{"id":2585,"date":"2023-04-25T20:44:17","date_gmt":"2023-04-25T18:44:17","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2585"},"modified":"2023-04-25T20:44:18","modified_gmt":"2023-04-25T18:44:18","slug":"venedig-impressionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2585","title":{"rendered":"Venedig-Impressionen"},"content":{"rendered":"\n<h2 id=\"block-6b849647-8094-4fb3-8029-9ed45ff4cc54\">Oder: Warum die Lagunenstadt auch heute noch Vorbild f\u00fcr eine autofreie Stadt ist<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21a-venedig.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die 30 Millionen Menschen, die allj\u00e4hrlich Venedig besuchen, d\u00fcrften auch dann, wenn sie keinen ausgepr\u00e4gten Kunstsachverstand haben, von der Lagunenstadt begeistert sein. Diese massenhaften \u201eBesuche\u201c wiederum werden von den meisten der nur noch rund 50.000 Menschen, die in der Lagunenstadt, im \u201ecentro storico\u201c, mit festem Wohnsitz leben, \u00fcberwiegend als Heimsuchung empfunden, auch wenn deren Einkommen \u00fcberwiegend vom Tourismus abh\u00e4ngt \u2013 was in Zeiten der Pandemie besonders schmerzhaft zu sp\u00fcren war.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern die Impressionen, die ich bei meinem sechst\u00e4gigen Aufenthalt in der Lagunenstadt im Januar hatte, von den durchschnittlichen Touristinnen und Touristen vergleichbar empfunden werden, wei\u00df ich nicht. Zumindest unbewusst d\u00fcrfte es jedoch bei allen das Gef\u00fchl geben, dass diese Stadt etwas Besonderes ist. Dass es hier \u2013 trotz Tourismus-Flut, trotz Immobilienspekulation, trotz Privatisierungen und Kunst-Ausverkauf \u2013 in Ans\u00e4tzen etwas gibt, das man als \u201eechte Stadtqualit\u00e4t\u201c bezeichnen kann. Susanna B\u00f6hme-Kuby, die wir im eher ruhigen Viertel Dorsoduro besuchten, spricht zu Recht von der \u201eEinzigartigkeit dieses relativ kleinen urbanen Konglomerats (von etwa 800 Hektar, ohne Laguneninseln)\u201c, bei dem dank der besonderen Lage \u201emit differenzierten, einander erg\u00e4nzenden Verkehrsebenen (Kan\u00e4len und Gehwegen) die k\u00fcrzeste Verbindung zwischen zwei Punkten eben keine Gerade ist.\u201c1<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei der Ankunft am Bahnhof Santa Lucia regnet es; ziemlich heftig sogar. Im Zug hatten wir noch \u2013 Google Maps misstrauend \u2013 uns intensiv den Fu\u00dfweg zum Hotel \u00fcberlegt, uns Stra\u00dfennamen und Pl\u00e4tze auf dem Weg notiert und eingepr\u00e4gt. Eine knappe halbe Stunde, so unser Eindruck, sollte der Weg zu Fu\u00df zur\u00fcckzulegen sein, trotz des mittelschweren Gep\u00e4cks. Der Regen also macht einen Strich durch die Rechnung. Anderswo w\u00fcrde man bei solchen Verh\u00e4ltnissen ein Taxi nehmen. Das gibt es in Venedig so nicht. Oder doch \u2013 in der Form eines Wasserboot-Taxis. Doch da liegen die Preise je Fahrt selten unter 80 Euro. Auch w\u00e4re unser Hotel mit einem Taxiboot nicht direkt ansteuerbar. Also stehen wir zun\u00e4chst 10 Minuten vor dem Bahnhof\u2026 Bis uns ein auf solche ratlosen Touristen spezialisierter Italiener zu einem erstaunlich niedrigen Preis zwei Einzeltickets (wirklich echte?) f\u00fcr eine Vaporetto-Fahrt verkauft, die Koffer auf eine Karre verpackt und uns&nbsp; zum Anleger f\u00fcr die Wasserbusse bringt: An der vierten Station sollten wir aussteigen, dann noch 150 Meter Fu\u00dfweg.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Stadtqualit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Stundenlanges Flanieren. Keine Autos. Kein geparktes Blech. Nicht einmal Kampfradler. Gut, viele Touris \u2013 wobei sich das im Januar in gewissen Grenzen h\u00e4lt. Ab April und dann bis Oktober muss es als Folge der drei bis f\u00fcnf Mal gr\u00f6\u00dferen Touristenstr\u00f6me in den engen Gassen und auf den Pl\u00e4tzen ein oft be\u00e4ngstigendes Gedr\u00e4nge geben \u2026 Vom Markus-Platz bis zum Hotel in der Calle Larga dei Proverbi (der \u201ebreiten Gasse der Sprichworte\u201c) \u2013 welch ein romantischer Stra\u00dfenname! \u2013 im Stadtteil Cannaregio sind es rund 30 Minuten Fu\u00dfweg. In einer \u201enormalen\u201c Stadt, also einer Autostadt, kann das Zur\u00fccklegen einer solchen Wegel\u00e4nge ausgesprochen anstrengend sein; bedeutet das doch, dass man auf dieser Distanz mehr als ein Dutzend Mal auf ein gr\u00fcnes Ampelm\u00e4nnchen warten und zu jedem Zeitpunkt auf den Autoverkehr achten muss (in Florenz vor allem auf den intensiven Verkehr mit Mopeds und Motorr\u00e4dern); dass Hunderte Autos, die in den e ngen Stra\u00dfen und Gassen abgestellt wurden, zu passieren sind \u2013 oft Karossen, die den Raum, der f\u00fcr den Fu\u00dfweg verbleibt, massiv verengen.