{"id":2595,"date":"2023-05-07T12:06:44","date_gmt":"2023-05-07T10:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2595"},"modified":"2023-05-07T12:13:48","modified_gmt":"2023-05-07T10:13:48","slug":"der-neue-koenig-charles-iii-ist-hoch-politisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=2595","title":{"rendered":"Was Sie \u00fcber Charles III. wissen sollten, aber nie erfahren haben"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Medien hinterfragen den Pomp von London kaum. Dabei wird der Monarch die reaktion\u00e4re Politik seiner Mutter fortsetzen. Eine k\u00f6nigskritische \u00dcbersicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde es immer befremdlich, wenn Wladimir Putin durch eine gef\u00fchlt sechs Meter hohe T\u00fcr schreitet, irgendwelche Kadetten ihm die T\u00fcrfl\u00fcgel \u00f6ffnen und er die Reihen seiner Getreuen durchschreitet, dabei oft einen Knopf am Anzug \u00f6ffnend, schlie\u00dfend oder diesen auch nur ber\u00fchrend. Und nat\u00fcrlich erinnern die Aufnahmen von Putin mit irgendwelchen Gremien, deren Mitglieder beispielsweise im direkten Vorfeld des aktuellen Krieges in der Ukraine von ihm aufgerufen und gegebenenfalls abgekanzelt werden, wie Szenerien aus der Zarenzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was ist das alles im Vergleich zu dem feudalen Pomp und das Schmierentheater, was in diesen Tagen in London stattfindet und was uns unsere elektronischen Medien \u2013 seien es die mit Steuergeld finanzierten, seien es die privatem \u2013 stundenlang zumuten? Das \u00fcbertrifft all die Perversit\u00e4ten, mit denen wir uns im Zusammenhang mit dem Tod&nbsp; von Elisabeth II im September 2022 konfrontiert sahen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Zweifel kann man sich \u00fcber all diese Szenen belustigen \u2013 wie Charles dem Dritten die schwere Krone wie ein umgest\u00fclpter Nachttopf auf den Ohren&nbsp; sitzt. Wie er und Camilla \u2013 die gleich in einem Aufwasch zur K\u00f6nigin mutierte \u2013 \u201egesalbt\u201c werden \u2013 wo? wie? mit was blo\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Belustigung wird einem verg\u00e4llt, wenn man hinter die royalen Kulissen blickt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Tradition, die konkrete Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Regierenden verdeckt \/\/<\/em><\/strong> Es geht in Wirklichkeit nicht um eine unpolitische Zeremonie, um das Aufrechterhalten von \u201ealten Traditionen\u201c. Warum blo\u00df traf sich die Queen sieben Jahrzehnte lang in jeder Woche mit der politischen F\u00fchrung des Landes zu hochpolitischen Gespr\u00e4chen, wof\u00fcr es den speziellen Ausschuss mit der Bezeichnung \u201eK\u00f6nigliche Besuche des Kabinetts des Premiers\u201c gibt? Warum wird Charles III das ebenso tun und sich bereits in den n\u00e4chsten Tagen erneut mit Top-Vertretern der erzkonservativen, extrem neoliberalen und offen antisozialen Regierung unter Rishi Sunak treffen?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Regierung, die die Milit\u00e4rausgaben massiv erh\u00f6ht, und die im Januar 2023 als Vorbereitung auf einen gro\u00dfen westlichen Krieg gegen China ein \u201eVerteidigungsabkommen\u201c mit Japan (!) \u00fcber \u201evertiefte milit\u00e4rische Zusammenarbeit\u201c schloss. Danach d\u00fcrfen jetzt Soldaten des einen Landes im jeweils anderen Staat eingesetzt werden. Eine Regierung, die Sozialausgaben deutlich senkt und eine Vereinbarung mit der Regierung in Kigali und ein erg\u00e4nzendes Gesetz im Unterhaus beschlie\u00dfen lie\u00df, wonach \u201eillegal\u201c ins Land gekommenen Fl\u00fcchtlinge in gro\u00dfer Zahl abgeschoben werden. Die Betroffenen sollen ohne richterliche \u00dcberpr\u00fcfung in Gewahrsam