{"id":328,"date":"2018-07-07T11:47:13","date_gmt":"2018-07-07T09:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=328"},"modified":"2020-01-24T08:59:39","modified_gmt":"2020-01-24T07:59:39","slug":"fuenf-autobosse-110-jahren-autogeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=328","title":{"rendered":"F\u00fcnf Autobosse \u2013 110 Jahren Autogeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Anl\u00e4sslich\ndes Tods von Sergio Marchionne<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Sergio Marchionne\nstarb eine markante Figur der internationalen Autoindustrie,\nderjenigen Branche, die in den gro\u00dfen f\u00fchrenden Industriel\u00e4ndern\nUSA, China, Japan, Deutschland, Frankreich, S\u00fcdkorea und Italien\nLeitbranche ist, die den Weltkapitalismus formt und die zugleich seit\n1974 auch den Zyklus der Weltkonjunktur ma\u00dfgeblich bestimmt. Die\nMedien brachten anl\u00e4sslich des Tods von Marchionne freundliche und\nteilweise geradezu liebevolle Portr\u00e4ts des \u201eMannes mit Pullover\u201c.\nDas soll meine Sache nicht sein, auch wenn ich zu der Auffassung\nneige, dass Marchionne im Vergleich zu dem in Schrauben verliebten\nMartin Winterkorn (Ex-VW-Boss) und den Brutalo-Sanierern Carlos\nTavares (Peugeot-Citroen-Opel) und Carlos Ghosn\n(Renault-Nissan-Mitsubishi) wie eine nonkonformistische, sympathische\nLichtgestalt erschien.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Soll man Autobosse\ncharakterisieren? Man soll dies tun. Gerade auch als Demokrat, als\n\u00d6konom und als leidenschaftlicher Verkehrswissenschaftler. Auch wenn\nes dabei nicht so sehr um Portr\u00e4ts der Individuen geht, sondern um\nsolche, in denen die Bedeutung der jeweiligen Autobosse f\u00fcr die\nLeitbranche Autoindustrie und f\u00fcr das wichtigste Kultprodukt des\nmodernen Kapitalismus, das Auto, herausgearbeitet wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Greifen wir uns f\u00fcnf\nAutobosse heraus, die f\u00fcr exakt 110 Jahre Weltbranche Auto stehen.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Henry Ford\n(1863-1947)<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Henry Ford ist ohne\nZweifel der Begr\u00fcnder der Massenproduktion von Autos. Der erste in\ngro\u00dfer St\u00fcckzahl gefertigte Pkw war das \u201eModel T\u201c. Es wurde\nerstmals vor 110 Jahren, 1908, pr\u00e4sentiert. Die Flie\u00dfbandproduktion,\ndie es bei Ford ab 1913 gab, war allerdings bereits wesentlich fr\u00fcher\nund in einem anderen Sektor des Weltkapitalismus eingef\u00fchrt worden: \n<\/p>\n\n\n\n<p>in den Schlachth\u00f6fen von\nChicago. Als Ford mit der Massenproduktion von Autos startete, hatten\ndort, wie von Upton Sinclair in dem bereits 1905 erschienenen,\nausgezeichneten Werk \u201eThe Jungle\u201c (\u201eDer Dschungel\u201c)\nbeschrieben, bereits \u201eeine Viertelmilliarde Tiere\u201c das\n\u201eSchlachten per Flie\u00dfband\u201c durchlaufen. Henry Ford \u00fcbernahm die\nTechnik. In Chicago wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Tiere\nzur Fabrik herangekarrt anstatt das T\u00f6ten zu den Tieren zu\nbef\u00f6rdern. Just Vergleichbares  beschreibt Ford: \u201eDer erste\nFortschritt [der Flie\u00dfband-Einf\u00fchrung; W.W.] bestand darin, dass\nwir die Arbeit zu den Arbeitern heranschafften statt umgekehrt. Heute\nbefolgen wir zwei [\u2026] Prinzipien [\u2026] einen Arbeiter [\u2026] niemals\nmehr als nur einen Schritt tun zu lassen und nirgends zu dulden, dass\ner sich bei der Arbeit nach den Seiten oder vorn\u00fcber zu b\u00fccken\nbraucht [\u2026] Das Nettoresultat [\u2026] ist eine Verminderung der\nAnspr\u00fcche an die Denkt\u00e4tigkeit der Arbeitenden\u2026\u201c (H. Ford,\nErfolg im Leben \u2013 Mein Leben und Werk , M\u00fcnchen 1952, S.55ff \u2013\nUSA: My Life and Work, 1922). Was f\u00fcr die Tiere den Tod bedeutete,\nerwies sich als abt\u00f6tend f\u00fcr das Menschsein, als Steigerung der\nEntfremdung im Prozess der Lohnarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ford war nicht nur\n\u00fcberzeugter Judenhasser, ein Jahrzehnt lang Herausgeber der\nantisemitischen Tageszeitung \u201eDearborn Independent\u201c und ein\n\u00dcberzeugungst\u00e4ter, der massenhaft die antisemitischen Hetzschrift\n\u201eProtokolle der Weisen von Zion\u201c, eine F\u00e4lschung der\nzaristischen Geheimpolizei zwecks Sch\u00fcren von Pogromen, verbreiten\nlie\u00df.  