{"id":411,"date":"2011-11-20T23:28:11","date_gmt":"2011-11-20T22:28:11","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=411"},"modified":"2020-01-23T23:32:23","modified_gmt":"2020-01-23T22:32:23","slug":"bp-barrel-profits-bloated-profits-bloody-profits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=411","title":{"rendered":"BP: Barrel Profits + Bloated Profits = Bloody Profits"},"content":{"rendered":"\n<h2><strong>Schm\u00e4hrede auf die Verantwortlichen im \u00d6lkonzern BP anl\u00e4sslich der Verleihung des Black Planet Award (Stiftung ethecon) am 20. November 2010<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Werter\nMr. Bob Dudley! Sie sind aktuell der Chief Executive Officer, der\nTop-Mann von BP. Sie waren w\u00e4hrend der Deepwater Horizon-Katastrophe\nvor Ort der verantwortliche Mann Ihres Unternehmens. Sie erkl\u00e4rten\nj\u00fcngst \u2033Ich h\u00f6rte Leute sagen, dass wir nach der Bergung des\nBohrers unsere Sachen packen und verschwinden. Das ist zweifellos\nnicht korrekt (&#8230;) Schlie\u00dflich haben wir allein im Golf von Mexiko\n35  weitere \u00d6lplattformen\u2033.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\ndie Menschen am Golf klang das nicht unbedingt beruhigend. Viele\nempfanden Ihre Worte als neuerliche Drohung.<\/p>\n\n\n\n<p>Werter\nMr. Tony Hayward! Sie standen bis zum 30. September 2010 an der\nSpitze von BP. Vor ein paar Tagen gaben Sie die Gr\u00fcndung Ihrer neuen\nFirma \u20333E Capital\u2033 bekannt \u2013 originellerweise eine Firma, die\n\u00d6lunternehmen ber\u00e4t. Das macht irgendwie auch Sinn. Schlie\u00dflich\nwaren Ihre Bagatellisierungen der Deepwater Horizon-Katastrophe\nlegend\u00e4r \u2013 etwa, als sie auf dem H\u00f6hepunkt der Deepwater\nHorizon-Katastrophe erkl\u00e4rten: \u2033Der \u00d6lfleck ist doch winzig\nverglichen mit der Gr\u00f6\u00dfe des Golfs\u2033. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Werter\nMr. Carl-Hendric Svanberg! Sie stehen seit September 2009 und bis\nheute an der Spitze des Aufsichtsrats von BP. W\u00e4hrend der deepwater\nhorizon-Katastrophe blieben Sie zwar meist in Deckung. Doch als Sie\nf\u00fcr ein paar Tage vor Ort in den USA waren, um bei Pr\u00e4sident Obama\num gut Wetter f\u00fcr BP zu bitten, da sagten sie die denkw\u00fcrdigen\nWorte: \u2033Manchmal h\u00f6re ich ja so S\u00e4tze, wonach die gro\u00dfen\nKonzerne einfach nur gierig w\u00e4ren und sich um nichts als um den\nProfit scherten. Das trifft auf BP nicht zu. Wir k\u00fcmmern uns ganz\nbesonders auch um die kleinen Leute.\u2033 \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\ndas wurde vor Ort eher als Bedrohung wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Werte\n\u00fcbrigen Top-Manager dieses \u00d6lkonzerns und werte Herren\nGro\u00dfaktion\u00e4re von BP! Sie klagten im Sommer dieses Jahres auf einem\nausgesprochen hohen Niveau. Und wor\u00fcber? Nein, nicht \u00fcber den\nVerfall der Sitten in Ihrem Unternehmen! Sie klagten  \u00fcber den\n\u2033Verfall des Unternehmenswerts\u2033 von BP und sie forderten eine\nschnelle Wiederaufnahme der Dividendenaussch\u00fcttungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mr.\nDudley, Mr. Hayward, Mr. Svanberg and Misters stakeholders: Wir haben\nuns hier versammelt, um Ihnen zu sagen: \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr\nUnternehmen BP buchstabierte sich rund ein Jahrhundert lang als\nBritish Petroleum. Das wollen Sie so nicht mehr ausgeschrieben sehen.