<\/p>\n\n\n\n<p>All das gibt es in Venedig nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gibt kaum L\u00e4rm. Jedenfalls keinen, der l\u00e4stig oder gar als schmerzhaft empfunden wird. Die Gondole gleiten. Die Taxi-Boote tuckern. Die gewerblichen K\u00e4hne \u2013 die Post- und DHL-Lieferservice-Boote und die M\u00fcllboote \u2013 r\u00f6hren dann etwas lauter. Die auf dem Canal Grande alle paar Minuten vorbeifahrenden Vaporetti h\u00f6rt man allerdings bereits ab einer Entfernung von drei Metern, also an den jeweiligen Ufern, so gut wie nicht mehr. Es sei denn, man befindet sich direkt an einer Wasserbus-Haltestelle, wo der Vaporetto-Kapit\u00e4n beim Herannahen auf den letzten Metern den R\u00fcckw\u00e4rtsgang einschaltet, um abzubremsen, dann gekonnt beizudrehen und anzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mittelalterliche Venedig d\u00fcrfte nicht viel anders funktioniert \u2013 und sich damit bereits damals von anderen, vergleichbaren St\u00e4dten unterschieden \u2013 haben. Der Philosoph Arthur Schopenhauer beschwerte sich Anfang des 19. Jahrhunderts \u00fcber den \u201eunverantwortlichsten und sch\u00e4ndlichsten L\u00e4rm, das wahrhaft infernalische Peitschenknallen in den hallenden Gassen der St\u00e4dte\u201c, wodurch die \u201eh\u00f6heren Bestrebungen des Menschengeschlechtes\u201c behindert w\u00fcrden2: Vergleichbares gab es im Venedig der Serenissima nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal ist es w\u00e4hrend unseres Aufenthalts dann doch anders: Mitten auf dem Canal Grande ert\u00f6nt ein \u201eTat\u00fc-tata\u201c: ein Sanit\u00e4tsboot rast mit rotierendem Blaulicht und mit mindestens 40 km\/h, eine imposante Bugwelle vor sich herschiebend, den Kanal entlang \u2013 die Vaporetti und andere Boote bilden die erforderliche Rettungs-Wasser-Weg-Gasse. Nehmen wir an, dass es daf\u00fcr einen ernsten Anlass gab und dass es dem Sanit\u00e4ter-Kapit\u00e4n am Steuer nicht pure Freude bereitete, diese Jagdfahrt zu unternehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Stadtkrise<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es falsch, das Bild einer Stadtidylle zu zeichnen. Das Gegenteil ist der Fall. Die vielfach wiederholte Formulierung, Venedig sei eine \u201esterbende Stadt\u201c, trifft heute mehr denn je zu. Die Einwohnerzahl der Lagunenstadt lag auf ihrem H\u00f6hepunkt bei 250.000. Hinzu kamen einige Zehntausend Menschen, die auf den umliegenden Inseln lebten \u2013 in Torcello beispielsweise bis zu 20.000 (heute sind es dort nur noch rund 50). In den 1970er Jahren z\u00e4hlte die Bev\u00f6lkerung des Centro Storico noch gut 100.000 Menschen. Ende der 1980er Jahre waren es immerhin 85.000. Heute sind es noch rund 50.000. Parallel dazu wuchsen die Touristenstr\u00f6me deutlich an. Damit entstand ein extrem ungesundes Verh\u00e4ltnis zwischen Touristinnen und Touristen einerseits und Wohnbev\u00f6lkerung andererseits. Es gibt einen t\u00e4glichen Pendlerstrom vom Festland (vor allem Mestre) auf die Insel von mehr als 20.000 Menschen, die ebenfalls deutlich \u00fcberwiegend in der Tourismusbranche i hr Einkommen verdienen. Fataler Weise wurden in den letzten Jahrzehnten auch gro\u00dfe Teile der Verwaltung aufs Festland verlegt. Entsprechend sind inzwischen die nicht-touristischen Bereiche wie Universit\u00e4ten, Gewerbe und Einzelhandel zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Es gibt vor allem drei Ursachen f\u00fcr die Stadtflucht: erstens die hohen und in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegenen Mieten (bzw. das deutlich niedrigere Mietniveau