{"id":401,"date":"2011-09-20T23:14:03","date_gmt":"2011-09-20T21:14:03","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=401"},"modified":"2020-08-27T08:42:36","modified_gmt":"2020-08-27T06:42:36","slug":"der-aktuelle-mobilitaetswahn-und-der-revolutionaere-griff-zur-notbremse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=401","title":{"rendered":"Der aktuelle Mobilit\u00e4tswahn und der revolution\u00e4re Griff zur Notbremse"},"content":{"rendered":"\n<h2> Vorwort zu: <em>Auf allen Wegen \u2013 Mobilit\u00e4t gestern \u2013 heute \u2013 morgen<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p> <em><strong>Buch-Kollektion der Frankfurter Buchmesse 2011<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p>\nAlle\nreden vom Boom der Elektroautos. Ein Zitat: \u201eBei den\nElektromobilherstellern herrscht Goldgr\u00e4berstimmung. Die\nMarktprognosen versprechen bis zu einer Million verkaufter E-Mobile\nin den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren.\u201c Das war allerdings 1991 zu lesen \u2013\nin der VCD-Zeitschrift \u201eFairkehr\u201c (3\/1991). Heute, zwei\nJahrzehnte sp\u00e4ter, gibt es in Deutschland gerade mal 2.300\nElektroautos. Und es gibt die Aussage der Berliner Regierung, wonach\nes \u2013 nun aber dalli, dalli! \u2013 bis zum Jahr 2020 eine Million\nE-Mobile geben soll. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nVor\nzwei Jahrzehnten bezog sich die eine Million E-Autos auf einen\nPkw-Park von 30 Millionen, was einem Anteil von 3,3 Prozent\nentsprochen h\u00e4tte. Im Jahr 2020 w\u00fcrde sich die eine Million\nElektro-Pkw auf eine Gesamt-Pkw-Flotte von 53 Millionen Pkw beziehen.\nDer Anteil ist auf unter zwei Prozent gesunken. Selbst wenn all die\nTr\u00e4ume wahr werden w\u00fcrden, h\u00e4tten wir dann drei Jahrzehnte Warten\nauf das erste Milli\u00f6nchen Elektroautos bei gleichzeitiger Reduktion\ndes versprochenen \u2013 ohnehin extrem niedrigen \u2013 Anteils der\nE-Autos am Gesamt-Pkw-Park auf rund die H\u00e4lfte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDennoch\nwurde die Internationale Automobilausstellung (IAA) vom September\n2011 als \u201egr\u00fcne Autoschau\u201c gepriesen. Im Zentrum standen der\nHype um die \u201eElektromobilit\u00e4t\u201c, \u201eneue Nutzungsformen\u201c des\nAutos wie \u201eCar2Go\u201c und \u201eCarsharing\u201c und die Versprechen einer\nReduktion der Pkw-Emissionen durch \u201eBiokraftstoffe\u201c und\n\u201eschadstoffarme Motoren\u201c. Auch in den Verkehrssektoren Schiene,\nLuft und G\u00fcterverkehr stehen gr\u00fcne Ideen hoch im Kurs: ICE-Verkehre\nsollen weiter ausgebaut werden; der Luftverkehr soll durch die\nLuftverkehrsabgabe umweltfreundlicher werden. Der\nSchieneng\u00fcterverkehr legt laut Bundesregierung deutlich zu. Und\nselbst die Gigaliner br\u00e4chten, so Bundesverkehrsminister Peter\nRamsauer, \u00d6kovorteile, da bei deren Einsatz aus drei Lkw-Fahrten\nzwei werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBesonders\naufgefallen ist mir in den IAA-Tagen eine in den gro\u00dfen\nTageszeitungen auf zwei Seiten platzierte Werbung der VW-Tochter mit\ndem Slogan \u201eVorsprung durch Technik\u201c. \u201eAudi connect\u201c lautete\ndie \u00dcberschrift. Geboten werden sollte ein Blick auf \u201eDie Zukunft\nvernetzter Mobilit\u00e4t\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nw\u00e4re doch wirklich eine gute Sache: <em>vernetzte Mobilit\u00e4t<\/em>.\nWobei ich mir herausnehme, unter Mobilit\u00e4t <em>alle <\/em>Formen des\nmenschlichen Bewegens \u2013 insbesondere auch die nicht motorisierten \u2013\nzu verstehen und die lateinischen W\u00f6rter \u201emobilitas\u201c und\n\u201emobilis\u201c nicht mit \u201eKilometerfra\u00df\u201c und \u201eall\u00fcberall\npr\u00e4sent\u201c zu \u00fcbersetzen, sondern mit \u201eum den eigenen\nLebensmittelpunkt beweglich sein\u201c und \u201edie entscheidenden\nMobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse in optimaler Reichweite haben\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nVergleichbares\nwurde vor einem guten halben Jahrhundert von dem sozialdemokratischen\nj\u00fcdischen Berliner Verkehrsplaner Martin Wagner formuliert: \u201eDas\nVerkehrsbed\u00fcrfnis eines Gro\u00dfst\u00e4dters westlicher Zivilisation\nbel\u00e4uft sich pro Jahr und Nase auf etwa 1.000 Zielbewegungen, von\ndenen etwa 650 fu\u00dfl\u00e4ufigen Charakter h\u00e4tten, wenn sie vom\nSt\u00e4dteplaner richtig geplant worden w\u00e4ren. Von denen die restlichen\nmit Hilfe von privaten und \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar\nsind.