\nTats\u00e4chlich hatte US-Pr\u00e4sident Obama <em>unrecht,<\/em>\nals er w\u00e4hrend der Deepwater Horizon-Katastrophe Ihr Unternehmen so\nbuchstabierte. Denn BP ist seit der \u00dcbernahme der US-\u00d6lkonzerne\nAmoco und Atlantic Richfield vor rund einem ahrzehnt l\u00e4ngst zum\n<em>gr\u00f6\u00dften\nUS-amerikanischen \u00d6lkonzern<\/em>\n\u2013 noch vor Exxon rangierend \u2013 aufger\u00fcckt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\ndie Interpretation Ihres Firmenk\u00fcrzels geht ja weiter. Ihr\nUnternehmen BP will seit rund einem Jahrzehnt der \u00d6ffentlichkeit\nweismachen, die zwei Buchstaben st\u00fcnden f\u00fcr \u2033Beyond Petroleum\u2033\n. Gemeint ist damit, man mache sich bei BP Gedanken f\u00fcr die <em>Zeit\nnach dem \u00d6l.<\/em> \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nist nun allerdings ebenfalls die Unwahrheit. Bereits unter der \u00c4gide\nvon Ihnen, Mr. Hayward, wurde das ohnehin magere Engagement BPs im\nBereich alternativer Energien deutlich zur\u00fcckgefahren. Sie, Mr.\nDudley, stehen erst gar nicht im Verdacht, gr\u00f6\u00dfere sogenannte gr\u00fcne\nInvestitionen zu t\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nWirklichkeit stehen die beide Buchstaben \u2033BP\u2033 f\u00fcr \n<\/p>\n\n\n\n<ul><li>BARREL\n\tPROFITS\n\t<\/li><li>BLOATED\n\tPROFITS \n\t\n\t<\/li><li>BLOODY\n\tPROFITS. \n\t\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Grob\neingedeutscht: Sie stehen<\/p>\n\n\n\n<ul><li>f\u00fcr\n\tmaximalen Profit je Fass \u00d6l\n\t<\/li><li>f\u00fcr\n\tProfite, die auf Teufel komm raus aufgeblasen \u2013 gesteigert \u2013\n\twerden\n\t<\/li><li>f\u00fcr\n\teine Profitmacherei, die Tod und Zerst\u00f6rung in Kauf nimmt.\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Oder\nlassen Sie es mich etwas ungewohnt ausdr\u00fccken: Ihr Unternehmen BP\nsteht f\u00fcr die systematische Umsetzung der folgenden Zeilen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier\nist \u00d6l! \u00d6l ist hier! Das liegt hier<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was\ndie Motoren laufen macht, was die Schiffe bewegt!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das\nkolbenschmierende \u00d6l liegt hier im Boden!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das\ndie St\u00e4dte hell macht! Schnell!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Verwandelt\nEuch in \u00d6lsucher, ihr Ziegenhirten! Schnell!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schafft\ndas \u00d6l an die Oberfl\u00e4che, tragt den Felsen ab, bohrt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Den\nBoden an, Bauern!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber\nda sind Ziegenherden, die auf dem Feld grasen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber\nda stehen Wohnh\u00e4user, die 100 Jahre alt sind!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber\nda sind Grundb\u00fccher und Besitztitel!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schnell!\nSchafft alles weg, was zwischen uns und dem \u00d6l steht!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weg\nmit den Ziegenherden! Weg mit den Wohnh\u00e4usern!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nweg mit den Grundb\u00fcchern und Besitztiteln!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier\nist \u00d6l! \u00d6l ist hier! Das kolbenschmierende \u00d6l ist hier<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\ndas die St\u00e4dte hell macht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit\ndie Lyrik. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nnun wieder Prosa: Ich bin mir sicher, dass der Mann aus Augsburg,\nBertolt Brecht, der diese Zeilen in den 1920er Jahren schrieb, vor\ndem Hintergrund des Ereignisses Deepwater Horizon seine\nFeststellungen best\u00e4tigt gesehen \u2013 und zugleich den Wunsch\nempfunden h\u00e4tte, diese zu vertiefen und zu konkretisieren. Sie\nlassen sich f\u00fcr BP im besonderen und am Beispiel des \u00d6lgesch\u00e4fts\nim allgemeinen auf <em>dreifache\nWeise <\/em>konkretisieren.<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>1.