Die oft (z.B. bei Wikipedia) zitierten Distanzierungen Fords\nvom Antisemitismus waren offenkundig taktischer Natur. Als Ford am\n30. Juli 1938 seinen 75. Geburtstag feierte, bestand der H\u00f6hepunkt\ndarin, dass  ihm von den deutschen Konsuln Fritz Heiler und Karl Kapp\nder h\u00f6chste deutsche Orden, den das Deutsche Reich, der NS-Staat\nunter Adolf Hitler, einem Ausl\u00e4nder gew\u00e4hren konnte, das \u201eGro\u00dfkreuz\ndes Adlerordens\u201c, verliehen wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Wiegrefe schrieb im\n\u201eSpiegel\u201c vom 7. Dezember 1998 auf Basis von damals neu\naufgetauchter Dokumente: \u201eZwei Jahre sp\u00e4ter \u2013 Hitler hatte\nseinen Krieg bereits begonnen \u2013 weigerte sich der so\nAusgezeichnete, einer Bitte des amerikanischen Pr\u00e4sidenten\nnachzukommen und Gro\u00dfbritannien mit Flugzeugmotoren auszuhelfen. Das\nverbiete ihm, erkl\u00e4rte Ford, sein Pazifismus. Das chronisch\ndevisenschwache Dritte Reich, immer auf der Suche nach teuren\nRohstoffen  aus dem Ausland, wurde von Ford jedoch durch\nTauschgesch\u00e4fte unterst\u00fctzt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ford exportierte in\nDeutschland gefertigte Autos und versorgte daf\u00fcr das Reich  mit\nGummi, wie aus einem geheimen Untersuchungsbericht der amerikanischen\nArmee von 1945 hervorgeht, den die US-Regierung im M\u00e4rz [1998; W.W.]\nfreigab. [\u2026] F\u00fcr Ford  war das R\u00fcstungsgesch\u00e4ft lukrativ. Wie\naus einer [\u2026] Untersuchung der amerikanischen Milit\u00e4rbeh\u00f6rden \nhervorgeht, konnte Ford seine Ertr\u00e4ge zwischen 1938 und 1942\nverdoppeln.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-8440647.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-8440647.html<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autofabriken der Ford\nMotor Company in Deutschland produzierten bis Ende des Weltkriegs f\u00fcr\ndie NS-Kriegswirtschaft. Sie setzten dabei Tausende\nZwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Die Ford-Fabriken in K\u00f6ln\nund Berlin wurden bis Ende 1944 von den alliierten Bomberflotten\nverschont. Die Ford-Fabriken waren Vorbild f\u00fcr das VW-Werk in\nFallersleben (heute Wolfsburg), wobei Ford f\u00fcr das VW-Werk\nEntwicklungshilfe leistete. Ferdinand Porsche und der Fiat-Gr\u00fcnder\nund Mussolini-Freund Giovanni Agnelli weilten mehrmals mit Teams in\nden USA, um die Ford-Autofabriken zu inspizieren, die dortigen\nProduktionstechniken zu \u00fcbernehmen und Fords Idee vom \u201eAuto f\u00fcr\njedermann\u201c mit der deutschen bzw. mit der italienischen\nfaschistischen Ideologie des \u201eAutos f\u00fcr den kleinen Mann\u201c zu\nverschmelzen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch w\u00e4hrend des Zweiten\nWeltkriegs gab es geheim gehaltene Treffen des Ford-Managements aus\nden USA mit Top-Leuten der deutschen Ford-Werke; der bereits zitierte\nBericht des \u201eSpiegel\u201c: \u201eIm Juni 1943 traf sich der Verwalter\nder K\u00f6lner Ford-Werke heimlich mit US-Managern im neutralen\nPortugal. Und ein portugiesischer  Kurier schmuggelte Berichte der\nPariser Ford-Zentrale im besetzten Frankreich, die der deutschen\nFord-Tochter unterstellt war, nach Lissabon. Von dort gelangten sie\nin die USA.\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Heinrich Nordhoff\n(1899-1968)<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Nordhoff steht f\u00fcr die\nenge Verbindung der US-Autoproduktion mit der NS-R\u00fcstungsproduktion\nund f\u00fcr die nahtlose Konversion von R\u00fcstungswirtschaft zu ziviler\nFertigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nordhoff arbeitete seit\ndem Jahr 1929 f\u00fcr General Motors und hier f\u00fcr den Autobauer Opel,\nder im selben Jahr von GM \u00fcbernommen worden war. Die GM\/Opel-Werke\nproduzierten, wie die Ford-Fabriken in Deutschland, umgehend nach\nHitlers Macht\u00fcbernahme uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr die\nNS-R\u00fcstungsproduktion. Es bedurfte keiner Enteignung und keines von\nau\u00dfen eingesetzten Verwalters, um die Treue des GM-Opel-Managements\nzur NSDAP zu gef\u00e4hrden. Allerdings zogen sich die GM-Manager mit\nUS-Pass ab Beginn des Zweiten Weltkriegs aus der Opel-Spitze zur\u00fcck\n\u2013 womit wiederum Heinrich Nordhoff in der Karriereleiter nach oben\nr\u00fccken konnte. Er wurde 1939 stellvertretendes Vorstandsmitglied der\nAdam Opel AG und drei Jahre sp\u00e4ter Leiter des wichtigsten\nOpel-Produktionswerks.