{"id":356,"date":"2018-02-15T13:59:11","date_gmt":"2018-02-15T12:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=356"},"modified":"2020-01-19T14:05:19","modified_gmt":"2020-01-19T13:05:19","slug":"oepnv-nulltarif-in-wuerselen-nein-bundesweit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=356","title":{"rendered":"\u00d6PNV-Nulltarif in W\u00fcrselen? Nein, bundesweit!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\nRecht\nhat sie, die GroKo! 71 Prozent wollen den \u00d6PNV-Null-Tarif wie im\nJanuar 2018 eine von Prof. Peter Grottian in Auftrag gegebene\nrepr\u00e4sentative Meinungsumfrage ergab. Das ist wesentlich mehr, als\ndie GroKo an Zustimmung erh\u00e4lt, n\u00e4mlich schlaffe 49 Prozent. <br>Warum\naber kein k\u00fchner Schritt?  Warum diese absurde Auswahl? Nulltarif in\nMannheim, Reutlingen, Herrenberg, Essen und Bonn! Warum dann nicht in\nW\u00fcrselen? \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nVor\nallem muss die Visitenkarte Berlin dabei sein! W\u00e4hrend in Mannheim\nnur jeder dritte und in Reutlingen gar nur jeder vierte Haushalt kein\nAuto hat, gilt f\u00fcr Berlin das Alleinstellungsmerkmal: Jeder zweite\nHaushalt hat kein Auto!<\/p>\n\n\n\n<p>\nZu\nteuer? L\u00e4cherlich!  Hierzulande betr\u00e4gt das\nPro-Kopf-Bruttoinlandseinkommen 38.000 Euro; in Estland sind es\n15.800 Euro. Doch Talinn hat Nulltarif! Was das arme Estland schafft,\ndas muss das reiche Deutschland gewuppt kriegen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nNun\ngibt es drei Gefahren bei dem Projekt: Blo\u00df nicht Hauruck! Blo\u00df\nkeine Milliardenforderungen! Blo\u00df nicht einseitig!<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nGefahr ist gro\u00df, dass ein <em>Hauruck-Nulltarif<\/em>\n beschlossen, verk\u00fcndet und treffsicher in den Sand gesetzt wird.\nEine solche \u2013 f\u00fcr heute: lehrreiche! \u2013 Groteske gab es in\nWestdeutschland 1985 beim &#8222;Gro\u00dfversuch Tempolimit&#8220;! Damals\nwurde heftig \u00fcber das \u201eWaldsterben\u201c, was auch durch\nAutoschadstoffe ausgel\u00f6st wurde, diskutiert. Als Reaktion f\u00fchrte\ndie Kohl-Regierung ab Februar 1985 auf ausgew\u00e4hlten Autobahnstrecken\neinen &#8222;Gro\u00dfversuch Tempolimit&#8220; durch, um dann im November\n1986 zu behaupten, das Experiment habe gezeigt, ein Tempolimit\nbr\u00e4chte keine relevante Schadstoff-Minderung. Doch der &#8222;Gro\u00dfversuch&#8220;\nwar von vornherein auf Scheitern angelegt: Auf den ausgew\u00e4hlten\nVersuchsstrecken gab es keine Radar\u00fcberwachung, das Einhalten der\nTempolimits war &#8222;rein freiwillig&#8220;; weniger als 30 Prozent\nder Autofahrer hielten sich daran. Doch seither \u2013 immerhin seit 33\nJahren! \u2013 ist ein Tempolimit auf den BRD-Autobahnen vom Tisch.\nObgleich auch hier eine deutliche Mehrheit in der Bev\u00f6lkerung  eine\nGeschwindigkeitsbegrenzung w\u00fcnscht, herrscht die nach oben offene\nRaserskala. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt gibt es das Argument, ein \u00d6PNV-Nulltarif koste Dutzende Milliarden Euro. Auch damit kann man die Forderung totrechnen. Wer \u00d6PNV-Nulltarif fordert, sollte betonen: Geld ist genug da &#8211; im Verkehrsbereich! Allein die Subventionen in den Bereichen Diesel-Pkw, der steuerlichen Beg\u00fcnstigung von Gesch\u00e4fts- und Elektro-Pkw belaufen sich pro Jahr auf rund 17 Milliarden Euro. F\u00fcr zerst\u00f6rerische Gro\u00dfprojekte wie Stuttgart 21 (weitere 7 Mrd. Euro), &#8222;Mottgers-Spange&#8220; (Hochgeschwindigkeitsbahn durch den Spessart; 1 Mrd. Euro), Fehmarnbelt-Anbindung (2 Mrd. Euro) und einen neuen M\u00fcnchner S-Bahn-Tunnel (6 Mrd. Euro) will die GroKo in den kommenden vier Jahren rund 15 Milliarden Euro ausgeben. Alle diese Projekte haben gemeinsam: Sie binden gigantische Milliarden-Summen im Verkehrssektor und konterkarieren die Zielen einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Zu fordern ist, dass diese Gelder eingesetzt werden zur finanziellen Unterf\u00fctterung des \u00d6PNV-Nulltarifs.<br><br>Schlie\u00dflich gibt es das Argument, ein \u00d6PNV-Nulltarif  w\u00fcrde die bestehenden \u00d6PNV-Systeme \u00fcberfordern. Daf\u00fcr g\u00e4be es keine Kapazit\u00e4ten. Richtig ist, dass ein \u00d6PNV-Nulltarif zu Fahrgastzuw\u00e4chsen von 30 bis 40 Prozent f\u00fchrt. Daf\u00fcr muss Vorsorge getroffen werden. Die Takte bei S-, U- und Trambahnen und erst recht bei Bussen k\u00f6nnen teilweise kurzfristig erh\u00f6ht werden \u2013 u.a. indem neues Personal eingestellt wird. In einem Zeithorizont von drei Jahren k\u00f6nnen auch neues Wagenmaterial beschafft und damit Arbeitspl\u00e4tze im ostdeutschen Waggonbau geschaffen werden. <br>Vor allem jedoch muss ein \u00d6PNV-Nulltarif eingebettet sein in eine <em>Gesamtkonzeption<\/em>: So m\u00fcssen u.a. die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Fahrradverkehrswachstum optimal genutzt werden &#8211; was kurzfristig machbar ist und den Ansturm auf \u00d6PNV mildert. <br><br>Und nat\u00fcrlich sollte das mittelfristige Ziel ein <em>bundesweiter \u00d6PNV-Nulltarif<\/em> sein. Damit lie\u00dfen sich die klimapolitischen Versprechen einhalten. Die Lebensqualit\u00e4t in den St\u00e4dten w\u00fcrde deutlich erh\u00f6ht. In der Gesamtbilanz  g\u00e4be es enorme Einsparungen in den Bereichen \u00dcberwachung, Sicherheit und Kontrollen, eine Reduktion bei den gigantischen externen Kosten des Autoverkehrs und einen deutlichen R\u00fcckgang  bei den Stra\u00dfenverkehrstoten und Verletzten.  <\/p>\n\n\n\n<p> <em><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1079903.kostenloser-oepnv-weniger-verkehrstote-durch-umsonstfahren.html\">Erschienen<\/a> in der Tageszeitung \u201eNeues Deutschland (ND)\u201c am 19 M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Recht hat sie, die GroKo! 71 Prozent wollen den \u00d6PNV-Null-Tarif wie im Januar 2018 eine von Prof. Peter Grottian in Auftrag gegebene repr\u00e4sentative Meinungsumfrage ergab. Das ist wesentlich mehr, als die GroKo an Zustimmung erh\u00e4lt, n\u00e4mlich schlaffe 49 Prozent. Warum aber kein k\u00fchner Schritt? Warum diese absurde Auswahl? 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