auf dem Festland), zweitens die regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberflutungen gro\u00dfer Teile der Stadt (aqua alta) \u2013 was, wie hier nicht weiter ausgef\u00fchrt werden kann, vor allem eine Folge von Umweltzerst\u00f6rung, Tourismus (Kreuzfahrschiffe) und Klimaerw\u00e4rmung ist. Und drittens die immensen Touristenstr\u00f6me w\u00e4hrend rund zehn Monaten. In der Folge stehen Hunderte H\u00e4user und Tausende Wohnungen leer, was einerseits den Verfall derselben und andererseits die Schaffung von immer mehr&nbsp; Airbnb-Objekten beg\u00fcnstigt. Zweitwohnungen machen bereits rund 30&nbsp; Prozent des Wohnraums aus. Gro\u00dfe Unternehmen funktionieren historische Geb\u00e4ude \u2013 auch Br\u00fccken \u2013 zu gigantischen PR-Projekten um. Herausragend dabei der Kauf des Fondaco dei Tedeschi, des ehemaligen deutschen Handelsdomizils, direkt neben der Rialto-Br\u00fccke, durch Benetton, dessen Auskernung und Umwandlung in ein gigantisches Shopping Center f\u00fcr Luxus-Waren. Petra Reski schrieb: \u201eVenedig befindet sich im permanenten Ausnahmezustand, apokalyptisch \u00fcberflutet, verschandelt zum Erlebnispark, zertrampelt von 33 Millionen Touristen j\u00e4hrlich. Diese Stadt, die zur Geldmaschine erkl\u00e4rt wurde, wird seit Jahrzehnten von den Predigern eines touristischen Fundamentalismus regiert, deren Glaubensbekenntnis sich in den Worten \u00b4Venezianer raus, Touristen rein\u00b4 zusammenfassen l\u00e4sst. An die W\u00e4nde der Gassen gepresst versuchen die verbliebenen 52.000 Venezianer, sich permesso, permesso (pardon, pardon) murmelnd durch die Reisegruppen einen Weg zum letzten G em\u00fcseh\u00e4ndler zu bahnen.\u201c3 Oder auch, auf den Punkt gebracht: \u201eDer Tauschwert hat \u00fcber den Gebrauchswert der Stadt gesiegt\u201c, so Susanna B\u00f6hme-Kuby, den italienischen Kunsthistoriker Salvatore Settis zitierend.4<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21b.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9984\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h3><strong>Burano und Murano<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Wasserbus-Linie 12 f\u00fchrt von der Station Fondamente Nove \u00fcber Murano nach Burano. Die letztgenannte Insel wird als eine Art Gegenentwurf zur Lagunenstadt gepriesen. Anstelle der dezenten, auf einander abgestimmten Farben, die in der Lagunenstadt dominieren, stehen dort bunte H\u00e4user entlang der wenigen Kan\u00e4le. Die Farben d\u00fcrften, wie in den Cinque-Terre-St\u00e4dtchen Manerola, Vernazza und Riomaggiore, in fr\u00fcheren Zeiten ebenfalls aufeinander abgestimmt gewesen sein. Inzwischen sind mehrere in irritierend grellen Farbt\u00f6nen get\u00fcncht.5 Auch d\u00fcrfte es kaum mehr zutreffen, wenn Burano, wie es in Reisef\u00fchrern erfolgt, als \u201eFischerinsel\u201c bezeichnet wird. Auch dieses sympathische Eiland ist weitgehend auf den Tourismus ausgerichtet. W\u00e4hrend in Venedig \u2013 jedenfalls im Januar \u2013 viele Restaurants erst am Abend \u00f6ffnen, ist in Burano das halbe Dutzend Restaurants&nbsp; abends geschlossen und \u2013 der Tagestouristen wegen \u2013 vor allem tags\u00fcber off en, bis 15 Uhr Mittagessen anbietend. Von dort aus \u2013 und w\u00e4hrend der Hin- und R\u00fcckfahrt mit dem Vaporetto \u2013 bietet sich bei Blick nach Norden eine beeindruckende Silhouette mit schneebedeckten Bergen: die Dolomiten. Diese klare Sicht gibt es, jedenfalls laut Reisef\u00fchrer, nur im Winter \u2013 der in dieser Jahreszeit besseren Luftqualit\u00e4t wegen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Murano haben wir nur eine kurze Pause, um auf einen anderen Wasserbus umzusteigen. Unser&nbsp; Hotel bot uns \u2013 dann nicht genutzte \u2013 Gutscheine f\u00fcr einen Murano-Besuch an, um Einblicke in die dortige Glasindustrie zu erhalten (und nat\u00fcrlich, um zum Schopping zu verf\u00fchren). Die Berichte \u00fcber den Niedergang von Murano stimmen wehm\u00fctig. Der Ukraine-Krieg, die westliche Politik der gegen Russland gerichteten Sanktionen und der daraus resultierende gewaltige Anstieg der Energiekosten, insbesondere des Gaspreises, bedrohen gro\u00dfe Teile der traditionellen venezianischen Glasindustrie; mehrere Unternehmen mussten bereits 2022 aufgeben. Wenn in dieser Branche&nbsp; einmal \u201eder Ofen aus\u201c ist, ist es ohne enormen Geldeinsatz nicht mehr m\u00f6glich, die Produktion neu hochzufahren. Glasperlen aus Murano wurden j\u00fcngst in Alaska gefunden; sie gelangten vor hunderten Jahren dorthin als Begleiterscheinung des&nbsp; venezianischen Kolonialismus. Der moderne Kolonialismus l\u00e4sst<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21c.