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup>\nWagners Feststellung vom \u201ekonstanten Verkehrsbed\u00fcrfnis\u201c hat bis\nheute G\u00fcltigkeit: Die Zahl der f\u00fcnf Verkehrsbed\u00fcrfnisse, der\n\u201eZielbewegungen\u201c oder Fahrten erstens zur Arbeit, zweitens zur\nAusbildungsst\u00e4tte, drittens zum Einkaufen, viertens zu\nErholungszwecken und f\u00fcnftens in den Urlaub blieb im Gro\u00dfen und\nGanzen konstant. Ge\u00e4ndert hat sich in erster Linie die Entfernung,\ndie zwischen dem Lebensmittelpunkt und den Zielpunkten all dieser\nf\u00fcnf Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse liegt. W\u00e4hrend ein deutscher B\u00fcrger\n1965 (als allgemein von einer Wohlstands- und Konsumgesellschaft die\nRede war) rund 6.600 Kilometer an so definierten Bewegungen\nmotorisiert zur\u00fccklegte, sind es heute mit 13.000 Kilometern fast\ndoppelt so viele.<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup>\nDie Folgen dieser Art gesteigerter Zwangsmobilit\u00e4t sind f\u00fcr Mensch,\nUmwelt und Klima verheerend. Die verf\u00fcgbaren Daten f\u00fcr die\nMobilit\u00e4t der n\u00e4heren Zukunft deuten darauf hin, dass dieser\ndesastr\u00f6se Trend gesteigert wird. Auf drei Ebenen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Automobilit\u00e4t:<\/strong>\nDie Zahl der Pkw hat sich weltweit zwischen 1985 und 2010 von 335\nMillionen auf eine knappe Milliarde verdreifacht, w\u00e4hrend sich die\nWeltbev\u00f6lkerung \u201enur\u201c von 4,85 auf 6,9 Milliarden Menschen oder\num 42 Prozent vergr\u00f6\u00dferte. Dabei hat in den letzten Jahren in den\nSchwellenl\u00e4ndern eine massive <em>Beschleunigung <\/em>der\nAutomotorisierung eingesetzt. F\u00fcr eine weitere Verdopplung der\nPkw-Zahl bis 2025 werden gegenw\u00e4rtig die Investitionen get\u00e4tigt.\nSelbst in sogenannten ges\u00e4ttigten Autom\u00e4rkten w\u00e4chst die Pkw-Zahl\n\u2013 teilweise in absurden Relationen. In Deutschland geht derzeit die\nBev\u00f6lkerungszahl Jahr f\u00fcr Jahr um 200.000 zur\u00fcck, w\u00e4hrend die\nZahl der zugelassenen Pkw pro Jahr um 200.000 w\u00e4chst.<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Flugverkehr:<\/strong>\nKeine Personenverkehrsart w\u00e4chst schneller als der Flugverkehr. Im\nZeitraum 1995 bis 2010 hat sich der Weltflugverkehr verdoppelt.<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup>\nBis 2025 soll er sich nochmals verdoppeln. In Peking entsteht derzeit\nder gr\u00f6\u00dfte Flughafen der Welt \u2013 mit einer Kapazit\u00e4t von 200\nMillionen Passagieren pro Jahr \u2013 das ist fast so viel, wie heute\ndie drei gr\u00f6\u00dften Airports der Welt (Atlanta, Peking und Chicago\nO\u2019Hare) zusammen bew\u00e4ltigen. Auch hier gilt: Warum in die Ferne\nschweifen, der Verkehrswahn liegt so nah: Zwischen 1995 und 2010\nwuchsen in Deutschland die Inlandsfl\u00fcge um 60 Prozent, w\u00e4hrend der\nSchienenfernverkehr stagnierte. EADS\/Airbus pr\u00e4sentierte j\u00fcngst\nPl\u00e4ne zum Bau eines verl\u00e4ngerten A380 \u2013 f\u00fcr bis zu 1.000\nPassagiere.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>G\u00fcterverkehr:<\/strong>\nAuch der Warenverkehr hat sich vom Wachstum der Bev\u00f6lkerung und des\nBruttoinlandsprodukts weitgehend abgekoppelt. Das weltweite\nBruttoinlandsprodukt verdoppelte sich zwischen 1980 und 2000. Der\nWelthandel \u2013 in US-Dollar bewertet \u2013 hat sich im gleichen\nZeitraum verdreifacht. Die <em>physischen <\/em>G\u00fctertransporte haben\nsich mehr als vervierfacht. Der Containertransport w\u00e4chst seit 1990\nsogar pro Jahr um rund 10 Prozent; er verdoppelt sich damit in 7,5\nJahren und hat sich in f\u00fcnfzehn Jahren bereits vervierfacht. Die\nrealen Austauschprozesse haben oft wenig mit Wohlstandsvermehrung zu\ntun. Deutschland exportiert ebenso viel Tierfutter, wie es\nimportiert. Gro\u00dfbritannien importiert eben so viel Schweinefleisch,\nwie es exportiert. Das kleinste und sparsamste VW-Modell, der Fox,\nhat einen besonders langen Transportweg \u2013 er wird ausschlie\u00dflich\nin Brasilien hergestellt. Die Transportintensit\u00e4t \u2013 die in einer\nWare von ein und derselben Qualit\u00e4t steckenden\nTransportkilometerzahl \u2013 steigt von Jahr zu Jahr. 1878 beklagte\nsich der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident F\u00fcrst Otto von Bismarck,\ndass zunehmend Holz aus Ungarn und Schweden den inl\u00e4ndischen\nHolzmarkt ruinieren und \u201eausl\u00e4ndisches Holz durch billige\nTarifs\u00e4tze der Eisenbahnen vor dem einheimischen bevorzugt\u201c w\u00fcrde.\nHeute wird bayerisches Buchenholz nach China exportiert, dort zu\nKinderspielzeug verarbeitet, um erneut nach Europa exportiert zu\nwerden \u2013 beg\u00fcnstigt durch einen weltweit bei allen Verkehrsarten\nextrem subventionierten Transportsektor.