genommen und dann ausgeflogen werden &#8211; entweder in ihr Heimatland oder in ein Drittland wie Ruanda, mit dem Gro\u00dfbritannien ein entsprechendes Abkommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Verdeckt bis offen rassistisch \/\/ <\/em><\/strong>Und war da nicht etwas mit der Kritik des aus dem offiziellen Kreis der K\u00f6nigsfamilie ausgeschiedenen Prinz Harry und seiner Frau Meghan? Meghan gab an, w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft sei im Palast dar\u00fcber gesprochen worden, wie dunkel die Haut ihres Sohnes Archie werden w\u00fcrde. Wenn Prinz Harry die Vorw\u00fcrfe, wonach das britische K\u00f6nigshaus \u201erassistisch\u201c sei, dann relativierte \u2013 geschenkt. Der Herr will weiter teilhaben am k\u00f6niglichen Schmierentheater und dabei weiter gut Kasse machen. So ist er am 6. und 7. Mai am Herdauftrieb zur Kr\u00f6nung von Charles III&nbsp; beteiligt \u2013 ohne die Ehefrau Meghan, die sich diesen Kotau verweigerte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei der Rassismus in der Royal Family Tradition hat. 1968 verbot das britische K\u00f6nigshaus die Anstellung von \u201efarbigem\u201c Personal. Bis 1978 tobte in Neuseeland ein langj\u00e4hriger Konflikt \u00fcber ein St\u00fcck Land, welches von den Ngati Whatua, einer indigenen Bev\u00f6lkerungsgruppe, beansprucht wird. Die britische Krone intervenierte direkt im Commonwealth-Staat und enteignete die Ngati Whatua \u2013 begleitet von brutalen Polizeieins\u00e4tzen. Als im M\u00e4rz 2022 Charles Sohn und Thronfolger Prinz William in Jamaika auf Besuch war, wurde ihm von den dort Regierenden vorgeworfen, vom \u201eBlut, den Tr\u00e4nen und dem Schwei\u00df\u201c der Sklaven zu profitieren. Der Premierminister Andrew Holness verk\u00fcndete im vergangenen Jahr, Jamaika wolle eine Republik werden \u2013 damit w\u00e4re in Zukunft nicht Charles als britischer K\u00f6nig formell das Staatsoberhaupt der Karibikinsel. Am 30.11.2021 hatte bereits Barbados den Austritt aus dem britischen Commonwealth vollzogen. Begr\u00fcndung: Beendigung des kolonialen Erbes. Auf Barbados leben \u00fcberwiegend Nachkommen ehemaliger Sklaven.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Direkt und reaktion\u00e4r Politik betreibend \/\/ <\/em><\/strong>Das britische K\u00f6nigshaus intervenierte auch mehrmals direkt politisch. In Australien st\u00fcrzte im Jahr 1975 der dortige Repr\u00e4sentant des britischen Throns auf Anweisung der Queen und per royalem Dekret die linke sozialdemokratische Regierung unter Premier Gough Whitlam, der damals als \u201eder Willy Brandt Australiens\u201c bezeichnet wurde. Damit wurde ganz legal eine missliebige Regierung zu Fall gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Jeremy Corbyn in den Jahren 2015 bis 2019 Labour-Chef war und in Gro\u00dfbritannien ernsthaft die M\u00f6glichkeit bestand, dass er auf Basis eines dezidiert linken Programm in demokratischen Wahlen zum Premier gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnte, wurde in der&nbsp; F\u00fchrung des britischen Milit\u00e4rs ernsthaft dar\u00fcber diskutiert, dass das Milit\u00e4r in einem solchen Fall sich nicht der Regierung, sondern allein der Queen verpflichtet f\u00fchlen w\u00fcrde. Was einem stillen Putsch gleichgekommen w\u00e4re. Das Problem wurde dann auf andere Weise aus dem Weg ger\u00e4umt \u2013 mit einer Schmutzkampagne und der Behauptung, Corbyn und seine Leute seien \u201eAntisemiten\u201c. Sein Nachfolger, Keir Starmer, \u00fcberschlug sich nach dem Tod der Queen in Ergebenheitserkl\u00e4rungen gegen\u00fcber der Krone.