{"id":2579,"date":"2023-04-24T08:55:21","date_gmt":"2023-04-24T06:55:21","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2579"},"modified":"2023-05-08T12:46:51","modified_gmt":"2023-05-08T10:46:51","slug":"blog-42-die-transformation-des-konzerns-deutsche-bahn-ag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2579","title":{"rendered":"blog 42: Die Transformation des Konzerns Deutsche Bahn AG"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Man muss nat\u00fcrlich nicht alles verstehen, was im neuen Gesch\u00e4ftsbericht der Deutschen Bahn AG steht. So lesen wir auf Seite 160: \u201ePortugal: Im Mai 2022 erzielte DB Arriva eine Vereinbarung mit dem israelischen Verkehrsunternehmen Dan Group \u00fcber den Erwerb seines verbleibenden Busgesch\u00e4fts in Lissabon, Portugal. Die Transaktion wurde am 15. Dezember 2022 abgeschlossen.\u201c Die DEUTSCHE BAHN macht also in PORTUGAL einen Deal&nbsp; mit einem ISRAELISCHEN Unternehmen zu einem BUS-Gesch\u00e4ft in Lissabon \u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wobei es DB-Engagements gibt, die noch weiter weg vom Bereich Bahn sind. So hei\u00dft es im Bericht des Bundesrechnungshofs vom 15. M\u00e4rz 2023 zur \u201eDauerkrise der Deutschen Bahn AG\u201c auf Seite 13, die Deutsche Bahn AG investiere \u201ein die Entwicklung von Satellitennetzwerke und in Drohnenlandepl\u00e4tze\u201c. Das kann man vielleicht als Spinnerei abtun, obgleich der Bundesrechnungshof in diesem Zusammenhang feststellt, es h\u00e4tten sich bei solchen Investitionen bereits \u201eRisiken in Millionenh\u00f6he realisiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Um ganz andere Dimensionen geht es dann bei der folgenden Passage aus dem 2022er Gesch\u00e4ftsbericht der Deutschen Bahn AG, wie er Ende M\u00e4rz vorgestellt wurde; dort auf den Seiten 164ff:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUSA Truck: Zum 15. September 2022 haben DB Schenker und USA Truck die \u00dcbernahme aller im Umlauf befindlichen Aktien von USA Truck durch DB Schenker vollzogen. [\u2026] Der Zusammenschluss unterstreicht das Ziel von DB Schenker und USA Truck, f\u00fchrender Anbieter von Transportl\u00f6sungen in Nordamerika zu werden. DB Schenker wird die gemeinsame Marktposition im Bereich Landtransport in Nordamerika ausbauen.\u201c Der Deal kostete die DB 465 Millionen US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns, die wir die Fehlentwicklung der Deutschen Bahn seit geraumer Zeit verfolgen, f\u00e4llt da gleich ein anderer Vorgang ein: Am 16. November 2005 wurde bekannt, dass die Deutsche Bahn AG das US-Unternehmen BAX Global zum Preis von 1,1 Milliarden US-Dollar erwarb. Das war der Gro\u00df-Deal im Ausland in der \u00c4ra von Bahnchef Hartmut Mehdorn \u2013 der im \u00dcbrigen vor seinem Global-Player-Ritt als Deutsche Bahn-Chef als Daimler-Vorstandsmitglied mitverantwortlich daf\u00fcr war, dass Daimler in den USA Chrysler erwarb \u2013 und damit krachend scheiterte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dumm war dann nur, dass Mehdorn jetzt Vergleichbares bei der Deutschen Bahn AG anrichtete.&nbsp; Im Juli 2011 wurde bekannt, dass das Luftfrachtangebot der relativ neuen DB-Tochter Bax Global, welches bislang mit 20 Flugzeugen in Nordamerika und Mexiko betrieben wurde, eingestellt wurde. Der Frachtanteil von Bax Global wurde ab diesem Zeitpunkt auf dem Landweg transportiert. Im Mai 2020 wurde dann das ehemalige Bax Global-Gesch\u00e4ft nochmals geschrumpft. Besch\u00f6nigend hie\u00df es nun, Schenker werde sich in Nordamerika nun \u201eauf kleine Kunden, die spezifische Transport-L\u00f6sungen suchten, konzentrieren.