ein protektionistisches Gesetz nach Art von Donald Trump, das mit Subventionen in einer H\u00f6he von umgerechnet 370 Milliarden Euro verbunden ist \u2013 und nur f\u00fcr&nbsp; Unternehmen mit Sitz in den USA. Joe Biden zur Begr\u00fcndung des IRA: \u201eWir stellen sicher, dass die Lieferketten f\u00fcr Amerika in Amerika beginnen. Amerikanische Stra\u00dfen, amerikanische Br\u00fccken und amerikanische Autobahnen werden mit amerikanischen Produkten gebaut. Ich werde mich nicht daf\u00fcr entschuldigen, dass wir investieren, um Amerika stark zu machen.\u201c4 In der Folge gab es mehrere Bittg\u00e4nge von EU-Politikern \u2013 Habeck, Macron, Scholz \u2013 nach Washington. Sie fruchteten nicht. Stattdessen erkl\u00e4rten bislang die Top-Manager von mehr als einem Dutzend gro\u00dfer Konzerne mit Sitz in der EU, dass sie gro\u00dfe Neuinvestitionen nicht in Europa, sondern in den USA vornehmen w\u00fcrden. Als der Euro vor knapp einem Vierteljahrhundert eingef\u00fchrt wurde, bestand das unerkl\u00e4rte Ziel darin, die Stellung des Dollars im Weltfinanzsystem zu schw\u00e4chen; offiziell hie\u00df es, man werde dazu beitragen, dass das internationale Finanzsystem mehr Wahlm\u00f6glichkeiten bi eten werde. Im Jahr 2003 hatte der Euro anscheinend ein erstes Etappenziel erreicht; 25 Prozent der W\u00e4hrungsreserven der Zentralbanken dieser Welt wurden in Euro gehalten. Der Anteil des Dollars wurde auf unter 50 Prozent gedr\u00fcckt. Doch seither \u00fcberwiegt die Gegentendenz, die mit dem Ukrainekrieg nochmals versch\u00e4rft wurde. Im M\u00e4rz 2023 liegt der Anteil des Euro bei den Weltw\u00e4hrungsreserven bei unter 20 Prozent; derjenige des Dollars liegt bei 60 Prozent. Der chinesische Renminbi hat einen Anteil von 2,5 Prozent erreicht.5<\/p>\n\n\n\n<h3>Boom der \u00d6lkonzerne und Rohstoffunternehmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Wie die R\u00fcstungsunternehmen, so hatten auch die \u00d6lkonzerne bis vor gut einem Jahr ein ausgesprochen schlechtes Image. Und nicht nur das: Die Klimadebatte gepaart mit dem Umbau der Autoindustrie auf \u201ee-mobility\u201c f\u00fchrte zu einem relativen R\u00fcckgang der Investitionen und zu Ans\u00e4tzen f\u00fcr einen Umstieg dieser Unternehmensgruppen in Erneuerbare. Exxon geh\u00f6rte seit 92 Jahren zu den 30 Standardwerten, die an der New Yorker B\u00f6rse im Leitindex Dow Jones gelistet waren. 2020 musste das Unternehmen seinen angestammten Platz in dieser Gruppe r\u00e4umen. Der damalige B\u00f6rsenwert von 180 Milliarden Dollar reichte nicht zum Platzerhalt aus. Zweieinhalb Jahre sp\u00e4ter hat sich der Aktienkurs \u2013 und damit der B\u00f6rsenwert \u2013 um mehr als das Zweieinhalbfache gesteigert; Exxon ist l\u00e4ngst zur\u00fcck im Dow Jones.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.11d.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.11d.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9967\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>2022 verzeichneten alle \u00d6lkonzerne Rekordgewinne \u2013 allein die f\u00fcnf \u00d6lriesen Exxon Mobil, Chevron, BP, Shell und Total Energies fuhren Gewinne von insgesamt 170 Milliarden Dollar ein; zusammen mit dem saudischen \u00d6lriesen Aramco, der seine Bilanz sp\u00e4ter pr\u00e4sentiert, d\u00fcrften es 350 Milliarden Dollar addierte Gewinne sein. Doch halt, auch hier zeigen die USA, wo