\nEbene: Die Kontinuit\u00e4t der Profitmaximierung ohne R\u00fccksicht auf\nSicherheit und Menschenleben<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Die\nBP-Verantwortlichen demonstrieren seit vielen Jahren die beschriebene\nausschlie\u00dfliche Orientierung auf eine r\u00fccksichtslose\nGewinnmaximierung. Ich darf den Herren Geschm\u00e4hten ins Ged\u00e4chtnis\nrufen: \n<\/p>\n\n\n\n<p>2004\nexplodierte ihre Raffinerie in Texas. 15 Arbeiter wurden get\u00f6tet.\nDie Untersuchungskommission konstatierte als Unfallursache: Das\n\u2033Fehlen elementarer Sicherheitsstandards\u2033; ein Sparen bei der\nSicherheit. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nur\nein Jahr darauf \u2013 im Jahr 2005 &#8211; leisteten Sie sich einen der bis\ndahin spektakul\u00e4rsten Unf\u00e4lle, denjenigen in Alaska. Damals traten\naus einem Leck in Ihrer BP-Pipeline in der Prudhoe Bay mehr als\n800.000 Liter \u00d6l aus \u2013 mit verheerenden Folgen f\u00fcr Flora und\nFauna der Region. Das zust\u00e4ndige Gericht urteilte hinsichtlich der\nUrsachen: \u2033BP hat es vers\u00e4umt, ausreichende Mittel f\u00fcr den\nsicheren und umweltgerechten Betrieb der Pipeline aufzuwenden.\u2033 Das\nwar noch sch\u00f6n-gef\u00e4rbt. Tats\u00e4chlich erwies sich das\nPipeline-Rohrsystem \u00fcber weite Strecken schlicht als verrottet und\nals verrostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nkrasse Kontinuit\u00e4t ist auch f\u00fcr die Deepwater Horizon-Katastrophe\ndokumentiert. Da waren au der Plattform Warnsysteme abgeschaltet \u2013\nmit der Begr\u00fcndung, man wolle die Arbeiter auf der nicht mitten  in\nder Nacht durch Fehlalarme st\u00f6ren. Kurz bevor die Plattform\nexplodierte, gab es auf dieser einen aufschlussreichen Disput: Das\n\u00d6lausr\u00fcstungsunternehmen Haliburton war zu diesem Zeitpunkt damit\nbeauftragt, am Meeresboden Zement zwischen Bohrloch und Gestein zu\nf\u00fcllen. Die Haliburton-Leute schlugen den Einsatz von 21\nStahlst\u00fctzen zur Justierung und Stabilisierung des Rohrs am Bohrloch\nvor. Die BP-Verantwortlichen argumentierten, sechs St\u00fctzen m\u00fcssten\nausreichen \u2013 mehr befanden sich nicht auf der Plattform. BP hatte\ndas Sagen. BP gewann den Disput. Die zus\u00e4tzlichen St\u00fctzen selbst\nw\u00e4ren nicht allzu teuer gewesen. Doch das Einfliegen weiterer\nSt\u00fctzen h\u00e4tte knapp einen Tag bedeutet. 24 Stunden ohne\nProfit-Fluss aus dem Bohrloch. \n<\/p>\n\n\n\n<p> 24\nhours: NO BARREL-PROFITS.<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nwie reagierten Sie, die Herren von BP, <em>mitten\nin<\/em> der Katastrophe?\nClever und zynisch  zugleich. Sie lie\u00dfen mehrere Millionen Liter\nDispersionsmittel im Bereich der Bohrstelle und der \u00d6lteppiche\nausbringen. In der Folge konnte man das \u00d6l mit TV-Kameras kaum noch\nerkennen. Das brachte also gute Presse. Doch die Dispersionsstoffe\nselbst sind extrem sch\u00e4dlich. Manche Wissenschaftler sind der\nAuffassung, diese seien noch schlimmer als das \u00d6l selbst. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich\nwussten Sie, was Sie da taten. Denn so sieht die Bilanz der\nExxon-Valdez-Katastrophe in Alaska aus dem Jahr 1989, als ein Tanker\ndes US-\u00d6lkonzerns Exxon auf ein Riff lief und 41 Millionen Liter \u00d6l\nins Meer flossen, aus: Diejenigen K\u00fcstenbereiche, in denen\nDispersionsmitel ausgebracht wurden, sind noch heute schwer\ngesch\u00e4digt. Wohingegen die Bereiche, die \u2033nur\u2033  von dem\nausgetretenen \u00d6l betroffen waren, sich deutlich besser erholen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hey\nTony, hey Bob, hey Carl-Hendric! Nicht vergessen werden sollten wir\nIhren echt coolen, ebenso professionellen, wie profitgeilen Umgang\nmit \u00d6ffentlichkeit und mit den Medien: Sie schlossen noch w\u00e4hrend\nder Deepwater-Horizon-Katastrophe Vertr\u00e4ge mit Dutzenden von\nWissenschaftlern \u2033mit Fachkenntnissen \u00fcber den Golf von Mexiko\u2033.