\u201c Das Bax-Global-Gesch\u00e4ft der DB war mit hohen Verlusten verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nur zwei Jahre sp\u00e4ter steigt die Deutsche Bahn erneut ins Transportgesch\u00e4ft in den USA ein \u2013 mit dem Erwerb der zitierte gro\u00dfen Lkw-Spedition US Truck. Dabei fallen drei Aspekte auf:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erstens.<\/em> Nirgendwo in den Berichten zu dieser Erwerbung wird das zitierte vorangegangene Gesch\u00e4ft der DB mit Bax Global erw\u00e4hnt \u2013 was ja als eine wichtige Warnung zu verstehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens.<\/em> Die Bundesregierung und Bundesverkehrsminister Wissing haben den Deal abgesegnet \u2013 und dies, obgleich es im Ampel-Koalitionsvertrag hei\u00dft, man wolle Schenker ver\u00e4u\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drittens.<\/em> Schenker engagiert sich im Lkw-Gesch\u00e4ft, das sich in den USA mehr als anderswo in direkter Konkurrenz zur Schiene befindet. Der Anteil des Schieneng\u00fcterverkehrs am gesamten Transportvolumen ist in den USA mehr als doppelt so gro\u00df wie in Deutschland \u2013 und deutlich gr\u00f6\u00dfer als der Anteil des Stra\u00dfeng\u00fcterverkehrs. Es handelt sich also um ein \u2013 von der Bundesregierung abgesegnetes \u2013 Engagement der DB-Tochter im Bereich des besonders klimasch\u00e4dlichen Lkw-Transports.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen lag im vergangenen Jahr der Anteil von Schenker am gesamten DB-Umsatz bei 49 Prozent. Der Anteil der gesamten Auslandsgesch\u00e4fte, was im Wesentlichen au\u00dfer Schenker noch derjenige der DB-Tochter Arriva ist, erreichte 2022 bereits 56 Prozent. Die Tabelle, die wir als B\u00fcrgerbahn dazu im neuen Alternativen Gesch\u00e4ftsbericht 2022 brachten und die wir unten nochmals einkopieren, unterstreicht, wie der Auslandsanteil am Gesamtumsatz des Bahnkonzern, weitgehend identisch mit dem Nicht-Schienenverkehrs-Anteil, von Jahr zu Jahr steigt. Der Konzern Deutsche Bahn AG erf\u00e4hrt so systematisch eine Transformation weg von Deutschland und weg von der Schiene.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle: Ums\u00e4tze Inland \u2013 Ausland im DB-Konzern (jeweils Au\u00dfenums\u00e4tze) im Millionen Euro und Anteile am Gesamtumsatz in den Jahren 2010, 2016-2022<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>DB-Segment<\/strong><\/td><td><strong>2010<\/strong><\/td><td><strong>2016<\/strong><\/td><td><strong>2017<\/strong><\/td><td><strong>2018<\/strong><\/td><td><strong>2019<\/strong><\/td><td><strong>2020<\/strong><\/td><td><strong>2021<\/strong><\/td><td><strong>2022<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>DB-Konzern<\/strong><\/td><td>33.152<\/td><td>40.576<\/td><td>42.704<\/td><td>44.024<\/td><td>44.431<\/td><td>39.902<\/td><td>47.250<\/td><td>56.300<\/td><\/tr><tr><td><strong>Schenker<\/strong><\/td><td>14.310<\/td><td>15.059<\/td><td>16.345<\/td><td>17.050<\/td><td>17.091<\/td><td>17.671<\/td><td>23.443<\/td><td>27.605<\/td><\/tr><tr><td><strong>Anteil Schenker am Gesamtumsatz<\/strong><\/td><td>43,2%<\/td><td>37,1%<\/td><td>38,3%<\/td><td>38,7%<\/td><td>38,5%<\/td><td>44,3%<\/td><td>49,6%<\/td><td>49,0%<\/td><\/tr><tr><td><strong>Arriva<\/strong><\/td><td>1.046<\/td><td>5.085<\/td><td>5.338<\/td><td>5.441<\/td><td>5.410<\/td><td>3.990<\/td><td>4.069<\/td><td>4.214<\/td><\/tr><tr><td><strong>Summe Schenker + Arriva<\/strong><\/td><td>15.356<\/td><td>20.144<\/td><td>21.683<\/td><td>22.491<\/td><td>22.501<\/td><td>21.661<\/td><td>27.512<\/td><td>31.819<\/td><\/tr><tr><td><strong>Ums\u00e4tze Schenker + Arriva als Anteil am Konzernumsatz<\/strong><\/td><td>46,1%<\/td><td>49,6%<\/td><td>50,8%<\/td><td>51,1%<\/td><td>50,6%<\/td><td>54,3%<\/td><td>58,2%<\/td><td>56,5%<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss nat\u00fcrlich nicht alles verstehen, was im neuen Gesch\u00e4ftsbericht der Deutschen Bahn AG steht. 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