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21c.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9985\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201996 als Ergebnis der zerst\u00f6rerischen Globalisierung \u2013 Glas aus China weltweit zirkulieren. Ein gr\u00f6\u00dferer Teil des Glas-Schmucks, der in Venedig in sehr vielen Gesch\u00e4ften angeboten wird, stammt l\u00e4ngst aus China.<\/p>\n\n\n\n<h3>Mehr als 90 Prozentgehen zu Fu\u00df odernutzen den \u00d6PNV<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit drei Jahrzehnten frage ich in meinen Vortr\u00e4gen zum Thema Verkehr das Publikum: \u201eWo in Europa gibt es eine Gro\u00dfstadt ohne Autos?\u201c Meist blicke ich dann in fragende Gesichter. Wenn ich meine rhetorische Frage selbst mit \u201ein Venedig!\u201c beantworte, ernte ich in der Regel irritiertes Lachen. Tats\u00e4chlich hat eine 200 Seiten umfangreiche Studie den Titel \u201eVenedig&nbsp; \u2013 Vorbild f\u00fcr eine autofreie Stadt\u201c. Sie wurde von dem mit mir befreundeten, inzwischen verstorbenen Verkehrsplaner Dr. Egon Grund 1993 verfasst.6 Der Autor war im Laufe seiner beruflichen T\u00e4tigkeit in mehreren St\u00e4dten in leitenden Funktionen im Planungs- und Bauwesen. Das Standardargument gegen die zitierte Aussage, wonach Autoverkehr in einer Stadt, deren Stra\u00dfen vor allem Wasserstra\u00dfen sind, ja nicht vorstellbar sei, kontert Egon Grund wie folgt: \u201eGrunds\u00e4tzlich w\u00e4re es denkbar, dass in einer Stadt mit Wasserstra\u00dfen genauso viele Einzelfahrzeuge [in Form von Motorbooten i n individuellem Besitz; W.W.] existieren, also der [motorisierte; W.W.] Individualverkehr ebenso stark ist wie in \u00b4Normalst\u00e4dten\u00b4. Dass dies in Venedig nicht der Fall ist, hat in erster Linie st\u00e4dtebauliche Gr\u00fcnde: Bebauungsdichte, und Merkmale des Verkehrsnetzes erlauben dies nicht. Vor allem w\u00e4ren entsprechende Abstellm\u00f6glichkeiten kaum zu schaffen.\u201c7 An anderer Stelle konkretisiert er: \u201eIm Bereich der gesamten Lagune von Venedig sind 12.000 Boote zugelassen zum Transport von Privatpersonen oder Sachen f\u00fcr nicht-gewerbliche Zwecke [\u2026] Nicht alle zugelassenen Boote werden genutzt. Es verkehren rund 80 Prozent; das sind 9680. Die im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtbev\u00f6lkerung der Kommune Venedig (329.803 Einwohner) geringe Zahl der Bootsbesitzer (3,67%) verteilt sich auf den lagunaren Bereich, sodass die Belastung des Centro Storico verschwindend ist. [\u2026] Wesentlich f\u00fcr den Besitz eines Privatbootes ist, dass die Liegepl\u00e4tze konzessioniert sind.&nbsp; Um ein individuelles Fahrzeug halten zu k\u00f6nnen, bedarf es einer kommunalen \u00b4Abstellerlaubnis\u00b4(concessioni comunali di spazi acquei).\u201c8<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ist eine \u2013 eingangs bereits skizzierte \u2013 Fu\u00dfg\u00e4ngerstadt. Fahrradverkehr existiert nicht (Radeln verboten!). Sie wird erg\u00e4nzt um den \u00f6ffentlichen Verkehr, mit dem R\u00fcckgrat der ACTV-Wasserbusse (\u201eACTV\u201c steht f\u00fcr Azienda del Consorzio Trasporti Veneziano, auf deutsch etwa Unternehmen des venezianischen Transportkonsortiums\u201c)9. Mehr als 70 Prozent aller Wege in der Lagunenstadt werden zu Fu\u00df, fast alle \u00fcbrigen mit den Wasserbussen zur\u00fcckgelegt. Die Pendler vom Festland in das Centro Storico benutzen zu drei Viertel die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel: Eisenbahn, Busse und gr\u00f6\u00dfere Schiffe (motonavi), obgleich es eine Stra\u00dfenbr\u00fccke vom Festland zur Lagunenstadt und ein relativ gro\u00dfes Angebot an (allerdings mit hohen Parkgeb\u00fchren verbundenen) Pkw-Stellpl\u00e4tzen in Parkh\u00e4usern am Rande der Laguneninsel, nahe des Bahnhofs Santa Lucia und des ZOB, gibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21d.