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Opel (\u00fcberwiegend in\nR\u00fcsselsheim) wurden, wie der Buchautor und begnadete Verfasser der\nStudie des US-Senats \u00fcber die Verschw\u00f6rung der US-Autoindustrie\ngegen die Eisenbahnen, Bradford C. Snell (\u201eSnell-Study\u201c) 1974\nbelegte, \u201e50 Prozent aller propellergetriebenen Aggregate, die f\u00fcr\nden Mittelstreckenbomber Ju-88 zum Einsatz gelangten\u201c, gefertigt.\nDort wurden auch wichtige Bestandteile der D\u00fcsenantriebsaggregate\nf\u00fcr die Me-262 hergestellt \u2013 des weltweit ersten, einsatzf\u00e4higen\nKampfflugzeugs mit D\u00fcsenantrieb. Dieses h\u00e4tte Hitlers \u201eWunderwaffe\u201c\nwerden k\u00f6nnen \u2013 wenn am Ende nicht der Sprit gefehlt h\u00e4tte. (Die\nSnell-Study siehe:\nhttp:\/\/www.worldcarfree.net\/resources\/freesources\/American.htm)<\/p>\n\n\n\n<p>Nordhoff war ab Juli 1942\nLeiter des Opel-Lkw-Werks in Brandenburg (\u201eOpel-Blitz\u201c). Der Mann\nwar ab diesem Zeitpunkt NS-\u201eWehrwirtschaftsf\u00fchrer\u201c. Das\nOpel-Werk wurde als \u201eKriegsmusterbetrieb\u201c ausgezeichnet. Es \u2013\ndas hei\u00dft: seine Belegschaft, die zu einem wachsenden Teil aus\nZwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern bestand \u2013 lieferte bis\nKriegsende an die faschistische Wehrmacht 130.000 Fahrzeuge,\n\u00fcberwiegend Lkw. Nordhoff forderte von der Belegschaft, die \u201eKr\u00e4fte\nauf das eine Ziel zu konzentrieren, den deutschen Sieg.\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Stephan Krull zieht in\nseinem Buch \u00fcber VW und Porsche verst\u00f6rende Parallelen zu\nNordhoff-Ansprachen als VW-Chef in den 1950er Jahren, als dieser die\nBesch\u00e4ftigten weiter als \u201emeine Arbeitskameraden\u201c titulierte und\nt\u00f6nte:  \u201eSolange wir eine geschlossene Mannschaft bleiben, alle\nbereit, unser Bestes zu geben f\u00fcr die gemeinsame Sache\u201c). (Stephan\nKrull, Volksburg \u2013 Wolfswagen, Hannover 2013, S.71).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg\nwurde Nordhoff zun\u00e4chst als \u201eHauptschuldiger\u201c f\u00fcr\nNS-Verbrechen, doch dann bereits 1947 als \u201eentlastet\u201c eingestuft.\nDie britische Besatzungsmacht berief ihn am 7. November 1947 zum\nVW-Chef \u2013 offizieller Titel ab 1948: Generaldirektor der\nVolkswagenwerk GmbH. Nordhoff blieb bis zu seinem Tod 1968 Chef des\nbald wieder gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Autokonzerns.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Nordhoff gelang dem\nVW-Konzern bereits in den 1950er Jahren eine erste globale\nAusrichtung des Unternehmens u.a. mit Werken in Brasilien, Mexiko und\nS\u00fcdafrika. Es gab dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem\nApartheid-Regime in Pretoria und ab 1964 eine solche mit der\nMilit\u00e4rdiktatur in Brasilien. (Siehe Gaby Webers Recherchen:\n<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/politik-brasilien\/nicht-nur-an-der-diktatur-verdient-vw-hat-mitgemacht\/\">http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/politik-brasilien\/nicht-nur-an-der-diktatur-verdient-vw-hat-mitgemacht\/<\/a>).\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Nordhoff wird im R\u00fcckblick\noft daf\u00fcr kritisiert, dass er \u201ezu lange\u201c \u2013 bis zu seinem Tod \u2013\n\u201eam luftgek\u00fchlten Boxermotor im Heck\u201c (Wikipedia) und damit am\nKraft-durch-Freude-Wagen, wie er von Ferdinand Porsche f\u00fcr die\nNS-Wehrmacht entwickelt worden war, festgehalten hatte. Diese Kritik\nist nat\u00fcrlich berechtigt; schlie\u00dflich geriet VW 1974\/75 in der\nersten weltweiten Autokrise nach dem Zweiten Weltkrieg in eine tiefe\nKrise. Andererseits war es eben dieses einfache Pkw-Modell, das die\nMassenmotorisierung in einem nach dem Zweiten Weltkrieg relativ armen\nLand erm\u00f6glichte. Und es waren in vergleichbaren L\u00e4ndern zu\nvergleichbaren Zeiten vergleichbare Pkw-Modelle, die diese\nMassenmotorisierung erm\u00f6glicht hatten: Vor dem Ersten Weltkrieg und\nzwischen den beiden Weltkriegen Fords Tin Lizzy, nach dem Zweiten\nWeltkrieg Fiats \u201eTopolino\u201c und \u201eCinquecento\u201c in Italien und\ndie Modelle 2CV, R4 und Simca1000 in Frankreich.  