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nSteigerung irrationaler Mobilit\u00e4t treibt immer absurdere Bl\u00fcten.\nAls im Juli 2011 in Kalifornien die wichtigste Autobahnverbindung,\ndie Interstate 405, f\u00fcr 53 Stunden komplett gesperrt wurde, bot der\nBilligflieger JetBlue \u201eCarmageddon-Fl\u00fcge\u201c f\u00fcr die\n40-Meilen-Distanz vom Flughafen Bob Hope nach Long Beach an. Die\nFl\u00fcge kosteten 4 Dollar; das Kontingent war in 20 Minuten\nausgebucht. Der Highway hatte bisher zehn Spuren und wird nun auf\nzw\u00f6lf und teilweise 14 Spuren erweitert. Die Verkehrsplaner wissen,\ndass sich damit zwar die Tageskapazit\u00e4t von 281.000 auf 350.000 Auto\nerh\u00f6ht, dass jedoch auch die neuen Spuren \u201evolllaufen\u201c werden\nund sich der traditionelle Dauerstau wieder einstellen wird.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup>\nDas Interstate-405-Szenario ist wie geschaffen als Gro\u00dfversuch, um\nHermann Knoflachers These zu untersetzen, wonach Fahrzeuge in\nWirklichkeit Stehzeuge sind und errmannder Stau nicht die Ausnahme,\nsondern die Regel des Autoverkehrs ist.<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eAuto\nBild\u201c brachte zur IAA 2011 einen Bericht \u00fcber das BMW-Modell M5.\n\u00dcberschrift: \u201eDezentes Outfit, brutale Leistung\u201c. Das Auto, das\nim Artikel als \u201eTarnkappenbomber\u201c bezeichnet wird, hat 560 PS,\ndie H\u00f6chstgeschwindigkeit liegt offiziell bei 250 km\/h. \u201eAuto\nBild\u201c verr\u00e4t seinen Lesern: \u201eGegen Aufpreis regelt BMW anstatt\nbei 250 erst bei 305 km\/h ab. Der Besuch eines Fahrtrainings ist dann\njedoch Pflicht.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nWo\nbitte, mag man mit Erich K\u00e4stner fragen, bleibt da das Positive? Was\nist mit Elektroautos? Ist Carsharing nicht deutlich im Kommen? Bieten\nBiokraftstoffe nicht eine L\u00f6sung? Gibt es nicht diesen R\u00fcckgang der\nPkw-Schadstoffe? Zielt die Verkehrspolitik nicht auf \u201eNull\nVerkehrstote\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>\nLeider\nexistiert \u201edas Positive\u201c nicht bei diesen immer wieder genannten\n\u201eKlassikern\u201c einer Reform der bestehenden Massenmobilit\u00e4t. Die\n<em>Pkw-Schadstoff-Emissionen <\/em>liegen bei den Pkw-Flotten aller\ndeutschen Hersteller auch im Jahr 2011 deutlich \u00fcber den von der EU\nangestrebten Grenzwerten von 130 g CO<sub>2<\/sub> je gefahrenen\nKilometer. Im gewichteten Durchschnitt emittieren die von deutschen\nAutoherstellern gebauten Pkw im Jahr 2011 150 g CO<sub>2<\/sub>\/km.\nDie den Markt bestimmenden Premiumhersteller Mercedes, Porsche, BMW\nund Audi liegen massiv dar\u00fcber. Selbst der Massenhersteller VW (ohne\ndie VW-Marken Audi, Bentley, Bugatti, Porsche und Lamborghini) liegt\nbei 142 g CO<sub>2<\/sub>\/km.<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup>\nVor allem aber gilt: Die Zahl der Pkw nimmt auch in Europa weit\nschneller zu als die Schadstoffe je Pkw abnehmen. So stieg auf dem\nGebiet der EU mit 27 Mitgliedsstaaten die Zahl der Pkw im Zeitraum\n1990 bis 2010 von 163 Millionen auf 255 Millionen oder um gut 50\nProzent, w\u00e4hrend der Schadstoffverbrauch je Pkw nur um rund 20\nProzent reduziert wurde.<sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nBiokraftstoffe,\ndie richtigerweise als <em>Agrokraftstoffe<\/em> zu bezeichnen sind,\nbelasten die Umwelt in der Gesamtbilanz st\u00e4rker als herk\u00f6mmliche \u2013\naus \u00d6l gewonnene \u2013 Kraftstoffe. So steht es in einem internen\nPapier der EU, das der \u201eFinancial Times Deutschland\u201c vorliegt.<sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup>\nWobei beim Einsatz der Agrokraftstoffe \u201ePeak Oil\u201c durch \u201ePeak\nSoil\u201c ersetzt wird: An die Stelle der Endlichkeit der \u00d6lvorr\u00e4te\ntritt die Begrenztheit des f\u00fcr die Gewinnung von Agrokraftstoffen\nerforderlichen landwirtschaftlich nutzbaren Bodens. Weshalb der\ninzwischen massenhafte Einsatz der Agrokraftstoffe in Form der\nBeimischungen zum Tankstellensprit erheblich zum Anstieg der Preise\nf\u00fcr agrarische Erzeugnisse und zur Steigerung des weltweiten Hungers\nbeitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDer\nAnteil von <em>Carsharing<\/em> am gesamten Pkw-Verkehr ist auch drei\u00dfig\nJahre nach Entdeckung dieser Form der Pkw-Nutzung l\u00e4cherlich\nniedrig. In ganz Deutschland gibt es im Jahr 2011 rund 5.000 Pkw in\nden Carsharing-Pools. Die Zahl der Nutzer liegt bei 190.000 Menschen\n(von denen jedoch viele Carsharing als Zweit- und Drittwagen-Ersatz\npraktizieren). Der viel zitierte Gro\u00dfversuch in Ulm, den Daimler\n2010 mit \u201ecar2go\u201c startete, zeigt ebenfalls ern\u00fcchternde\nErgebnisse. Insgesamt wurden in dieser Stadt Mitte 2011 f\u00fcr car2go\n300 Smart-Pkw eingesetzt; 20.000 Menschen sollen als Nutzer im\n\u201eMobilit\u00e4tsclub\u201c registriert sein. Bereits die realen\nFahrtpreise zeigen, dass hier die gehobene Mittelstandsmobilit\u00e4t\ngef\u00f6rdert und gesteigert wird: Eine Stunde car2go-Nutzung kostet\n5,70 Euro oder 9,5 Cent pro Minute, was mehr als dem Dreifachen der\nPreise im \u00f6ffentlichen Verkehr entspricht.