der Hammer h\u00e4ngt: Der britische Konzern BP und das franz\u00f6sische Unternehmen Total Energies verzeichneten 2022 Sonderabschreibungen, sprich Verluste, in H\u00f6he von 40 Milliarden Dollar, weil sie aus ihren Russland-Engagements aussteigen mussten. Diese Abschreibungen m\u00fcssen mit den Gewinnen gegengerechnet werden \u2013 BP machte damit 2022 sogar faktisch einen Verlust. Und ausgerechnet Gazprom liegt mit einem Gewinn von 40 Milliarden Dollar auf der H\u00f6he des zweitprofitabelsten \u00d6lkonzerns, von Shell.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergleichbare Gewinnspr\u00fcnge machten die Rohstoffkonzerne \u2013 mit einem Rekordhalter Glencore (Schweiz) \u2013 und Handelsgesellschaften wie Cargill (ebenfalls Schweiz) und alle Agrarh\u00e4ndler, was in scharfem Kon-trast zur Zunahme des Hungers in der Welt steht. Im gesamten Bereich der \u00d6l-, Gas- und Rohstoffunternehmen gibt es die R\u00fcckbesinnung auf das urspr\u00fcngliche Gesch\u00e4ft; zuvor verk\u00fcndete Engagements in Erneuerbare werden auf den Pr\u00fcfstand gestellt, die Investitionen in \u00d6l, Gas, Fracking und Kohle werden hochgefahren. Br\u00fcssel legte im M\u00e4rz 2023 ein EU-Rohstoffgesetz (Critical Raw Materials Act) vor, wonach nun vor allem innerhalb der EU der Bergbau angekurbelt werden soll, um Seltene Erden zu f\u00f6rdern \u2013 und die \u201eAbh\u00e4ngigkeit von China\u201c zu reduzieren.6<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt, so eine Sch\u00e4tzung der Internationalen Energie-Agentur, gab es in den Bereichen \u00d6l- und Gasf\u00f6rderungen \u201e\u00dcbergewinne in H\u00f6he von knapp 2000 Milliarden Dollar.\u201c Zwei Billionen Dollar \u00dcbergewinne \u2013 nicht etwa Umsatz! Uno-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres warf den Energiefirmen auch eine \u201egroteske Gier\u201c vor und sagte, es sei \u201eunmoralisch, dass die \u00d6l- und Gaskonzerne auf dem R\u00fccken der \u00e4rmsten Menschen (\u2026) Rekordgewinne&nbsp; aus der Energiekrise ziehen, und das zu Lasten des Klimas.\u201c7<\/p>\n\n\n\n<h3>Reich und Arm<\/h3>\n\n\n\n<p>Das zerst\u00f6rerische und selbstzerst\u00f6rerische Bild des real existierenden Kapitalismus wird vervollst\u00e4ndigt durch eine noch nie dagewesene Auseinanderentwicklung von Reich und Arm. In den letzten vier Jahren stieg der Umsatz mit Luxusg\u00fctern um mehr als 50 Prozent auf inzwischen eine Billion Euro im Jahr. Die Luxusbranche ist aktuell, nach dem \u00d6l- und Rohstoffsektor, und zusammen mit der R\u00fcstungsindustrie, der profitabelste Bereich der Weltwirtschaft. Im M\u00e4rz 2023 lag der addierte B\u00f6rsenwert von VW (ohne Porsche), Daimler und BMW bei knapp 300 Milliarden Euro \u2013 deutlich weniger als der Wert des gr\u00f6\u00dften Luxusartikel-Herstellers LVMH mit 450 Milliarden Euro. Die drei gro\u00dfen Autokonzerne kommen addiert gerade mal auf zwei Drittel des Werts des franz\u00f6sischen Luxusunternehmens. In der Konsequenz wurde im Herbst 2022 Elon Musk als reichster Mensch enthront \u2013 vom LVMH-Chef Bernard Arnault.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung hat eine konkrete Basis:&nbsp; Das reichste eine Prozent der Weltgesellschaft hat ausgerechnet in den letzten beiden Krisenjahren den Reichtum nochmals deutlich gesteigert; teilweise wurden in den Pandemiejahren auch \u201eErsparnisse\u201c gehortet \u2013 und so tobt der Luxuskonsum.