Nordhoff: \u201eWir\nsind arm und Amerika ist reich. Deutschland sollte deshalb dorthin\nfolgen, wohin VW es f\u00fchrt \u2013 und nicht umgekehrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der KdF-Wagen steht \u2013\nwie der Fiat-Topolino in Italien \u2013 f\u00fcr den fast nahtlosen \u00dcbergang\nvon der R\u00fcstungsproduktion auf zivile Fertigung. Ach! Wie m\u00fchsam\nist doch oft das Gesch\u00e4ft f\u00fcr uns R\u00fcstungs- und Kriegsgegner, wenn\nwir \u2013 wie dies Anne Rieger bewundernswert im Fall der\nR\u00fcstungsindustrie tut \u2013 f\u00fcr Konversion eintreten: weg vom Auto,\nhin zu den \u201eProdukten\u201c, die eine Verkehrswende erm\u00f6glichen.\nSiehe meine 2018 ver\u00f6ffentlichte Arbeit zur Kritik der\n\u201eElektromobilit\u00e4t\u201c (isw-Report 112\/113).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Autobosse war\ndiese Konversion nie ein echtes Problem. Da wurde wiederholt \u2013 in\nden USA, in Japan, in Italien und in Deutschland \u2013 munter in beide\nRichtungen konvertiert: von zivil auf kriegerisch und von R\u00fcstung\nf\u00fcr den Krieg zur Hochr\u00fcstung f\u00fcr die Massenmotorisierung. Wie\nsagte es doch die NS-Gr\u00f6\u00dfe, zu diesem Zeitpunkt Oberbefehlshaber\nder deutschen Luftwaffe, Hermann G\u00f6ring, am 8. Juli 1938 vor\nAutomanagern: \u201eWas, meine Herren, bedeutet Ihr Werk gegen\u00fcber der\nNation? [\u2026] Was bedeutet das alles, wenn Sie eines Tages statt\nFlugzeugen Nachtt\u00f6pfe machen! Das ist ja einerlei\u2026\u201c\n(OMGUS-Report, Ermittlungen gegen die Deutsche Bank, Neuauflage 1985,\nS. 150).<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es. Es ist\neinerlei, ob Kampfflugzeuge oder Kampf-SUVs, ob  Bomber-Propeller\noder Porzellan-Nachtt\u00f6pfe, ob K\u00fcbel-Wagen oder VW-K\u00e4fer produziert\nwerden \u2013 solange der Profit stimmt.  \n<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Lee Iacocca \n(geboren 1924)<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Lee Iacocca repr\u00e4sentiert\nzun\u00e4chst den H\u00f6hepunkt der US-Autoindustrie. Er steht dann aber\nauch f\u00fcr den Niedergang der US-Autoindustrie und f\u00fcr die\nstaatlichen Eingriffe einer US-Regierung, die bis dahin den \u201efreien\nKapitalismus\u201c predigte. Obgleich der Gipfel seiner T\u00e4tigkeit als\nAutomanager in den 1970er und 1980er Jahre liegt, steht er f\u00fcr ein\nfr\u00fches staatlich-dirigiertes \u201eAmerica-first!\u201c-Programm, wie es\n35 Jahre sp\u00e4ter von Donald Trump gepredigt und praktiziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Iacocca 1946 seine\nerste T\u00e4tigkeit bei Ford aufnahm, stammten mehr als 80 Prozent aller\nAutos, die irgendwo auf der Welt hergestellt wurden, aus den USA \u2013\nund mehr als 90 Prozent  aller Autos, die irgendwo auf der Welt\nregistriert wurden, rollten zuvor \u00fcber die Flie\u00dfb\u00e4nder der den\nWeltmarkt monopolisierenden vier US-Autokonzerne GM, Ford, Chrysler\nund American Motors (der letztgenannte Konzern ging 1979 eine\nKooperation mit Renault ein und wurde 1987 von Chrysler \u00fcbernommen).\n 1980, auf dem H\u00f6hepunkt von Iacoccas Karriere, als dieser\nChrysler-Boss war, war der erstgenannte Anteil auf 25 Prozent und der\nzweite auf 35 Prozent zusammengeschrumpft. Dies war das entscheidende\nIndiz f\u00fcr den Niedergang der US-Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p>1970 bis 1978 war Iacocca\nPr\u00e4sident der Ford Motor Company, dem zweitgr\u00f6\u00dften Pkw-Hersteller\nder Welt. Der Eigent\u00fcmer und Erbe des Firmengr\u00fcnders, Henry Ford\nII, feuerte Iacocca 1978  aus ungekl\u00e4rten \u2013 offensichtlich\npers\u00f6nlichen \u2013Gr\u00fcnden. Iacocca stieg beim damals bereits maroden\nChrysler-Konzern, in Detroit die Nr. 3, ein. Er startete dort \u2013\neinem Hollywood-Drehbuch gleich \u2013 einen pers\u00f6nlichen Rachefeldzug\ngegen Ford und \u2013 so die eigenen und die vorherrschenden,\nverkl\u00e4renden Darstellungen \u2013 gegen den Rest der Autowelt.\nTats\u00e4chlich gelang die Chrysler-Sanierung zun\u00e4chst. Das deutsche\nGro\u00dfb\u00fcrgerblatt, hinter dem ein kluger Kopf vermutet wird,\nbilanzierte 1983: \u201eIacocca verdient alle Bewunderung, die ihm\nzuteil wird. Dass der Name Chrysler  in Amerika wieder einen guten\nKlang hat [\u2026] ist fast ausschlie\u00dflich sein Verdienst.