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21d.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9986\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Vier Besonderheiten f\u00fchren dazu, dass in Venedig selbst die Wasserbusse eine extrem hohe Erschlie\u00dfungsfunktion haben: Erstens sind die Vaporetti extrem effizient; sie bieten Raum f\u00fcr gut 200 Personen, was drei bis vier Bussen oder zwei Stra\u00dfenbahnen entspricht. Zweitens hat der Canal Grande die gewundene Form eines umgekehrten \u201eS\u201c.10 Drittens gibt es auf dieser Hauptwasser-Verkehrsstra\u00dfe f\u00fcr die Vaporetti kein \u201eSpurenfahren\u201c und schon gar keine Fahrt als k\u00fcrzeste Verbindung zwischen zwei Punkten: die Fahrtrichtungen kreuzen sich h\u00e4ufig und die Boote pendeln von einem Ufer zum anderen. Dieser f\u00fcr einen \u201eguten deutschen Verkehrsplaner\u201c chaotisch erscheinende \u00d6PNV ist nur m\u00f6glich, weil \u2013 viertens \u2013 die maximale Geschwindigkeit f\u00fcr die ACTV-Wasserbusse auf 11 Stundenkilometer und diejenige f\u00fcr Motorboote in \u00f6ffentlichen und privaten Diensten auf 8 km\/h festgelegt ist. Die Gondolieri d\u00fcrften ihre Boote mit einem Stundenk ilometer und weniger bewegen. Trotz der dichten Vertaktung des Vaporetti-Linienverkehrs und des beschriebenen \u00fcberdurchschnittlich hohen \u00d6PNV-Anteils am \u201emodal split\u201c, an der Verteilung aller Wege und Verkehre auf F\u00fc\u00dfe und \u00d6PNV, und obgleich es viel Lieferverkehr, eher zu viele Wassertaxen und nicht zuletzt die Gondeln gibt, ist der gesamte Verkehr auf dem Canal Grande und erst recht derjenige in den Seitenkan\u00e4len ein weit geringerer als auf vergleichbaren Stra\u00dfen in Autost\u00e4dten. \u201eEine gereizte Eile gibt es nicht\u201c, schreibt Grund.11 Mehr als 90 Prozent der Menschen, die in der Lagunenstadt leben beziehungsweise sich dort aufhalten, haben maximal sieben Minuten Fu\u00dfweg bis zur n\u00e4chsten ACTV-Haltestelle. W\u00e4hrend des Tages und abends bis deutlich nach 22 Uhr besteht eine dichte Vertaktung des Vaporetti-Verkehrs; die Orientierung an einem Fahrplan er\u00fcbrigt sich \u2013 man wartet eben auf den n\u00e4chsten Wasserbus. Von 23.30 Uhr bis 4.30 Uhr v erkehren die Nacht-Vaporetti der Linie N.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tickets f\u00fcr die Touristen sind relativ teuer. Das Einzelticket (one way) kostet 9,50 Euro. F\u00fcr ein Drei-Tages-Ticket bezahlen Touristinnen und Touristen 45 Euro. Menschen mit Wohnsitz in Venedig zahlen, wenn sie im Besitz entsprechender Berechtigungskarten sind, je Einzelfahrt 1,50 Euro; im Zehnerblock 1,40.12<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21e.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/61.21e.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9987\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Stadtplaner Egon Grund verband seine Venedig-Studie mit ausf\u00fchrlichen \u00dcberlegungen, welche Lehre sich dabei f\u00fcr unsere heutigen Autost\u00e4dte ergeben. Er konkretisierte dies f\u00fcr die Autostadt G\u00f6ttingen im Detail. Er schreibt im Anschluss und zusammenfassend: \u201eDas Ziel der \u00dcbertragung struktureller Prinzipien auf andere St\u00e4dte ist es, einen vom Individualverkehr weitgehend befreiten Bereich zu schaffen, der etwa die Gr\u00f6\u00dfe der Hauptsiedlungsfl\u00e4che des Centro Storico h\u00e4tte. Das System der Verkehrserschlie\u00dfung ist dabei entscheidend. Beim \u00d6PNV m\u00fcssen die Bedienungsh\u00e4ufigkeit und die Bef\u00f6rderungsgeschwindigkeit erh\u00f6ht werden. Die Hindernisse, die dem Verst\u00e4rken des \u00d6PNV entgegenstehen, ergeben sich aus den Anspr\u00fcchen des Individualverkehrs. Das innerst\u00e4dtische Parkraumangebot muss einschneidend reduziert werden [\u2026] Es werden innerst\u00e4dtische Zonen vorgeschlagen, die f\u00fcr den Individualverkehr nicht allgemein zug\u00e4nglich sind. Sie m\u00fcssen wesentlich gr\u00f6\u00dfer sein als die heutigen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. [\u2026] Am Beispiel G\u00f6ttingens wird das mit dem entsprechenden Stra\u00dfen- und Buslinien-Netz dargestellt.