{"id":751,"date":"2018-08-21T17:47:07","date_gmt":"2018-08-21T15:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/winfriedwolf.de\/?p=751"},"modified":"2020-03-21T18:14:31","modified_gmt":"2020-03-21T17:14:31","slug":"stoppt-die-hochruestung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winfriedwolf.de\/?p=751","title":{"rendered":"Stoppt die Hochr\u00fcstung!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Neue\nKriegsdynamik, alte Forderungen am Antikriegstag und Kriege aus\nKapitallogik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor hundert Jahren, am 11.\nNovember 1918, unterzeichnete eine deutsche Vertretung im Wald von\nCompi\u00e8gne die Kapitulation. Damit endete der Erste Weltkrieg und mit\nihm der Versuch der deutschen Regierung \u2013 unterst\u00fctzt von den\nKonzernen und Banken dieser L\u00e4nder \u2013, mittels Krieg die\nVorherrschaft in Europa zu erzwingen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Vor neunundsiebzig Jahren,\nam 1. September 1939, begann mit dem deutschen \u00dcberfall auf Polen\nder Zweite Weltkrieg. Die deutsche Regierung, nunmehr im Verbund mit\ndem faschistischen Italien und mit dem militaristischen Japan und\nerneut massiv unterst\u00fctzt von den deutschen Konzernen und Banken,\nwollte mittels Krieg eine weltweite Vorherrschaft durchsetzen. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die aktuellen Verh\u00e4ltnisse\nscheinen komplex. Es gibt eine Art \u201ewestliche Holding der\nHochr\u00fcster und Kriegstreiber\u201c, die NATO, die ihre Gegner in\nRussland und China sieht. Gleichzeitig kommt es unter dem Dach dieser\nHolding zu Streit und Differenzierung: Trump fordert \u201eAmerica\nfirst!\u201c. In der EU wiederum gibt es Gel\u00fcste, mittels eigener\nHochr\u00fcstung zur eigenst\u00e4ndigen Milit\u00e4rmacht aufzusteigen, um im\nSchatten eines drohenden milit\u00e4rischen Schlagabtauschs zwischen den\nUSA und China selbst Gro\u00dfmachtambitionen umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen drei\nKonstellationen \u2013 Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und aktuelle\nKonfrontation (wobei man letztere als bedrohlichen Vorlauf auf einen \nDritten Weltkrieg interpretieren muss) \u2013 gibt es &lt;I&gt;<em>zwei\nKontinuit\u00e4ten<\/em>&lt;I&gt;. Diejenige\nhinsichtlich der Ursachen f\u00fcr R\u00fcstung und Kriege. Und diejenige in\nBezug auf die Leidtragenden von R\u00fcstung und Kriegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE URSACHEN<\/strong>\nDie gro\u00dfen Kriege im Kapitalismus waren vor allem eine Fortsetzung\nkapitalistischer Konkurrenz \u2013 geplant meist von derjenigen\nWirtschaftsmacht, die glaubte, mit \u201efriedlicher\u201c Konkurrenz ihren\nExpansionsdrang nicht (mehr) befriedigen zu k\u00f6nnen. Das traf im 18.\nJahrhundert auf England zu (englisch-niederl\u00e4ndische Kriege). Das\ntraf im 20. Jahrhundert auf Deutschland zu (zwei Weltkriege). Das\ntrifft heute auf die USA zu. Trump setzt auf Handelskrieg. Teilweise\nauch gerichtet gegen westliche Staaten (EU; T\u00fcrkei). Sodann gegen\nRussland (\u201eSanktionen\u201c). Vor allem gezielt gegen China. Und warum\nChina? Ganz einfach: Weil dieses Land seit knapp einem Jahrzehnt\nneuer Exportweltmeister ist. Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron\nbilanzierte durchaus zutreffend: \u201e\u00d6konomischer Nationalismus f\u00fchrt\nzu Krieg. Das ist genau das, was in den 1930er Jahren passierte!