{"id":476,"date":"2020-01-29T13:21:04","date_gmt":"2020-01-29T12:21:04","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/wordpress\/?p=476"},"modified":"2020-02-03T10:09:35","modified_gmt":"2020-02-03T09:09:35","slug":"blog-deutsche-bahn-und-deutscher-militarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=476","title":{"rendered":"blog 01: Deutsche Bahn und deutscher Militarismus"},"content":{"rendered":"\n<h3> <strong>Eine olivgr\u00fcne BahnCard 100 und Schienentransporte von Panzern und Bundeswehreinheiten an die russische Grenze \u2013 p\u00fcnktlich zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs <\/strong> <\/h3>\n\n\n\n<p>\nDer\nWehrbeauftragte Hans-Peter Bartels beklagt in seinem am 28. Januar\n2020  vorgelegten Jahresbericht eine unzureichende Ausstattung der\nBundeswehr. Schlie\u00dflich sei diese Armee \u201ebereit zur kollektiven\nVerteidigung in Europa und gleichzeitig engagiert in einem Dutzend\nOut-of-area-Missionen weltweit.\u201c Positiv bewertet Herr Bartels, ein\nSozialdemokrat, dass alle Soldatinnen und Soldaten seit dem 1. Januar\n2020 gratis die Bahn benutzen k\u00f6nnen. Und dies dienstlich und\nprivat; die Uniform gilt als Freifahrschein. Bartels: \u201eDer Bund\nzahlt schlie\u00dflich schon zig Milliarden f\u00fcr den Ausbau des\nSchienennetzes.\u201c Da sei es gut, wenn \u201edas besonders staatsnahe\nUnternehmen\u201c Deutsche Bahn AG  auch \u201eeine besondere Wertsch\u00e4tzung\nder Nation\u201c gegen\u00fcber den Soldaten zum Ausdruck br\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nDiese\n\u201eWertsch\u00e4tzung der Nation\u201c gegen\u00fcber dem deutschen Militarismus\n sieht aus wie folgt: Laut einer im Sommer 2019 getroffenen\nVereinbarung zwischen der Bundesregierung, dem\nBundesverteidigungsministerium und der Deutschen Bahn AG zahlt die\nBundeswehr als Gegenleistung f\u00fcr die Freifahrt aller Soldatinnen und\nSoldaten der DB AG einen pauschalen Betrag von 4 Millionen Euro\nj\u00e4hrlich. Dies entspricht umgerechnet auf die Zahl der offiziell\n183.687 aktiven Bundeswehrangeh\u00f6rigen einem Pauschalpreis f\u00fcr diese\n\u201eBundeswehr-BahnCard100\u201c von 21,78 Euro pro Person und Jahr. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nregul\u00e4re BahnCard 100 kostet in der 2. Klasse nach der aktuellen\nPreissenkung 3952 Euro. Damit kostet eine \u201eBundeswehr-BC100\u201c 0,55\nProzent des offiziellen Preises einer BC100 (2. Klasse). Oder auch:\nDie \u201eWertsch\u00e4tzung\u201c, die die Deutsche Bahn damit der Bundeswehr\nerbringt, kostet den Bahnkonzern nominell 725.931.024 Euro abz\u00fcglich\nder 4 Millionen Euro oder rund 720 Millionen Euro. Und dies ab 2020\nJahr f\u00fcr Jahr. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nUm\ndie Relationen zu verdeutlichen zwei Vergleiche: (1) Die\nFernverkehrstochter der Deutschen Bahn hat aktuell einen Jahresumsatz\nvon rund 5 Milliarden Euro. Das Geschenk, das die DB der Bundeswehr\ngew\u00e4hrt, entspricht damit 15 Prozent des Jahresumsatzes von DB\nFernverkehr. (2) Es gibt insgesamt nur 55.000 BahnCard100 (1.und 2.\nKlasse bereits addiert). Die Zahl ist so klein, weil die DB f\u00fcr\ndiese Netzkarten sehr hohe Preise verlangt (3952 Euro in der 2.\nKlasse und 6685 Euro in der 1. Klasse). Faktisch gibt es nun seit dem\n1. Januar 2020 knapp 250.000 BC100, wobei jedoch fast drei Viertel\nvon ihnen Geschenk-BC100 sind.