\u201c\n(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Juli 1983). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wirklich \u2013 das\npers\u00f6nliche Verdienst von Lee A. Iacocca? In Wirklichkeit war der\nMann die Charaktermaske f\u00fcr einen beispiellos brutalen\nSanierungsprozess, der dennoch am Ende wirkungslos bleiben sollte:\nDie Chrysler-Auslandsengagements wurden alle abgesto\u00dfen (und damit\nu.a. die Pkw-Fabriken von Chrysler-Europe, Ex-Simca, sp\u00e4ter Talbot,\nin den Ruin getrieben; siehe W. Wolf auf NachdenkenSeiten\nhttps:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44879). Die verbliebene\nChrysler-Belegschaft wurde nochmals halbiert \u2013 von 133.000 auf\n65.000 Besch\u00e4ftigte. Die Automobilarbeitergewerkschaft UAW und die\nRestbelegschaft wurden zu massiven Lohn-Konzessionen erpresst. Vor\nallem erhielt Chrysler einen Staatskredit in einer damals kaum\nvorstellbaren H\u00f6he von 1,2 Milliarden US-Dollar (damals 4 Milliarden\nDM). Der Kredit wurde noch in den letzten Tagen der US-Regierung\nunter Jimmy Carter gew\u00e4hrt. Auf diese Weise konnte der nachfolgende\nUS-Pr\u00e4sident Ronald Reagan \u2013 zusammen mit seinen radikalen\nChicago-Boys, die nach au\u00dfen die reine Lehre vom freien Mark\npredigten \u2013 Lee A. Iacocca als Lichtgestalt und \u201eF\u00fchrer der\nfreien Wirtschaft\u201c lobpreisen. Was diesem wiederum dazu verhalf,\ndass sein Buch \u201eIacocca \u2013 eine amerikanische Karriere\u201c ein\nWelterfolg wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Chrysler aber wurde\n\u00fcber drei Jahrzehnte hinweg ein Sanierungs- und Pleitefall. Siehe\nunten unter \u201eSergio Marchionne\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr lehrreich sind die\nS\u00e4tze, die Iacocca \u00fcber die Chrysler-Sanierung schrieb \u2013\nallerdings zu einem Zeitpunkt, als alle Welt noch glaubte, die\nSanierung sei gelungen: \u201eWir mussten viele Leute feuern [\u2026] Es\nist wie im Krieg. Wir haben gesiegt, doch mein Sohn ist nicht\nzur\u00fcckgekehrt. Es gab Not und Elend. Existenzen wurden zerst\u00f6rt,\nEltern mussten ihre Kinder vom College nehmen, begannen zu trinken,\nlie\u00dfen sich scheiden. Den Konzern als Ganzes haben wir gerettet,\naber nur um einen enormen pers\u00f6nlichen Preis, der vielen Menschen\nabverlangt wurde.\u201c (Eine Amerikanische Karriere, D\u00fcsseldorf und\nWien 1985, S.290f).<\/p>\n\n\n\n<p>Iacocca pers\u00f6nlich wurde\neher wenig abverlangt. Der Mann wurde und ist Multimillion\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Osamu Suzuki\n(geboren 1930)<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser Autotycoon (den\nNamen Suzuki erhielt er durch Einheirat in den Suzuki-Clan) steht f\u00fcr\ndreierlei: Erstens f\u00fcr den Aufstieg eines japanischen\nR\u00fcstungskonzerns, der nach dem Zweiten Weltkrieg zivile Produkte\nherstellt. Zweitens f\u00fcr den Aufstieg des japanischen Kapitalismus in\nden 1970er Jahren zu einem der vier gro\u00dfen imperialistischen\nPlayern. Und schlie\u00dflich drittens f\u00fcr die Aufstieg eines\njapanischen Autokonzerns zu einem Global Player, der zur Gruppe der\nzehn gr\u00f6\u00dften Autokonzerne z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Unternehmen Suzuki\nhatte sich im Zweiten Weltkrieg als Teil des japanisch-industriellen\nKomplexes (u.a. mit der Herstellung von Munition) zu einem\nma\u00dfgeblichen Unternehmen des japanischen Kapitalismus gemausert.\nNach dem Weltkrieg startete der Konzern mit der Fertigung von\nLandmaschinen,  Heizungsl\u00fcftern und Webst\u00fchlen. Ab den 1950er\nJahren dominierten Motorr\u00e4der das Gesch\u00e4ft. 1955 wurde der erste\nSuzuki-Kleinwagen vorgestellt. Bis heute ist Suzuki auf Kleinwagen\nspezialisiert; anders als VW  oder Ford oder Fiat blieb der Konzern\nbei dieser Spezialisierung und konzentriert sich damit auf die\nkaufkr\u00e4ftige Massennachfrage in den kapitalistischen Zentren \u2013 und\nnicht zuletzt in \u201eemerging markets\u201c wie Indonesien, Thailand  und\nIndien. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Osamu Matsuda \u2013 sp\u00e4ter\nOsamu Suzuki \u2013 begann seine Karriere bei der Suzuki Motor\nCorporation 1958. Er ist die Personifizierung der genannten\nFirmenphilosophie. Er steht seit 1978 und nunmehr seit vier \nJahrzehnten an der Spitze des Autoherstellers und gilt als der \u201eam\nl\u00e4ngsten amtierende F\u00fchrer der weltweiten Autoindustrie\u201c\n(Wikipedia; englisch). Er baute Suzuki zum Weltkonzern aus, indem er\nbewusst die Konfrontation mit den real oder scheinbar \u201eganz Gro\u00dfen\u201c\nmied und zugleich dem Verdr\u00e4ngungswettbewerb auf den gro\u00dfen,\nges\u00e4ttigten Autom\u00e4rkten in Nordamerika und Westeuropa weitgehend\naus dem Weg ging. Stattdessen eroberte Suzuki die Autom\u00e4rkte in\nThailand, Indonesien, auf den Philippinen, in Pakistan, Bangladesch,\nVietnam, S\u00fcdkorea, \u00c4gypten \u2013 und nicht zuletzt in Indien, wo\nSuzuki mit seiner \u2013 aus eigenen Kr\u00e4ften aufgebauten \u2013 Tochter\nMaruti der unangefochtene Marktf\u00fchrer ist. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als die Konkurrenz\nging Suzuki nicht das Risiko gro\u00dfer \u00dcbernahmen ein (wie dies VW mit\nSeat und Skoda; Daimler mit Fokker, Chrysler und Mitsubishi, Renault\nmit Nissan und Mitsubishi, Peugeot mit Citroen, Talbot und Opel, BMW\nmit Rover oder Ford mit Saab und Volvo getan hatten). Aktuell\nproduziert Suzuki in 31 L\u00e4ndern und dort in 60 Fabriken.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zur\u00fcckhaltung wurde\nzwei Mal aufgegeben. 2010 ging Osamu Suzuki ein enges B\u00fcndnis mit VW\nein. VW \u00fcbernahm in diesem Zusammenhang sogar 19,9 Prozent des\nSuzuki-Aktienkapitals. Als der VW-Mehrheitsaktion\u00e4r Ferdinand Piech\ndann jedoch \u00fcberheblich davon quasselte, Suzuki werde \u201edie n\u00e4chste\nMarke\u201c im VW-Imperium, zog Osama Suzuki die Notbremse. Die\nVerbindung wurde getrennt; ein veritabler Rosenkrieg zwischen den\nAuto-Patriarchen Piech und Suzuki wurde in aller \u00d6ffentlichkeit und\nvor Gerichten ausgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>2016 gab es den n\u00e4chsten\nPaukenschlag. Die Bosse von Toyota \u2013 Akio Toyoda \u2013 und von Suzuki\n\u2013 Osamu Suzuki \u2013 verk\u00fcndeten, zuk\u00fcnftig eine enge Allianz\nbilden und insbesondere auf dem Kleinwagen-Sektor zusammenarbeiten zu\nwollen. Dabei will Toyota insbesondere die Tochter Daihatsu mit\nSuzuki zusammenbringen. Im Mai 2018 verk\u00fcndeten beide Unternehmen,\ndass die Zusammenarbeit vertieft und konkretisiert wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das aber w\u00fcrde hei\u00dfen,\ndass die Nummer 1 und die Nr. 10 der weltgr\u00f6\u00dften Autohersteller den\nWeltautomarkt revolutionieren und zumindest rein rechnerisch mit\ngro\u00dfem Abstand zur Konkurrenz an die Weltspitze vorr\u00fccken w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Sergio Marchionne\n(1962-2018)<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Sergio Marchionne f\u00e4llt\nim Kreis der hier vorgestellten Autobosse aus dem Rahmen. Nicht nur\nhinsichtlich seiner vogelwilden Pers\u00f6nlichkeit. Marchionne war \u2013\nim Gegensatz zu allen anderen hier vorgestellten Autobossen \u2013 nie\nein Mann mit \u201eBenzin im Blut\u201c: Der Sohn eines Carabinieri  war\nbranchenfremd, als er 2004 an die Spitze von Fiat berufen wurde.\nDennoch l\u00e4sst sich der Nonkonformist hinsichtlich seiner Rolle in\nder Weltautobranche charakterisieren: Marchionne steht \u2013 so sehr er\nals Sanierer gelobt wird \u2013 in dreifacher Weise f\u00fcr <em>Niedergang<\/em>.\nErstens f\u00fcr den Niedergang der US-Autoindustrie.  Zweitens f\u00fcr den\nNiedergang der italienischen Autoindustrie. Und drittens f\u00fcr den\nNiedergang des italienischen Kapitalismus als Resultat des\nteutonischen Euro-Regimes.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach au\u00dfen hatte der Mann\nErfolg. Als er Fiat \u00fcbernahm, schien die Fabbrica Italiana\nAutomobili Torino, deren Kurzform \u201eFiat\u201c lateinisch auch  hei\u00dft\n\u201eEs werde!\u201c [welch ein branding!], vor der Pleite zu stehen. \u201eWir\nverlieren Tag f\u00fcr Tag zwei Millionen Euro\u201c \u2013 so Marchionnes\nAnalyse beim Amtsantritt. Und wie das im Kapitalismus so ist: In\nsolchen Zeiten am Abgrund d\u00fcrfen Frauen beziehungsweise\nBranchenfremde ans Ruder. Unter Marchionnes F\u00fchrung hat sich die\nZahl der im Fiat-Konzern<em> weltweit <\/em>gefertigten\nAutos mehr als verdoppelt (von 2 Millionen auf 4,7 Millionen\nEinheiten). Der Konzern ist aktuell profitabel. Auch konnte der\nAutohersteller von einem weitgehend auf Europa konzentrierten\nUnternehmen zu einem Konzern umgebaut werden, der zumindest in drei\nder f\u00fcnf gro\u00dfen Kernm\u00e4rkte  f\u00fcr Autos passabel vertreten ist: in\nWesteuropa, in Nordamerika und in Lateinamerika.