[\u2026] Es erscheint unausweichlich, dass die Industrienationen innerhalb der St\u00e4dte wirksame Ma\u00dfnahmen gegen das beherrschende Element des Individualverkehrs einleiten. Bei den Entwicklungsl\u00e4ndern w\u00e4re eine Abkehr vom Vorbild der Industrienationen erforderlich.\u201c13&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das wurde geschrieben, bevor die Klimaerw\u00e4rmung zum Thema und vor allem zu einer offenen Krise wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3>Miserable Bahnver-bindungen aus Deutschland, der NS-Verbrechen wegen<\/h3>\n\n\n\n<p>Sieht man von \u00d6kologie und Klima ab, so sprechen die \u00d6konomie von Zeit und Geld f\u00fcr Fl\u00fcge von und nach Venedig. Man spart rund einen Tag und rund 150 Euro pro Person. Die Variante Nachtzug k\u00f6nnte dann eher interessant sein; allerdings ist der verbliebene Nachtzug, den die \u00d6sterreichischen Bundesbahnen auf der Verbindung M\u00fcnchen \u2013 Venedig anbieten, in der Regel Monate im Voraus ausgebucht. Wir entscheiden uns \u2026 f\u00fcr die Schiene. Bei der Anfahrt hatten wir noch eine Direktverbindung mit dem Eurocity ab M\u00fcnchen. In Potsdam ab 4.30 Uhr bei Ankunft in Venezia Santa Lucia um 18.35 Uhr \u2013 bei nur zwei Mal umsteigen (in Berlin und M\u00fcnchen): das schien akzeptabel. Bei der R\u00fcckfahrt gibt es dann nur eine Verbindung mit einem Regionalzug von Venedig Santa Lucia bis Verona; gut eineinhalb Stunden Fahrt. In Verona dann reichlich Zeit f\u00fcr Umstieg und Warten. Ab Verona und bis M\u00fcnchen dann erneut ein EuroCity.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei handelt es sich bei M\u00fcnchen \u2013 Venedig um eine Eisenbahnverbindung, die geradezu danach schreit, mit optimalem Zugmaterial ausgestattet und systematisch beworben zu werden. Rund acht Stunden Fahrtzeit. \u00dcber die Alpen mit dem Brenner-Pass, oft mit freiem Blick auf die Dolomiten-Gipfel, sp\u00e4ter durch die norditalienische Ebene, um schlie\u00dflich auf dem Damm in die Lagunen-Stadt zu gleiten. In Venedigs Hauptbahnhof Santa Lucia stehen auch ein halbes Dutzend windschnittige Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge der beiden Fernverkehrsbahngesellschaften, der staatlichen Trenitalia (mit den \u201eFrecce-Z\u00fcgen\u201c) und der privaten Gesellschaft NTV mit den \u201eItalo\u201c-Z\u00fcgen in einer Parade Spalier. Demgegen\u00fcber handelt es sich bei den zum Einsatz kommenden Eurocity-Z\u00fcgen aus Deutschland um rollendes Material, das sich in einem bemerkenswert schlechten Zustand befindet. Ein Restaurantwagen fehlt komplett. Bei der Hinfahrt fehlte ein Erste-Klasse-Wagen. Mehrere Toiletten und&nbsp; zwei T\u00fcren waren bei der Hinfahrt gesperrt. Der Zug wird von einem deutsch-\u00f6sterreichischen Joint-Venture betrieben. Bis 2007 war dies noch deutlich anders: bessere Verbindungen, besseres Wagenmaterial. Der naive Fahrgast vermutet, dass das eben Ausdruck des allgemeinen Niedergangs der Bahn sei.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wirklichkeit geht es um gro\u00dfe Politik \u2013 darum, dass sich die Bundesrepublik Deutschland weigert, Entsch\u00e4digungen f\u00fcr die Verbrechen des NS-Regimes in Italien zu zahlen. Vor zw\u00f6lf Jahren fasste das die bereits zitierte Autorin Susanna B\u00f6hme-Kuby wie folgt zusammen: \u201eJahrzehntelang, bis Dezember 2009, verkehrten Tagesz\u00fcge von Venedig nach M\u00fcnchen und nach Wien, mit denen ich oft bequem hin- und hergereist bin. Direktverbindungen. Mit dem Winterfahrplan [2009\/2010; W.W.] wurden sie eingestellt. [\u2026] Tagesreisen aus dem S\u00fcden \u00fcber die Alpen erfordern nun ein zeitraubendes Umsteigen in Verona, wo die Anschlussz\u00fcge nicht koordiniert sind. Die Reisedauer von Venedig nach M\u00fcnchen verl\u00e4ngert sich dadurch um gut eine Stunde. [\u2026] Ich sah diesen R\u00fcckfall in die Kleinstaaterei einfach als Negativfolge wahnhafter Liberalisierung der Streckennetze an \u2013 bis mir am 28. Mai [2010; W.W.] die r\u00f6mische Tageszeitung il manifesto die Augen \u00f6ffne te.