\nDiese sollten dann einerseits die \u2033Folgen der \u00d6lpest untersuchen\u2033.\nAndererseits wurden sie \u2013 gegen gutes Geld versteht sich \u2013\nverpflichtet, ihre Ergebnisse drei Jahre lang nicht zu\nver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>That\u00b4s\nreally sophisticated Mr. Dudley, Mr, Hayward, Mr. Svandberg!<\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>2.\nEbene: Die Tiefseebohrungen selbst<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich\nmuss f\u00fcr Sie, werte Herren von BP, nicht in extenso zum Thema peak\noil referieren. Sie wissen seit langer Zeit Bescheid \u2013 vor allem\naus ganz praktischer Erfahrung: aufgrund des Versiegens Ihrer eigenen\n\u00d6lquellen und des langfristigen R\u00fcckgangs Ihrer \u00d6lreserven. Auch\nwissen Sie wie ich, dass Sie zu Ihre gro\u00dfen Bedauern durch\npolitische Ereignisse \u2013 wie Enteignungen und Verstaatlichungen &#8211; an\nder fortgesetzten Ausbeutung lukrativer \u00d6lquellen auf dem Festland\nabgeschnitten wurden \u2013 unter anderem in Nahen und Mittleren Osten\nund in Nordafrika. Diese zwei Faktoren zusammen \u2013 peak oil und\nVerstaatlichungen \u2013 erkl\u00e4ren zu einem gro\u00dfen Teil, die enorme\nZunahme der Zahl von Tiefseebohrungen, die die traditionellen\nwestlichen \u00d6lkonzerne wie EXXON, Royal Dutch Shell und BP\ndurchf\u00fchren und die unglaubliche Steigerung der Tiefe, mit der\ninzwischen diese Bohrungen durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen\nwir das Ihnen gut vertraute Beispiel des Golfs von Mexiko. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen\n1960 und 1980 schwankte die durchschnittliche Tiefe der \u00d6lbohrungen\nin dieser Region zwischen 800 Metern und 1000 Metern. Seitdem ist sie\nhochgeschnellt auf im Durchschnitt 1800 Metern. Es geht, wohlgemerkt,\nimmer um die Bohrtiefe \u2013 ab Eintritt der Bohrung in die Erdkkruste.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nden letzten f\u00fcnf Jahren gab es dann eine Entwicklung, bei der man im\nGrunde erkennen konnte, dass sich eine Katastrophe abzeichnete. \n<\/p>\n\n\n\n<p>2005\nwurde der Rekord von 1500 Meter Bohrtiefe erreicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>2007\nwaren es 2.150 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>2009\nbereits 3.600 Meter \u2013 oder 3,6 Kilometer. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige\nTage, bevor die Plattform explodierte, lie\u00dfen Sie auf Deepwater\nHorizon eine Sause wegen eines neuen Tiefsee-Bohr-Rekords steigen:\n1500 Meter unter der Plattform und unter dem Meeresspiegel war der\nBP-Bohrer zus\u00e4tzliche 4000 Meter in die Erdkruste vorgedrungen. Die\ngesamte Distanz zwischen Bohrplattform und \u00d6lfeld \u2013 dem Eindringen\nder Bohrung in das \u00d6lfeld \u2013 liegt damit bei 5.600 Metern oder 5,6\nKilometern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\nsagen Sie, Herr Dudley, man habe aus der Katastrophe gelernt. In\nZukunft werde man \u2033noch mehr verantwortungsbewusst\u2033 handeln und\n\u2033noch st\u00e4rker als zuvor das Thema Sicherheit in das Zentrum\nr\u00fccken\u2033. Wir erlauben uns, Sie darauf hinzuweisen: Noch w\u00e4hrend\ndas \u00d6l aus dem BP-Bohrloch im Golf sprudelte, k\u00fcndigten Sie an,\neine neue, politisch besonders brisante Tiefseebohrung durchzuf\u00fchren:\nim <em>Golf von Sirte<\/em>,\nvor der libyschen K\u00fcste. Gewisserma\u00dfen gilt hier: back to the\nroots: BP war mal in Libyen gut im Gesch\u00e4ft. Die BP-Anlagen im Land\nwurden in den 1960er Jahren verstaatlicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\njetzt sind Sie pl\u00f6tzlich wieder dick im Gesch\u00e4ft. Wie das ging?