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir bei <em>Niedergang\nNummer 1<\/em> w\u00e4ren. Fiat stieg 2009 bei dem\nUS-Konzern Chrysler, der \u2013 ebenso wie GM \u2013 in der gro\u00dfen Krise\n2007-2009 \u2013 Konkurs anmelden und vom US-Staat mit gewaltigen\nSteuermilliarden gerettet werden musste, zun\u00e4chst mit einem\n20-Prozent-anteil ein. GM steht heute wieder auf eigenen Beinen, ist\naber seither strukturell deutlich geschw\u00e4cht \u2013 auch weil das\nUnternehmen wichtige internationale Allianzen  (so eine solche mit\nSuzuki) und eine wichtige Tochter (Opel bzw. Vauxhall) aufgeben\nmusste. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Chrysler-Konzern, der\nvon dem Italo-Amerikaner Iacocca angeblich \u201egerettet\u201c  wurde (und\nder 1998 bis 2004 Teil des Daimler-Imperiums war), wurde jetzt\nausgerechnet von dem Italo-Kanadier Marchionne in den Fiat-Konzern\nintegriert. (Die vollst\u00e4ndige Integration erfolgte erst 2014). Damit\nist die US-Autoindustrie substanziell geschw\u00e4cht. Sie hat siebzig\nJahre lang die Weltbranche Auto dominiert. Sie befindet sich seit den\n1970er Jahren auf dem R\u00fcckzug. Sie wurde in der Krise 2007\/2009\nendg\u00fcltig aus dem Rennen um den Spitzenplatz geworfen. Das Statement\ndes Barack-Obama-Teams im Jahr 2012 \u201eOsama bin Laden ist tot \u2013\nGeneral Motors lebt\u201c erwies sich als doppelt falsch. GM z\u00e4hlt\nheute eher zu den walking deads. Und aus dem US-Krieg gegen den\nTerrorismus erwachsen immer m\u00e4chtigere sogenannte terroristische\nGruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den <em>Niedergang\nNummer zwei<\/em> orchestrierte Marchionne\nh\u00f6chstpers\u00f6nlich (wobei John Elkann, der Erbe der Eignerfamilie\nAgnelli, ihn dabei offensiv unterst\u00fctzte). Fiat ist faktisch seit\neinigen Jahren zerschlagen. 2014 wurde die letzte\nFiat-Hauptversammlung in Turin abgehalten. Seither liegt der\nFirmensitz in Amsterdam und der steuerliche Sitz in London. Die\nLkw-Sparte wurde abgespalten. Wichtige Industriebeteiligungen sind\nverkauft. Die aktuellen Gewinne des Konzern sind in starkem Ma\u00df\nabh\u00e4ngig vom \u2013 derzeit noch prosperierenden \u2013 Markt f\u00fcr SUVs;\nes handelt sich vor allem um Profite aus dem Verkauf von Pkw der\nMarken Jeep, Dodge, Renegade und RAM und von Luxus-Pkw (Alfa Romeo,\nFerrari, Maserati, Lancia). Der Kleinwagenbereich \u2013 urspr\u00fcnglich\ndie St\u00e4rke von Fiat \u2013 wurde massiv zur\u00fcckgefahren. In China ist\nFiat nur marginal vertreten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Damit aber kann\nvorhergesagt werden: In der n\u00e4chsten Wirtschaftskrise wird der\nAutohersteller Fiat existenziell gebeutelt werden. Und es war\nMarchionne selbst gewesen, der eine Zukunft von Fiat nur in einem\nZusammengehen mit einem der ganz Gro\u00dfen sah. F\u00fcr ein solches\nProjekt aber erhielt er kein gr\u00fcnes Licht \u2013 oder es fehlte ihm\ndaf\u00fcr das eine und andere Jahr. Die \u201eFrankfurter Allgemeine\nZeitung\u201c bilanzierte bereits 2014: \u201eL\u00e4ngst ist eingetreten, was\nsich vor wenigen Jahren weder italienische \u00d6konomen noch\nGewerkschafter vorstellen konnten: Italien ist keine bedeutende\nAutonation mehr.\u201c (2. August 2014) \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Drama, das Marchionne\nverk\u00f6rpert, wird durch den <em>Niedergang Nummer\ndrei<\/em> vollkommen. In den vergangenen zwei\nJahrzehnten wurde die Autofertigung in Italien radikal gekappt. Die\nPkw-Produktion im Land \u2013 die fast ausschlie\u00dflich von Fiat\n(zusammen mit den Fiat-T\u00f6chtern Alfa Romeo, Lancia und Ferrari)\nbestimmt wird \u2013 lag 1990 noch bei 1,9 Millionen Fahrzeugen. 2017\nwaren es nur noch etwas mehr 700.000 Einheiten. In Krisenzeiten \u2013\nso im Jahr 2013 \u2013 lag diese Zahl sogar bei weniger als 400.000. Zu\ndiesem Niedergang  seit der Einf\u00fchrung des Euro. Und dies aus gutem\nGrund \u2013 konkretisiert f\u00fcr ein typisches Fiat-Produkt. In fr\u00fcheren\nZeiten konnte das Fiat-Mittelklasse-Modell Ritmo (sp\u00e4ter der Fiat\nUno) gegen das Modell Golf von VW relativ erfolgreich konkurrieren,\nweil die nationale W\u00e4hrung Lire immer weder stark abgewertet wurde.