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Bahnreform 1994 wurde unter anderem damit begr\u00fcndet, dass die Bahn sich am Markt und nicht an der Politik zu orientieren habe. Tats\u00e4chlich ist das <em>Gegenteil<\/em> der Fall. Die Deutsche Bahn ist so politisch, wie es seit Ende des Zweiten Weltkriegs keine Eisenbahn in Deutschland je war. Da erhalten Politiker ohne jegliche Eisenbahnerfahrung Top-Jobs im Bahnkonzern. Siehe <em>Ronald Pofalla<\/em>, der f\u00fcr seine Dienste als langj\u00e4hriger Haussklave von Kanzlerin Merkel 2016 mit einem Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn AG belohnt wurde. Da werden gigantische Summen an Bahngeldern daf\u00fcr ausgegeben, um Bahnkapazit\u00e4ten abzubauen und die Immobilienspekulation anzuheizen. Siehe das Gro\u00dfprojekt <em>Stuttgart 21<\/em>, bei dem mehr als zehn Milliarden Euro daf\u00fcr eingesetzt werden, einen gut funktionierenden Kopfbahnhof mit 16 Gleisen in den Untergrund zu verlegen und auf acht  Durchfahrgleise zu reduzieren. Da wird die Deutsche Bahn AG in den Dienst der Militarisierung der Gesellschaft gestellt. Siehe die erw\u00e4hnte olivgr\u00fcne BahnCard 100.  <\/p>\n\n\n\n<p>\nSiehe\naber auch \u2013 und das ist ein nochmals gr\u00f6\u00dferer Skandal \u2013 die\n<em>Beteiligung der Deutschen\nBahn am aktuellen Gro\u00dfman\u00f6ver der Nato \u201eDefender 2020\u201c<\/em>.\nIm Rahmen dieses Gro\u00dfman\u00f6vers werden fast 40.000 Soldatinnen und\nSoldaten, darunter gro\u00dfe Verb\u00e4nde aus den USA und Einheiten der\nBundeswehr, \u201edurch 10 L\u00e4nder gen Osten fahren\u201c \u2013 so eine \nVerlautbarung der Bundeswehr. Weiter in diesem O-Ton: \u201eDer\nHauptverlegezeitraum\u201c dieser Einheiten an die russische Grenze\n\u201ereicht von Februar bis in den Mai 2020\u201c. Das Man\u00f6ver beginnt\nalso, wenn wir an die Befreiung der \u00dcberlebenden des\nNS-Vernichtungslagers Auschwitz gedenken. Und es endet, wenn wir an\ndas Ende des Zweiten Weltkriegs, der ma\u00dfgeblich ein\nVernichtungskrieg gegen die Sowjetunion war und der insbesondere in\nRussland, Wei\u00dfrussland und der Ukraine Millionen Tote gefordert hat,\nerinnern.<\/p>\n\n\n\n<p> <strong>PS:<\/strong> Zu der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit einer Bundeswehr-BahnCard100 wird ein Bahnkonzern gezwungen, der gegen\u00fcber den eigenen Besch\u00e4ftigten immer knausriger wird, was die Bahnfreifahrten betrifft. Sie wird Leuten gew\u00e4hrt, die als Berufssoldaten f\u00fcr ihren \u201eJob\u201c gut bezahlt werden. Keine im Bundestag vertretene Partei hat es gewagt, dieses gewaltige, mit Steuern und letzten Endes auch mit Bahnfahrpreiserh\u00f6hungen bezahlte Geschenk zu kritisieren. Oder wenigstens einzufordern, dass dann analog die Hunderttausende ehrenamtlich T\u00e4tigen in unserem Land solche Bahnnetzkarten erhalten sollten: Zu nennen w\u00e4ren u.a. Feuerwehrleute, Mitarbeitende des Technischen Hilfswerks, der Bergwacht und insbesondere die Menschen, die sich im Mittelmeer auf Rettungsschiffen und im Land ehrenamtlich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge bzw. Gefl\u00fcchtete engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p> <strong>PPS:<\/strong> Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass kreative Start-ups entstehen, die verbunden mit dezentem Hinweis auf die gro\u00dfz\u00fcgigen Deutsche Bahn AG-Bestimmungen \u00fcber Freifahrten in Uniform schicke Bundeswehr-Kleidung (Tarnfarben, Ausgehuniformen; mit und ohne Orden; unterschiedliche Rangabzeichen etc.) zu g\u00fcnstigen Preisen via Internet anbieten. Das soll ja in B\u00e4lde m\u00f6glich sein mittels 3D-Druckern \u201eunter Verwendung unterschiedlicher Materialien und in Kombination mit einem dehnbaren, biologisch abbaubarem Gewebe\u201c (siehe: <a href=\"https:\/\/www.3d-grenzenlos.de\/magazin\/thema\/kleidung-3d-drucker\/)\">https:\/\/www.3d-grenzenlos.de\/magazin\/thema\/kleidung-3d-drucker\/)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine olivgr\u00fcne BahnCard 100 und Schienentransporte von Panzern und Bundeswehreinheiten an die russische Grenze \u2013 p\u00fcnktlich zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels beklagt in seinem am 28. Januar 2020 vorgelegten Jahresbericht eine unzureichende Ausstattung der Bundeswehr. 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