<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nZu\nden <em>Elektro-Pkw <\/em>wurden bereits  Grunddaten genannt: Der\nBestand von 2.300 Elektroautos in Deutschland entspricht einem Anteil\nam gesamten deutschen Pkw-Bestand von 0,00007 Prozent. Selbst in\nChina, wo \u201eElektromobilit\u00e4t\u201c mit bis zu 10.000 Euro beim Kauf\neines Elektroautos gef\u00f6rdert wird, wurden im 1-Jahres-Zeitraum Mitte\n2010 bis Mitte 2011 gerade mal 800 Elektro-Pkw verkauft. Das\nUnternehmen BYD (\u201eBuild Your Dreams\u201c), auf das nicht nur China,\nsondern auch Daimler setzt, um eine Automobilit\u00e4t jenseits des \u00d6ls\nzu realisieren, steht da wie im M\u00e4rchen \u201eDes Kaisers neue\nKleider\u201c. Es gibt praktisch keine marktf\u00e4higen BYD-Elektroautos.\nDer Konzern versucht seit Sommer 2011 krampfhaft, die Existenz des\nUnternehmens dadurch zu retten, dass Pkw mit konventionellen Motoren\nhergestellt werden. In Europa liegt der Verkauf von Elektro-Pkw bei\nwenigen Zehntausend Exemplaren und ist damit prozentual kaum messbar.\nDamit erweisen sich Elektro-Pkw als Placebo, allerdings als ein\nmedial hochwirksames und finanziell enorm teures. Allein die deutsche\nRegierung zahlt f\u00fcr die Entwicklung von Elektro-Pkw im Zeitraum 2009\nbis 2013 2,0 Milliarden Euro an Autokonzerne.<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup>\nAutowahn auch hier: Im Oktober 2011 pr\u00e4sentierte Nissan erstmals\n\u201eV2H \u2013 Vehicle to Home\u201c, das erste Haus f\u00fcr ein Elektromobil\nmit Tankstelle.<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nZahl der <em>Opfer des Stra\u00dfenverkehrs<\/em> hat sich zwar in hoch\nmotorisierten Regionen \u2013 mit auch hoch entwickelten\nRettungsdiensten \u2013 deutlich verringert. Der gegenw\u00e4rtige Blutzoll\nin der EU mit 38.000 Stra\u00dfenverkehrstoten pro Jahr ist jedoch weiter\nenorm; in jedem Jahrzehnt wird auf dem Gebiet der EU eine\nMenschenmenge get\u00f6tet, die der Population einer Gro\u00dfstadt\nentspricht.<sup><a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/sup>\nF\u00fcr das Jahr 2005 errechnete Klaus Gietinger die Zahl von 955.892\nMenschen, die weltweit im Stra\u00dfenverkehr get\u00f6tet wurden. Bis zum\nJahr 2028 wird die Zahl von zwei Millionen Verkehrstoten pro Jahr\n\u00fcberschritten werden. Gietinger: \u201eDas Risiko, in einem\nStra\u00dfenverkehrsunfall get\u00f6tet oder verletzt zu werden, wird in 25\nJahren zu den h\u00f6chsten Risiken weltweit geh\u00f6ren.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nEs\ngibt keine \u201einnere Reform\u201c der Automobilit\u00e4t. Vielmehr kommt es\nzu einem immer raffinierteren Greenwashing. Vorherrschend ist\nausschlie\u00dflich die konventionelle Automobilit\u00e4t, mit deren\nVerallgemeinerung und Intensivierung die bekannten Belastungen dieser\nVerkehrsart wachsen. Die Verdopplung der Zahl konventioneller Pkw bis\n2025 auf weltweiter Ebene ist von den Autokonzernen und \u00d6lmultis\nfest eingeplant. Sie ist zugleich mit Blick auf die \u00d6lressourcen und\ndie damit verbundenen Emissionen nicht \u201edarstellbar\u201c \u2013 oder nur\ndurch die Auspressung von \u00d6l aus \u00d6ls\u00e4nden, durch Bohrungen immer\ntiefer unter dem Meeresboden und in der Arktis, was mit bisher nicht\ngesehenen Zerst\u00f6rungen verbunden sein wird. Das hei\u00dft: Allein auf\ndem Gebiet des Welt-Verkehrs-Sektors droht ein Kollaps hinsichtlich\nder Ressourcen und der Belastungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nUnd\nes ist nicht \u201edie Menschheit\u201c, die sich auf diese Weise ihr Grab\ngr\u00e4bt. Es sind nicht in erster Linie \u201emenschliche Bed\u00fcrfnisse\u201c,\ndie mit der Automobilit\u00e4t befriedigt werden. Es sind prim\u00e4r\nKonzern- und Finanzmachtstrukturen und die damit verbundene konkrete\nweltweite Verkehrspolitik, die diese spezifische Art von Mobilit\u00e4t\nbewirken und fortgesetzt steigern. Inzwischen entf\u00e4llt bei den 500\ngr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt ein gutes Viertel des Umsatzes und der\nProfitmasse nur auf Konzerne aus den Bereichen \u00d6l (Exploration und\nVerarbeitung), Autoindustrie, Flugzeugbau und Airlines. Unter den\nzw\u00f6lf gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt befanden sich im Bilanzjahr\n2010 acht \u00d6lkonzerne und ein Autohersteller.