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Ende der sozialen Pyramide w\u00e4chst die Armut. Die Preise f\u00fcr agrarische Produkte sind deutlich gestiegen. Die Energiekosten haben sich mehr als verdoppelt. Einzelne L\u00e4nder im globalen S\u00fcden \u2013 darunter Pakistan, das nach Bev\u00f6lkerungszahl f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Land der Welt \u2013 stehen vor dem Ruin. In einem reichen Land wie Deutschland ist jedes f\u00fcnfte Kind \u201earmutsgef\u00e4hrdet\u201c. Noch trauriger sieht die entsprechende Lage in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern Europas aus. Martin Wolf, der langj\u00e4hrige und eher zur\u00fcckhaltend-n\u00fcchterne Chefkommentator der Financial Times stellt diese Entwicklungen in den Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und dem behaupteten Krieg der Werte und brachte die Dramatik wie folgt zum Ausdruck: \u201eDie Zahl der Menschen, die in den L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen von \u00b4Ern\u00e4hrungsunsicherheit\u00b4 betroffen sind (das meint, dass sie sich an der Schwelle zum Verhungern befinden), stieg von 56 Millionen auf 105 Mi llionen im Jahr 2022. Wann wird sich diese Entwicklung zur\u00fcckbilden? Die Demokratien mit h\u00f6herem Einkommen erkl\u00e4ren, sich in einem Wertekrieg mit China zu befinden. Nun, hier haben wir so einen Krieg.\u201c8<\/p>\n\n\n\n<h3>Anmerkungen:<\/h3>\n\n\n\n<p>1 In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. M\u00e4rz 2023<\/p>\n\n\n\n<p>2 In den direkt dem Westen zuzuordnenden Armeen (USA, Kanada, EU, T\u00fcrkei, Japan, Taiwan, S\u00fcdkorea, Australien und Israel) stehen 5,5 Millionen Menschen unter Waffen. Die Armeen im arabischen Raum (Katar, Kuwait, Oman, VAE, Bahrein und Saudi Arabien) mit knapp 400.000 Mann sollten zum Westen hinzugerechnet werden. In China, Russland, Nordkorea, Belarus und Kuba sind es knapp 5 Millionen Menschen in den entsprechenden Armeen. Im \u00fcbrigen Asien weitere 6,5 Millionen, im \u00fcbrigen Lateinamerika 1,6 Millionen und in Afrika 2,7 Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>3 Karl Marx, Grundrisse, Moskauer Ausgabe von 1939 und 1941, Reprint Frankfurt\/M. o.J., S. 47<\/p>\n\n\n\n<p>4 Zitiert in: Handelsblatt vom 9. Februar 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>5 Zu den Vorhaben von Peking, Moskau und Neu Delhi , einen Wirtschaftsraum au\u00dferhalb der Dollar-Herrschaft zu etablieren, siehe ab Seite 42 den Artikel von Hannes Hofbauer.<\/p>\n\n\n\n<p>6 Br\u00fcssel bl\u00e4st zur Bergbauoffensive, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.M\u00e4rz 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>7 Zitiert bei Pascal Derungs, Rohstoffh\u00e4nder erzielen riesige Kriegs- und Sanktionsgewinne, in: InfoSperber vom 14. Februar 2023, https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/rohstoffhaendler-erzielten-riesige-kriegs-und-sanktionsgewinne\/<\/p>\n\n\n\n<p>8 Financial Times vom 11. Januar 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reichtum und Luxus boomen. Armut weitet sich aus. Klimaschutz ist kein Thema &nbsp;Die Zeit verdichtet sich. Die Ereignisse \u00fcberschlagen sich. Der Weg in die Selbstzerst\u00f6rung beschleunigt sich. Es wird gesagt, der Krieg sei der Vater aller Dinge. 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