\nGanz einfach: BP hat sich bei der britischen Labour-Regierung massiv\ndaf\u00fcr eingesetzt, dass ein mutma\u00dflicher und von einem britischen \u2013\ngenauer: einem schottischen \u2013 Gericht verurteilter libyischer\nLockerbie-Attent\u00e4ter vorzeitig aus dem Gef\u00e4ngnis in Schottland frei\nkam \u2013 angeblich wegen unheilbarer Krebserkrankung. Wie sich\nherausstellt, ist der Mann pumperlgesund. Vor noch mehr Gesundheit\nstrotzt jetzt das BP-Business in Libyen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ndarf Sie, Herr Tony Hayward, daran erinnern: Sie waren es, der wenige\nWochen vor der Explosion der Deepwater Horizon sagte \u2033Mit den\nTiefseebohrungen sto\u00dfen wir st\u00e4ndig an die Grenzen von Technologie\nund Geologie.\u2033<\/p>\n\n\n\n<p>Welch\nwahren Worte! Das trifft so zu auf die Tiefseebohrungen. Das trifft\nzu auf alle Projekte, \u00d6l aus Teersand zu gewinnen \u2013 womit riesige\nRegionen von der Gr\u00f6\u00dfe des Staates Belgien umgepfl\u00fcgt und in\nzerst\u00f6rte Landschaft verwandelt werden. Das trifft zu auf die\nProjekte der \u00d6lf\u00f6rderung vor Gr\u00f6nland oder im Umfeld der\nPolarkappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt tats\u00e4chlich diese \u2033Grenzen\u2033, von denen Sie sprechen, Mr.\nHayward.  Es handelt sich um nat\u00fcrliche Grenzen oder um\numweltpolitisch bedingte Grenzen. Allerdings werden gerade diese  von\nIhnen nur erkannt, aber nicht anerkannt. In der Realit\u00e4t werden\ndiese Grenzen r\u00fccksichtslos niedergerissen. Denn GRENZENLOS ist  die\nProfitgier Ihres Unternehmens. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Oder,\nin Abwandlung der zitierten Verszeilen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schafft\ndas \u00d6l an die Oberfl\u00e4che!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Tragt\nden Felsen ab, bohrt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>den\nBoden an!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schafft\nalles weg, was zwischen uns und dem \u00d6l steht!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weg\nmit den Sandstr\u00e4nden!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weg\nmit den Regenw\u00e4ldern!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nweg mit den Eisbergen und den Polarkappen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schnell!\nSchafft alles weg, was zwischen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Uns\nund dem \u00d6l steht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3><em><strong>Dritte\nEbene: Das \u00d6lbusiness als solches<\/strong><\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Werte\nZuh\u00f6rerinen und Zuh\u00f6rer, lassen Sie mich zum Schluss auf die\n\u00d6lbranche und das \u00d6lgesch\u00e4ft als solches zu sprechen kommen. Nein,\ndas soll nicht der Entlastung der Herren Hayward, Dudley, Svanberg et\nalii dienen. Es gibt jedoch einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang, in dem die\nDeepwater Horizon-Katastrophe und unsere Schm\u00e4hung der\nBP-Verantwortlichen gesehen werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>BP\nz\u00e4hlt \u2013 zusammen mit Exxon und Royal Dutch Shell &#8211; zur\nDreier-F\u00fchrungsgruppe der Welt-\u00d6lbranche. Die internationale\n\u00d6lbranche wiederum steht im Zentrum des \u00d6l basierten Kapitalismus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nseit rund 100 Jahren etablierte Modell des \u00d6l basierten Kapitalismus\nwiederum ist ma\u00dfgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass Umwelt in bisher\nnie dagewesenem Umfang zerst\u00f6rt, gewaltige neue Risiken eingegangen\nwerden und dass es zu einer die menschliche Existenz bedrohenden\nKlimaver\u00e4nderung zu kommen droht.