<sup><a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/sup>\n\u00d6lstaaten und Autoindustrie bzw. \u00d6lstaaten und Airlines gehen enge\nVerbindungen ein; Katar ist bei VW mit 19 Prozent; Kuwait und Abu\nDhabi sind bei Daimler mit 16 Prozent beteiligt.<sup><a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/sup>\nEmirates befindet sich im Steigflug zur gr\u00f6\u00dften Airline der Welt.\nDiese im Eigentum Dubais befindliche Fluggesellschaft platzierte mit\n90 Bestellungen den gr\u00f6\u00dften Einzelauftrag f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte\nFlugzeug der Welt, den Airbus A380. Zusammen mit zwei anderen\narabischen Airlines entfallen 45 Prozent aller vorliegenden\nA380-Bestellungen auf \u201eOPEC-Airlines\u201c.\n Die Flugzeugindustrie wiederum, die auf das Engste mit\nR\u00fcstung verbunden ist, ist die am st\u00e4rksten mit Steuergeldern\nsubventionierte Branche der Welt.<sup><a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a><\/sup>\nEADS wiederum schult die Polizei in Saudi-Arabien und konzipiert ein\n\u201eSicherheitssystem\u201c f\u00fcr Abu Dabi.  Und der Dubai-Staatsfonds\nDubai International Capital (DIC) h\u00e4lt seit 2007 einen Anteil von\n3,1 Prozent an EADS\/Airbus.<sup><a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nDiese\nKonzernmacht unterh\u00e4lt eine m\u00e4chtige Lobby in allen Bereichen der\nPolitik und stellt die mit Abstand gr\u00f6\u00dften Werbeetats, was wiederum\nhei\u00dft, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Print- und der elektronischen\nMedien von dieser Lobby abh\u00e4ngig ist. Womit auch die \u00f6ffentliche\nMeinung zu einem erheblichen Ma\u00df von dieser Lobby gepr\u00e4gt wird. Im\nSeptember 2011 wurde bekannt, dass die Fluggesellschaft Air Berlin\nrund ein Jahrzehnt lang einer Gruppe von 100 Prominenten eine\n\u201eCounter Card Premium Plus\u201c zur Verf\u00fcgung stellte, mit der diese\neinschlie\u00dflich ihrer Familien weltweit gratis fliegen durften. Eine\nnicht bekannte Zahl Bundestagsabgeordneter wurde mit einer \u201etopbonus\nGold Card\u201c bedacht, bei deren Nutzung ihnen als \u201eGold-Vorteile\u201c\n40 Prozent Bonus auf alle gesammelten Meilen und die bevorzugte\nAbfertigung beim Check-in und Boarding zugesagt wurden.<sup><a href=\"#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a><\/sup>\nDabei ist Air Berlin eine kleine Nummer im gro\u00dfen Mobilit\u00e4tszirkus\nder \u00d6l-Auto-Flugzeug-Lobby.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDamit\nsoll in keiner Weise bestritten werden, dass die spezifische\nMobilit\u00e4t, die mit Autos und Flugzeugen vermittelt wird, Bed\u00fcrfnisse\nvon Millionen Menschen befriedigt. In einer Welt, in der die Menschen\nzu Recht den Eindruck haben, dass die gro\u00dfen Entscheidungen nicht\nvon ihnen beeinflusst und kaum in Parlamenten, sondern in\nKonzernzentralen und von \u201eFinanzm\u00e4rkten\u201c gef\u00e4llt werden, kommt\neiner Mobilit\u00e4t mit PS-starken Fahrten ins Gr\u00fcne und den vielen\nKurztrips zum Shopping nach New York oder Sonnetanken auf Mallorca\nusw. eine gewaltige Bedeutung zu. Es handelt sich jedoch in\nerheblichem Umfang um <em>Ersatzbed\u00fcrfnisse<\/em>, die von der\nkonkreten Politik noch \u00e4u\u00dferst handfest gef\u00f6rdert werden. Beispiel\nPkw-Motorisierung in Europa: Im Zeitraum 1990 bis 2008 wurde auf dem\nGebiet der 27 EU-Mitgliedsstaaten das Autobahnnetz um 55 Prozent\nerweitert (von 41.885 auf 65.100 km L\u00e4nge). Im gleichen Zeitraum\nstieg die Pkw-Zahl in dieser Region \u201enur\u201c um 43,6 Prozent (von\n163 auf 234 Millionen Pkw). Es wurde gewisserma\u00dfen \u201evorbetoniert\u201c.\nZu erg\u00e4nzen ist: Im genannten Zeitraum wurde das Schienennetz um 8\nProzent abgebaut; der Anteil der Schiene am gesamten motorisierten\nVerkehr sank kontinuierlich auf inzwischen 6,3 Prozent.<sup><a href=\"#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nAlternativen zu der beschriebenen und zerst\u00f6rerischen Art von Auto-\nund Flugverkehrs-Mobilit\u00e4t sind seit Langem bekannt. Es geht\ntats\u00e4chlich um \u201evernetzte Mobilit\u00e4t\u201c, bei der eine\nStrukturpolitik zur Vermeidung von Verkehren, zur Verk\u00fcrzung der\nWege und zur Verlagerung verbleibender Verkehre eine entscheidende\nRolle spielt und den nicht motorisierten Verkehrsarten \u2013 zu Fu\u00df\ngehen und Rad fahren \u2013 und den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln die\nSchl\u00fcsselrolle zukommt.