\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diese entscheidende\nUrsache f\u00fcr Krieg im Kapitalismus wird erg\u00e4nzt um die <em>innere\nDynamik der R\u00fcstungsindustrie<\/em>, inzwischen\ndes milit\u00e4risch-industriellen Komplexes. Mit bis zu zwei Billionen\nUS-Dollar Umsatz und mehr als f\u00fcnf Millionen Besch\u00e4ftigten direkt\n(und weiteren gut f\u00fcnf Millionen \u201eBesch\u00e4ftigten\u201c in den Armeen)\nist dieser Industriezweig m\u00e4chtiger als die Autobranche. W\u00e4hrend\ndie Autoindustrie von Krisentendenzen gepr\u00e4gt ist, boomt die\nR\u00fcstung. Die USA erh\u00f6hen ihre R\u00fcstungsausgaben zwischen 2016 und\n2018 um mehr als 25 Prozent. Die deutschen R\u00fcstungsausgaben\nsteigerten sich 2017 und 2018 um rund 15\nProzent. Saudi Arabien stieg 2017 \u2013 hinter den USA und China \u2013\nzum Land mit den dritth\u00f6chsten R\u00fcstungsausgaben auf. Die\n&lt;I&gt;<em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em>&lt;I&gt;\nstellte fest: \u201eDie Staaten des Nahen Ostens sind in einen\nregelrechten R\u00fcstungswettlauf eingestiegen.\u201c W\u00e4hrend des\nNATO-Gipfels in Br\u00fcssel schnellten die Aktienkurse der\nR\u00fcstungskonzerne Lockheed Martin (USA), Boeing (USA), Rheinmetall\n(Deutschland), Airbus (Deutschland-Frankreich), BAE System\n(Gro\u00dfbritannien), Thales (Frankreich), Leonardo (Italien) f\u00f6rmlich\nnach oben. Die &lt;I&gt;Frankfurter Allgemeine Zeitung&lt;I&gt;\nfrohlockte: \u201eDie Aktien der R\u00fcstungsunternehmen liegen derzeit\nhoch in der Gunst der Anleger. Das ist dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten\nzu verdanken.\u201c (14.7.2018).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE LEIDTRAGENDEN<\/strong>\nR\u00fcstung ist immer ein Abzug von gesellschaftlichen Ressourcen. Die\nf\u00fcr Waffen und Armee eingesetzten Gelder fehlen bei Bildung, Kultur,\nKindertagesst\u00e4tten, Universit\u00e4ten, Krankenh\u00e4usern, Umwelt- und\nKlimapolitik usw. Hochr\u00fcstung hei\u00dft: noch weniger Geld f\u00fcr\nMenschen, St\u00e4dte, Kultur und Klima. Die R\u00fcstungsexporte\n\u201eproduzieren\u201c die aktuellen Kriege. Es gibt einen direkten,\nbelegten Zusammenhang zwischen den weltweiten Fluchtbewegungen und\nder Kriege, die mit diesen Exporten \u201ebefeuert\u201c werden. Die\nweltweiten R\u00fcstungsexporte reduzierten sich in den 1990er Jahren.\nDamals stagnierte die Zahl der weltweit registrierten Fl\u00fcchtlinge;\n1995 bis 2004 sank sie sogar auf weniger als 20 Millionen. Seit 2005\nsteigen die weltweiten R\u00fcstungsexporte deutlich. Die Zahl der\nFl\u00fcchtlinge schnellte hoch \u2013 auf derzeit mehr als 65 Millionen.\nDie aktuellen deutschen R\u00fcstungsexporte \u2013 z.B. nach Saudi Arabien\nund in die VAR zur \u201eBefeuerung\u201c des Kriegs im Jemen \u2013 werden in\nweiteren Hunderttausenden Fl\u00fcchtlingen resultieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich gibt es\ndie direkten Kriegsopfer. Der Erste Weltkrieg hatte 17 Millionen Tote\nund mehr als 100 Millionen Schwerverletzte als Ergebnis. Die Bilanz\ndes Zweiten Weltkriegs waren 70 Millionen Tote, einige hundert\nMillionen Schwerverletzte, gro\u00dfe Landstriche und hunderte St\u00e4dte in\nSchutt und Asche und der vom deutschen Regime zu verantwortende\nV\u00f6lkermord an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung und an Sinti und Roma.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mahnung \u201eNie\nwieder!\u201c ist so aktuell wie selten zuvor. Die Forderungen am\nAntikriegstag lauten: Abr\u00fcsten \u2013 stoppt das Hochr\u00fcsten! Stopp f\u00fcr\nalle R\u00fcstungsexporte! Konversion der R\u00fcstungsindustrie!\n\u201eHochger\u00fcstet\u201c werden muss bei den Ausgaben f\u00fcr Kultur, Kinder,\nKlima und Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst in <strong>Zeitung gegen den Krieg Nr. 43<\/strong>, August 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Kriegsdynamik, alte Forderungen am Antikriegstag und Kriege aus Kapitallogik Vor hundert Jahren, am 11. November 1918, unterzeichnete eine deutsche Vertretung im Wald von Compi\u00e8gne die Kapitulation. 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