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere\nSchm\u00e4hung trifft die verantwortlichen Personen bei BP einerseits\ndirekt. Andererseits indirekt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAnlage von Kapital in den Sektoren \u00d6lexploration, \u00d6lverarbeitung,\nAutoindustrie und Flugzeugbau ist inzwischen so gro\u00df, dass allein\nvon der schieren Gr\u00f6\u00dfe und von dem dem Kapital inh\u00e4renten Prinzip\nder Profitmaximierung <em>ein\nfortgesetzter Druck zur Intensivierung eben dieses Modells des \u00d6l\nbasierten Kapitalismus <\/em>ausgeht.\nEin Drittel des Umsatzes der 500 gr\u00f6\u00dften Konzerne der Welt \u2013 der\nGlobal 500 \u2013 entf\u00e4llt auf die \u00d6l-Auto-Flugzeug-Gruppe. Das gilt\nauch f\u00fcr die Profitmasse dieser Gruppe \u2013 ein Drittel konzentriert\nsich dabei au die \u00d6l-Auto-Flugzeugbau-Gruppe. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nheisst: \u00d6l schmiert im <em>physischen\n<\/em>Sinn die Weltwirtschaft.\n\u00d6lgewinne schmieren im <em>betriebswirtschaftlichen<\/em>\nSinn den real existierenden Kapitalismus. Und \u00d6l schmiert im\n\u00fcbertragenen Sinn das <em>Politik-Business<\/em>.\nAuch f\u00fcr die letztgenannte Funktion gibt es Zahlen: Allein BP\ninvestiert in den USA pro Jahr 16 Millionen US-Dollar f\u00fcr\n\u2033Lobbyarbeit\u2033. Insgesamt gibt die \u00d6lbranche in den USA gut 50\nMillionen US-Dollar im Jahr daf\u00fcr aus, um sich eine dem \u00d6lbusiness\ngef\u00e4llige Politik zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt den Begriff der \u2033self fulfilling prophecy\u2033. Im vorliegenden\nFall haben wir es zu tun mit \u2033self fulfilling property\u2033, mit\neinem spezifischen Eigengewicht des privaten Kapital-Eigentums, das \nim weltweiten \u00d6lsektor angelegt ist, und das sich als strategischer\nBestandteil des Weltkapitals st\u00e4ndig vergr\u00f6\u00dfert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich\nhaben die eingangs erw\u00e4hnten Herren den black award pers\u00f6nlich\nverdient. Er sei ihnen jedoch zugleich stellvertretend f\u00fcr die\n\u00d6lbranche als Ganzes und f\u00fcr das vorherrschende Modell des \u00d6l\nbasierten Kapitalismus zuerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\n\u2033Beyond Petroleum\u2033 ist im Grunde tats\u00e4chlich die richtige\nZielsetzung. Sie wird aber nur zu realisieren sein, wenn wir abzielen\nauf \u2033beyond capitalism\u2033 oder zumindest auf ein Jenseits zum\nvorherrschenden Modell des \u00d6l basierten Kapitalismus und des\nPrinzips, Profit vor Mensch und Wachstum vor Natur und Klima zu\nstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\ngegenw\u00e4rtige Entwicklung l\u00e4uft jedoch auf das Gegenteil hinaus. Auf\nein \u2033nach uns die Sintflut\u2033.  Sp\u00e4testens Seit 1973, mit der\nersten sogenannten \u00d6lkrise, ist bekannt, das \u00d6l ein extrem knapper\nRohstoff ist. Es entspr\u00e4che normaler menschlicher Ratio, dann die\nWeichenstellungen daf\u00fcr vorzunehmen, so schnell wie m\u00f6glich vom \u00d6l\nwegzukommen. Entsprechend der \u2013 allerdings erst j\u00fcngst, also sp\u00e4t\nge\u00e4u\u00dferten Einsicht von Fatih Birol, dem Chef\u00f6konom der\nInternationalen Energieagentur: \u2033Wir sollten das \u00d6l verlassen,\nbevor es uns verl\u00e4sst.\u2033<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\nseit mehr als 100 Jahren \u2013 und auch w\u00e4hrend der vergangenen drei\nJahrzehnte &#8211; findet der entgegengesetzte Prozess statt. Die\nKonzentration des Weltkapitals auf die beschriebene \u00d6l-Auto-Gruppe\nverst\u00e4rkt sich. Dieser Prozess ist aus menschlicher Sicht irrational\n\u2013 auch wenn er der Logik des angelegten Kapitals folgt. Man kann\nauch sagen, diese Wirtschaftsentwicklung und damit zugleich diese\nIntensivierung, diese Verdichtung des American way of life, der\nl\u00e4ngst der weltweit \u2013 auch in China \u2013 vorherrschende way of life\nist, tr\u00e4gt <em>pseudoreligi\u00f6se\nZ\u00fcge<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmals\nin den Worten des Herrn aus Augsburg \u2013 und nochmals Worte, die\nprophetisch bereits in den 1920 Jahren geschrieben wurden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ohne\nEinladung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sind\nwir gekommen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Siebenhundert\n(und viele sind noch unterwegs)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nhaben Dich gesehen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pl\u00f6tzlich\n\u00fcber Nacht<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00d6ltank.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eilet\nherbei, alle<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die\nihr abs\u00e4gt den Ast, auf dem ihr sitzet<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Werkt\u00e4tige!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gott\nist wiedergekommen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In\nGestalt eines \u00d6ltanks.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was\nist f\u00fcr Dich ein Gras?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Du\nsitzest darauf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wo\nehedem ein Gras war<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Da\nsitzest jetzt Du, \u00d6ltank!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nvor Dir ist ein Gef\u00fchl <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nichts.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Darum\nerh\u00f6re uns<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nerl\u00f6se uns von dem \u00dcbel des Geistes.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im\nNamen der Elektrifizierung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der\nRation und der Statistik!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mr.\nDudley, Mr.Hayward, Mr. Sandberg, Misters stakegolders!<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist IHR Gott, der \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>wiedergekommen\nist \/ In Gestalt eines \u00d6ltanks.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>SIE\nsind daf\u00fcr verantwortlich, dass Brechts Zeilen zutreffen: \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wo\nehedem ein Gras war \/ da sitzest jetzt Du, \u00d6ltank!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist IHRE Philosophie und es ist IHR Gesch\u00e4ftsmodell BP =\nBARREL-Profits, was logisch m\u00fcndet in: \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und\nvor Dir ist ein Gef\u00fchl \/ Nichts.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nhingegen \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>s\u00e4gen\nnicht ab den Ast, auf dem wir sitzen. <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\ndiesen Gr\u00fcnden seien Sie geschm\u00e4ht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\ndiesen Gr\u00fcnden sagen wir Ja zu einer Gesellschaft<\/p>\n\n\n\n<ul><li>beyond\n\tpetroleum\n\t<\/li><li>beyond\n\tbloated profits\n\t<\/li><li>beyond\n\tbarrel profits\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Und:<\/p>\n\n\n\n<p>Ja\nzu einer Gesellschaft, in der der Mensch, menschliche Bed\u00fcrfnisse,\nNatur und Umwelt und die Solidarit\u00e4t im Zentrum stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schm\u00e4hrede auf die Verantwortlichen im \u00d6lkonzern BP anl\u00e4sslich der Verleihung des Black Planet Award (Stiftung ethecon) am 20. November 2010 Werter Mr. Bob Dudley! Sie sind aktuell der Chief Executive Officer, der Top-Mann von BP. Sie waren w\u00e4hrend der Deepwater Horizon-Katastrophe vor Ort der verantwortliche Mann Ihres Unternehmens. 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