<sup><a href=\"#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><\/sup>\nDie Menschen und insbesondere die Jugend d\u00fcrften nicht der Grund\ndaf\u00fcr sein, wenn diese Alternativen nur in Mosaikform und punktuell\nverwirklicht \u2013 und wenn sie in den gro\u00dfen Medien fl\u00e4chendeckend\nversteckt, wenn nicht verschwiegen \u2013 werden. Die Autoindustrie ist\nentsetzt \u00fcber die Tatsache, dass nach Angaben des deutschen\nKraftfahrt-Bundesamtes im vergangenen Jahrzehnt der Anteil der\nNeuwagenk\u00e4ufer im Alter von unter 30 Jahren sich von 17 auf 7\nProzent mehr als halbiert hat. Den PR-Strategen der car2go- und\ncar2home-Konzepte ist bekannt, dass in Deutschland bereits 80 Prozent\nder 20- bis 29-J\u00e4hrigen der Auffassung sind, dass man in der Stadt\naufgrund des Vorhandenseins \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel \u00fcberhaupt\nkein Auto brauche. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDoch\ndie Verkehrspolitik wird von diesen jungen Menschen (noch) nicht\nbestimmt. Neue St\u00e4dte \u2013 unter anderem neue Autost\u00e4dte in China \u2013\nwerden beispielsweise von dem Stadtplaner Albert Speer gebaut, der am\n\u00fcberkommenen Mobilit\u00e4tsmodell festh\u00e4lt und j\u00fcngst feststellte:\n\u201eIch halte nichts von autofreien Innenst\u00e4dten.\u201c Speer junior\nbekannte sich zu einigen verkehrspolitischen Grundideen von Albert\nSpeer senior. Sein Vater wirkte in f\u00fchrender Position an den\nMotorisierungspl\u00e4nen der NSDAP und an der Zielsetzung der Nazis f\u00fcr\nautogerechte St\u00e4dte als Voraussetzung f\u00fcr eine \u201eVolksmotorisierung\u201c\nmit. Albert Speer junior: \u201eAuch seine Idee, die Bahnh\u00f6fe\nherauszulegen (\u2026) und die Innenstadt frei von Schienen zu halten,\nfinde ich sinnvoll.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a><\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nVolksmotorisierungspl\u00e4ne des italienischen und des deutschen\nFaschismus sollten nach einem Sieg der Achsenm\u00e4chte im Zweiten\nWeltkrieg, der auch ein Krieg um \u00d6l war, verwirklicht werden.\nTats\u00e4chlich kam es zu dieser Volksmotorisierung, wenn auch nach der\nNiederlage der Regimes in Berlin, Rom und Tokio. Bis in die\n1980er-Jahre hinein wurde diese Volksmotorisierung von den\nUS-amerikanischen \u00d6l- und Autokonzernen angef\u00fchrt. Der <em>American\nWay of Life<\/em> wurde in den OECD-Staaten zum <em>Modern Way of Life<\/em>.\nIndem die Volksmotorisierung \u201enur\u201c in den hochindustrialisierten\nkapitalistischen Staaten verwirklicht wurde, konnten die Themen\nEndlichkeit des \u00d6ls und Grenzen der Belastbarkeit des Weltklimas bis\nin die 1990er-Jahre hinein weitgehend aus den \u00f6ffentlichen Debatten\nherausgehalten werden. Allerdings konzentrieren sich auch im Jahr\n2011 noch 75 Prozent der Welt-Pkw-Flotte auf USA\/Kanada, Japan,\nAustralien\/Neuseeland und die EU. In diesen Regionen leben nur rund\n16 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Trotz beginnender\nMassenmotorisierung kommen in China und Indien auch im Jahr 2011 noch\nnur rund 15 Pkw auf 1.000 Einwohner, w\u00e4hrend es in den USA 770 Pkw,\nin der EU 510 Pkw und in Deutschland 560 Pkw je 1.000 Einwohner\nsind.<sup><a href=\"#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\nVor\ndem Hintergrund dieser extrem ungleichen Verteilung der\nWelt-Pkw-Flotte, angesichts von Peak Oil und als Resultat der\nUnm\u00f6glichkeit einer \u201einneren Reform\u201c der Autogesellschaft m\u00fcssen\ndie gegenw\u00e4rtigen Pl\u00e4ne der international t\u00e4tigen Autokonzerne zur\nMotorisierung der Weltbev\u00f6lkerung zu neuen gro\u00dfen Kriegen um \u00d6l\nf\u00fchren. Dabei wird es nicht zuletzt um die Frage gehen, die auch in\nder aktuellen Finanzkrise und bei der Dollar-Euro-Konkurrenz von\ngro\u00dfer Bedeutung ist: In welcher W\u00e4hrung wird der Lebenssaft des\nWeltkapitalismus in Zukunft fakturiert? Wird ein Barrel \u00d6l weiterhin\nin US-Dollar gehandelt? Oder demn\u00e4chst in Euro (dann vielleicht in\nder Euro-W\u00e4hrung eines Kern-Europas, nach Wiedereinf\u00fchrung von\nDrachme, Pesete, Escudo und italienischer Lira)? Oder doch gleich in\nchinesischer W\u00e4hrung (Yuan respektive Renminbi)? \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nKriege zwischen Irak und Iran (1980\u20131988), im Irak (1990\/91 und\n2003), in Afghanistan (2001\u20132011) und in Libyen (2011) k\u00f6nnten\nsich im R\u00fcckblick als Vorspiel f\u00fcr diese gro\u00dfe und f\u00fcr ein\nzivilisiertes \u00dcberleben der Menschheit auf dem Planeten Erde\nentscheidende Auseinandersetzung um das restliche \u00d6l der Welt\nerweisen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nEs\ngilt, diesen verh\u00e4ngnisvollen Lauf der Weltgeschichte zu stoppen.