\u201c Den Hintergrund daf\u00fcr bilde das \u201etief besch\u00e4mende Kapitel deutscher Nachkriegsverantwortung in Europa\u201c, wo \u201ebis heute finanzielle Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche erfolgreich abgewehrt\u201c werden w\u00fcrden. Die berechtigte Frage, was das wiederum mit der Deutschen Bahn zu tun hat, beantwortete Susanne B\u00f6hme-Kuby wie folgt: \u201eAls sich die Bundesrepublik Deutschland nach mehreren rechtskr\u00e4ftigen Urteilen in Griechenland und in Italien zugunsten der Opfer von Massakern [begangenen durch Wahrmacht und SS; W.W.] weigerte, ihrer Entsch\u00e4digungspflicht nachzukommen, erwirkte der Anwalt der italienischen Opfer, Joachim Lau, eine Vollstreckung in deutsche Verm\u00f6genswerte in Italien. So wurde schon vor einigen Jahren das idyllische deutsche Kulturinstitut Villa Vigoni am Comer See mit einer Hypothek als Garantie f\u00fcr die Opfer belegt. Als auch das Guthaben der Deutschen Bahn AG bei der italienischen Eisenbahn (rund 50 Millionen Euro)&nbsp; zur Pf\u00e4ndung anstand,&nbsp; unterbrach die Bahn, um die Gefahr einer weiteren Vollstreckung abzuwenden, die bisherige finanzielle Kooperation mit der italienischen Eisenbahn. Gleichzeitig erhoben die Deutschen Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und forderten \u201aStaatsimmunit\u00e4t\u2018 ein. Denn man m\u00f6chte keine Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle schaffen. Allein in Italien stehen noch etwa 200 weitere Schadenersatzklagen an: Immerhin deportierten die Deutschen nach dem 8. September 1943 [damit nach der Kapitulation Italiens; W.W.] circa 600.000 Italiener [es handelte sich um Milit\u00e4rangeh\u00f6rige, denen damals wie heute nicht der Status von Kriegsgefangenen zugebilligt wurde; W.W.] als Zwangsarbeiter ins Reich, von denen nur noch eine Minderheit lebt; deren Forderungen blieben jahrzehntelang ungeh\u00f6rt.\u201c14<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ***<\/p>\n\n\n\n<p>Wie w\u00e4re es, wenn wir bei unserem n\u00e4chsten Besuch in Venedig um 19.11 Uhr in Hamburg Altona den Zug bestiegen (oder rund zweieinhalb Stunden sp\u00e4ter in Hannover in denselben zusteigen w\u00fcrden), ein ausgiebiges Abendessen im Restaurantwagen zu uns n\u00e4hmen, uns danach in das Schlagwagenabteil begeben und uns dann \u2013 \u00fcber viele Zehntausend Bahnschwellen hinweg gleitend \u2013 in den Schlaf wiegen lassen w\u00fcrden? Das Fr\u00fchst\u00fcck wird nach der Querung der Alpen zwischen Bozen und Trento gegen neun Uhr in der N\u00e4he von Bozen eingenommen. Gut drei Stunden sp\u00e4ter haben alle Fahrg\u00e4ste die Nasen dicht am Fenster (Profis wissen, dass man links sitzen sollte, gegebenenfalls, im Schlafwagen, auf den Gang hinaustreten muss!), dann, wenn der Zug \u00fcber den Damm der Lagunenstadt entgegengleitet und um 12.44 Uhr im Bahnhof Venezia Santa Lucia den Zielpunkt erreicht. Inzwischen wissen wir ja auch, wie man ein Wasserboot-Ticket ersteht und wie viele Vaporetti-Stationen es&nbsp; bis zum Hotel sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was mit dem Urlaubsexpress (UEX) in den 1990er Jahren und mit dem D1199 noch im Sommer 2002 m\u00f6glich war, sollte doch mit der modernen Eisenbahn erst recht machbar sein.15 \u00dcberhaupt: Selbst vor 100 Jahren und bis Ende der 1990er Jahre gab es durchgehende Eisenbahnwagen (Kurswagen) von Berlin bis Venedig. Die Herren Volker Wissing (Bundesverkehrsminister) und Richard Lutz (Bahnchef) schwadronieren von der \u201edigitale Schiene\u201c. In der Praxis sind sie verantwortlich daf\u00fcr, dass der Schienenverkehr von Fahrplan zu Fahrplan immer mehr stranguliert wird.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>1 Susanna B\u00f6hme-Kuby, Venedig im Ausverkauf. Von der Serenissima zur Bennettown, in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, 9\/2013. Hier zitiert nach: Susanna B\u00f6hme-Kuby, Aus Italien. Texte zu Politik und Kultur, Lesmo (Monza-Biranza), Januar 2022, Seite 244 und 247.