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Royals als Konterrevolution\u00e4re \/\/ <\/em><\/strong>Den mit Abstand engsten Kontakt zu ausl\u00e4ndischen Regierungen hielt die k\u00f6nigliche Familie zu den absolutistischen Herrschern im Nahen Osten und in Nordafrika. Und dies wiederum in den Jahren nach Beginn des \u201eArabischen Fr\u00fchlings\u201c, den massenhaften demokratischen Protesten in Katar, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrein, in Saudi Arabien und in Marokko, L\u00e4nder, in denen in diesen Jahren die dort herrschenden Despoten in Frage gestellt wurden. Dieser Einfluss zur Stabilisierung dieser Regime wurde im Interesse des gesamten Westens ausge\u00fcbt, geht es doch um die fortgesetzt billige Zufuhr von \u00d6l und Gas. Im Zeitraum 2001 bis 2021 dokumentieren diese Politik mehr als 200 Besuche der Royals \u2013 konkret von Elizabeth II UND von Prinz Charles \u2013 in diesen despotische regierten L\u00e4ndern bzw. Empf\u00e4nge von Despoten aus dieser Region bei den britischen Royals. Auf eine entsprechende Anfrage der Plattform <em>Declassified UK<\/em> antwortete ein Sprecher der Queen, alle diese Besuche erfolgten immer \u201ein enger Koordination mit dem Ausschuss \u00b4K\u00f6nigliche Besuche` des Kabinetts des Premiers\u201c \u2013 siehe oben Diese Reisen wurden von den Steuerzahlenden bezahlt. Die Geschenke im Wert von Dutzenden britischen Pfund, die die Queen bei diesen Gelegenheiten erhielt, gingen in ihren Privatbesitz \u00fcber. Nicht zuletzt ging es bei diesen Treffen um R\u00fcstung und Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Royals als Waffenh\u00e4ndler \/\/<\/em><\/strong> Die im Detail bei<em> Declassified UK<\/em> aufgef\u00fchrten Besuche und Empf\u00e4nge der britischen Royals mit den erw\u00e4hnten Despoten waren in der Regel verbunden mit Auftr\u00e4gen f\u00fcr neue R\u00fcstungslieferungen des britischen Konzerns BAe, mit Vereinbarungen \u00fcber milit\u00e4rische Ausbildungen und britische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kriege, so im Fall des Kriegs, den u.a. Saudi Arabien und die VAE jahrelang im Jemen f\u00fchrten. Die erw\u00e4hnte Plattform listet allein im Zeitraum 2011 bis 2020 neue R\u00fcstungsauftr\u00e4ge f\u00fcr BAe aus den genannten Staaten im Wert von 12,5 Milliarden britischen Pfund auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Annette Dittert, Leiterin des ARD-Studios in London, berichtete am 6. Mai \u00fcber die Kr\u00f6nungsfeierlichkeiten. Sie sprach auch \u00fcber die verbreitete Kritik am K\u00f6nigshaus, das im Jahr die Steuerzahlenden rund 400 Millionen britische Pfund kosten w\u00fcrde, wobei selbst die aktuellen Feierlichkeiten mit Kosten in H\u00f6he von 150 bis 200 Millionen Euro von den Steuerzahlenden aufzubringen sei. Sie erw\u00e4hnte auch, dass die Polizei auf der Basis eine neuen Polizeigesetzes am Morgen des 6. Mai eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Gegnern und Gegnerinnen der Monarchie r\u00fcde festnehmen lie\u00df \u2013 und dies bereits im Vorfeld m\u00f6glicher Demonstrationen. Sie sagte dabei in der Live-Sendung: \u201eSo was kennen wir eigentlich nur aus Moskau\u201c. In der Video-Sendung (tagesschau24, 06.05.11 Uhr) ist dann dieser Satz nicht mehr enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Winfried Wolf ist Chefredakteur von Lunapark21 (siehe lunapark21.net).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst ver\u00f6ffentlicht in <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Was-Sie-ueber-Charles-III-wissen-sollten-aber-nie-erfahren-haben-8989365.html\">Telepolis vom 7.5.23<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medien hinterfragen den Pomp von London kaum. Dabei wird der Monarch die reaktion\u00e4re Politik seiner Mutter fortsetzen. Eine k\u00f6nigskritische \u00dcbersicht. 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