\nDie arabische Revolte des Jahres 2011 hat in vieler Hinsicht\nVorbildcharakter. Demokratie in den \u00d6lregionen wird auch den \u00d6lpreis\nmassiv erh\u00f6hen und unser Bewusstsein f\u00fcr die Notwendigkeit der\nVerkehrswende sch\u00e4rfen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nWalter\nBenjamin schrieb: \u201eMarx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven\nder Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem g\u00e4nzlich anders.\nVielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug\nreisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a><\/sup>\nBenjamins Bildersprache zum Charakter von <em>Revolutionen im\nAllgemeinen <\/em>verdeutlicht \u00fcberaus \u00fcberzeugend die Notwendigkeit\nder <em>Verkehrsrevolution im Besonderen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\nEine\nandere Welt ist m\u00f6glich \u2013 eine andere Mobilit\u00e4t ist n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p> Winfried Wolf ist Chefredakteur von Lunapark 21 \u2013 Zeitschrift zur Kritik der globalen \u00d6konomie. Er ist aktiv f\u00fcr die Bahnexpertengruppe B\u00fcrgerbahn statt B\u00f6rsenbahn. Er verfasste u. a. \u201eEisenbahn und Autowahn\u201c (1985, 1986 und 1992) und \u201eVerkehr. Umwelt. Klima \u2013 Die Globalisierung des Tempowahns\u201c (2007 und 2009).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>\n\tMartin Wagner, \u201eVerkehrter Verkehr\u201c, in: Baukunst und Werkform,\n\tNr. 1\/1957. Ausf\u00fchrlicher in: Winfried Wolf, Verkehr. Umwelt. Klima\n\t\u2013 Die Globalisierung des Tempowahns, Wien 2009, S. 380 und 491.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>\n\tSiehe Winfried Wolf, Eisenbahn und Autowahn, Hamburg 1992 (3.\n\tAufl.), S. 655; Verkehr in Zahlen 2010\/2011, hrsg. v.\n\tBundesministerium f\u00fcr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in\n\tZusammenarbeit mit dem Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung,\n\tHamburg 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a>\n\tDie Bev\u00f6lkerung in Deutschland z\u00e4hlte 2007 = 82,2, 2008 = 82,0 und\n\t2009 = 81,8 Mio. Einwohner; die Zahl der registrierten Pkw betrug\n\t39,9, 41,18 und 41,33 Mio. Einheiten; siehe Verkehr in Zahlen\n\t2010\/2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>\n\tSiehe Winfried Wolf, Globalisierung. Flugverkehr. Gegenwehr,\n\tLunapark21 Extra03, September 2010; Basis: ICAO, Annual Report of\n\tthe Council 2008 und 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>\n\tAuf der Website \u201eCarmageddon.com\u201c wird ein Videospiel angeboten,\n\tin dem die Spieler brutal Passanten mit ihren Autos um die Wette\n\tjagen. JetBlue benannte das Spezialticket nach dieser Website. Nach:\n\tS\u00fcddeutsche Zeitung vom 18. Juli 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a>\n\tSiehe Hermann Knoflacher, Stehzeuge: Der Stau ist kein\n\tVerkehrsproblem, Wien-K\u00f6ln-Weimar 2001; Hermann Knoflacher, Virus\n\tAuto. Die Geschichte einer Zerst\u00f6rung, Wien 2009.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a>\n\tAuto Bild vom 30. September 2011 (Nr. 39). \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>\n\tZahlen nach den Angaben der Hersteller selbst. BMW nennt z. B. f\u00fcr\n\tseine Pkw-Flotte des Jahres 2011 einen Durchschnittswert von 153,7 g\n\tCO<sub>2<\/sub>\/km; Mercedes 168,4 g CO<sub>2<\/sub>\/km. Die realen\n\tWerte liegen deutlich h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a>\n\tIn Deutschland reduzierte sich nach offiziellen Angaben der\n\tDurchschnittsverbrauch bei allen Pkw und Kombis (Benziner und\n\tDiesel-Pkw) von 9,1 l je 100 km im Jahr 1991 auf 7,5 l\/100 km im\n\tJahr 2009 oder um 18 Prozent. Verkehr in Zahlen 2010\/2011, S. 302f.\n\tDer Kraftstoffverbrauch je Pkw liegt damit noch deutlich \u00fcber dem\n\tNiveau der 1950er- bis 1970er-Jahre. Seither hat sich das Gewicht je\n\tdurchschnittlichen Pkw verdoppelt, die PS-Zahl verdreifacht und der\n\tPersonenbesetzungsgrad um 20 Prozent reduziert. Da im genannten\n\tZeitraum sich der Anteil der Pkw mit Klimaanlagen von rund 15\n\tProzent auf rund 90 Prozent erh\u00f6hte und da der Spritverbrauch der\n\tKlimaanlagen bei den genannten Angaben unber\u00fccksichtigt bleibt,\n\td\u00fcrfte der tats\u00e4chliche R\u00fcckgang des Kraftstoffverbrauchs je Pkw\n\tdeutlich niedriger ausgefallen sein als offiziell ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a>\n\tVgl. Financial Times Deutschland vom 16. September 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a>\n\tAngaben nach: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 20. September 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a>\n\tSiehe Christoph Ruhkamp, \u201eLuxus mit St\u00fctze\u201c, in: Frankfurter\n\tAllgemeine Zeitung vom 10. Juni 2011; Jens Tartler, \u201eRamsauer\n\ttauscht Chef f\u00fcr Elektroautos aus\u201c, in: Financial Times\n\tDeutschland vom 23. September 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a>\n\t\u201eEine wei\u00dfe Wabe steht auf Stelzen. Auf dem Dach sind 488\n\tSolarmodule angebracht. W\u00e4hrend das Haus Sonne tankt, l\u00e4dt unter\n\tdem roboterartigen Geb\u00e4ude ein Auto Strom. Der elektrisch\n\tbetriebene KIeinwagen namens Leaf kommt von Nissan \u2013 und das Haus\n\tauch.