<\/p>\n\n\n\n<p>2 Arthur Schopenhauer, Ueber Lerm und Ger\u00e4usch, in: Parerga und Paralipomena, 2. Buch, Kapitel 30, S. 518; siehe: https:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Ueber_Lerm_und_Ger%C3%A4usch<\/p>\n\n\n\n<p>3 Petra Reski, Eine Stadt, kein Disneyland, in: Tageszeitung\/taz vom 19. November 2019.<\/p>\n\n\n\n<p>4 In: Bl\u00e4tter 2\/2019, hier zitiert nach B\u00f6hme-Kuby, Aus Italien, a.a.O., S.401.<\/p>\n\n\n\n<p>5 Dazu hei\u00df es besch\u00f6nigend im Reisef\u00fchrer: \u201eDa die strengen Farbvorschriften f\u00fcr venezianische H\u00e4user auf Burano nicht gelten, machen sich die Insulaner gegenseitig Konkurrenz mit knalligen Farben. Das Resultat ist eine Farbexplosion an den Kan\u00e4len \u2013 zum Entz\u00fccken der Fotografen.\u201c Venedig und Veneto, DK vis-\u00e0-vis, o.J. (2021), Seite 180.<\/p>\n\n\n\n<p>6 Egon Grund, Venedig \u2013 Vorbild f\u00fcr eine autofreie Stadt, Dortmunder Vertrieb f\u00fcr Bau- und Planungsliteratur, Dortmund 1993.<\/p>\n\n\n\n<p>7 A.a.O., Seite 25.<\/p>\n\n\n\n<p>8 Dort Seite 73.<\/p>\n\n\n\n<p>9 ACTV betreibt au\u00dfer den Vaporetti auch Autobuslinien und die Stra\u00dfenbahn auf dem Festland.<\/p>\n\n\n\n<p>10 Was eine verk\u00fcrzte Darstellung ist. Egon Grund: \u201eDie Linie des umgekehrten S beschreibt keinen kontinuierlichen Bogen. Die Achse besteht aus unregelm\u00e4\u00dfig aneinandergereihten Geraden und B\u00f6den. So m\u00fcsste, selbst wenn eine h\u00f6here Geschwindigkeit als 11 km\/h zugelassen w\u00e4re, jeweils abgebremst werden. Ein stetiges, sehr schnelles Fahren, wie es bei innerst\u00e4dtischen Hauptverkehrsachsen angestrebt und \u2028\u2028durch entsprechende Trassierungselemente wie Klothoiden erm\u00f6glicht wird, scheidet von vornherein aus.\u201c (S.44).<\/p>\n\n\n\n<p>11 Seite 53.<\/p>\n\n\n\n<p>12 Auch hier w\u00e4re es falsch, die ACTV ausschlie\u00dflich im positiven Licht darzustellen. Vor Ort gibt es einige Kritik am Unternehmen; l\u00e4ngst gibt es gef\u00e4hrliche Privatisierungstendenzen. So wurde das Unternehmen Alilaguna, das Wasserboot-Linien vom Flugplatz ins Centro Storico und nach Burano anbietet, ausgegliedert.<\/p>\n\n\n\n<p>13 A.a.O., Seite 170.<\/p>\n\n\n\n<p>14 Susanna B\u00f6hme-Kuby, Schikane auf Schienen, erstmals ver\u00f6ffentlicht in: Ossietzky 12\/2010. Hier zitiert nach:&nbsp; Aus Italien, a.a.O., Seite 164f. Die Verschleppung der 600.000 italienischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen stellt nur einen Teil der Verbrechen des NS-Regimes, die in Italien begangen wurden, dar. Dar\u00fcber hinaus ver\u00fcbten die deutschen Truppen im Zeitraum 8. September 1943 bis zum 25. April 1945 in den D\u00f6rfern und St\u00e4dten Italiens mehr als 400 Massaker, bei denen 15.000 Zivilpersonen ermordet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>15 Fahrplanangaben:\u00a0 Dank an Andreas Kleber (Schorndorf) und Joachim Holstein (Hamburg). Selbst bei der Verbindung\u00a0 Hamburg \u2013 Venedig, die in der Luftlinie rund 950 Kilometer und per Stra\u00dfe oder Bahn rund 1300 Kilometer lang ist, ist die Schiene dem Flugzeug \u00fcberlegen: Wir sparen eine \u00dcbernachtung und verlieren, im Vergleich mit dem Flug, keine Zeit. Im Gegenteil: Der Weg zum Flughafen in Hamburg, so es denn einen Direktflug gibt, die extra Zeiten f\u00fcrs Check-in usw. und die knapp 45-min\u00fctige Fahrt\u00a0 vom Airport Marco Polo in Venedig \u00fcbers Wasser ins Centro Storico, m\u00fcssen eingerechnet werden, sodass wir auch bei einem fr\u00fchen Flug ab Hamburg bestenfalls gegen Mittag\u00a0 in Venedig sein k\u00f6nnen. Jetzt mal von der Reisekultur und von R\u00fccksicht auf Klima und Umwelt abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erschienen im Fr\u00fchjahrsheft 61 von Lunapark21<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Warum die Lagunenstadt auch heute noch Vorbild f\u00fcr eine autofreie Stadt ist Die 30 Millionen Menschen, die allj\u00e4hrlich Venedig besuchen, d\u00fcrften auch dann, wenn sie keinen ausgepr\u00e4gten Kunstsachverstand haben, von der Lagunenstadt begeistert sein. 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