\nAllein im Zeitraum M\u00e4rz 1979 bis August 1993 verlor diese gegen\u00fcber\nder Deutschen Mark 52 Prozent ihres Werts. Rein rechnerisch\nverbilligte sich damit der Preis des Ritmo bzw. des Uno auf dem\ndeutschen Markt (und auf M\u00e4rkten, die eng mit der DM verbunden\nwaren) im selben Ma\u00df. Diese M\u00f6glichkeit gibt es seit 1999 nicht\nmehr. Auch aus diesem Grund hat Fiat gro\u00dfe Teile seiner\nAutoproduktion in Nicht-Euro-L\u00e4nder wie Polen und USA ausgelagert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei Fiat hier\nstellvertretend f\u00fcr die Krise des italienischen Kapitalismus steht.\nDer Weltmarktanteil Italiens hat sich seit 1980 auf 2,3 Prozent\nhalbiert. 1995 war Italien der sechstgr\u00f6\u00dfte Exporteur der Welt;\n2017 lag das Land auf Rang 10. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem befindet sich\nItalien seit einem Jahrzehnt in einer Stagnationsphase. Das Land\nwerkelt  im Vorkrisenmodus. Oder auch: Es torkelt am Rande des\nAbgrunds. Die \u00f6ffentlichen Schulden Italiens lagen 1980 bei 60\nProzent des Bruttoinlandsprodukts, bei der Euroeinf\u00fchrung betrug\ndiese Quote 100 Prozent; 2017 wurden 130 Prozent erreicht. Damit aber\nliegt die italienische Schuldenquote nur wenig unter dem Niveau, das\nGriechenland am Beginn der gro\u00dfen Krise dieses Landes, 2010,\nerreicht hatte. Wobei die absolute Summe der \u00f6ffentlichen Schulden\nItaliens in H\u00f6he von 2,5 Billionen Euro das Achtfasche der\ngriechischen Schulden ausmacht. Es gibt gute Gr\u00fcnde davon\nauszugehen, dass \u2013 wie es in einer Analyse des britischen\n\u201cIndependent\u201c vom 4. Juli 2018 hei\u00dft, \u201eItaly could face the\nperfect storm\u201c, dass Italien im Fall der n\u00e4chsten weltweiten Krise\nvor einem perfekten Orkan stehen k\u00f6nnte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>[https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/business\/comment\/italy-new-recession-eurozone-china-ashoka-mody-european-central-bank-a8430486.html]<\/p>\n\n\n\n<p>Italien als Industriestaat\nin der Euro-Zwangsjacke befindet sich auf der Verliererstra\u00dfe. Just\ndies war auch der Befund von Sergio Marchionne. Dessen Kernaussage\nlautete, dass man im Heimatland des Turiner Autobauers nicht\nprofitabel produzieren k\u00f6nne. Als Beispiel f\u00fchrte er an, dass von\ndem jeweiligen operativem Ertrag von Fiat so gut wie kein Euro in\nItalien selbst verdient werde. Falls sich die Situation im \u201ebel\npaese\u201c nicht grundlegend \u00e4ndern werde, s\u00e4he sich \u2013 so\nMarchionne \u2013 der Autokonzern gezwungen, seine Produktion\nschrittweise ins Ausland zu verlagern. Was er tat. Und was weiter \u2013\nnunmehr ohne Marchionne &#8211; erfolgen wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei\nder Mann mit dem Pullover nicht nur auf Pressekonferenzen \nhemds\u00e4rmelig Wahrheiten sagte. Er trat auch gegen\u00fcber den\nBesch\u00e4ftigten in Detroit oder Turin hemds\u00e4rmelig auf und verlangte\nLohnverzicht auf Lohnverzicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Da\nwaren Lee A. Iacocca und Sergio Marchionne derselben Auffassung.\nBeide argumentierten: \u201eWir befinden uns im Krieg\u201c. Es handelt\nsich um einen Krieg gegen Umwelt, St\u00e4dte, Klima und Besch\u00e4ftigte. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Verfasst f\u00fcr: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45210\">Nachdenkseiten<\/a>, 28. Juli 2018 <\/strong><\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Tods von Sergio Marchionne Mit Sergio Marchionne starb eine markante Figur der internationalen Autoindustrie, derjenigen Branche, die in den gro\u00dfen f\u00fchrenden Industriel\u00e4ndern USA, China, Japan, Deutschland, Frankreich, S\u00fcdkorea und Italien Leitbranche ist, die den Weltkapitalismus formt und die zugleich seit 1974 auch den Zyklus der Weltkonjunktur ma\u00dfgeblich bestimmt. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328"}],"collection":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=328"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":421,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions\/421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/winfriedwolf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}