\u201c Financial Times Deutschland vom 6. Oktober 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote14anc\">14<\/a>\n\tNach EU Energy and Transport in Figures, Statistical Pocketbook\n\t2010, Br\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote15anc\">15<\/a>\n\tKlaus Gietinger, Totalschaden \u2013 Das Autohasserbuch, Frankfurt am\n\tMain 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\">16<\/a>\n\tDiese Hitliste lautet (in Klammern Land, Branche und Umsatzsumme in\n\tMrd. US-Dollar f\u00fcr 2010): Wal-Mart Stores (USA; Einzelhandel; 422),\n\tRoyal Dutch Shell (GB; \u00d6l; 378), Exxon Mobil (USA; \u00d6l; 355), BP\n\t(GB; \u00d6l;\n\t309), Sinopec Group (China; \u00d6l; 273), China National Petroleum\n\t(China; \u00d6l; 240), State Grid (China; Versorger; 226), Toyota Motor\n\t(Japan; Auto; 222), Japan Post Holdings (Japan; Post; 203), Chevron\n\t(USA; \u00d6l; 196), Total (USA; \u00d6l; 186), ConocoPhillips (USA; \u00d6l;\n\t184). Nach: Global 500, Fortune (USA) vom 8. August 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote17anc\">17<\/a>\n\tSiehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. August 2011 (zu\n\tDaimler); Handelsblatt vom 16. M\u00e4rz 2010 (zu VW\/Porsche).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote18anc\">18<\/a>\n\tBoeing ist der gr\u00f6\u00dfte R\u00fcstungskonzern der USA; EADS-Airbus ist\n\tder gr\u00f6\u00dfte R\u00fcstungskonzern Kontinentaleuropas. Die US-Regierung\n\tpostuliert, dass Airbus in den vergangenen 25 Jahren \u201eillegale\n\tSubventionen\u201c in H\u00f6he von 205 Milliarden US-Dollar erhalten habe.\n\tAuf vergleichbarer H\u00f6he soll die Subventionierung von Boeing liegen\n\t\u2013 so der Vorwurf von EU-Kommission und EADS-Airbus gegen\u00fcber\n\tBoeing. Vgl. Winfried Wolf, Globalisierung. Flugverkehr. Gegenwehr.,\n\ta. a. O. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote19anc\">19<\/a>\n\tManager Magazin vom 5. Juli 2007; S\u00fcddeutsche Zeitung vom 15. Juli\n\t2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote20anc\">20<\/a>\n\tAngaben zu Air Berlin nach: Berliner Zeitung vom 11. Oktober 2011\n\tund S\u00fcddeutsche Zeitung vom 4. Oktober 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote21anc\">21<\/a>\n\tAngaben nach: EU Energy and Transport in Figures, Statistical\n\tPocketbook 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote22anc\">22<\/a>\n\tIch pl\u00e4dierte erstmals 1986 f\u00fcr eine \u201eVerkehrspolitik der drei\n\tV: vermeiden, verk\u00fcrzen, verlagern\u201c. In: Winfried Wolf, Eisenbahn\n\tund Autowahn, Hamburg 1986 (und Hamburg 1992).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote23anc\">23<\/a>\n\tIn: Spiegel vom 8. November 1999. Das erste Speer-Zitat in:\n\tFinancial Times Deutschland vom 9. September 2011.\n\tInteressanterweise gibt es beim Projekt \u201eStuttgart 21\u201c\n\terhebliche Anleihen bei NSDAP-Pl\u00e4nen. Nach dem Besuch Adolf Hitlers\n\tam 1. April 1938 in Stuttgart wurden dort die Pl\u00e4ne zur\n\tNeugestaltung der Stadt konkretisiert. Danach sollte der\n\tHauptbahnhof \u2013 damals wie heute der Bonatzbau \u2013 in den\n\tRosensteinpark verlegt, aus dem Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof\n\tund das bisherige Bahnhofsgel\u00e4nde f\u00fcr eine Bebauung und\n\tStra\u00dfenerschlie\u00dfung im NS-Stil genutzt werden. Siehe\n\tL\u00f6sch\/Stocker\/Leidig\/Wolf (Hrsg.), Stuttgart 21 \u2013 Oder: Wem\n\tgeh\u00f6rt die Stadt, K\u00f6ln 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote24anc\">24<\/a>\n\tWeltbilanz f\u00fcr das Jahr 2005 nach: Winfried Wolf, Verkehr. Umwelt.\n\tKlima \u2013 Die Globalisierung des Tempowahns, S. 238. Zahlen f\u00fcr\n\t2011 jeweils entsprechend den letzten verf\u00fcgbaren Daten\n\thochgerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote25anc\">25<\/a>\n\tWalter Benjamin, Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main 1999, Band\n\tV\/2, Das Passagenwerk, S. 1232.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort zu: Auf allen Wegen \u2013 Mobilit\u00e4t gestern \u2013 heute \u2013 morgen Buch-Kollektion der Frankfurter Buchmesse 2011 Alle reden vom Boom der Elektroautos. Ein Zitat: \u201eBei den Elektromobilherstellern herrscht Goldgr\u00e4berstimmung. 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